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Nager im Haus?

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6 Tipps für einen tierfreundlichen Umgang mit Mäusen und Ratten

Stand April 2016
Mäuse und Ratten sind hervorragend an ein Leben mit dem Menschen angepasst, denn in der Kulturlandschaft finden sie alles, was das Nagerherz begehrt – vor allem genügend Nahrung und Unterschlupf. Leider werden die Tiere jedoch zu Unrecht oftmals zu „Schädlingen“ degradiert, vergiftet oder in Fallen regelrecht zerquetscht. Die Anwendung solch tödlicher Methoden ist grausam und nutzlos. Nehmen die Tiere tödliches Gift zu sich, verbluten sie innerlich und sterben einen langsamen und schmerzhaften Tod. Nagergift ist auch für den Menschen hochgradig giftig und stellt zudem ein Risiko für sogenannte Haustiere und andere Wildtiere dar, die das Gift entweder direkt oder indirekt über den Körper vergifteter Nager aufnehmen können. Hinzu kommt, dass solch tödliche Methoden Nager nie langfristig fernhalten und sogar das Gegenteil bewirken können, denn durch die Tötung der Tiere haben überlebende Artgenossen mehr Platz und Nahrung zur Verfügung. Freie Reviere werden blitzschnell wieder besetzt und die Verluste in der Population durch eine erhöhte Fortpflanzung ausgeglichen.
 

Was also tun bei unerwünschtem Nager-Besuch?


1. Vorurteile abbauen
Mäuse und Ratten sind sensible Lebewesen und verdienen unseren Schutz und Respekt. Sie sind intelligent und extrem lernbegierig. Zudem können sie neue Informationen schnell aufnehmen, verarbeiten und sogar komplexe Zusammenhänge verstehen. (1) (2) Ratten und Mäuse sind penibel reinliche Tiere, die sich mehrmals am Tag putzen. Dass sie Parasiten oder Viren übertragen, ist weniger wahrscheinlich als bei Hunden oder Katzen. Ähnlich wie wir sind Mäuse und Ratten sehr soziale Wesen, die Bindungen zueinander aufbauen, ihre Familie verteidigen, miteinander spielen und aneinander gekuschelt schlafen.
 
2. Futterquellen im und ums Haus vermeiden
Ratten und Mäuse werden durch Nahrung angezogen. Um den Tieren mögliche Futterquellen unzugänglich zu machen, kann Folgendes beachtet werden: Mülleimer (außen wie innen) verschließen (z. B. mit Spanngurten), Schränke und Schubladen sauber und frei von Krümeln halten, Nahrungsmittel in Boxen aufbewahren, Tiernahrung nicht stehen lassen und tierische Mitbewohner wie Hunde oder Katzen nicht im Freien füttern. Die Fütterung von Wildtieren im Garten sollte ebenfalls vermieden werden. Heruntergefallenes Obst im Garten kann aufsammelt werden.
 
3. Versteckmöglichkeiten reduzieren
Als Beutetiere fühlen sich Nager überall da besonders wohl, wo sie sich bei Gefahr schnell verstecken können. Durch das Kürzen von Gras und Büschen am Haus wird geschützten Laufwegen entgegengewirkt. Gartenmöbel oder Holzstapel können anstatt direkt am Haus in einiger Entfernung im Garten gelagert werden.
 
4. Tierfreundliche Vergrämung
Kotspuren oder Futteransammlungen verraten gängige Aufenthaltsorte der Tiere. Mit Gerüchen (z. B. in Ammoniak getränkte Tücher), lauter Musik oder Lichtquellen (Stroboskoplicht) können die Tiere ferngehalten werden. Bei den im Handel erhältlichen Ultraschallgeräten ist jedoch zu beachten, dass diese je nach Frequenz auch auf Hunde, Katzen oder andere tierischen Mitbewohner verstörend wirken können.
 
5. Schlupflöcher finden und verschließen
Mäuse und Ratten gelangen durch winzige Ritze und Löcher zwischen Rohren und Türen etc. ins Haus. Mit einer Taschenlampe können die Eingänge erkannt und zunächst übergangsweise mit Zeitungspapier verschlossen werden. So können Tiere, die sich eventuell in Hohlräumen befinden, hinaus gelangen und werden nicht eingeschlossen. Um Einstiegsstellen zu finden, kann ebenso Mehl auf dem Boden verstreut werden – die Fußspuren werden die Schlupflöcher verraten. Wenn sich kein Tier mehr im Haus befindet, können die Einstiegslöcher mit Isoliermaterial, Bauschaum, Maschendraht oder einem Metallblech verschlossen werden.
 
6. Umsiedeln
Nachdem das Haus nagersicher gemacht wurde, können verbleibende Tiere mit Lebendfallen gefangen und nach draußen gebracht werden. Hierbei gilt Folgendes zu beachten:
 
  • Der Köder (z. B. Erdnussbutter) muss am Ende der Fallen platziert werden, sodass der Schwanz nicht in der Tür eingeklemmt wird.
  • Die Fallen müssen stündlich überprüft werden. Wenn das nicht möglich ist, müssen die Fallen deaktiviert werden! Mäuse und Ratten sind sehr stressempfindlich und können nach nur wenigen Stunden an Stress und Dehydrierung sterben.
  • Wenn eine Maus oder eine Ratte gefangen wurde, sollte die Falle mit einem Handtuch abgedeckt werden, um zusätzlichen Stress für das Tier zu vermeiden.
  • Das Tier sollte umgehend in einem Umkreis von etwa 100 Metern frei gelassen werden. Wird eine Maus oder eine Ratte in einem fremden Gebiet ausgesetzt, kann dies unter Umständen zum Tod des Tieres führen.
  • Um nach der Benutzung alle Gerüche nach Nahrungsmitteln zu entfernen, sollten die Fallen gründlich ausgewaschen und ihre Funktion bei der Lagerung unbedingt ausgestellt werden.
 

Quellen
 
(1) Meichsner, Irene (2014): Verhaltensforscher Otto Koehler. Er war überzeugt: Tiere können denken. In: Deutschlandfunk. http://www.deutschlandfunk.de/verhaltensforscher-otto-koehler-er-war-ueberzeugt-tiere.871.de.html?dram:article_id=306152 (abgerufen am 22. 3. 2016)
(2) Focus online (2012) Nager versus Mensch. So intelligent sind Ratten wirklich. In: Focus online. http://www.focus.de/wissen/natur/nager-versus-mensch-so-clever-sind-ratten_aid_723876.html (abgerufen am 22. 3. 2016)