Der Hundeführerschein – ein Sachkundenachweis für Hundehalter

Was ist eigentlich ein Hundeführerschein bzw. ein Sachkundenachweis für Hundehalter und wofür ist er gut?

Immer wieder berichten Zeitungen und Nachrichtensendungen über Beißunfälle, die verletzte Menschen, aber auch verletzte Vierbeiner zur Folge haben. Aus diesem Grund haben viele Menschen Angst vor Hunden, denen sie auf der Straße begegnen. Doch was in der Regel unerwähnt bleibt, ist die Tatsache, dass Hunde nicht von Natur aus aggressiv sind. Übergriffe ereignen sich in vielen Fällen durch eine Fehlinterpretation des Verhaltens des Vierbeiners, aber auch eine falsche Haltung oder gewaltsame Erziehung können Ursachen sein.

Was genau ist ein Hundeführerschein?

Der Hundeführerschein ist ein Nachweis darüber, dass man eine theoretische und eine praktische Prüfung zum Thema Hundehaltung bestanden hat. Im Idealfall wird die theoretische Prüfung abgelegt, bevor ein Hund aufgenommen wird. Die praktische Prüfung sollte innerhalb des ersten Jahres nach Aufnahme des Hundes erfolgen. Hierfür empfehlen sich vorbereitende Kurse bei Hundeschulen oder in Tierheimen, in denen Halter Informationen über prüfungsrelevante Themen wie Erziehung, Hundehaltung, Kommunikation mit dem Hund, Ausbildung, Gesundheitslehre und Recht erhalten.
 
Hundeführerschein
Bei der Sachkundeprüfung geht es nicht darum, den Hund zu überprüfen, sondern vielmehr um die Überprüfung des Hundehalters. Daher wird im praktischen Teil getestet, wie der Halter in Alltagssituationen mit dem Hund kommuniziert, diesen unter Kontrolle hat und verschiedene Begegnungssituationen meistert. Wichtig ist, dass Menschen Gefahrensituationen frühzeitig erkennen und in diesen Situationen entsprechend agieren.

Der Hundeführerschein ist ein Leben lang gültig und gilt für jeden Hund, den der Halter aufnehmen möchte.

Warum fordert PETA die Sachkunde?

Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit ihrem Tier umgehen und die Signale ihres Vierbeiners richtig deuten. Das Training vermittelt dem potenziellen Hundehalter Kenntnisse über die Anforderungen der Hundehaltung, die für ein tiergerechtes Leben der Hunde unerlässlich sind. Der Halter lernt, seinen vierbeinigen Freund besser einzuschätzen und erfährt, was in kritischen Situationen zu tun ist. Gefährliche Zwischenfälle – zum Beispiel Beißunfälle – können auf diese Weise vermieden werden. Dies verhilft dem Hund zu einem besseren Leben und einem entspannten Verhältnis zu „seinem Menschen“.
 
Hundeführerschein
Der Sachkundenachweis kann zudem Spontankäufe verhindern – denn gerade Hunde werden später häufig ausgesetzt oder im Tierheim abgegeben, weil sich die Halter im Vorfeld nicht ausreichend informieren. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen. Darüber hinaus erleichtert die verpflichtende Registrierung auch die Suche nach dem Besitzer eines entlaufenen Tieres und macht zudem ein Aussetzen des Tieres unmöglich.

Insgesamt ermöglicht diese Regelung also ein reibungsloseres Zusammenleben von Mensch und Tier und hilft dabei, Hunden ein Schicksal im Tierheim zu ersparen.

Gibt es den „Hundeführerschein“ bereits?

2011 hat Niedersachsen als erstes Bundesland die Einführung eines Sachkundenachweises beschlossen – seit Juli 2013 müssen zukünftige Hundehalter in Theorie und Praxis belegen, dass die Kommunikation mit ihrem tierischen Begleiter funktioniert. Mit dem Niedersächsischen Gesetz über das Halten von Hunden hat Niedersachsen auch die „Rasseliste“ wieder abgeschafft – ein wichtiges Zeichen gegen die Stigmatisierung einzelner „Rassen“.
 
Hundeführerschein
Wer in München nach dem 1. Mai 2014 einen Hundeführerschein abgelegt hat, kann sich für ein Jahr von der Hundesteuer befreien lassen. (1) In Mannheim gilt eine zweijährige Steuerbefreiung für alle Hunde, deren Halter den Hundeführerschein nach dem 1. Januar 2016 erworben haben. (2) Wer in Berlin ab dem 1. Januar 2017 einen Hund neu aufnimmt, ist dazu aufgefordert, sich die notwendige Sachkunde anzueignen. (3)

Hundeprofi Martin Rütter befürwortet das Konzept

In einem Interview antwortete Martin Rütter auf die Frage, ob Hundeführerscheine eine Lösung seien: (4)

„Die Lösung schlechthin. Jeder darf einen Hund besitzen, ja sogar züchten oder eine Hundeschule aufmachen. Unfälle passieren, weil die Besitzer keine Ahnung von den Tieren haben. Da ließe sich mit einer relativ kurzen Schulung der Grundkenntnisse viel verbessern.“


 
Hundeführerschein

Was Sie tun können

  • Bitte kaufen Sie niemals Tiere von einem Züchter und informieren Sie sich gut, bevor Sie einem Tier aus dem Tierheim ein richtiges Zuhause schenken. Absolvieren Sie den Hundeführerschein, auch wenn dieser an Ihrem Wohnort keine Pflicht ist, und erzählen Sie Ihren Freunden und Bekannten davon. Nur so können wir das Zusammenleben mit unseren vierbeinigen Freunden optimieren und Beißvorfälle vorsorglich verhindern.
  • Bitte unterstützen Sie unsere Forderung nach einem bundesweiten Hundeführerschein und fordern Sie gemeinsam mit uns ein Heimtierschutzgesetz.