Video: Erschreckendes Tierleid im Tierpark Neumünster

Seit Jahren erhalten wir bei PETA Deutschland regelmäßig Hinweise von Whistleblower:innen auf Tierleid im Tierpark Neumünster. Im April 2023 dokumentierten wir daraufhin selbst vor Ort schlechte Haltungsbedingungen und Verhaltensstörungen bei mehreren Tieren im Zoo, die nach unserer Einschätzung auf seelisches Leid hinweisen. Wir haben daher Strafanzeige gegen den Tierpark erstattet.

Verhaltensgestört: Eisbären laufen immer hin und her

In einem Video ist zu sehen, wie die Eisbärin Larissa am Beckenrand immer wieder ziellos wenige Meter auf und ab läuft. Auch ihr Partner Vitus schwimmt die immer gleichen kleinen Kreise. Larissa und Vitus sind beide seit April 2017 in dem winzigen, heruntergekommenen Gehege in Neumünster eingesperrt. Die Verhaltensstörungen der beiden Eisbären sind seit Jahren bekannt und wurden uns seit 2018 wiederholt gemeldet, teilweise auch mit Videomaterial.

„Das Eisbärenpaar zeigt sehr auffällige Verhaltensstörungen. Einer läuft hin und her […] und der andere schwimmt im Pool in einem kleinen Radius im Kreis stundenlang.“

Whistleblower-Meldung vom Juli 2022

„ […] wir haben heute den Tierpark in Neumünster besucht und sind nachhaltig schockiert, unter welchen Bedingungen die Tiere dort gehalten werden. Die Eisbären […] laufen in einem sehr kleinen Gehege immer wieder verstört denselben Weg und wirken höchst apathisch. Das Gehege ist verwildert, verschmutzt und das Wasser im Schwimmbecken der Tiere ist so grün, dass man nicht hine[i]n sehen kann.“

Whistleblower-Meldung vom August 2018
Eisbärgehege
Das Eisbären-Gehege ist beengt und heruntergekommen.
Schild in einem Tierpark
Die ausgeprägten Verhaltensstörungen der Eisbären werden heruntergespielt und „besondere Gerüche“ und ein angeblicher „Hormonüberschuss“ dafür verantwortlich gemacht.

Namhafte Fachleute sind überzeugt, dass Eisbären in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können, da die Diskrepanz zwischen den Bedingungen in ihrem natürlichen Lebensraum und denen im Zoo zu groß ist. [1, 2] Obwohl die Folgen der viel zu kleinen Gehege in Zoos bekannt sind, werden die Tiere weiterhin in diese Leid verursachende Umgebung hineingezüchtet. In freier Natur wandern Eisbären jedes Jahr Hunderte bis Tausende Kilometer. Können sie sich nicht artgemäß bewegen, entwickeln sie auffällige Verhaltensstereotypien, die sich in sich ständig wiederholenden Bewegungsabläufen zeigen. Schon mehrfach veröffentlichte PETA Videomaterial, das schwere Zwangsstörungen bei den Tieren belegt.

Weitere verhaltensgestörte Tiere im Tierpark Neumünster

Bereits 2021 wurden uns Aufnahmen eines offenbar verhaltensauffälligen Baumstachlers geschickt, der seinen Körper laut Augenzeug:innen mehrere Minuten stereotyp hin- und herbewegte. Weitere aktuelle Aufnahmen zeigen auch einen Waschbären, der rastlos am Gehegezaun auf und ab geht, sowie einen apathisch wirkenden Uhu, der sich auf dem Boden sitzend hinter einem Baumstamm zusammenkauert.

Apatische Eule in einer Voliere
Dieser Uhu saß über einen längeren Zeitraum apathisch auf dem Boden seiner Voliere hinter einem Baumstamm versteckt.

Vögel verstümmelt und flugunfähig gemacht

Die aktuellen Videos zeigen auch, dass der Tierpark die Eurasischen Kraniche offenbar durch Beschneiden der Federn flugunfähig gemacht hat, obwohl diese Verstümmelung gegen das Tierschutzgesetz verstößt.

Um Vögel wie Kraniche, Flamingos oder Pelikane am Wegfliegen zu hindern, werden die Tiere in Zoos noch immer häufig durch regelmäßiges Beschneiden der Federn oder chirurgische Eingriffe flugunfähig gemacht. Damit wird es den Tieren unmöglich, sich artspezifisch fortzubewegen. Diese Maßnahmen sind ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, wie die Bundesregierung bereits 2015 bestätigte. [3]

Vogel hinter Gittern
Vögel werden in Zoos durch chirurgische Eingriffe flugunfähig gemacht.

Tierpark Neumünster bescheinigt sich selbst „gute“ Tierhaltungen

Abgesehen von der häufigen Kritik an seinen Haltungsbedingungen sorgte der Tierpark Neumünster während der Corona-Pandemie für Negativ-Schlagzeilen, weil die Verantwortlichen androhten, Tiere „notschlachten“ zu müssen, wenn das Geld knapp würde.

Um dem Negativ-Image entgegenzuwirken, wurde im Tierpark 2021 eine studentische Arbeit durchgeführt, die sich mit einer Bewertung der Tierhaltungen befasste und offensichtlich zum erklärten Ziel hatte, einen Nachweis für das vermeintliche „Tierwohl“ zu erbringen. [4] So wird in der Arbeit von C. Schlautmann aus einer Fragestunde bei Zoodirektorin Verena Kaspari ein „Beleg für das Tierwohl“ als Zielsetzung zitiert:

„Der Tierpark Neumünster ist ein Zoo im Wandel, seit 2013 wird der Park fortlaufend modernisiert und an die aktuellen Zoo-Standards angepasst. Animal Welfare ist ein Bestandteil in diesem Umbruch und es wird eine wissenschaftliche Aufnahme als Beleg für das Tierwohl im Tierpark gewünscht (Kaspari, 2021).“

C. Schlautmann [5]
Plakat
Mit diesem Schild soll dem Negativ-Image entgegengewirkt werden.

PETA erstattet Anzeige gegen Tierparkleitung

Anhand der dokumentierten Missstände gehen wir davon aus, dass den Tieren im Tierpark durch ihre Haltungsform erhebliche und länger anhaltende Leiden zugefügt werden. Wir haben daher am 19. Juni 2023 bei der Staatsanwaltschaft Kiel Strafanzeige gegen die verantwortliche Tierparkleitung erstattet.

„Es ist bezeichnend, dass sich der Tierpark mit einer eigens beauftragten studentischen Untersuchung ein gutes ‚Tierwohl‘ bescheinigt und die Missstände damit zu vertuschen und herunterzuspielen versucht. Dabei ist das Tierleid selbst für Lai:innen offensichtlich. Wir fordern, dass die artwidrigen Haltungen, vor allem die der Eisbären, schnellstmöglich beendet werden. Die traurigen Tiergefängnisse tragen nichts zur Wissensvermittlung über Tiere bei, stattdessen lernen Besucher:innen, dass es in Ordnung sei, Lebewesen zur menschlichen Unterhaltung auszubeuten.“

Dr. Yvonne Würz, PETA Deutschland

Wie Sie Tieren im Zoo helfen können

Besuchen Sie bitte niemals einen Zoo oder Tierpark, sondern setzen Sie auf tierfreundliche Freizeitaktivitäten. Wenn Sie doch einmal Tierleid mitbekommen, dokumentieren und melden Sie uns dies bitte – nur mit Ihrer Hilfe können wir dafür sorgen, dass das Leid der Tiere im Zoo irgendwann beendet wird.