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Hummer – gekocht werden tut weh


Die Tatsache, dass Menschen bestimmte Tiere als „gefühllose Lebensmittel“ betrachten, wird besonders bei Hummern deutlich: Sie werden in den meisten Ländern, so auch in Deutschland, lebend in kochendes Wasser geworfen und teilweise minutenlang grausamen Todesqualen ausgesetzt. Glücklicherweise wandelt sich das Bild von Hummern in der Gesellschaft immer mehr. Eine von PETA Deutschland im Oktober 2014 in Auftrag gegebene Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), bei der bundesweit 2.000 Frauen und Männer ab 14 Jahren befragt wurden, zeigt: 72,3 Prozent der Umfrageteilnehmer sind der Meinung, „Hummer können Schmerz empfinden“. Die Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass „Hummer leiden, wenn sie lebend gekocht werden“.

Systematik und Nervensystem
Hummer gehören zu den Wirbellosen, zum Stamm der Arthropoden (Gliederfüßer), die neben den Crustaceen (Krebstieren) auch die Unterstämme der Insekten und Spinnentiere umfasst.
Krebstiere besitzen ein Strickleiternervensystem, das sich aus segmental angeordneten Ganglien zusammensetzt. Die einzelnen Ganglien bilden durch quer und längs verlaufende Verbindungen eine Art Kette und sind teilweise auch durch Verschmelzung zu großen Nervenknoten konzentriert.

Fang und Transport
Zehntausende Fallen gehen jedes Jahr auf den Meeresgründen verloren, und die gefangenen Hummer treiben den Rest ihres Lebens ohne Aussicht auf Befreiung auf dem Meeresboden. Hummer können bis zu 100 Jahre alt werden. In Deutschland sind Hummer mittlerweile fast ausgerottet.
Jährlich werden etwa 800 Tonnen Hummer, das sind etwa 1 Million Tiere, nach Deutschland importiert. (1) Nach dem Fang werden die Hummer in großen Fabriken auf Fließbändern nach Größe sortiert und mit zusammengebundenen Scheren einzeln in Metallboxen verpackt. In Kühlhäusern werden sie manchmal wochenlang übereinander aufgestapelt und ohne Futter gehalten, bis sie in engen, dunklen Transportkisten in alle Welt verschickt werden. Die im Sommer gefangenen Tiere werden monatelang, weiterhin mit zusammengebundenen Scheren, bewegungslos und ohne Nahrung, in engen Becken gehalten. Die Tiere werden nach dem Fang nicht mehr gefüttert, da ihre Fäkalien das Wasser verschmutzen könnten, und müssen monatelang ohne Futter überleben. (2)
Ihr Leidensweg endet schließlich damit, dass sie lebendig kopfüber in einen Topf mit kochendem Wasser geworfen werden. Ihr Todeskampf dauert mehrere Minuten. (3)
Und auch den Hummern, die direkt nach dem Fang in einem „Schlachthof“ verarbeitet werden, steht unfassbares Leid bevor: Wie eine Untercover-Recherche von PETA USA im Jahr 2013 aufdeckte, werden sie ohne jegliche Betäubung verstümmelt oder auf dem Müll entsorgt.

Lebend gekocht werden tut weh
Wenn Hummer lebend in kochendes Wasser geworfen werden, schlagen sie wild um sich, in dem verzweifelten Versuch, zu entkommen. Für den Wissenschaftler Dr. John Baker sind dies eindeutig Reaktionen auf Schmerz und keine Reflexe. (3)
Auch eine Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt, dass Hummer Schmerz empfinden können und außerdem erstaunlich lernfähig sind. (4)
Wie Forschungsergebnisse aufzeigen, kamen Wissenschaftler aus Belfast 2011 und 2013 zu dem Ergebnis, dass Hummer und Krabben Schmerzen empfinden können, u.a. weil sie diesen gezielt ausweichen. (5,6)

Nach Aussage des Luxusrestaurant-Kochs Bernhard Gössnitzer „ist es ein Märchen, dass Hummer, wenn sie in siedend heißes Wasser geworfen werden, sofort sterben. Meistens werden fünf Hummer auf einmal ins Wasser geworfen. Das kühlt das Wasser dementsprechend ab. Die Folter dauert so lange, bis das Wasser wieder heiß ist.“ (7) In der Broschüre „Amtstierärztlicher Dienst und Veterinärkontrolle“ ist zu lesen: „Nach dem kopfüber Eintauchen sollte der Hummer mit einem geeigneten Küchengerät für zwei Minuten untergetaucht gehalten werden.“ (6) Warum den Hummer zwei Minuten lang gewaltsam ins kochende Wasser drücken, wo er doch nach Aussage zahlreicher Gastronomen bereits nach wenigen Sekunden angeblich tot ist?

Dr. Jaren G. Horsley, Wissenschaftler am Northern Virginia Community College, führt aus: „Als Zoologe für Wirbellose, der Krustentiere jahrelang studiert hat, kann ich Ihnen sagen, dass Hummer über ein ziemlich ausgeklügeltes Nervensystem verfügen. Hummer können, da bin ich sicher, Schmerz fühlen.“ (9) Der Forscher befürchtet sogar, dass Hummer nicht wie Säugetiere über ein autonomes Nervensystem verfügen, das sie bei Schmerz in einen Schockzustand versetzt, und sie daher enorme Qualen leiden, so lange, bis ihr Nervensystem beim Kochen zerstört wird. (9) Auch Biologen um Robert Elwood von der Queen's-Universität in Belfast sind sich sicher, dass Hummer und auch kleinere Krebstiere Schmerz und Stress empfinden können. Sie reizten die Fühler der Tiere und beobachteten charakteristische Reflexe, wie sie auch bei Wirbeltieren vorkommen. Daher liege es nahe, auch den Krustentieren ein eigenes Nervensystem für die Schmerzempfindung zu attestieren, so die Forscher. (10)

Die gesetzliche Grundlage für das Töten
Die Tierschutzgesetze in Deutschland und der EU hinken dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand hinterher, da sie Hummer noch immer nicht als Lebewesen bewerten, die Schmerz empfinden können und so auch besonderen Schutz verdienen.
Die gesetzliche Grundlage der Tötung von Krustentieren in Deutschland bildet die Tierschutzschlachtverordnung (TierSchlV). Diese schreibt in §12 (11) vor:

„Krebstiere, Schnecken und Muscheln dürfen nur in stark kochendem Wasser getötet werden, welches sie vollständig bedecken und nach ihrer Zugabe weiterhin stark kochen muss. Abweichend von Satz 1 dürfen
1. Taschenkrebse durch mechanische Zerstörung der beiden Hauptnervenzentren getötet,
2. Schnecken und Muscheln in über 100 Grad Celsius heißem Dampf getötet sowie
3. Krebstiere elektrisch betäubt oder getötet werden.“


Alternative Tötungsmethoden
Studien haben ergeben, dass es keine „humane“ Tötungsmethode für Hummer gibt. Ganz gleich, ob man sie lebend in der Mitte durchschneidet, das Gehirn mit einem Messer zerstört oder sie lebend kocht: Jede Variante ist mit unsäglicher Qual für die Hummer verbunden. Aus diesem Grund sollte Hummer nicht mehr verkauft und getötet werden dürfen.

Andere Länder, andere Sitten
In Reggio Emilia, einer italienischen Stadt in der Nähe von Bologna, sprach der Bürgermeister aus, was viele Menschen denken: Das Kochen lebender Hummer ist eine „unnötige Tortur“ – und wurde 2004 kurzerhand verboten. Das Übertreten des Verbots wird mit einer Geldstrafe von knapp 500 Euro bestraft. Auch in Neuseeland ist die betäubungslose Tötung von Hummern und Krabben per Gesetz verboten. (11)

Hummer als „Nahrungsmittel“
Susanne Spröer vom Fernsehsender WDR äußerte sich in einer Dokumentarsendung folgendermaßen über Hummer: „Eine Delikatesse, die mit solcher Qual verbunden ist, sollte einem eigentlich den Appetit verderben.“
Insbesondere das Risiko eines Allergieanfalls nach dem Verzehr von Krustentieren ist nicht zu unterschätzen. „Allergische Reaktionen nach dem Genuss von Krebstieren treten häufig bei Hausstaubmilben-Allergikern auf“, so Professor Dr. Thomas Fuchs, Allergologe und Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen. (12) Krebstiere sind außerdem oft mit Bakterien, Pestiziden und Chemikalien verseucht.

Was Sie tun können
Essen sie bitte keinen Hummer.
Informieren Sie Ihre Freunde und Verwandten über die Qualen der Hummer beim Transport, der Halterung und beim Lebendkochen.
Sprechen Sie mit den Geschäftsführern von Restaurants und Supermärkten und teilen Sie ihnen mit, dass Sie nicht länger Kunde sein werden, solange hier Hummer verkauft wird.
Schreiben Sie an den Landwirtschaftsminister und bitten Sie ihn um eine Gesetzesnovellierung, die das Kochen lebender Tiere, sowie den Import lebender Hummer nach Deutschland verbietet.
Bestellen Sie sich hier Flugblätter und verteilen Sie diese Flugblätter vor Restaurants, Hotels und Supermärkten, die Hummer verkaufen.

Quellen
(1) Statistisches Bundesamt in Wiesbaden, 2006.
(2) Foster Wallace, David, Consider the Lobster, Gourmet, S. 50-64.
(3) Baker, John, B., The Humane Killing of Lobsters and Crabs (1975).

(4) EFSA, Aspects of the biology and welfare of animals used for experimental and other scientific purposes, EFSA journal (2005) 292, 1-136.
(5) Elwood, R. W.: Pain and suffering in invertebrates? In: Institute of Laboratory Animal Resources Journal.
52(2), 2011, S. 175-84.
(6) Magee, B. & Elwood, R. W.: Shock avoidance by discrimination learning in the shore crab (Carcinus maenas) is consistent with a key criterion for pain.
In: The Journal of Experimental Biology 216, 2013, S. 353-358
(7) Gössnitzer, Bernhard, Letter to PETA Deutschland e.V. (2006).

(8) Fröhlich, Thomas, Tierschutzgerechte Hälterung von Hummern und Langusten, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle, 4. Jahrgang IV/97.
(9) Horsley, Jaren, G., Letter to PETA USA (1993).

(10) Bar, S, Laming, P., Dick, J. & Elwood R., Nociception or pain in a decapod crustacean. Animal behavior, 2007.07.004, 7 S.
(11) Animal Welfare (Commercial Slaughter)Code of Welfare 2010, abzurufen unter https://www.mpi.govt.nz/protection-and-response/animal-welfare/codes-of-welfare
(12) Fuchs, T. , Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (2003)