Eier vom „Bauern in meiner Nähe“: Keine Idylle für Hühner

Ein paar Hühner, die auf einer grünen Wiese scharren dürfen, artgerecht ernährt werden und nach vielen Jahren auf natürliche Weise sterben – dieses idyllische Bild hat nichts mit der Realität zu tun, wenn man Eier vom „Bauern von nebenan“ kauft. Auch auf den vermeintlich kleinen regionalen Betrieben leiden Hühner enorm und kranke sowie tote Tiere sind an der Tagesordnung. Erfahren Sie hier, warum regionale Eier keine Idylle für die Hühner bedeuten und wie Verbraucher:innen oft durch geschönte Informationen getäuscht werden.

Gerlinger Geflügelhof: Tote und verweste Hühner zwischen kranken Artgenossen

2015 deckten wir von PETA Deutschland die schrecklichen Zustände auf einem Bauernhof in Gerlingen bei Stuttgart auf. Laut der Website des Hofs sollen die Hühner dort ein idyllisches Leben führen, glücklich und zufrieden jeden Tag ihr Ei legen und abends gut behütet in ihrem Stall schlafen. [1]

„Wir legen Wert auf das Wohlbefinden unserer Hühner.“ [1]

Die Realität sieht jedoch anders aus: Unsere Augenzeug:innen filmten ca. 60 tote Hühner, die teilweise mumifiziert neben den lebenden Artgenossen im Stall verrotteten. [2] Zudem pickten sich die Tiere aus Stress gegenseitig die Federn aus, wie die teilweise ausgerissenen Schwanzfedern und kahlen Stellen im Gefieder zeigten. Die Gitter und Böden waren voller Kot und die Luft roch scharf nach Ammoniak.

Ob die Tiere tatsächlich den auf der Website beschriebenen Auslauf auf der grünen Wiese genießen dürfen, ist fraglich. Unsere Ermittler:innen besuchten den Stall auch tagsüber mehrmals und sahen kein einziges Mal ein Huhn auf der Wiese scharren oder picken.

Wir erstatteten Strafanzeige gegen den Landwirt und informierten das zuständige Veterinäramt. Die Behörden sollten unter anderem auch die zugelassene Besatzdichte im Stall prüfen, denn laut Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung müssen wenigstens alle Hennen gleichzeitig eine erhöhte Sitzstange zum Ruhen aufsuchen können sowie einen Einstreubereich zur Verfügung haben. [3] Zudem müssten die Verantwortlichen die toten Hühner täglich aus dem Stall bringen. Nach Angaben des Veterinäramtes ist der Stall mit 4.000 Hühnern maximal belegt – auf einem Quadratmeter werden neun Tiere gehalten. [2] Nach mehreren Jahren wurde das Strafverfahren eingestellt. Der Landwirt musste ein Bußgeld wegen Ordnungswidrigkeiten bezahlen, da er keine Meldung über die Aufstockung seines Geflügelbestandes gemacht, Hühnerkadaver nicht ordnungsgemäß entsorgt und kein ordnungsgemäßes Register geführte hatte und es keine ausreichenden Sitzstangen für die Hühner gab. [4]

Tote Legehenne aus Bodenhaltung
Tote Legehenne aus Bodenhaltung

Gibt es Eier ohne Tierleid?

Krankmachende Zucht auf eine hohe Eierproduktion, das Töten der männlichen Küken direkt nach der Geburt, Stress und Verhaltensstörungen durch Hunderte oder Tausende Artgenossen im Stall, die grausame Verladung und der Tod im Schlachthof – das sind einige der Gründe, warum es im Verkauf keine Eier ohne Tierquälerei geben kann.

Egal, ob Boden-, Freiland- (Title: Die Wahrheit über Freilandhaltung) oder Bio-Haltung: Jede Haltungsform ist mit Tierleid verbunden. Auch in Bio-Betrieben sind die Hühner qualvoll überzüchtet, krank und gestresst. Pro Quadratmeter sind sechs Hühner erlaubt und pro Stallabteil bis zu 3.000 Tiere. Den Auslauf von vier Quadratmetern pro Huhn nutzen die Tiere kaum, da sich viele Hennen nicht ins fast ungeschützte Freie trauen.

Wie Sie Hühnern helfen können

Helfen Sie, das Leid der Hühner zu verhindern, indem Sie auf vegane Alternativen setzen und Eier von Ihrem Speiseplan streichen. Haben Sie statt Rührei schon einmal leckeren Rührtofu probiert? Oder veganen Eiersalat mit Kala Namak, einem Salz, das täuschend echt nach Ei schmeckt? Auch beim Backen kann Ei hervorragend durch Banane oder Apfelmus ersetzt werden und Nudeln schmecken sowieso besser ohne Eier darin.