Listenhunde: Warum es keine „gefährlichen Kampfhunde“ gibt

Unter den Begriffen Listenhunde und Kampfhunde werden bestimmte Hunderassen zusammengefasst, die aufgrund spezifischer Merkmale von den meisten Bundesländern als potenziell gefährlich eingestuft werden; dazu gehören in vielen Bundesländern „Rassen“ wie Rottweiler, Dobermann sowie verschiedene Doggen- und Terrierarten. Eine solche pauschale Klassifizierung ist unter biologischen Gesichtspunkten jedoch nicht sinnvoll, denn grundsätzlich kann jeder Hund gegenüber Menschen oder Artgenossen aggressiv werden und zubeißen, [1] meist aufgrund eines menschlichen Fehlers. Ein Beleg dafür sind Beißstatistiken, die nicht von den sogenannten Kampfhunden angeführt werden. [2] Dennoch werden bestimmte Hunde, sogenannte Listenhunde, aufgrund ihrer optischen Erscheinung besonders häufig Opfer von Missbrauch durch ihre Halter. So halten noch immer dubiose Menschen oder kriminelle Kreise gewisse Vierbeiner als Statussymbol. Viele dieser Tiere leiden ein Leben lang.

kupierte Hundewelpen
Diesen Welpen wurden bereits mit drei Tagen die Schwänze teilamputiert.

Die traurige Herkunft der sogenannten Kampfhunde

Der Begriff Kampfhund lässt sich ursprünglich auf Tiere zurückführen, die in Tierkämpfen zur Unterhaltung eingesetzt wurden. Damit sich die Hunde gegen ihren Gegner – Hunde oder andere große Tiere wie Bullen – behaupten konnten, züchtete der Mensch ihnen spezielle Eigenschaften an und unterzog sie einer grauenvollen Ausbildung, um sie aggressiver zu machen. Das Zusammenspiel von kräftigem Körperbau und stabilem Gebiss führte zu brutalen und blutigen Kämpfen. [3] Obwohl Hundekämpfe in Deutschland eigentlich verboten sind, finden auch hierzulande noch immer Hundekämpfe im Verborgenen statt. Immer wieder erreichen PETA Meldungen von qualvollen Hundekämpfen oder tierquälerischer Haltung über das Whistleblower-Formular.

angekettete Bulldogge
Hunde leiden zweifellos unter einer Haltung an der „Kette“ oder im Zwinger.

Darum ist die Kategorisierung „Kampfhunde“ falsch

Das Aggressionspotenzial eines Hundes hängt meist von äußeren Einflüssen wie der Erziehung, bisherigen Erfahrungen und Haltung zusammen und ist nur individuell zu beurteilen. [4]

Auch werden gelistete Rassen nicht häufiger auffällig als vermeintlich harmlose Hunderassen: Die Beißstatistik des Bundeslands Hessen zeigt, dass zwischen 2016 und 2017 nur rund zehn Prozent der 300 Hunde, die mit Angriffen gegenüber Menschen in die Statistik eingingen, sogenannte Listenhunde waren. [5] Wieder zeigt sich: Das Verhalten eines Hundes lässt sich nicht auf die Zugehörigkeit einer Rasse zurückführen. Aggressivität bei Hunden ist nicht angeboren, sondern wird von verantwortungslosen Tierhaltern anerzogen und teils trainiert. [6]

Auch Studien belegen, dass Listenhunde nicht aggressiver reagieren als andere Tiere: Es gibt keine Hunderasse, die statistisch mehr beißt als andere. [7] Alle Hundehalter – auch die vermeintlich harmloser Rassen oder von Mischlingen – stehen in der Pflicht, ihren Vierbeiner verantwortungsvoll zu erziehen und zu gewährleisten, dass der Hund nicht zur Gefahr für andere wird. [3] Besonders fragwürdig erscheint die Einteilung der Hunderassen vor dem Hintergrund, dass in den verschiedenen Bundesländern teilweise unterschiedliche Rassen als „Kampfhunde“ gelistet sind: Nur weil ein Hund in einem Bundesland als potenziell gefährlich eingestuft wird, gilt das nicht automatisch für alle anderen Regionen Deutschlands.

schlafender Hund
Ein „Kampfhund“ ist bei richtigem Umgang genau so friedlich wie jeder andere Hund.

Staffordshire Terrier und Co. von Kriminellen oft als Statussymbol missbraucht

Mit ihrer massigen, genetisch bedingten Erscheinung und ihrem kräftigen Körperbau sind bestimmte Hunderassen in kriminellen Kreisen dennoch besonders beliebt: Dubiose Menschen nutzen die teilweise entsprechend konditionierten Tiere als Statussymbol, zur Einschüchterung oder sogar als Waffe. Mit speziell trainierten Hunden verdienen Züchter und Halter viel Geld. Das Leid der Tiere gerät hierbei oftmals in den Hintergrund. [8]

Gesetze und Zuchtverbote zum Schutz der Hunde sind sinnvoll

Sogenannte Kampfhunde kommen in den meisten Fällen aus der Zucht, oftmals auch aus dem osteuropäischen Ausland. Für die Züchter stehen nicht die Bedürfnisse der Lebewesen im Vordergrund, sondern der Profit. Immer wieder konnten wir von PETA Deutschland in der Vergangenheit katastrophale Haltungs- und Lebensbedingungen bei Züchtern aufdecken: Weibliche Tiere werden als Gebärmaschinen missbraucht, Welpen zu früh ihren Müttern entrissen und langen Transportwegen ausgesetzt.

Über 350.000 Lebewesen warten allein in deutschen Tierheimen auf ein liebevolles Zuhause. [9] Solange Tierheime so überfüllt sind, sollten keine neuen Hunde mehr gezüchtet werden – und schon gar nicht diejenigen Tiere, die nur wegen ihrer Rassenzugehörigkeit besonders oft Missbrauch und Misshandlung ausgesetzt sind: Die Konsequenzen sind für sie häufig entzündete Wunden, die nicht behandelt werden, mit Blut und Eiter angeschwollene Augen, gebrochene oder abgerissene Gliedmaßen und Ohren, die in „Heimarbeit“ kupiert werden – alles Zustände, die Tierschützer tagtäglich zu sehen bekommen. Ein Hundeführerschein kann zu einem besseren Verständnis zwischen Hund und Halter beitragen und sicherstellen, dass alle Hundehalter sachkundig mit ihrem Tier umgehen, die Körpersprache ihres Hundes richtig interpretieren und in gefährlichen Situationen erfolgreich eingreifen können. Ganz egal, welcher Rasse der Vierbeiner angehört.

Hundetraining mit Rottweiler
Ein angst- und gewaltfrei erzogener Hund ist im Alltag deutlich entspannter.

Was Sie tun können

  • Bitte lassen Sie Ihre tierischen Mitbewohner kastrieren, um den überfüllten Tierheimen entgegenzuwirken.
  • Wenn Sie auf der Suche nach einem neuen tierischen Mitbewohner sind, sollten lokale Tierheime oder Tierschutzvereine Ihre erste Anlaufstelle sein. Dort warten unzählige junge und alte Tiere mit den verschiedensten Charaktereigenschaften auf ein neues Zuhause.
  • Sollten Sie Zeuge von illegalen Hundekämpfen werden, informieren Sie die Polizei! Wenn Sie Tierquälerei beobachten, können Sie uns über unser Whistleblower-Formular kontaktieren.