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Die 10 größten Irrtümer über Zoos

Artenschutz und Bildung? Fehlanzeige.

Stand März 2014
In zoologischen Einrichtungen werden Tiere ihr Leben lang eingesperrt. Zoobesuchern wird weisgemacht, diese drastische Maßnahme sei für den Artenschutz und die Vermittlung von Wissen über die Tiere notwendig. In Wahrheit verfolgen Zoos jedoch ganz andere Ziele. PETA bringt die 10 größten Irrtümer über Zoos ans Licht. 
 
 
Artgerecht? Löwe im Berliner Zoo
1. Zoos behaupten, sie betreiben Artenschutz
Falsch – denn Artenschutz bedeutet ausschließlich, Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu schützen. In Gefangenschaft geborene Tiger, Bären, Menschenaffen, Löwen, Giraffen, Eisbären und viele weitere Tierarten können niemals ausgewildert werden. Durch die Haltung im Zoo verkümmern die natürlichen Instinkte der Tiere. Überlebenswichtige Verhaltensweisen können sie nicht erlernen. Die Haltung einer Tierart in permanenter Gefangenschaft hat nichts mit Artenschutz zu tun.

 
Verhaltensgestörter Eisbär im Tierpark Berlin
2. Zoos behaupten, sie vermitteln Wissen über Tiere
Falsch – denn in Zoos können Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnisse nicht ausleben. Die Besucher können nicht sehen, wie Vögel fliegen, Geparden rennen oder Affen in Bäumen klettern. Soziale Interaktionen, die Nahrungssuche oder das Paarungsverhalten werden weitgehend unterdrückt. Der Anblick verhaltensgestörter oder apathischer Tiere zeigt Zoobesuchern ein völlig falsches Bild von Tieren auf. Einer wissenschaftlichen Studie von 2007 zufolge gibt es keinen Beleg dafür, dass Zoos Wissen über Tiere vermitteln [1].
 
3. Zoos behaupten, den Tieren im Zoo geht es gut
Falsch – denn viele Tiere in Zoos sind sichtlich verhaltensgestört, weil sie zu einem eintönigen und abgestumpften Leben in Gefangenschaft verdammt sind. Laut einer 2012 veröffentlichten Studie über die Tierhaltung in deutschen Zoos [2] waren die meisten überprüften Gehege nicht geeignet, um die artspezifischen Bedürfnisse der Tiere zu befriedigen. In 87 % der Gehege fehlte jede Art von Verhaltens- und Beschäftigungsmaterial. Knapp ein Drittel der Gehege erfüllte nicht einmal die behördlich vorgegebenen Mindestanforderungen. Eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Kent [3] belegt, dass Schimpansen selbst in großen Zoos psychisch erkranken, was sich in Merkmalen wie Selbstverstümmelung, extremer Zurückgezogenheit, permanentem Hin- und Herschaukeln des Oberkörpers bis hin zum Verzehr der eigenen Exkremente äußert.
 
Zoos züchten regelmäßig mehr Tiere, als sie unterbringen können. Mit den Tierbabys sollen Besucher angelockt werden. Die „Überschusstiere“ werden in der Regel getötet oder an Tierhändler verkauft. PETA hat nachgewiesen, dass allein der Zoo und Tierpark Berlin zwischen 2007 und 2009 über 1.000 Tiere an den dubiosen Tierhändler Werner Bode verkaufte [4]. Zu den Kunden des Tierhändlers zählten anderem ein Tierversuchslabor und ein Exotenrestaurant.

 
4. Zoos behaupten, die Zurschaustellung von Tieren begeistert Menschen für den Artenschutz
Falsch – denn als der Zoo Berlin im Jahr 1844 als einer der ersten Zoos in Deutschland seine Pforten öffnete, lebten in Asiens Wäldern noch weit über 100.000 Tiger [5]. Trotz der Behauptung der Zoos, die Zurschaustellung von Tieren in Gefangenschaft würde Menschen für den Erhalt von Tierarten sensibilisieren, ist die weltweite Tigerpopulation seitdem auf aktuell nur noch 3.200 Individuen geschrumpft. Bei anderen Tierarten ist der Rückgang ähnlich dramatisch, insbesondere in den letzten 40 Jahren. Kein Zoo der Welt hat durch das Einsperren von Tieren zu einer messbaren Bewusstseinsveränderung in der Bevölkerung beigetragen. Einer Studie von 2007 zufolge gibt es keinen Beleg dafür, dass Zoos den Besuchern Interesse am Thema Artenschutz vermitteln [1].
 
Im Gegenteil: Die absurde Behauptung, dass Tierarten in Zoos langfristig überleben können, wiegt die Öffentlichkeit in trügerischer Sicherheit. Für viele Menschen verliert der Erhalt der natürlichen Lebensräume von Tieren an Bedeutung, denn Zoos geben vor, die Gefangenschaft im Zoos sei mit Artenschutz gleichzusetzen.
 
Angeketteter Greifvogel im Wildpark Tambach
5. Zoos behaupten, Kinder können Tiere nirgendwo sonst als im Zoo kennenlernen
Falsch – denn es gibt zahlreiche tierfreundliche Möglichkeiten, um Kinder in Kontakt mit Tieren zu bringen, zum Beispiel auf Entdeckungsreisen durch die heimische Natur oder auf Gnadenhöfen. Anstatt Kindern durch seelisch kranke Tiere in Zoo-Gefangenschaft ein völlig falsches Bild der Tierwelt zu vermitteln, sollten Kinder Dokumentarfilme sehen dürfen, die das natürliche Verhalten von exotischen Tieren in ihrem ursprünglichen Lebensraum zeigen. Kinder wollen nicht, dass Tiere leiden. Es ist falsch, ihnen vorzugaukeln, Elefanten, Tiger oder Affen könnten in Gefangenschaft artgerecht gehalten werden.
 

6. Zoos behaupten, sie unterstützen Artenschutzprojekte wirkungsvoll vor Ort
Falsch – denn obwohl einige Zoos einen geringen Bruchteil ihres jährlichen Budgets für Naturschutzprojekte ausgeben, erhalten fast alle Zoos in Deutschland insgesamt mehrere Dutzend Millionen Euro an Subventionen aus städtischen Kassen. Würden diese Steuergelder unmittelbar in den Erhalt der natürlichen Lebensräume bedrohter Tierarten fließen, wären viele Tiere heute nicht vom Aussterben bedroht. Doch die Zoos geben das Geld lieber für kostspielige Zuchtprogramme aus – für Tierarten, die niemals ausgewildert werden können.

Ein praktisches Beispiel: Würden die Zoos sämtliche Tiger-Zuchtprogramme einstellen, könnten mit den eingesparten Mitteln Wildhüter und Ausrüstung finanziert und die letzten freilebenden Tiger effektiv geschützt werden.

 

7. Zoos behaupten, heutzutage sind keine Wildfänge mehr erforderlich
Falsch – denn viele Tiere in deutschen Zoos sind Wildfänge, insbesondere Elefanten, Menschenaffen, Meeressäugetiere, Korallen, Haie und andere Fischarten. Auch künftig werden Zoos nicht ohne Wildfänge auskommen können, denn insbesondere sensible Tierarten vermehren sich unter den mangelhaften Haltungsbedingungen in Zoos kaum. Trotz koordinierter Zuchtprogramme verarmt der Genpool der vergleichsweise wenigen Individuen schnell. Viele Zoos setzen daher mittlerweile auf Inzucht. Dies bringt jedoch regelmäßig Tiere mit schweren genetischen Defekten hervor, die nicht überlebensfähig sind und meist eingeschläfert werden [6]. Zoos sind daher immer bestrebt, den Tierbestand mit „frischem Blut“ zu ergänzen.
 

8. Zoos behaupten, dass sie Tiere einsperren, um sie zu schützen
Falsch – denn es nützt keinem Tier, in Zoo-Gefangenschaft vor dem Aussterben bewahrt zu werden. Für Tiere sind Zoos nichts anderes als Gefängnisse. Der Erhalt einer Tierart in immerwährender Gefangenschaft nutzt nur dem Menschen und bietet ihm beispielsweise die Möglichkeit, auf genetisches Material zurückgreifen zu können. Dies ist eine sehr egoistische bzw. anthropozentrische Sichtweise. Echter Tier- und Artenschutz schützt Tierindividuen und Tierarten um ihrer selbst willen, nicht für die Zwecke des Menschen.
 
Elefant im Zoo Stuttgart – nur ein trauriges Abbild eines Wildtieres
9. Zoos behaupten, dass sie Tiere einsperren, um sie später auszuwildern
Falsch
– denn bei dem weitaus größten Anteil aller Tierarten in deutschen Zoos (über 85 %) handelt es sich nicht um gefährdete Arten [2]. Viele gefährdete Tierarten hingegen, wie Menschenaffen, Raubkatzen und Bären, können nicht wieder ausgewildert werden. Langfristig erfolgreiche Auswilderungen können Zoos kaum vorweisen, und das lebenslängliche Einsperren von unzähligen Tieren und ihren Nachkommen ist durch diese Einzelfälle nicht zu rechtfertigen.


10. Zoos behaupten, sie halten alle behördlichen Haltungsrichtlinien ein
Falsch – denn laut einer 2012 veröffentlichten Studie über die Tierhaltung in deutschen Zoos [2] erfüllten knapp ein Drittel der Gehege nicht einmal die behördlich vorgegebenen Mindestanforderungen. In 87 % der Gehege fehlte jede Art von Verhaltens- und Beschäftigungsmaterial.  Zudem sind die Zoorichtlinien in keinster Weise dazu geeignet, die hohen Ansprüche eines Wildtieres zu erfüllen. In der Natur umfasst das Revier eines Tigers beispielsweise mehrere hundert Quadratkilometer; Elefanten wandern bis zu 80 Kilometer am Tag. Kein Zoo der Welt kann diesen Tieren auch nur annähernd artgerechte Lebensverhältnisse bieten.
 

Warum sperren Zoos Tiere wirklich ein?
Die ersten Zoos in Deutschland öffneten im 19. Jahrhundert ihre Pforten, weil mit der Zurschaustellung von exotischen Menschen und Tieren beträchtliche Gewinne erzielt werden konnten. Allein der Tierhändler Carl Hagenbeck importierte in den 20 Jahren zwischen 1866 und 1886 mindestens 700 Leoparden, 1.000 Löwen, 400 Tiger, 1.000 Bären, 300 Elefanten, über 100.000 Vögel sowie mehrere zehntausend Affen, um die Nachfrage von Zoos und Menagerien zu bedienen [7]. Unzählige Tiere starben jedoch bereits beim Fang, während des Transports oder kurze Zeit danach.
Heutzutage sind die meisten Zoos hochdefizitär und erhalten Subventionen aus Steuergeldern. Zoo-Verantwortliche haben ein existenzielles Interesse daran, das „System Zoo“ aufrechtzuerhalten, denn sie bestreiten daraus ihren Lebensunterhalt. Die lukrativen Führungspositionen in zoologischen Einrichtungen bringen oftmals Prestige und Ansehen in der Gesellschaft und in der Wissenschaft mit sich. Dafür haben die Zoo-Verantwortlichen auch keine Hemmungen, die Öffentlichkeit mit vorgeschobenen Argumenten zu täuschen. 
 
 
Quellen:
[1] Lori Marino et al. (2010): Do Zoos and Aquariums Promote Attitude Change in Visitors? A Critical Evaluation of the American Zoo and Aquarium Study. In: Society and Animals 18, 126-138
[2] Der EU ZOO Report – Deutschland (2012): Eine Untersuchung zur Umsetzung und Durchsetzung der Richtlinie 1999/22/EG des Rates über die Haltung von Wildtieren in Zoos. Born Free/ENDCAP et al.
[3] Birkett LP, Newton-Fisher NE (2011): How Abnormal Is the Behaviour of Captive, Zoo-Living Chimpanzees? PLoS ONE 6(6): e20101. doi:10.1371/journal.pone.0020101
[4] PETA.de/Zooskandal2011
[5] Brian Nattrass (2002): Dancing with the Tiger: Learning Sustainability Step by Natural Step
[6] Artikel auf n-tv vom 25.07.2012: “Inzucht-Vorwurf gegen Berliner Zoo“ http://www.n-tv.de/panorama/Loewen-Baby-wird-eingeschlaefert-article6811261.html. Abruf am 10.03.2014
[7] Johnson, W. (1994): Entzauberte Manege