Tierversuche in Hessen fordern Tausende zusätzliche Opfer

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In Hessen wurden im Jahr 2017 über 350.000 Tiere Opfer von Tierversuchen. Mehr als 200.000 von ihnen wurden direkt in Experimenten gequält. [1] Weitere 150.000 wurden zwar zu „wissenschaftlichen Zwecken“ gezüchtet, aber nicht in Tierversuchen verwendet, sondern stattdessen wieder getötet. [2]

Zahllose Tiere, die in Versuchslaboren geboren werden und sterben, sind in den offiziellen deutschen Tierversuchsstatistiken üblicherweise gar nicht aufgeführt. Diese Tiere werden schlichtweg als „Überschuss“ erachtet und wegen Genmanipulationen vor dem Leid bewahrt, das die herbeigeführte Erkrankung verursacht. Daneben listen die offiziellen Statistiken auch andere Tiere nicht, beispielsweise zahllose Mäuse, die getötet werden, um als Nahrung für andere gefangen gehaltene Tiere zu dienen.

Über 150.000 weitere Tiere in Hessen für Versuche gezüchtet und getötet

2017 wurden in hessischen Hochschulen, Unternehmen und Instituten 151.632 Tiere getötet – jedoch nicht nach ihrer „Verwendung“ in Tierversuchen. Vielmehr wurden sie speziell zur Organentnahme gezüchtet und getötet oder als „Überschuss“ betrachtet. Teilweise endeten sie auch als „Futtermittel“ für andere in Gefangenschaft gehaltene Tiere. [2]

Aktuellere Zahlen liegen nicht vor, da es 2018 und 2019 keine gesetzliche Meldepflicht gab. [2] Zudem waren in den hessischen Versuchsstatistiken bis 2018 jene Tiere nicht enthalten, denen Gewebe zur Untersuchung der Erbinformation entnommen worden war. Seit 2018 werden zumindest jene Mäuse erfasst, die diesem Eingriff unterzogen werden. [3]

Mäuse sind die Tiere, die am häufigsten in und im Zusammenhang mit Tierversuchen sterben: 2017 waren es im direkten Zusammenhang mit Tierversuchen über 120.000; deutlich über 70.000 weitere Mäuse wurden getötet, ohne dass Versuche an ihnen durchgeführt wurden. Auch zahlreiche Fische, Ratten, Hamster, Küken und Reptilien wurden als „Abfallprodukte“ getötet. [2]

Fast 3 Millionen Tiere jährlich in Tierversuchen in Deutschland gequält

Nach offiziellen Angaben werden in Deutschland jedes Jahr rund 3 Millionen Tiere für Tierversuche missbraucht und meist auch getötet. [4] Bei Experimenten mit Tieren müssen die Labore zwar gesetzliche Rahmenbedingungen einhalten,  [2] doch die Tiere leiden trotzdem immer – auch wenn Tierversuche völlig legal durchgeführt werden. Hinzu kommt, dass Labormitarbeiter oftmals gewalttätig gegenüber Tieren werden.

Auch Tiere, die als „Überschuss“ erachtet und als Nahrung für andere gefangen gehaltene Tiere genutzt werden, sind in den Statistiken nicht als „Testobjekte“ enthalten. All diese Tiere bleiben in den offiziellen Zahlen normalerweise unberücksichtigt. Insgesamt werden für Tierversuche bundesweit 3,9 Millionen mehr Tiere getötet als die Statistiken angeben.

Tierversuche sind grausam und wissenschaftlich ungenau

In Tierversuchen werden künstlich hervorgerufene Symptome bei verschiedenen Tierarten behandelt – was jedoch meist nichts über die komplexen menschlichen Krankheiten aussagt. Vielmehr behindern Tierversuche unser Verständnis von menschlichen Krankheiten. Sie verschwenden nicht nur große Summen öffentlicher Gelder, sondern verzögern auch den medizinischen Fortschritt.

Zahlreiche Studien zeigen, dass menschliche Reaktionen auf Krankheiten oder Medikamente mithilfe von Tierversuchen nicht präzise vorausgesagt werden können. So fallen 95 Prozent aller neuen Medikamente in klinischen Studien mit Menschen durch, nachdem sie in Tierversuchen als wirksam und sicher eingestuft wurden. [5]

Hessische Tierschutzbeauftragte fordert: Zukunftstechnologien statt Tierversuche

Die Landestierschutzbeauftragte in Hessen, Dr. Madeleine Martin, ist sich der Unzulänglichkeit von Tierversuchen bewusst. In einer Pressemitteilung wies sie auf die mangelnde Eignung von Tierversuchen hin und forderte unter anderem eine neue Förderstruktur, die tierversuchsfreien Methoden endlich die dringend benötigten finanziellen Mittel einräumt.

Dr. Martin machte deutlich, dass uns möglicherweise „gute Heilungsmöglichkeiten […] entgehen, weil wir gerade auch in der Grundlagenforschung nach wie vor die Tierversuche als ‚Goldstandard‘ sehen und die Forschung nach Alternativen viel zu wenig finanziell unterstützen“. [6]

Unterstützen Sie den Research Modernisation Deal

Gemeinsam mit unseren internationalen Partnerorganisationen haben wir von PETA Deutschland den Research Modernisation Deal entwickelt, um den medizinischen und wissenschaftlichen Fortschritt voranzubringen und aus Tierversuchen auszusteigen. Unterstützen Sie unsere Strategie mit Ihrer Unterschrift!