Australische Schafscherer werden mit Drogen bezahlt

Schaf beim scheren misshandelt

Die schlimmen Arbeitsbedingungen der Schafscherer

Die Schur von Schafen macht Scherern schwer zu schaffen. Arbeiter und Branchenkenner berichten von immer gefährlicheren und schlimmeren Arbeitsbedingungen auf australischen Wollfarmen.

Laut Recherchen gehört das Schafscheren zu den riskantesten Berufen des Landes. Neue Statistiken von Safe Work Australia haben gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, sich als Scherer ernsthaft zu verletzen, mindestens sechsmal höher ist bei durchschnittlichen Arbeitnehmern.

Die Folgen von Unfällen bei der Scherarbeit können lebensbedrohlich sein. Eine australische Aufsichtsbehörde leitet aktuell ein Verfahren gegen eine Wollfarm ein, auf der eine Frau einer laufenden Schermaschine hilflos ausgesetzt war. Ihre Haare wurden von der Maschine ergriffen und bis auf die Kopfhaut abrasiert. Die Maschine hinterließ schwere Schnittwunden.

Die Sicherheitsmaßnahmen auf vielen Wollfarmen sind katastrophal. Oftmals fehlen ordnungsgemäße Befestigungen, Sicherheitsgurte und Sicherheitsknöpfe. Auf vielen Farmen gibt es nicht einmal Toiletten oder fließendes Wasser. Hinzu kommt, dass die Arbeiter auch am Wochenende scheren [1]. Schafscherer stehen unter extrem hohem Stress und Zeitdruck, was dazu führt, dass der Missbrauch von Alkohol und Drogen zu einem immer größeren Problem wird [2]. Die Drogen haben einerseits negative Folgen auf die Gesundheit der Arbeiter, andererseits birgt der Drogenkonsum auch Gefahren für die sanftmütigen Schafe, denn Scherer arbeiten unter Drogeneinfluss unvorsichtig und grob.

Schaf beim scheren misshandelt

Drogen als Bezahlung

Der australische Gewerkschaftsbund teilte mit, dass einige Scherunternehmen ihre Arbeiter sogar in Bündeln Bargeld und Drogen bezahlen. Diese Berichte haben Bedenken hinsichtlich der Regulierungen in der Wollindustrie ausgelöst. Die Auftraggeber verstoßen in der Wollindustrie aktiv gegen das Gesetz und versuchen, derartige Arbeitsbedingungen zu verheimlichen.

Die Lobby der Wollindustrie wehrt sich gegen die Vorwürfe und wiegelt ab: Laut Ed Storey, dem Präsidenten von „Wool Producers Australia“, einer Lobbygruppe von Wollproduzenten, würden die meisten Wollfarmen in Australien ausgezeichnet geführt und es gäbe keinerlei Notwendigkeit für eine verstärkte Regulierung oder Kontrollen. Ein befragter Scherer gab an, die genannten Arbeitsbedingungen auf Wollfarmen seien nur möglich, weil die Farmen sehr abgeschieden gelegen und unterbesetzt sind [1]. Doch es sind längst nicht nur Schafscherer, die auf Wollfarmen leiden.

Das Leid der Schafe in der Wollindustrie

Weltweit gibt es rund 1 Milliarde Schafe. Für die Produktion von Wollerzeugnissen werden die Tiere während der Schur oft geschlagen, getreten und mit Metallscheren verletzt. Schafscherer werden nach der Zahl geschorener Schafe bezahlt – somit steht Schnelligkeit bei der Akkordarbeit an erster Stelle und die Tiere werden oft verletzt. Häufig werden bei der Schur ganze Hautstücke abgeschnitten.
 

Wolle beruht auf Tierquälerei

Die Tatsache, dass Schafe überhaupt geschoren werden müssen, ist ausschließlich auf Qualzucht zurückzuführen, denn in der Natur wächst einem Tier niemals mehr Fell, als es zum Schutz vor der Witterung benötigt. Um Schafe für seine Zwecke nutzbar zu machen, züchtete der Mensch dem Wildschaf den Fellwechsel weg und machte es so von der Schur abhängig. Die Rückkehr zu einem natürlichen Fellwachstum wird durch die Profitgier der Wollindustrie verhindert.

blutiges Schaf beim scheren

Was Sie tun können 

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[1] King, Charlotte (2019): „Shearing contractors accused of paying in drugs, as workers decry poor conditions“. ABC News. https://www.abc.net.au/news/2019-11-17/drug-distrubution-poor-working-conditions-in-shearing-sheds/11708150?sf223840595=1&fbclid=IwAR2T2SIFTij_Q5q9l5pHp3DF6N9RWLAnfHUY9oVrvBqAWKcSaEJKZJlNHKg, zuletzt eingesehen am 26.11.2019

[2] Cunningham, Melissa (2017): Billboard warns: 'Shearing and drugs don't mix'. The Age. http://www.theage.com.au/victoria/billboard-urges-shearers-to-report-drug-use-20170329-gv8ztc.html, zuletzt eingesehen am 26.11.2019
 


 

Unsere Autoren

Melanie Hellige

Melanie hat in Deutschland, England und der Schweiz in der Fashionbranche gearbeitet. Aus Tierliebe setzt sie sich heute als Fachreferentin für Bekleidung und Textil dafür ein, dass in der Zukunft keine Tiere mehr für die Modeindustrie ausgebeutet werden. Wie Karl einmal sagte: „You cannot fake chic but you can be chic and fake fur.“