Wildunfälle: So könnten solche Unfälle deutlich reduziert werden

Rehe ueberqueren eine Straße

Wirft man einen Blick auf die Statistiken der letzten Jahre, fällt auf: Jahr für Jahr gibt es mehr Zusammenstöße zwischen Autos und Wildtieren [1]. Im Jahr 2016 ereigneten sich auf deutschen Straßen rund 720 Wildunfälle – pro Tag! Das sind im Jahr ganze 264.000 [2]. Und dabei handelt es sich nur um die Wildunfälle, die Versicherungsunternehmen gemeldet wurden. Die Dunkelziffer, vor allem mit Kleintieren, die keinen Schaden am Auto verursachen, dürfte wesentlich höher liegen. Ein Forschungsteam hat sich nun in einer Studie [3] mit der Frage beschäftigt: Welche Maßnahmen können diese – meist für die Tiere tödlichen – Unfälle verhindern?


Rehe stehen an einem Straßenrand auf einer Wiese
Rehe halten sich oft in der Nähe von Straßen auf

Studie zeigt, wie Wildunfälle deutlich reduziert werden könnten

Die Forscherinnen und Forscher sahen sich Maßnahmen in Nordamerika, Europa und Ozeanien an. Dort kommen unter anderem Zäune an Straßen zum Einsatz, aber auch Wildtierbrücken und günstigere Varianten wie Reflektoren. Die erste Erkenntnis war, dass sich die verschiedenen Maßnahmen in ihrer Wirksamkeit enorm unterscheiden. Insgesamt schnitten teurere Maßnahmen zwar besser ab als günstige – doch das Team weist darauf hin, dass sich diese Investitionen über die Jahre hinweg wieder auszahlen.
 
So reduzierte etwa die Kombination aus Zäunen und Tierbrücken die Unfalltötung großer Säugetiere um ganze 83 Prozent! Bei Reflektoren hingegen war lediglich eine Reduzierung von einem Prozent festzustellen, da sich die Tiere schnell an die Reflektoren gewöhnen. Tierbrücken alleine erwiesen sich als nicht effektiv. Die Brücken sind zudem teurer als Zäune. Das zeigt, wie wichtig die Erhebung solcher Daten ist, um Tieren wirklich effektiv helfen zu können.

Die Forscher/-innen weisen außerdem darauf hin, dass das Feld noch völlig unzureichend untersucht sei. Beispielsweise liegen kaum verlässliche Daten darüber vor, welche an die Fahrer/-innen gerichteten Maßnahmen wirklich Verbesserung bringen, z. B. Geschwindigkeitsbegrenzungen. Dennoch machen sie deutlich, dass diverse Maßnahmen bestehen, die – bei entsprechendem Einsatz – deutlich dazu beitragen können, Wildunfälle zu verhindern.
 
Ein Igel sitzt in einem Busch
Kleintiere wie Igel sitzen oft unentdeckt am Straßenrand
Und das wäre dringend nötig, wie die hohen Unfallzahlen beweisen. Ein solcher Todesfall kann nicht nur Familien auseinanderreißen, sondern auch zur Gefahr für ganze Populationen werden. Und natürlich können – gerade bei größeren Tieren – auch die menschlichen Autoinsassen Schaden nehmen.

Was Sie tun können

Fahren Sie besonders in der Dämmerung in waldreichen Gebieten vorsichtig und langsam. Wenn Sie ein Wildtier auf der Straße sehen, schalten Sie das Fernlicht ab und hupen Sie. Wenn es auf einer Strecke in Ihrer Nähe besonders häufig zu Unfällen kommt, weisen Sie die Verantwortlichen der Stadt oder Gemeinde auf die verschiedenen Maßnahmen zur Vermeidung hin.




Quellen:
[1] www.tz.de/welt/aktuelle-wildunfall-statistik-deutschland-zr-8975209.html
[2] www.gdv.de/de/themen/news/taeglich-kracht-es-720-mal-25556
[3] journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0166941

Unsere Autoren

Nadja Winter

ist Politikwissenschaftlerin, Brotliebhaberin und Hundehaareinsammlerin.