Vernachlässigte Tiere auf der Weide: So können Sie helfen

Einige Tiere wie Pferde, Schafe oder Kühe werden im Sommer – teilweise auch ganzjährig – draußen auf der Weide gehalten. Diese Art der Haltung wirkt auf den ersten Blick wie eine tierfreundliche Haltungsform, bei der es den Tieren an der frischen Luft scheinbar gut geht. Doch auch die Weidehaltung ist oft mit Tierleid verbunden: Es kommt vor, dass Tiere nicht ausreichend mit Wasser und Futter versorgt werden, verletzt sind oder Wind und Wetter ohne Unterstand ausgesetzt sind.

Erfahren Sie hier, woran Sie erkennen, dass Tiere vernachlässigt werden und Ihre Hilfe brauchen.

Inhaltsverzeichnis

Schreiende Tiere

Gesunde und satte Tiere sind auf der Weide in der Regel ausgeglichen und ruhig. Sollten einzelne oder mehrere Tiere über einen längeren Zeitraum schreien, kann es sein, dass die Tiere sehr durstig oder hungrig sind. Möglicherweise sind sie auch verletzt oder haben Schmerzen.

Achtung: Herden mit Mutter- und Jungtieren sind in der Regel von Natur aus etwas lauter, denn Mütter und Kinder rufen sich gegenseitig. So finden sich beispielsweise in einer Schafherde Mutter und Lamm durch Blöken.

Humpelnde Tiere

Beobachten Sie, ob Tiere humpeln oder anderweitig verletzt sind. Auch Klauen und Hufe können Anzeichen für Verletzungen aufweisen. Beispielsweise deuten sehr lange Pferdehufe darauf hin, dass das Tier stark vernachlässigt wird.

Sehr lange Hufen wie bei diesem Pferd deuten auf eine Vernachlässigung des Tieres.

Nahrung und Wasser

Die Tiere sollten über eine saubere Trinkmöglichkeit und ausreichend Nahrung verfügen. Selbst wenn Tiere auf einer Weide stehen, kann es nötig sein, zusätzliches Essen anzubieten – beispielsweise, wenn das Gras sehr kurz oder vertrocknet ist. Auch deuten stark unterernährte und dürre Tiere, bei denen beispielsweise die Rippenbögen sichtbar sind, auf zu wenig Nahrung hin.

Achtung: Bitte geben Sie den Tieren kein Essen, ohne mit dem Halter oder der Halterin Rücksprache gehalten zu haben. Dies kann bei falscher Nahrung bis hin zum Tod führen. Zudem kann es zu Neid und Kämpfen unter den Tieren führen, bei denen Sie selbst oder die Tiere verletzt werden könnten.

Fehlender oder unzureichender Unterstand

Es muss nicht auf jeder Weide ein gebauter Unterstand stehen, doch zumindest Bäume oder Büsche sollten den Tieren die Möglichkeit bieten, sich vor Sonne, Regen und Wind zu schützen. Achten Sie auch darauf, ob die gebotenen Rückzugsmöglichkeiten überhaupt für die Tiere geeignet sind.

Übermäßiger Kot

Sollten der gebotene Unterstand oder die Weide sehr stark verkotet sein, sollten Sie ebenfalls handeln.

Elektrische Weidezäune mit oder ohne Spannung

Immer wieder verfangen sich Tiere – zum Beispiel Schafe – in elektrischen Weidezäunen. Wenn diese Elektrozäune ohne Spannung sind, sehen die Tiere häufig eine Chance, von der Weide zu entkommen – vor allem wenn das Nahrungsangebot auf der Weide knapper wird. Beim Fluchtversuch verheddern sie sich dann jedoch meist in den Maschen des Zauns. Wenn die Tiere mit einem Körperteil festhängen, werden sie panisch, schlagen um sich und verfangen sich dabei immer mehr und immer enger im Zaun.

Elektrozäune ohne Strom stellen für auf Weiden gehaltene Tiere – aber auch für Wildtiere – eine lebensbedrohliche Gefahr dar. Teilweise verfangen sich vor allem unerfahrene Wildtiere auch in einem unter Strom stehenden Zaun und erleiden immer und immer wieder Stromstöße, bevor sie meist langsam und qualvoll sterben. Es müssen daher dringend Alternativen zu diesen Zäunen gefunden und von den zuständigen Behörden auch bewilligt werden. Letzteres ist teilweise auf Lebenshöfen als Problem bekannt, die nicht mit Stromzäunen arbeiten wollen. Alternative Zäune lehnen manche Behörden aus fadenscheinig wirkenden Gründen ab.

Schaf hängt mit Kopf in Elektrozaun
In den Maschen von Zäunen verfangen sich immer wieder Tiere und können sich nur schwer von alleine befreien.

So helfen Sie vernachlässigten Tieren

Wenn einer der oben genannten Punkte zutrifft, benötigen die Tiere auf der Weide Ihre Hilfe. Wichtig ist, dass Sie keine Scheu haben, einen Missstand zu melden – auch, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob wirklich einer vorliegt. Es ist besser, wenn nach den Tieren geschaut wird und es ist alles in Ordnung, als wenn ein Missstand ignoriert wird. Auch erwartet niemand von Ihnen als Beobachter, dass Sie Tierexperte sind und die Situation exakt beurteilen können. Melden Sie lieber einen Fall zu viel als zu wenig.

  • Machen Sie Fotos oder Videos von Ihren Beobachtungen. Nur so kann der Missstand im Nachhinein bewiesen und der Fall von Dritten besser beurteilt werden.
  • Wenn der Halter in der Nähe ist, weisen Sie ihn auf die Missstände hin. Möglicherweise ist er dankbar über Ihren Hinweis und verspricht, die Missstände zu beheben. Selbst wenn Sie dabei ein gutes Gefühl haben – schauen Sie einige Tage später erneut nach den Tieren, um ihren Zustand zu überprüfen.
  • Sollte kein Halter auffindbar sein oder dieser keine Einsicht zeigen, kontaktieren Sie das zuständige Veterinäramt der jeweiligen Stadt. Sollte kein Veterinäramt erreichbar sein, rufen Sie die örtliche Polizei an.
  • Wenn Sie der Meinung sind, das Veterinäramt kümmert sich nicht ausreichend um den Fall, wenden Sie sich an uns.

Schnelle Hilfe im Notfall

  • Wenden Sie sich direkt an die örtliche Polizei, wenn es sich um einen akuten Notfall handelt. So können bei durstigen Tieren nur wenige Stunden über Leben und Tod entscheiden.
  • Bleiben Sie hartnäckig, wenn die Behörden den Fall nicht ernst genug nehmen oder der Meldung nicht schnell genug nachgehen.
  • Wenn es sich um durstige Tiere handelt, versorgen Sie diese gegebenenfalls selbst mit Trinkwasser, bis die Behörden vor Ort sind. Achten Sie darauf, sich nicht in Gefahr zu bringen, denn besonders Tiermütter verteidigen ihre Jungen.

Weitere Informationen zum Melden von Missständen oder Tierquälerei finden Sie auf unserer Whistleblower-Seite. Danke, dass Sie den Tieren mit Ihrem Einsatz helfen!