Iditarod: Die Wahrheit über das brutale Schlittenhunderennen

Einmal im Jahr im März findet in der Wildnis Alaskas das Iditarod-Hundeschlittenrennen statt. Die Fahrer der Hundeschlitten, genannt „Musher“, werden von einer Gruppe aus bis zu 16 Hunden gezogen. Die Route zwischen Anchorage und Nome variiert von Jahr zu Jahr etwas, doch inoffiziell ist die Länge der Strecke auf 1.049 Meilen, also knapp 1.700 km, festgelegt.

Dieses grausame Rennen wird seit Jahren immer wieder zur Todesfalle für Hunde. Dass der Tod eines Hundes keine Seltenheit ist, zeigt die Regel 42 des offiziellen Iditarod-Regelwerkes: Darin wird offen zugegeben, dass einige Todesfälle wohl „unvermeidbar“ seien. [1]

2019 machte eine bahnbrechende Ermittlung das gesamte Ausmaß dieses Tierleids sichtbar. Ein Augenzeuge von PETA USA arbeitete in der Hundeschlittenindustrie und zeigte: Schmerzende Verletzungen blieben unbehandelt, Hunde waren dauerhaft angekettet und hatten keinen geeigneten Unterschlupf, und völlig dehydrierte Hunde mussten Hnderte Kilometer zurücklegen.

Todesfälle beim Iditarod sind keine Seltenheit

  • Seit 2004 starben mindestens 150 im Iditarod eingesetzte Hunde. Im Jahr 2015 starben die Hunde Stiffy und Wyatt auf der Strecke; ein Hund namens Stuart lief davon und wurde von einem Auto überfahren.
  • Unzählige Hunde werden verletzt – zum Beispiel einige Hunde des Mushers Yuka Honda, der in einen Schlitten krachte und dann von einem anderen überfahren wurde; und Laura, eine fünfjährige Hündin, die Berichten zufolge quasi „blind“ war und oft „verwirrt“ wirkte. [2, 3] Trotzdem ließ der Musher Kelly Maixner sie antreten.
  • Im März 2020 wurden über 220 Hunde aus dem Rennen genommen, weil sie völlig erschöpft, krank oder verletzt waren.

Eiskalte Winde, Temperaturen unter Null und Schneestürme

Die im Iditarod eingesetzten Hunde müssen bis zu 160 Kilometer am Tag laufen. Sie durchqueren eiskalte Winde, Temperaturen unter null, trügerische Eisflächen und Schneestürme, in denen sie kaum etwas sehen. Einige Hunde tragen zwar Schneeschuhe, doch trotzdem erleiden viele Hunde Schnitte, Blutergüsse und Abschürfungen, wenn sie über die lange Strecke auf gefrorenem Boden laufen.

Dem offiziellen Iditarod-Regelwerk zufolge müssen den Hunden nur insgesamt 40 Stunden Ruhe gewährt werden – obwohl das gesamte Rennen bis zu zwei Wochen lang dauern kann. [1] Die meisten Bundesstaaten der USA verfügen über Gesetze, die eine Überarbeitung oder Überlastung von Tieren verbieten – nicht so Alaska.

Und auch abseits der Strecke leiden die Hunde. Der Großteil der in Schlittenrennen eingesetzten Tiere wird an der Kette gehalten. Diesen Hunden steht meist nur ein umgedrehtes Fass oder eine heruntergekommene Hütte zum Schutz zur Verfügung. Hunde, die nicht die besten Läufer sind, werden häufig wie fehlerhafte Ausrüstung behandelt. Solche Hunde wurden in der Vergangenheit geschlagen, erschossen, ausgesetzt oder in eh schon überfüllten Tierheimen abgegeben.

© CCI Entertainment Ltd

Hungernde Hunde angekettet in eisiger Kälte

Die Betreiber der Zwingeranlagen, auch Kennels genannt, haben oft bereits selbst am Iditarod teilgenommen und teils beträchtliche Siegerprämien eingestrichen. Doch bei den Hunden kommt davon offensichtlich nichts an. In einem Kennel hatten die angeketteten Tiere bei kalten Winden von bis zu -28 °C nichts als heruntergekommene und nicht isolierte Boxen als Schutz. Einige dieser „Hütten“ waren sogar schon völlig zusammengebrochen. Als Nahrung dienten meist verrottete und teils schimmlige Fleischabfälle.

Im Training bekamen die Hunde kein Wasser – selbst wenn sie weite Strecken zurücklegen mussten. Doch auch außerhalb des Trainings hatten sie kein frisches Wasser zur Verfügung. Ihre einzige Wasserquelle war der oft völlig vergammelte „Fleischeintopf“. Bei vielen Hunden standen Rippen und Hüftknochen deutlich hervor – trotz ihres dicken Felles.

Ehemalige „Champions“ ihrem Leid überlassen

Eine Hündin in diesem Kennel, die bereits im Iditarod „gewonnen“ hatte, war Snickers. Zum Zeitpunkt der Recherche war sie elf Jahre alt und litt unter chronischer Arthritis. Doch anstatt Snickers zu einer Tierarztpraxis zu bringen und sie behandeln zu lassen, kettete der Betreiber sie einfach in der Eiseskälte an. Sie hatte keinerlei Unterschlupf, bis PETAs Augenzeuge ihr einen baute. Dem Betreiber zufolge litt sie schon seit Jahren unter Arthritis (selbst zu Rennzeiten) und habe große Schmerzen. Er sagte, er wolle sie erlösen – indem er sie erschießt.

Auch die Hündin Birch lebte in diesem Kennel. Schon als Welpe hatte sie eine extrem schmerzhafte Rückenmarksverletzung erlitten. Seither konnte sie sich kaum noch fortbewegen und hatte schon zu kämpfen, um überhaupt in ihren Unterschlupf und wieder heraus zu kommen. Auch sie wurde keinem Tierarzt oder Tierärztin vorgestellt, sondern einfach angekettet. Immer wieder bat der Augenzeuge, sie adoptieren oder medizinisch versorgen lassen zu dürfen – doch die Betreiber hatten Angst davor, was die Leute beim Anblick der Hündin denken würden.

Gewaltsames Training

Die Liste an Tierquälerei lässt sich beliebig fortsetzen: So zerrte der Musher Baker eine Hündin, die mit anderen an einem Jeep festgebunden war, sich verheddert hatte und hinfiel, einfach mit. Das würde ihr eine Lehre sein, so seine Begründung. Denn die Hündin war zu langsam geworden und hatte sich deshalb verheddert. Auch in einem anderen Fall wies er an, nicht auf einen Hund, der sich erleichtern wollte, zu warten. Lieber solle man ihn überfahren – „besser ein toter Hund“ als ein „Hund, der das Team aufhält.“

In einem anderen Kennel sah der Missbrauch ähnlich aus: Hunde waren dauerhaft angekettet und hatten offene Fußballen. Trotzdem mussten sie den Schlitten ziehen. Sie wurden geschlagen, damit sie sich richtig aufstellten. Ein Hund wurde am Schlitten in seinem Geschirr zu Tode gezerrt. Schwere Verletzungen wurden meist überhaupt nicht oder unzureichend behandelt. Die Verantwortlichen – teils ebenfalls Teilnehmer des Iditarod – sprachen offen darüber, welche schweren Verletzungen die Tiere bei dem Rennen davontrugen und welch große Schmerzen sie wohl hätten.

Nach PETA-Protesten: Erste Sponsoren verabschieden sich von Iditarod

Seit Jahren übt PETA USA Druck auf die Sponsoren des grausamen Hunderennens aus, damit sie diese Tierquälerei nicht weiter fördern. Eine internationale Kampagne, zahlreiche Proteste und die Unterstützung unzähliger Tierfreund:innen zeigt Erfolge: So verabschiedete sich 2019 Coca-Cola als Sponsor des Rennens. Im Januar 2021 kündigte auch ExxonMobil an, das Rennen ab 2022 nicht weiter zu unterstützen. [4] Dieser Entscheidung gingen viele Proteste, Plakatierungen und eine Online-Petition voraus. Auch wir von PETA Deutschland verliehen der Kampagne mit einer Petition mit rund 15.000 Unterschriften und einer Demo vor dem Gebäude der Europazentrale in Hamburg Nachdruck.

Wir werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass das grausame Hundeschlittenrennen nicht mehr gefördert wird und das Leid der Hunde endlich beendet wird. So beteiligten wir uns mit Demos und Online-Protesten an der weltweiten Kampagne gegen die Hotelkette Millennium Hotels and Resorts, einer der letzten großen Sponsoren des Rennens.

Was Sie tun können

  • Bitte besuchen Sie niemals ein Hundeschlittenrennen, weder im Ausland noch in Deutschland
  • Wenn Sie sehen, dass ein Tier schlecht gehalten oder gequält wird, werden Sie aktiv und melden Sie sich bei uns.