Vorbild: Frankreich führt Gesetze für mehr Tierschutz ein

Frankreich weitet den Tierschutz gesetzlich aus: Millionen Tiere in der Heimtier-, Unterhaltungs- und Pelzindustrie profitieren davon!

Im September 2020 kündigte Frankreichs Umweltministerin Barbara Pompili den „Beginn einer neuen Ära“ an und läutete das Ende von Delfinarien, der Wildtierhaltung in Zirkussen sowie der Nerzzucht in Frankreich ein. [1] Ende Januar 2021 war es so weit: Nach den großen Ankündigungen stimmte die Nationalversammlung über mehrere Artikel ab, die den Schutz von Wild- und sogenannten Haustieren stärken sollen. Damit die Neuerungen in Kraft treten, muss der Senat den Änderungen noch zustimmen. Sollten die Bestimmungen von der zweiten Parlamentskammer angenommen werden, wären die Gesetzesänderungen ein großer Schritt für Tiere, die in Zirkussen, Meeresparks und Pelzfarmen ausgebeutet werden. [2]

Zirkusse: Verbot von Wildtierdressuren kommt innerhalb von fünf Jahren

Bislang gehört Frankreich neben Deutschland und Italien zu den EU-Ländern mit den meisten Wildtier-Zirkussen. [3] Wie in einigen anderen europäischen Ländern soll auch in Frankreich innerhalb der nächsten fünf Jahre die Wildtierhaltung in Zirkussen verboten werden. Das geplante neue Gesetz sieht auch vor, dass die Zucht und der Erwerb von Wildtieren verboten werden. Für zahlreiche missbrauchte Tiere bedeutet das, dass sie künftig nicht mehr brutal dressiert und zum Aufführen von Kunststücken gezwungen werden – ihr entbehrungsvolles Leben in Gefangenschaft hat dann ein Ende.

Tiger im Zirkuswagen

Diese Entscheidung des Ministeriums spiegelt die Haltung des Großteils der französischen Bevölkerung wider: 67 Prozent befürworten ein Verbot von Zirkussen mit Wildtieren. [4]

Unterhaltungsindustrie: Verbot von Bären- und Wildtiermissbrauch für Film, Fernsehen und Co.

Die französischen Abgeordneten haben außerdem über ein Verbot abgestimmt, das den Einsatz von Wildtieren bei Veranstaltungen, in Diskotheken sowie für TV-Produktionen untersagt.

Darüber hinaus wurde das Verbot von sogenannten Ponykarussells beschlossen. Für diese grausamen „Fahrgeschäfte“ sind Ponys meist den ganzen Tag angebunden – manchmal ohne Wasser oder Schutz vor Sonne und Regen –, nur um Kindern wenige Minuten Unterhaltung zu bieten.

Meeresparks: Walhaltung wird in den nächsten sieben Jahren verboten

Im Herbst 2020 kündigte Barbara Pompili an, die Zucht von Orcas und Delfinen in Gefangenschaft bzw. in Delfinarien und anderen Meeresparks verbieten zu wollen. Künftig sollen die Zucht und der Neuerwerb dieser Tiere verboten und die Freilassung von Tieren, die sich derzeit in Gefangenschaft befinden, erlaubt werden: Für die Delfine und Orcas, die derzeit noch in drei Einrichtungen in Gefangenschaft leben, soll eine neue Heimat gefunden werden. Innerhalb der nächsten sieben Jahre soll der Betrieb von Delfinarien in Frankreich endgültig auslaufen. Darüber hinaus wurde ein Verbot der Zucht von Meerestieren in Zoos beschlossen. Bisher ist jedoch noch unklar, was mit Tieren passiert, die noch in Delfinarien und Zoos in Gefangenschaft leben.

Delfin im Meereszoo

Noch bevor das Gesetz diskutiert wurde, gab der Freizeitpark Parc Astérix bekannt, dass er sein Delfinarium schließen wird – und seine Delfine in andere Farmen in Europa schickt. Der öffentliche Aufschrei, den diese Ankündigung auslöste, setzt die Regierung unter Druck, schnell einen Ort zu schaffen, an den diese Tiere verlegt werden können – beispielsweise ein ausreichend großes Meeres-Sanktuarium. Es ist wichtig, dass die französische Politik weiterhin engagiert bleibt und dem Leid der in Gefangenschaft ausgebeuteten Tiere dauerhaft ein Ende setzt. Dafür sollten sämtliche Tiere in Auffangstationen übermittelt werden, in denen sie ein weitgehend artgerechtes Leben führen und ihren natürlichen Bedürfnissen möglichst uneingeschränkt nachgehen können – statt die Tiere von einem Gefängnis ins nächste zu übergeben.

Pelzfarmen: Ausdehnung des Verbots von Pelzfarmen auf alle Wildtiere bis 2023

Nach jahrelangen Kampagnen von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen, einschließlich der Bemühungen von französischen Prominenten und weiteren Aktivisten, soll die Pelzindustrie, in der Millionen schmerzempfindende Lebewesen in winzige Käfige gesperrt und schließlich auf brutalste Weise getötet werden, in Frankreich vollständig verboten werden.

Im September 2020 verkündete Ministerin Barbara Pompili, dass die Nerzzucht bis 2025 beendet werden solle. Die fünfjährige Frist wurde zwar um zwei Jahre verkürzt, die Schließung der vier letzten französischen Nerzfarmen nach einer verhältnismäßig langen Übergangsfrist ist kritisch zu beurteilen: Denn die Pelzindustrie ist für die Ausbreitung des Coronavirus mitverantwortlich; angesichts der Risiken für die öffentliche Gesundheit ist eine Verzögerung um zwei weitere Jahre fragwürdig.

Nerz in Pelzfarm

PETA Frankreich möchte die Regierung daher weiterhin mit (Online-)Aktionen darauf hinweisen, dass die Pelzindustrie für den Tod unzähliger Tiere sowie für die Verbreitung von Krankheiten verantwortlich ist und daher eine sofortige Schließung der Nerzfarmen erforderlich ist.

Das Verbot der „Pelztierzucht“ wurde auf alle Wildtiere ausgeweitet – die Schließung von Kaninchenfarmen für Pelz und Angorawolle blieb bisher jedoch leider unberücksichtigt. Problematisch ist außerdem, dass ein Verbot von Pelzimporten mit dem Hinweis auf den freien Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union abgelehnt wurde; somit wird das Leid vorerst nur ins Ausland ausgelagert. PETA Frankreich möchte sich daher künftig verstärkt für ein Importverbot von Pelz einsetzen.

Verbesserter Schutz für „Haustiere“

Die Nationalversammlung stimmte auch für sogenannte Haustiere über einen ausgeweiteten Tierschutz ab: Jede Person, die zum ersten Mal einen tierischen Mitbewohner bei sich aufnimmt, muss nun vorher über die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Tieres informieren. Ziel dieser neuen Regelung ist es, Aussetzungen und Missbrauch von Tieren zu verhindern.

Verurteilte Tierquäler, denen das Halten eines Tieres untersagt wurde, werden daher registriert, damit sie das ausgesprochene Tierhaltungsverbot nicht umgehen können. In diesem Zuge wird auch das Strafmaß für Tierquälerei erhöht: Bei schwerem Missbrauch drohen künftig drei Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von 45.000 Euro, bei dem Tod eines Tieres drohen bis zu fünf Jahre und eine Geldstrafe von 75.000 Euro.

Hund und Katze

Ein weiterer Artikel thematisiert den sexuellen Missbrauch von Tieren: Die Aufnahme, der Besitz und die Verbreitung von Tierpornografie sollen künftig unter Strafe stehen.

Außerdem beschloss die französische Regierung das lang geforderte Verbot für Zoohandlungen, Hunde und Katzen zu verkaufen. Der Verkauf tierischer Mitbewohner über das Internet wurde zwar eingeschränkt, neben Tierheimen dürfen jedoch auch gewerbliche Züchter weiterhin Hunde und Katzen vermitteln bzw. verkaufen.

Mit über 100.000 ausgesetzten Hunden und Katzen ist Frankreich trauriger Rekordhalter in Europa. [5] Doch auch in deutschen Tierheimen warten über 350.000 Tiere auf ein neues Zuhause. [6] Um der stetig wachsenden Zahl entgegenzuwirken, ist es wichtig, tierische Mitbewohner kastrieren zu lassen und Tiere ausschließlich aus dem Tierschutz bzw. aus Tierheimen zu adoptieren.

Frankreich als politisches Vorbild: Bundesregierung muss nachziehen

In Frankreich ist es jetzt Aufgabe des Senats, ebenfalls über die Gesetzesänderungen der Nationalversammlung abzustimmen. Mit der politischen Debatte über mehr Tierschutz geht Frankreich große und wichtige Schritte in die richtige Richtung. Die Entscheidungen der Regierung bedeuten weniger Tierleid und immense Verbesserungen für Millionen Tiere; die Entschlüsse zeigen aber auch, dass weiterhin Handlungsbedarf besteht. Während es in Deutschland bereits keine Pelzfarmen mehr gibt, sind wir dennoch weit entfernt von einem Verbot der Haltung von Meeressäugern und der Haltung von Tieren in Zirkussen. Wir von PETA Deutschland appellieren daher an die deutschen Politiker, dem französischen Beispiel zu folgen. Denn auch hierzulande leiden weiterhin unzählige Tiere unnötig Schmerz und Qualen in den verschiedenen Industrien – nicht nur in der Unterhaltungsindustrie, sondern auch in der Fleisch-, Milch– und Eierindustrie. Die Unterscheidung zwischen verschiedenen Tieren nach ihrem Nutzen für uns Menschen ist mehr als kritikwürdig und nennt sich Speziesismus. Alle Tiere haben ein glückliches Leben verdient, in dem sie ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen können – ohne ausgebeutet zu werden.

Was Sie tun können

  • Bitte besuchen Sie keine Delfinarien und Zirkusse. Informieren Sie Ihre Freunde, Familie und Bekannten über das Leid der Tiere in der Unterhaltungsindustrie. Unterschreiben Sie unsere Petition, in der wir das Ende der Tierhaltung in Zirkussen fordern.
  • Engagieren Sie sich gegen Tierleid in der Unterhaltungs- und Bekleidungsindustrie, indem Sie sich für eine tierfreundliche vegane Lebensweise entscheiden.
  • Informieren Sie sich vor politischen Wahlen und überlegen Sie sich genau, wem Sie Ihre Stimme geben möchten.