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Sind Kaninchen und Kinder füreinander geeignet?

 
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Stand Oktober 2012
Kaninchen sind als scheue, schreckhafte und ängstliche Tiere grundsätzlich keine geeigneten tierischen Mitbewohner für Kinder – sie sind weder Kuscheltier noch Spielzeug. Ihre Bedürfnisse und ihr Wesen müssen immer beachtet werden. Informieren Sie sich hier über die Anforderungen einer artgerechten Kaninchenhaltung. Unbedingt zu beachten ist, dass Kaninchen nicht alleine gehalten werden dürfen, sondern einen artgleichen Partner brauchen und einen großen Platzbedarf haben. Ein handelsüblicher Käfig ist niemals ausreichend.

Lebewesen dürfen generell kein Spielzeug für Kinder sein. Ein Tier unüberlegt in ein Kinderzimmer zu setzen bzw. in Kinderhände zu geben, ist nicht nur aus Tierschutzgründen verantwortungslos. Kaninchen, die lange in schlechter Haltung leiden, können aggressiv werden: Sie können knurren, beißen und kratzen.

Dagegen kann Kindern durch eine artgemäße Haltung von Kaninchen möglicherweise Achtung vor und für das Leben sowie Verantwortungsbewusstsein und Sorgfalt im Umgang mit Lebewesen vermittelt werden. Voraussetzung ist eine kompetente, permanente Aufsicht.

Versorgung
Die Versorgung von fühlenden Mitlebewesen ist eine anspruchsvolle Aufgabe, der Kinder nie alleine gewachsen sind. Daher stehen die Erwachsenen immer in der Pflicht und müssen für frische Nahrung und sauberes Wasser sowie Reinigung und Gestaltung des Geheges ebenso sorgen wie für die tierärztliche Betreuung. Sie müssen auch die Beschäftigung mit den Kaninchen für einen langen Zeitraum garantieren – Kaninchen können über zehn Jahre alt werden. Selbstverständlich muss für eine fachkundige Versorgung auch während der Ferien gesorgt sein.

Tagesrhythmus
Auch der Tagesrhythmus von Kindern und Kaninchen passt nicht zusammen. Kaninchen sind dämmerungsaktive Tiere: Wenn Kinder Zeit haben, den Tieren Grünzeug zu geben, sie vorsichtig zu streicheln oder zu beobachten, müssen Kaninchen meist ruhen. Wenn Kaninchen aktiv sind – in der Dämmerung und nachts – sind Kinder im Bett.

Kommunikation
Die Beachtung kaninchenartgemäßer Signale ist wichtig. Wegen des Fluchtinstinkts von Kaninchen sind schnelle und unkontrollierte Armbewegungen, ungestümes Nähern oder das Greifen von oben zu vermeiden.

Die Vertrauensbildung zwischen Mensch und Kaninchen dauert immens lang und ist äußerst zerbrechlich. Doch wenn die Halter sanft und vorsichtig das Vertrauen der Tiere gewinnen konnten, dürfen sie die Kaninchen sicher auch mal behutsam und ruhig streicheln oder sogar zwischen den Ohren kraulen. Wichtig ist, die Kaninchen nie zum Kuscheln zu zwingen und in ihrem Bewegungswunsch einzuschränken.

Auf den Arm nehmen
Kaninchen möchten nicht hochgenommen werden. Getragene Kaninchen pressen sich zwangsläufig an die Brust des Menschen, denn sie ducken sich. Diese Haltung ist also keine „Zuneigung“. Ganz im Gegenteil: Kaninchen verfallen in die Ausharrstarre, weil sie Hochheben und Festhalten als Gefahr empfinden. Diese Angst zeigt sich durch schnelle Atmung bei beschleunigtem Puls, starren Blick und Nacken, groß aufgerissene und hervorquellende Augen. Wie bei „Beutetieren“ üblich, kommt es bei Lockerung des Griffs zur Selbstbefreiungsreaktion, zu Zappeln mit möglicherweise sehr ausgeprägten Kratzspuren in der Haut des Halters und nachfolgend zu einem unkontrollierten Sprung in die Tiefe, aus den vermeintlichen Fängen heraus. Kaninchen können sich so ihr Rückgrat brechen. Bei ständig wiederholtem Herumtragen mögen sich Kaninchen schließlich apathisch in ihr Schicksal fügen – doch sie leiden.

Spielen
Manche Kaninchen haben durchaus Freude am Spiel, aber nur, wenn es sich um kaninchengerechte Beschäftigungsmöglichkeiten handelt. In der Regel haben Kaninchen an einer anregend gestalteten Nahrungssuche Interesse – wie z.B. Nahrungsbälle. Informieren Sie sich in einschlägiger Literatur oder im Internet auf seriösen Kaninchenseiten über Beschäftigungsarten dieser Richtung. Keinesfalls kaninchengerecht sind alle Aktivitäten, zu denen die sensiblen Tiere gezwungen werden. Alles, was nicht dem arttypischen Verhalten und den Bedürfnissen von Kaninchen entspricht, ist unbedingt abzulehnen, wie z.B. Kaninhop.

Adoption
Wenn Sie nach reiflicher Überlegung bereit sind, Kaninchen ein langfristiges, artgerechtes Zuhause zu geben und Ihr Kind an der Pflege teilhaben zu lassen, dann besuchen Sie bitte ein Tierheim. Unter keinen Umständen sollten Sie ein Kaninchen oder irgendein anderes Tier beim Züchter, auf Märkten oder im Zooladen kaufen!