Federpicken und Knochenbrüche: Tierleid in der Eierindustrie

Hühner in der Eierindustrie leben oft zusammengepfercht mit Tausenden Artgenossen und sind dadurch dauerhaftem Stress ausgesetzt – das betrifft auch Hühner in der sogenannten Freilandhaltung und Biohaltung. Die Tiere leiden allesamt unter der Qualzucht darauf, immer früher, immer mehr Eier zu legen. Als Folge brechen sich die Hennen die Knochen und viele verletzen sich gegenseitig, indem sie sich die Federn auspicken. Sie können etwas gegen das enorme Tierleid unternehmen!

Federpicken und Knochenbrüche – das Leid der Hennen hat viele Gesichter

Viele Menschen wissen heute um die Problematik, dass sich Hühner in der Eierindustrie gegenseitig die Federn ausrupfen. Grund für das Federpicken sind unter anderem die Enge in den Ställen und die Haltung mit Hunderten Artgenossen im gleichen Stall. Der dadurch ausgelöste Stress kann bis zum Kannibalismus führen. Ein weiteres schwerwiegendes und tierschutzrelevantes Problem in der Eierindustrie, das weniger bekannt ist, stellt das Brechen oder Deformieren des Brustbeins dar.

Das Brustbein ist der größte Knochen und hält das Skelett der Hühner zusammen. Es nimmt eine Schlüsselfunktion im Körper ein, und Schäden am Brustbein beeinträchtigen das Tier stark. Forscher der Universität Kopenhagen fanden heraus, dass von 5.000 Hennen in 40 überprüften Gruppen mindestens 85 Prozent der Tiere mindestens einmal ein gebrochenes Brustbein hatten. [1]

Kahlgepicktes Huhn mit gebrochenem Brustbein
Kahlgepickt und mit gebrochenem Brustbein – so fristen viele Hennen in der Eierindustrie ihr trauriges Dasein.

Artwidrige Stallgestaltung ein Grund für Knochen­­­­­brüche

Hühner verletzen sich in den Ställen oft, weil sie beispielsweise von höheren Ebenen abstürzen, wenn sie panisch vor Artgenossen oder Arbeiter:innen flüchten. Das kann zu den Brüchen und Verformungen am Brustbeinknochen führen. Dazu kommt, dass in den Ställen teilweise Ausstattung wie rutschfeste Sitzstangen und Hilfen für den Auf- und Abstieg auf höhere oder tiefere Ebenen fehlen. Und zu manchen Zeiten fehlt es schlichtweg an genügend Licht, durch das die Hühner beim Anflug ihre Umgebung erkennen könnten.

Ein weiterer Grund, weshalb viele Hühner in der Eierindustrie unter Brüchen und Deformationen am Brustbein leiden, ist die Qualzucht auf unnatürlich viele Eier. Eine andere Studie ergab, dass beinahe 100 Prozent der Hühnergruppen sowohl Frakturen als auch Deformationen haben – und das in jeder Haltungsform. [2]

huehner hinter gitter
Selbst in Biobetrieben dürfen bis zu 3.000 Hennen in einem Stallabteil eingesperrt werden.

Qualzucht in allen Haltungssystemen führt zu Knochen­brüchen

Wie jeder andere Vogel auch, legen ursprüngliche Hühnerrassen nur so viele Eier, wie sie zur Fortpflanzung benötigen. Das sind bei Vorgängern des Haushuhns maximal 20 bis 30 Eier im Jahr – eher weniger. Da diese geringe Menge für die Eierindustrie nicht wirtschaftlich wäre, wurde den Vögeln eine krankmachende „Legeleistung“ von weit mehr als 300 Eiern im Jahr angezüchtet. Dadurch „verbraucht“ eine Henne durch das enorme Eierlegen mehr Calcium, als sie über die Nahrung aufnehmen könnte. Die Knochen verlieren Mineralien und werden anfällig für Brüche.

Außerdem werden die Hennen darauf gezüchtet, immer früher und immer größere Eier zu legen – ca. ein Ei pro Tag. Das Legen der Eier in kurzer Zeit beansprucht das Skelett so stark, dass bei Tieren in jeder Haltungsform Brüche entstehen. [1] Außerdem führt die Qualzucht dazu, dass der Legeprozess bei sehr jungen Hennen eintritt – und zwar schon dann, wenn das Brustbein noch „weich“, also noch nicht verknöchert ist. Dadurch ist es anfällig für Verletzungen. [1]

Infografik Qualzucht Legehenne

Sind Langzeit­implantate eine tierfreund­liche Lösung?

Es wurde beobachtet, dass Hennen, die durch ein Langzeitimplantat von dem Zwang, häufig große Eier zu legen, befreit wurden, im Gegensatz zu ihren Artgenossen nicht an Frakturen des Brustbeins litten. Dennoch traten auch bei diesen Tieren Deformationen auf. [2]

Langzeitimplantate bei Hennen wirken ähnlich wie Hormonpräparate gegen eine mögliche Fortpflanzung. Sie verhindern die Auswirkungen der Qualzucht und sorgen dafür, dass die Hennen keine Eier mehr legen. Dadurch verbessern sich sowohl Gesundheit als auch Lebenserwartung der Tiere meist beträchtlich, was verdeutlicht, dass Hennen unter der Belastung der hohen Eierzahl immens leiden – egal in welcher Haltungsform.

Für Privathalter:innen sind Langzeitimplantate eine Möglichkeit, um gerettete Hühner aus der Eierindustrie von dem qualvollen Legezwang zu befreien.

Huehner in Bodenhaltung
Hennen in der Eierindustrie sind genetisch bedingt gezwungen, jeden Tag ein Ei zu legen.

Jedes gekaufte Ei verursacht Leid

Frakturen und Deformationen des Brustbeins führen zu chronischen Schmerzen und eingeschränkter Mobilität, sodass die Henne nicht mehr ausreichend an Nahrung oder Wasser gelangt. Viele Tiere überleben nicht einmal die Zeit bis zum Tod im Schlachthaus, sondern sterben langsam und qualvoll in den Ställen oder werden von den Betreiber:innen getötet und wie Müll entsorgt.

Für die Eierindustrie als Teil eines speziesistischen Systems ist ein Huhn nur von Nutzen, solange es Eier legt. Die Bereitschaft, Tierarztkosten zu übernehmen, die wir für unsere Hunde oder Katzen als selbstverständlich einplanen, gibt es für Tiere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung nicht, wenn diese krank werden.

Kind fuettert Huehner
Hühner müssen endlich als Individuen wahrgenommen werden, die das Recht auf ein unversehrtes Leben haben.

Vegan werden und Hühnern Leid ersparen

Hühner in der Eierindustrie werden nur eingesperrt und getötet, weil Menschen Eier essen. Helfen Sie den Hühnern, indem Sie Eier und eihaltige Produkte wie Kekse, Gebäck und Nudeln von Ihrem Speiseplan streichen.

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  • Quellen

    [1] Jens Peter Christensen, Jan Dahl, Ida Thøfner (13.08.2021): Keel bone fractures in Danish lying hens: Prevalence and risk factors, https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0256105, (eingesehen am 02.11.2021)

    [2] DGS – Magazin für Geflügelwirtschaft: Brustbeinschäden bei Legehennen – Was das Huhn zusammenhält; Ausgabe 36/2020, erschienen am 5. September 2020