Silvester-Brand im Krefelder Zoo: Wir trauern um die Opfer

Update November 2021

Nach verheerendem Silvester-Brand: Zoo Krefeld will Millionen verschleudern und noch mehr Affen einsperren

Anfang November 2021 hat der Krefelder Zoo die Neubaupläne für die Menschenaffenhaltung vorgestellt. Das alte Affenhaus war in der Silvesternacht 2019/2020 abgebrannt; durch das Feuer starben über 50 Tiere. Der Neubau wird voraussichtlich etwa 28 Millionen Euro kosten, davon über 17 Millionen Euro aus städtischen Finanzmitteln. Mit dem Um- und Ausbau soll auch die Zucht der Menschenaffen wieder aufgenommen und so das Tierleid in Gefangenschaft weiter angekurbelt werden. Neben Gorillas und Schimpansen sollen dann auch wieder Orang-Utans in dem Zoo gehalten und gezüchtet werden. [1, 2]

Die beiden überlebenden Menschenaffen, die Schimpansen Bally und Limbo, müssen derweil weiterhin im abgeschotteten Innengehege ohne Auslauf bleiben, bis ein provisorisches Außengehege fertiggestellt wird. [2] Selbst dieses wird aber nicht den geltenden Mindestanforderungen entsprechen und auch nur bei geeigneten Außentemperaturen zu betreten sein. Seit nun fast zwei Jahren fristen die beiden ein Dasein auf engstem Raum.

Für viele Millionen Euro ein neues Tiergefängnis zu bauen und dieses auch noch als „Artenschutzzentrum Affenpark“ betiteln zu wollen, ist blanker Hohn für die Bemühungen von Artenschützer:innen weltweit, die das Geld vor Ort weitaus besser einsetzen könnten.

Wir von PETA Deutschland appellieren deshalb an die Verantwortlichen, dem Bauprojekt eine Absage zu erteilen. Die nach dem Brand eingegangenen Spendengelder könnten stattdessen an Artenschutzprojekte zum Erhalt des Lebensraums von Menschenaffen übergeben werden.

Originalartikel

In der Silvesternacht 2019/2020 setzten vermutlich Himmelslaternen das Affenhaus des Krefelder Zoos in Brand. Über 50 Tiere starben in der Nacht – darunter ein Schimpanse, fünf Orang-Utans, zwei Gorillas, zahlreiche kleinere Affen, Flughunde und Vögel. [3]

Brand im Krefelder Affenhaus: Diese Tiere starben in Gefangenschaft

Bei dem verheerenden Brand im Krefelder Zoo verbrannten neben verschiedenen Vogelarten, Flughunden und kleineren Primaten wie Löwenäffchen und Zwergseidenäffchen auch acht Menschenaffen teilweise bis zur Unkenntlichkeit:

  • Eine ganze Orang-Utan-Familie starb im Feuer: Die fünfköpfige Gruppe, bestehend aus der OrangUtan-Mama Lea (26) mit ihrem dreijährigen Baby Suria, dem Orang-Utan-Mann Bunjo (19), der Tochter Sungai (15) und dem neunjährigen Sohn Changi, wurde bei dem Brand vollständig ausgelöscht.

  • Der 46-jährige Schimpanse Charly war der älteste Schimpanse im Krefelder Zoo. Im Alter von etwa einem Jahr kam Charly 1976 als Wildfang nach Krefeld. [4] Der Schimpanse gelangte zu trauriger Berühmtheit, weil er mit Fäkalien um sich warf, wenn er sich von Zoobesuchern gestört fühlte. [5]
  • Außerdem starben zwei Gorillas: Die Gorilla-Frau Boma starb im Alter von 46 Jahren in der Nacht, der etwa 48-jährige Gorilla-Mann Massa wurde am nächsten Morgen mit schweren Verletzungen aufgefunden und wurde schließlich erschossen.

Der lange Leidensweg des Gorillas Massa

Als das Feuer im Krefelder Zoo am Neujahrsmorgen gelöscht war, rechnete niemand damit, dass jemand das Inferno überlebt haben könnte. Auch das Gorillagehege war fast vollständig zerstört. Doch an einer Wand lehnte Massa mit geschlossenen Augen, seine Brust hob und senkte sich, ein Großteil seines Fells war verkohlt. Die Tierärztin wollte ihn mit einer Überdosis Narkosemittel erlösen – doch seine Kreislauffunktion soll durch die schweren Brandwunden so weit herabgesetzt gewesen sein, dass das Betäubungsmittel sein Herz nicht erreichte. [6] Nach einem traurigen Leben sollte Massa also auch einen qualvollen, langsamen Tod sterben.

Ein Leben in Gefangenschaft – so litt Massa über 40 Jahre

Als Massa Anfang der 1970er-Jahre seiner Freiheit beraubt wurde, war er noch ein kleines Kind: Wilderer entrissen ihn brutal seiner Familie in Zentralafrika. Der Westliche Flachlandgorilla wurde aus seiner Heimat entführt, bevor das Washingtoner Artenschutzübereinkommen den internationalen Handel mit Wildtieren einschränkte – der Handel mit Wildtieren war damals ein florierendes Geschäft. 1975 kam Massa nach Krefeld in das neu eröffnete Affenhaus des Zoos, ein Betonbau, der damals als „moderne Tierhaltung“ galt. Dort musste das Affenkind die ersten Wochen alleine in seinem Gehege verbringen, bevor die beiden Gorilla-Mädchen Boma und Tumba – ebenfalls Wildfänge – hinzukamen.

In Freiheit streifen Flachlandgorillas auf der Suche nach Nahrung rund zwei Kilometer durch den Wald, abends bauen sie sich aus Blättern Nester, auf denen sie nachts schlafen. Massa schlief über 40 Jahre auf Stroh – in einem mit Tropenholz verkleideten Betongehege, ohne die Möglichkeit, jemals nach draußen zu können. Massas Tagesablauf war jeden Tag gleich und detailliert von Menschen geplant: Seine Mahlzeiten waren getaktet und rationiert. Der eintönige Zooalltag führt bei vielen Tieren zu Verhaltensauffälligkeiten, oft bekommen sie dann Psychopharmaka verabreicht. Auch Massa war verhaltensauffällig: Auf verschiedene Menschen reagierte Massa wütend. Vermutlich waren die traumatischen Erlebnisse seiner frühen Kindheit der Auslöser.

PETA

Im jungen Erwachsenenalter bewarf Massa Zoobesucher mit Nahrung und Kot, jagte, schlug und biss die Gorilla-Damen; es wirkte, als habe er sich nicht mit dem Leben in Gefangenschaft abgefunden. Erst als er 1981 das erste Mal Vater wurde, wurde er etwas ruhiger. Doch seine etwa 60 Nachkommen wurden allesamt an Zoos auf der ganzen Welt verteilt , um sie auch dort für zahlende Zoobesucher zur Schau zu stellen.

Seit dem Jahr 2000 ging es Massa körperlich und seelisch wieder schlechter. Seine gesundheitlichen Beschwerden wurden behandelt, doch als es ihm besser ging, fiel er in alte Muster zurück: Zunächst bewarf er die Zoobesucher mit allem, was er finden konnte. Dann trommelte er gegen eine Glaswand, die zum Schutz der Menschen aufgestellt wurde. Erst als die Scheibe abgeklebt wurde und er die Außenwelt nicht mehr wahrnehmen konnte, hörte er auf, so lange gegen die Scheibe zu schlagen, bis ihm die Arme schmerzten. Einige Monate vor dem Brand starb seine Gefährtin Tumba – Massa schien tagelang nach ihr zu suchen. [4]

Great Ape Project / Colin Goldner

Massas qualvoller Todeskampf

Erst am Neujahrsmorgen, nachdem die Löscharbeiten beendet waren, wurden im abgebrannten Affenhaus drei schwer verletzte Menschenaffen entdeckt. Während die zwei Orang-Utan-Damen von einer Tierärztin mit einer Überdosis Beruhigungsmittel erlöst werden konnten, kamen beim kräftigen Gorilla-Mann brutalere Maßnahmen zum Einsatz: Bei Massa wirkte das Beruhigungsmittel nicht – er musste schließlich von einem Polizeibeamten mit mehreren Schüssen aus einem Maschinengewehr getötet werden. [7] Doch ein erlösender Tod sollte Massa nicht zustehen: So starb er nicht an den ersten, direkt in den Kopf gezielten, sondern erst nach weiteren Schüssen. [8] Um 10:15 Uhr, mehr als zwei Stunden, nachdem die drei schwer verletzten Menschenaffen gefunden worden waren, konnte Massa von seinem Leid erlöst werden. [7] Nach einem Leben voller Entbehrungen in fast 45-jähriger Gefangenschaft und nach stundenlanger Qual bedeutete sein Tod schließlich das Ende seines langen Leidenswegs.

„Das Leben Massas war wie das aller Zootiere bestimmt von den Wünschen der Menschen. Tierfänger jagten ihn, weil er kostbar war; er wurde verschifft, weil Europa exotische Tiere wollte; er wurde eingesperrt, damit Menschen ihn bewundern können.“ [6]

Max Polonyi, SPIEGEL-Autor

Krefeld-Überlebende: Für die Schimpansen Bally und Limbo bedeutet die Rettung keine Erleichterung

Great Ape Project / Colin Goldner

Nur zwei der Menschenaffen des Krefelder Zoos überlebten das Feuer im Affenhaus: die 46-jährige Schimpansin Bally und ihr 27-jähriger Gefährte Limbo. [9] Die beiden Schimpansen erlitten Verbrennungen an Händen, Füßen und im Gesicht. Laut Aussagen der Zoo-Verantwortlichen seien die Wunden im April 2020 bereits gut verheilt gewesen. Auch psychisch sollen Bally und Limbo stabil gewirkt haben. [10] Doch obwohl seit ihrer Rettung aus dem ausgebrannten Affenhaus viel Zeit vergangen ist, werden die beiden Schimpansen noch immer hinter den Kulissen des Zoos in kleinen Innenboxen gefangen gehalten. Somit hat sich ihre Situation sogar noch weiter verschlechtert: Dort müssen sie in zwei Schlafboxen auf jeweils 7,5 Quadratmetern und in einem Raumgehege mit Tageslicht ausharren, das nur winzige 27,5 Quadratmeter Fläche und eine Deckenhöhe von vier Metern bietet. In ihrem bunkerartigen Gehege konnten Zoobesucher die Schimpansen über eine Videoanzeige auf einem Monitor beobachten. [11]

Dabei hätten Bally und Limbo mittlerweile längst in eine renommierte Auffangstation überführt werden können – etwa in das Wales Ape & Monkey Sanctuary, das angeboten hatte, die Schimpansen aufzunehmen. [12] Der Zoo lehnte das Angebot jedoch ab, denn die Verantwortlichen wollen Bally und Limbo im Rahmen des sogenannten „Europäischen Erhaltungszuchtprogramms“ vermitteln. Diese Zuchtprogramme dienen jedoch lediglich dazu, weiteren Nachschub für die Zurschaustellung in Zoos zu „produzieren“ – mit Arterhalt oder gar Auswilderungen hat die Nachzucht von Menschenaffen nichts zu tun.  

Menschenaffen raus aus Zoos

Die Zucht und Gefangenhaltung von Menschenaffen in Zoos ist kein Beitrag zum Artenschutz, sondern kurbelt lediglich das Leid der Tiere weiter an, die die Ausweglosigkeit ihrer Situation in Gefangenschaft erkennen und daran verzweifeln. Aufgrund der mangelhaften und unnatürlichen Lebensbedingungen leiden unsere nächsten Verwandten dort häufig an Verhaltensstörungen und anderen Erkrankungen oder versterben plötzlich. Daher setzen wir von PETA Deutschland uns dafür ein, dass die Gefangenschaft von Menschenaffen in Zoos schnellstmöglich beendet wird. Die Zucht und der Import von Menschenaffen gehören unterbunden, denn Tiere sind nicht dazu da, uns zu unterhalten.

Was Sie tun können

  • Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition für ein Auslaufen der Zucht und Haltung von Menschenaffen in deutschen Zoos.