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Tierärztin rettet Robbe – und wird wegen „Jagdwilderei“ angezeigt

Seehund Heuler
Symbolbild

Als Tiermedizinerin und Leiterin eines Robbenzentrums ist es ihre Aufgabe, schwache, kranke und verletzte Tiere zu versorgen. Am 30. März muss sich die Frau jedoch in Husum vor Gericht verantworten, weil sie einen jungen Seehund gerettet hat. Der Tierärztin wird „Jagdwilderei“ vorgeworfen, weil sie das mutterlose Jungtier in ihrem Zentrum erstversorgt hat – denn in Schleswig-Holstein dürfen nur Jäger:innen den Zustand von Seehunden einschätzen. Erfahren Sie hier mehr zu dem absurden Fall.

Gerettete Robbe: Tierärztin wegen „Jagdwilderei“ vor Gericht

Ende Märzmuss sich die Tiermedizinerin und Leiterin des Robbenzentrums einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Husum stellen: Weil sie das Seehundbaby gerettet hat, drohen der Frau nun bis zu 500 Euro Geldstrafe.

Die Tierärztin rettete und versorgte einen in Not geratenen Heuler, also ein mutterloses Seehundjungtier, aus einer absoluten Notlage. Das Tier sei länger beobachtet worden und bereits über einen größeren Zeitraum ohne Mutter. Das Tier sei an einer beliebten Wattwandererstrecke bereits hinter Menschen hergerobbt und machte eine große Reisegruppe mit über 70 Personen mit verzweifelten Lauten und seine Hilflosigkeit auf sich aufmerksam. Die aufmerksamen Helfer:innen konnten das Leid des Tieres nicht mehr mitansehen und informierten schließlich das Robbenzentrum. Seehundjäger:innen sollen die Hilfsmaßnahmen am Wattausgang bzw. vom Deich aus gefilmt haben, um dann Anzeige zu erstatten.

An der Nordseeküste stufen Jäger:innen die jungen Tiere entweder als todkrank ein und erschießen sie oder bringen sie in Seehundstationen. In diesem Fall soll einer der Jäger:innen das Fahrzeug des Rettungsteams am Wegfahren gehindert und darauf hingewiesen haben, dass so ein Tier ruhig mal sterben könne.

Seehund schwimmt im Wasser
Viele kranke, verletzte oder verlassene, meist junge, Robben werden von Jäger:innen getötet.

Wir von PETA Deutschland haben deswegen in der vergangenen Woche den Landwirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Jan Philip Albrecht, aufgefordert, die Tierart Phoca vitulina, also Seehund, von der Liste der jagdbaren Arten im Jagdgesetz zu streichen.

„Deutschland ist das einzige Land, in dem Tiermediziner:innen bestraft werden, wenn sie Tieren helfen, und Jäger:innen dafür bezahlt werden, dieselben Tiere zu töten. Es ist ein Skandal, dass in Schleswig-Holstein noch immer Jäger:innen über Leben und Tod von Seehunden entscheiden und dabei keine Ahnung von Tiermedizin haben. Seehunde müssen endlich von der Liste der jagdbaren Arten aus dem Bundesjagdgesetz gestrichen werden!“

Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA

Viele Jäger:innen bereichern sich am Tod der Robben

Für viele Jäger:innen stellt die Jagd auf Seehunde eine Option dar, Geld dazuzuverdienen: Denn für jeden „Einsatz“ gibt es eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 45 Euro.

Im Jahr 2019 wurden 776 Tiere erschossen – das bedeutet eine Aufwandsentschädigung von mehr als 30.000 Euro, die sich einige wenige Hobbyjäger:innen jährlich dazuverdienen.

Seehundjäger:innen erschießen an der deutschen Nordseeküste jedes Jahr Hunderte, oft verletzte, verlassene oder kranke Seehunde. Oft kommen sie zu dem Schluss, die Tiere seien nicht überlebensfähig. Die Entscheidung über Leben und Tod treffen sie jedoch spontan und ohne medizinische Untersuchungen – denn Seehundjäger:innen gehen der Hobbyjagd nach und hatten nur eine kurze Schulung über Robben.

Die Jagd auf Seehunde wurde 1974 eingestellt. Doch die geschützte Art verblieb im Jagdrecht und gehört somit – trotz ganzjähriger Schonzeit – zu den jagdbaren Tierarten.

Robbe hinter Grashalmen am Stand
Seit vielen Jahrzehnten verhindert die Jagdlobby, dass Seehunde aus dem Jagdrecht gestrichen werden.

Wir fordern daher, die „Richtlinie zur Behandlung von erkrankt, geschwächt oder verlassen aufgefundenen Robben“ [1] des Landes dahingehend anzupassen, dass sie nur noch Veterinär:innen erlaubt, den Gesundheitszustand von aufgefunden Robben zu überprüfen. Jäger:innen sollen die Tiere nicht mehr gegen eine Aufwandsentschädigung erschießen dürfen.

6 Fakten über Robben: Seehunde und Co. sind gesellige und fürsorgliche Tiere

Weltweit gibt es 34 Robbenarten in drei Familien: Ohrenrobben, Hundsrobben und Walrosse. Die meisten von ihnen sind sehr gesellige Tiere. Robbenmütter kümmern sich beispielsweise aufopferungsvoll um ihre Kinder.

  1. Robben sind wie Wale und Seekühe Meeressäuger. Fortpflanzung und Aufzucht der Jungtiere finden allerdings an Land statt.
  2. Seehunde gehören wie Kegelrobben zur Familie der Hundsrobben. Beide Arten leben an deutschen Küsten. Im Vergleich zur Kegelrobbe haben Seehunde einen eher rundlichen Kopf.
  3. Männliche Seehunde werden bei einer Körperlänge von bis zu 1,70 Meter bis zu 150 Kilogramm schwer, weibliche Tiere sind etwas zierlicher. Die Tiere können bis zu 35 Jahre alt werden.
  4. Zur Aufzucht ihrer Babys finden sich Robbenmütter meist in größeren Kolonien zusammen.
  5. Seehundmütter verschreiben sich in den ersten Wochen ganz der Aufzucht ihrer Babys und bleiben stets in unmittelbarer Nähe ihrer Kinder: Sie fasten sogar, da bereits ein kurzer Moment der Unachtsamkeit den Verlust des Jungtieres bedeuten kann, wenn es von der Strömung erfasst und weggespült wird.
  6. Erwachsene Seehunde verbringen die meiste Zeit im Wasser: Sie können bis zu 30 Minuten lang tauchen und erreichen dabei Tiefen von bis zu 200 Metern. Sie kommen regelmäßig an Land, um sich auf Sandbänken auszuruhen.

Robben haben wie alle Tiere ein Recht auf ein friedliches und unversehrtes Leben. Anstatt sie zu töten oder in Zoos einzusperren, sollten wir Menschen sie und ihre Bedürfnisse respektieren – und ihnen in Notsituationen helfen.

Seehunde liegen am Strand
Robben sind faszinierende Tiere, die weder getötet noch eingesperrt werden sollten.

Helfen Sie, den Tod Zehntausender Robben in Namibia zu beenden!

An den Stränden Namibias werden jährlich rund 26.000 Robben qualvoll getötet. Unterstützen Sie unsere Petition an die Regierung Namibias, damit die Jagd auf die Tiere dort beendet wird.