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Hummer - gekocht werden tut weh


Die Tatsache, dass Menschen bestimmte Tiere als "gefühllose Lebensmittel“ betrachten, wird besonders deutlich bei Hummern, die in den meisten Ländern, und eben auch in Deutschland, wie Hunde und Katzen in China, lebend in kochendes Wasser geworfen werden und 30 Sekunden bis sieben Minuten lang, grausamen Todesqualen ausgesetzt sind.


Systematik und Nervensystem
Hummer gehören zu den Wirbellosen, zum Stamm der Arthropoden (Gliederfüßer), die neben den Crustaceen (Krebstieren) auch die Unterstämme der Insekten und Spinnentiere umfasst.
Krebstiere besitzen ein Strickleiternervensystem, das sich aus segmental angeordneten Ganglien zusammensetzt. Die einzelnen Ganglien bilden durch quer und längs verlaufende Verbindungen eine Art Kette. Die einzelnen Ganglien sind teilweise auch durch Verschmelzung zu großen Nervenknoten konzentriert.

Hummer als „Nahrungsmittel“
Susanne Spröer vom Fernsehsender WDR äußerte sich in einer Dokumentarsendung folgendermaßen über Hummer: „Eine Delikatesse, die mit solcher Qual verbunden ist, sollte einem eigentlich den Appetit verderben.“

Fang und Transport
Zehntausende Fallen gehen jedes Jahr auf den Meeresgründen verloren und die gefangenen Hummer treiben den Rest ihres langen Lebens (mehr als 50 Jahre) ohne Aussicht auf Befreiung auf dem Meeresboden.
Der Nordseehummer, einst Leibspeise der Helgoländer Fischer ist mittlerweile fast ausgerottet. Im Atlantik gibt es noch größere Hummerbestände, doch auch in den USA und in Kanada bleiben immer mehr Körbe leer.
Jährlich werden etwa 800 Tonnen Hummer, das sind etwa 1 Million Tiere, nach Deutschland importiert. (1) Nach dem Fang werden die Hummer in großen Fabriken auf Fließbändern nach Größe sortiert und mit zusammengebundenen Scheren einzeln in Metallboxen verpackt. In Kühlhäusern bleiben sie ohne Futter manchmal wochenlang aufgestapelt, bis sie in engen, dunklen Transportkisten in alle Welt verschickt werden. Die im Sommer gefangenen Tiere werden monatelang, weiterhin mit zusammengebundenen Scheren, bewegungslos und ohne Nahrung, in engen Becken gehalten. Die Tiere werden nach dem Fang nicht mehr gefüttert, da ihre Fäkalien das Wasser verschmutzen könnten und müssen monatelang ohne Futter überleben. Ihre Scheren werden zusammengebunden, da sie Einzelgänger sind und sich gegenseitig angreifen würden. (2)
Ihr Leidensweg endet schließlich damit, dass sie lebendig kopfüber in einen Topf mit kochendem Wasser geschmissen werden, gemäß der Tierschutz-Schlachtverordnung. Ihr Todeskampf kann bis zu 7 Minuten dauern. (3)

Lebend gekocht werden tut weh
Wenn Hummer lebend in kochendes Wasser geworfen werden, schlagen sie wie wild um sich in dem verzweifelten Versuch zu entkommen. Für den Wissenschaftler Dr. John Baker sind dies eindeutig Reaktionen auf Schmerz und keine Reflexe. (4)
Auch die Studie der European Food Safety Authority bestätigt, dass Hummer Schmerz empfinden können und außerdem erstaunlich lernfähig sind. (5a)
Wissenschaftler aus Belfast veröffentlichten Forschungsergebnisse und kamen 2011 und 2013 zu dem Ergebnis dass Hummer und Krabben Schmerzen empfinden können, u.a. weil sie diesem gezielt ausweichen. (5b,c).
Nach Aussage des Luxusrestaurant-Kochs Bernhard Gössnitzer „ist es ein Märchen, dass Hummer, wenn sie in siedend heißes Wasser geworfen werden, sofort sterben. Meistens werden fünf Hummer auf einmal ins Wasser geworfen. Das kühlt das Wasser dementsprechend ab. Die Folter dauert so lange, bis das Wasser wieder heiß ist.“ (6)
In der Broschüre „Amtstierärztlicher Dienst und Veterinärkontrolle“ ist zu lesen: "Nach dem kopfüber Eintauchen sollte der Hummer mit einem geeigneten Küchengerät für zwei Minuten untergetaucht gehalten werden." (7) Es stellt sich nun die Frage, warum es zwei Minuten dauern soll, wo doch nach Aussage zahlreicher Gastronomen, Hummer bereits nach wenigen Sekunden angeblich tot sind?
Dr. Jaren G. Horsley, Wissenschaftler am Northern Virginia Community College führt aus: „Als Zoologe für Wirbellose, der Krustentiere jahrelang studiert hat, kann ich Ihnen sagen, dass Hummer über ein ziemlich ausgeklügeltes Nervensystem verfügen. Hummer können, da bin ich sicher, Schmerz fühlen.“ (8) Dr. Horsley befürchtet sogar, dass Hummer nicht wie Säugetiere über ein autonomes Nervensystem verfügen, das sie bei Schmerz in einen Schockzustand versetzt und sie daher enorme Qualen leiden, solange bis ihr Nervensystem beim Kochen zerstört wird. (9) Auch Biologen um Robert Elwood von der Queen's-Universität in Belfast sind sich sicher, dass Hummer und auch kleinere Krebstiere Schmerz und Stress empfinden können. Sie reizten die Fühler der Tiere und beobachteten charakteristische Reflexe, wie sie auch bei Wirbeltieren vorkommen. Daher liege es nahe, auch den Krustentieren ein eigenes Nervensystem für die Schmerzempfindung zu attestieren, so die Forscher. (10)


Die gesetzliche Grundlage für das Töten
Die gesetzliche Grundlage der Tötung von Krustentieren bildet die Tierschutzschlachtverordnung (TierSchlV) vom 20.12.2012schreibt in §12 (11) vor:
"Krebstiere, Schnecken und Muscheln dürfen nur in stark kochendem Wasser getötet werden, welches sie
vollständig bedecken und nach ihrer Zugabe weiterhin stark kochen muss. Abweichend von Satz 1 dürfen
1.   Taschenkrebse durch mechanische Zerstörung der beiden Hauptnervenzentren getötet,
2.  Schnecken und Muscheln in über 100 Grad Celsius heißem Dampf getötet sowie
3.  Krebstiere elektrisch betäubt oder getötet
werden. Führt die Elektrobetäubung nicht zum sofortigen Tod der Krebstiere, sind sie unmittelbar nach der
Elektrobetäubung durch ein Verfahren nach Satz 1 oder Satz 2 Nummer 1 zu töten. Satz 1 und Satz 2 Nummer 2
gilt nicht im Falle des Rohverzehrs von Austern und der amtlichen Untersuchung von lebenden Schnecken oder
Muscheln."


Alternative Tötungsmethoden
Für Hummer gibt es keine „humane“ Tötungsmethode. Man könnte sie lebend in der Mitte durchschneiden, das Gehirn mit einem Messer zerstören, oder man kann sie lebend kochen.
Aus diesem Grund sollte Hummer nicht mehr verkauft werden dürfen.

Andere Länder, andere Sitten
In Reggio Emilia, einer Stadt in Italien, in der Nähe von Bologna, zögerte der Bürgermeister nicht auszusprechen, was viele Menschen denken: das Kochen lebender Hummer ist eine „unnötige Tortur“ und wurde 2004 kurzerhand verboten. Das Übertreten des Verbots wird mit einer Geldstrafe von knapp 500 Euro bestraft.

Gesundheitsrisiken
Das Risiko eines Allergieanfalls nach dem Verzehr von Krustentieren ist nicht zu unterschätzen. „Allergische Reaktionen nach dem Genuss von Krebstieren treten häufig bei Hausstaubmilben-Allergikern auf“, so Professor Dr. Thomas Fuchs, Allergologe und Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen. (10) Sie sind außerdem oft mit Bakterien, Pestiziden und Chemikalien verseucht.

Was Sie tun können
Hören Sie auf, Hummer zu essen.
Informieren Sie Ihre Freunde und Verwandten über die Qualen der Hummer beim Transport, der Halterung und beim Lebendkochen.
Sprechen Sie mit den Geschäftsführern von Restaurants und Supermärkten und teilen Sie ihnen mit, dass Sie nicht länger Kunde sein werden, solange hier Hummer verkauft werden.
Schreiben Sie an den Landwirtschaftsminister und bitten Sie ihn um eine Gesetzesnovellierung, die das Kochen lebender Tiere, sowie den Import lebender Hummer nach Deutschland verbietet.
Verteilen Sie Flugblätter vor Restaurants, Hotels und Supermärkten, die Hummer verkaufen.

Quellen
(1) Statistisches Bundesamt in Wiesbaden, 2006.
(2) Foster Wallace, David, Consider the Lobster, Gourmet, p. 50-64.
(3) Baker, John, B., The Humane Killing of Lobsters and Crabs (1975).
(4) Baker, John, B., The Humane Killing of Lobsters and Crabs (1975).
(5a) EFSA, Aspects of the biology and welfare of animals used for experimental and other scientific purposes, EFSA journal (2005) 292, 1-136.
(5b) Elwood, R. W.: Pain and suffering in invertebrates? In: Institute of Laboratory Animal Resources Journal. 52(2), 2011, S. 175-84.
(5c) Magee, B. & Elwood, R. W.: Shock avoidance by discrimination learning in the shore crab (Carcinus maenas) is consistent with a key criterion for pain. In: The Journal of Experimental Biology 216, 2013, S. 353-358
(6) Gössnitzer, Bernhard, Letter to PETA Deutschland e.V. (2006).
(7) Fröhlich, Thomas, Tierschutzgerechte Hälterung von Hummern und Langusten, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle, 4. Jahrgang IV/97.
(8) Horsley, Jaren, G., Letter to PETA USA (1993).
(9) Horsley, Jaren, G., Letter to PETA USA (1993).
(10) Bar, S, Laming, P., Dick, J. & Elwood R., Nociception or pain in a decapod crustacean. Animal behavior, 2007.07.004, 7 S.
(11) Fuchs, T. , Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (2003)