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Tierbabys im Zoo: Verstoßene Tierkinder und Handaufzuchten

Es ist ein offenes Geheimnis: Tierbabys locken Besucher:innen zu Zoos. Vor allem wenn beliebte Tierarten Nachwuchs haben, strömen Menschenmassen in zoologische Einrichtungen – und auch das mediale Interesse ist meist groß.

Befürworter:innen von Zoos behaupten gerne, dass die Situation der eingesperrten Tiere unproblematisch sei. Die Tiere würden von ihrem Leben im Zoo sogar profitieren, da sie beispielsweise Stress durch Beutegreifer oder Nahrungsmangel nicht kennen und immer medizinisch versorgt werden. Doch trotz der angeblich guten Lebensbedingungen kommt es immer wieder vor, dass Tiere in Zoos ihren Nachwuchs kurz nach der Geburt verstoßen und Zoowärter:innen die Babys von Hand aufziehen. Erfahren Sie hier mehr über die Hintergründe dieser traurigen Vorfälle.

Ressourcenmangel und gesundheitliche Probleme: Warum verstoßen Wildtiere ihre Babys?

Tiere verstoßen ihre Neugeborenen aus verschiedenen Gründen, unter anderem aus folgenden Motiven:

  • gesundheitliche Probleme
  • geringe Überlebenschancen für mehrere/alle Jungtiere
  • wenn die Mutter als Kind selbst schlecht versorgt wurde
  • wenn die Tiere nicht fähig sind, natürliche Verhaltensweisen zu zeigen
  • ein gestörter Geburtsverlauf, etwa durch Eingriff des Menschen.

Dass Mütter ihre Babys unmittelbar oder kurz nach der Geburt ablehnen, kommt sowohl bei Tieren vor, die in der Natur leben, als auch bei jenen, die in Gefangenschaft gehalten werden. [1] Die Gründe können sich allerdings in wesentlichen Punkten unterscheiden. Unter harten Umweltbedingungen kann es beispielsweise für Wildtiere durchaus sinnvoll sein, nur den „stärksten“ Nachwuchs großzuziehen. Viele Großsäuger wie der Große Panda verstoßen etwa ihr Zweitgeborenes, weil sie sich nur um ein Kind angemessen kümmern können. Ist eines der Neugeborenen krank oder schwach, vernachlässigen sie es instinktiv, um ihre Ressourcen für das Baby mit den größeren Überlebenschancen aufzuwenden. [2]

Pandababy im Gehege
Einige Tiere verstoßen ihren Nachwuchs, darunter der Große Panda.

Warum verstoßen so viele Tiermütter ihre Babys in Gefangenschaft?

Nun könnte man meinen, dass sich Zoos gut um die Tiere kümmern – Nahrung und medizinische Versorgung sind ja vorhanden. Dennoch ist es ein tragischer Trend, dass Säugetiere in Zoos ihre Babys verstoßen. [3] Kein Zoo der Welt kann Wildtieren wie Tigern, Orang-Utans oder Elefanten auch nur annähernd artgerechte Lebensverhältnisse bieten. Die Größe der Gehege entspricht meist nur einem winzigen Bruchteil ihres Reviers in der Natur, natürliche Bedürfnisse werden ignoriert, und für die Tiere wichtige Sozialstrukturen können oftmals nicht aufgebaut werden. Diese Bedingungen führen dazu, dass Tiere in Zoogefangenschaft großem seelischen Leid ausgesetzt sind und Mütter ihre Babys häufig verstoßen oder töten.

Verstoßene Tierbabys sind ein zoospezifisches Problem

In Zoos, Tierparks und Großaquarien kann sich das Verhalten der eingesperrten Tiere bereits innerhalb weniger Generationen verändern – dazu gehört auch die Fähigkeit, den eigenen Nachwuchs großzuziehen. In Gefangenschaft können die Tiere den Aufzuchtprozess teilweise nicht im Familien- oder Sozialverband miterleben und sind mit der Elternschaft daher nicht vertraut. [3]

Auch aufgrund der menschlichen Nähe und des Eingreifens des Menschen in den Geburtsvorgang verstoßen gefangene Wildtiere ihre Babys oft [2] – dies trifft beispielsweise auf Orcas, Delfine und Orang-Utans zu. Eine Befragung von US-amerikanischen Zoos zu den Umständen, unter denen Giraffenbabys von ihren Müttern verstoßen wurden, ergab die Anwesenheit von Menschen als häufig angeführte Ursache. [1]

Die Haltung in Zoos ist in keiner Weise mit den Bedürfnissen von Tieren vereinbar. Zoos fördern Tierleid und tragen nicht zum Artenschutz bei, denn viele in Gefangenschaft geborene Wildtierarten können verhaltensbedingt nicht in ihrem natürlichen Lebensraum ausgewildert werden.

  • Katta verstößt Babys in Freizeitpark in Sondershausen

    Im „Affenwald Straußberg“ werden Primaten in begehbaren Tiergehegen gehalten, in denen der Kontakt zu Besucher:innen enormen Stress für die Tiere darstellen kann. Im April 2022 brachten in dem Freizeitpark gleich zwei Katta-Damen zeitnah Zwillinge zur Welt. Doch eine der beiden Mütter verstieß ihre Babys kurz nach der Geburt. Ihre Aufzucht übernahm zunächst die andere Affendame. Kurz darauf begann ein weiteres Tier, sich um eines der Tierkinder zu kümmern – da sie jedoch keine Milch für das Jungtier hatte, wurde es immer schwächer. Daraufhin entschloss sich das Personal zur Handaufzucht eines und schließlich auch des anderen Affenbabys. Dennoch starb eines der Tierkinder in der Nacht, das verbliebene wurde der Adoptivmutter erneut übergeben. [4]

  • Löwenmutter Kigali tötet ihre Babys

    Im Leipziger Zoo kam es 2019 zu einem traurigen Vorfall: Die Löwin Kigali tötete ihre beiden Babys nur wenige Tage nach der Geburt und aß ihre Körper anschließend auf. [5]

  • Orang-Utan-Mutter Djasinga verstößt Baby in Berliner Zoo

    Anfang 2015 verstieß Orang-Utan-Dame Djasinga im Berliner Zoo ihr Neugeborenes, das daraufhin vom Zoopersonal aufgezogen wurde. [6] Das Verhalten ist nicht verwunderlich, denn Djasinga selbst war unter unhaltbaren Bedingungen im Dresdner Zoo aufgewachsen, wo die Zoowärter:innen damals noch den direkten Kontakt zu Orang-Utans erzwangen und die Tiere beispielsweise auf dem Arm umhertrugen. Sie wurde mit gerade einmal fünf Jahren von ihrer Mutter getrennt und an den Berliner Zoo abgegeben. [7]

  • Lippenbärin Khali isst Babys nach der Geburt

    Im US-amerikanischen Smithsonian’s National Zoo tötete die Bärin Khali 2014 ihr Baby kurz nach der Geburt, während sie mit weiterem Nachwuchs in den Wehen lag. Anstatt das Junge zu säubern, aß sie es auf. Wenige Tage später verstieß sie ein weiteres Baby. Die Zooverantwortlichen entschieden, in den natürlichen Verlauf einzugreifen und der Mutter das letzte verbliebene Bärenkind wegzunehmen – sofern die Geburt und Aufzucht von Wildtieren in Gefangenschaft überhaupt als natürlich bezeichnet werden kann. Als Ursache für das Verhalten der Bärenmutter nannten sie eine mögliche Infektion der Bären. [8]

Problematische Handaufzuchten in Zoos

Wenn Tiernachwuchs von der Mutter nicht angenommen oder nicht ausreichend versorgt wird, greift das Zoopersonal in einigen Fällen ein und zieht die Tierbabys als sogenannte „Handaufzucht“ groß. Dies war bei sensiblen Menschenaffen bereits häufig der Fall: Bei jeweils knapp der Hälfte der Gorillafrauen und der Orang-Utan-Frauen sowie bei über zwei Drittel der Bonobo-Frauen im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP), die Nachwuchs bekamen, wurde mindestens ein Kind von Menschenhand aufgezogen. [9] Doch dieses Vorgehen kann wiederum weitere Probleme verursachen: Von Hand aufgezogene Orang-Utans, Schimpansen und Gorillas leiden beispielsweise häufiger an Verhaltensstörungen als von der Mutter aufgezogene Tierkinder. [10, 11] Zudem ist die Entwicklung ihres Sozialverhaltens oftmals beeinträchtigt, sodass viele dieser Tiere später selbst kaum in der Lage sind, eigenen Nachwuchs großzuziehen.

Schimpansenbaby trinkt aus einer Nuckelflasche
Verstoßene Tierbabys werden in Zoos in einigen Fällen von Hand aufgezogen.

Welche Tiere essen ihren Nachwuchs auf?

Teilweise verstoßen Tiermütter ihre Babys nicht nur, sondern essen ihren Nachwuchs auch kurz nach der Geburt auf. Dieses Verhalten wurde beispielsweise bei den folgenden Tierarten beobachtet:

  • Bären
  • Katzenartige wie Löwen
  • Hundeartige wie Wölfe
  • Primaten wie Schimpansen
  • Nagetierarten wie Ratten, Präriehunde usw. [8]

Warum „fressen“ Tiere ihre Babys?

Säugetiere, die ihre Kinder töten, leben meist unter schwierigen Bedingungen. Das Austragen und die Aufzucht ihrer Nachkommen sind mit besonders viel Aufwand und Problemen verbunden. [12]

Zeitnah nach der Geburt müssen Säugetiere anfangen, ihre Babys zu säugen – das ist jedoch nur möglich, wenn sie selbst gesund und gut ernährt sind. Wenn eine Bärin in der Natur ungesunde oder deformierte Kinder zur Welt bringt, sterben die Neugeborenen. Findet die Mutter nicht genug Nahrung, tötet sie im Normalfall ihre eigenen Babys und isst sie auf. Mit dem Verzehr der Tierbabys nehmen die Mütter Nährstoffe auf und verhindern, dass sterbliche Überreste Angreifer anlocken. [8]

Rudel Loewen
Löwen essen ihren Nachwuchs: Ein Verhalten, das im Tierreich nicht selten zu beobachten ist.

Helfen Sie, das Leid unzähliger Tiere in Zoos zu beenden!

Nur ein sofortiger Zucht- und Importstopp kann das Leid der Tiere in der Gefangenschaft von Zoos dauerhaft verhindern. Wenn die Haltung in Zoos in der Folge mittelfristig ausläuft, könnten die Einrichtungen künftig als Auffangstationen für Tiere aus Zirkussen und schlechter Haltung dienen.

Bitte besuchen Sie keine Zoos und ähnliche Einrichtungen wie Großaquarien und Wildparks. Entscheiden Sie sich stattdessen für tierfreundliche Alternativen.