Brand im Zoo Krefeld: Darum sollten Sie alle Zoos boykottieren!

Es war ein dramatisches Inferno: In der Silvesternacht brannte das Affenhaus des Krefelder Zoos lichterloh. Über 50 Tiere kamen in den Flammen auf qualvolle Weise ums Leben – darunter ein Schimpanse, fünf Orang-Utans, zwei Gorillas, zahlreiche kleinere Affen, Flughunde und Vögel. Sie hatten keine Chance, ihrem Betonbunker und damit den Flammen zu entkommen.

Update März 2021

Elf Tier- und Naturschutzverbände kritisieren geplanten Affenhaus-Neubau in Krefeld

Bereits kurz nach dem verheerenden Brand gaben die Verantwortlichen des Zoos bekannt, dass der Bau eines neuen Affenhauses geplant ist. Die Kosten für die Gehege, in denen bis zu 40 Menschenaffen und weitere Tierarten zur Schau gestellt werden sollen, werden bislang auf mindestens 20 Millionen Euro angesetzt. [1] Der Beschluss des Krefelder Zoos, weiterhin Menschenaffen zu halten, wird von elf Tier- und Naturschutzverbänden – darunter auch wir von PETA Deutschland – in einer gemeinsamen Stellungnahme als gravierende Fehlentscheidung für den Tier- und Artenschutz kritisiert. Zusammen mit den anderen Verbänden weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass Menschenaffen trotz intensiver Bemühungen in Gefangenschaft nachweislich oft Verhaltensstörungen entwickeln.

„In Zoos eingesperrte Menschenaffen begreifen, dass sie in einer ausweglosen Situation stecken, und zerbrechen daran. Verhaltensstörungen in Zoos sind allgegenwärtig, was darauf hindeutet, dass die Gefangenschaft an sich für die kognitiv hoch entwickelten Tiere belastend ist – und nicht etwa die jeweiligen Haltungsbedingungen ausschlaggebend für ihr Leid sind.“

Dr. Yvonne Würz, PETA Deutschland

Damit die intelligenten und sensiblen Tiere die lebenslange Gefangenschaft überhaupt ertragen, verabreichen Zoos den Tieren teilweise sogar Psychopharmaka.

Bisher wurde außerdem kein einziger der Menschenaffen ausgewildert, die aus vermeintlichen „Artenschutzgründen“ in deutschen Zoos gezüchtet werden. In Gefangenschaft geborene  Tiere erlernen Verhaltensweisen, die für ein Überleben in der Natur unverzichtbar sind, nicht oder nur schwer. Darüber hinaus warten in ihren Heimatländern bereits mehrere Hundert rehabilitierte Menschenaffen in Auffangstationen auf ihre Wiederauswilderung. Dennoch investieren zoologische Einrichtungen weiterhin Millionen Euro an Steuergeldern in teure Nachzuchtprogramme und kostenintensive Bauprojekte. Durch nachhaltige und sinnvolle Maßnahmen zum Erhalt des natürlichen Lebensraums der Tiere könnten weitaus mehr Menschenaffen geschützt werden, als das in Zoos je möglich sein wird.

Die elf unterzeichnenden Tier- und Naturschutzverbände lehnen daher den Bau einer neuen Menschenaffenhaltung im Krefelder Zoo aus ethischen Gründen entschieden ab.

Die Affenhaltung in Krefeld

Die Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans hatten im „Affentropenhaus“ des Krefelder Zoos nur einen Innenbunker. Nicht einmal ein Außengehege stand ihnen zur Verfügung. Die Tiere waren auf engem Raum eingesperrt und offenbar verfügte der Zoo noch nicht einmal über ein ausreichendes Brandschutz- und Sicherheitskonzept.

Bedürfnisse nicht erfüllt

Unter solchen Bedingungen ist es schlichtweg unmöglich, die vielschichtigen Bedürfnisse von Tieren zu erfüllen. Schimpansen etwa stellen in Freiheit Werkzeuge her und setzen diese auch ein. Sie trauern um ihre Lieben, mit denen sie teils ein Leben lang enge Beziehungen pflegen. Orang-Utans suchen sich im Regenwald weit oben in Bäumen ihre Nahrung. Dabei durchstreifen sie teils tausende von Hektar – und sie merken sich, an welchen Orten sie unreife Früchte fanden, um später dorthin zurückzukehren. Zum Schlafen bauen sich die Tiere Nester in Bäumen.

Zoos schreiben sich den Artenschutz auf die Fahnen. Doch eine Auswilderung von Tieren ist in den meisten Fällen völlig unmöglich. Um das Überleben ganzer Tierarten zu sichern, müssten ihre Lebensräume stärker geschützt werden. Tiere in Gefängnisse zu sperren, trägt dazu nichts bei. Abgesehen davon handelt es sich bei den meisten der in deutschen Zoos gehaltenen Tierarten nicht einmal um gefährdete Arten. Die Tiere werden zur menschlichen Unterhaltung eingesperrt – nicht zu ihrem eigenen Schutz.

Kaan Bekan

Die Konsequenzen

Wir fordern, dass dem Krefelder Zoo ein sogenanntes Nachstellungsverbot auferlegt wird – damit dürfte der Zoo keine neuen Affen halten. Denn dass der Zoo genau das vorhat, ist klar: Er sammelt bereits Spenden für ein neues Tiergefängnis. Das Unglück der Silvesternacht hat erneut gezeigt, wie schutzlos Tiere in Zoogefangenschaft sind: Versagen die Verantwortlichen, sind die Tiere die Leidtragenden.

Kein Zoo der Welt ist im Stande, die komplexen Bedürfnisse von Tieren wie Menschenaffen auch nur annähernd zu erfüllen. Zoos sollten keine neuen Tiere erwerben oder züchten dürfen, sondern in einer Auslaufphase nur noch Tiere beheimaten, die aus noch schlechteren Bedingungen, z.B. Zirkussen und Privathaltung, konfisziert wurden. Steuergelder müssen in den Erhalt von Lebensräumen fließen – nicht in Tiergefängnisse.

Denn mangelhafte Haltungsbedingungen und schwere Verhaltensstörungen sind in Zoos eher die Regel als die Ausnahme. Besucher lernen nichts über die Bedürfnisse und Lebensverhältnisse von Tieren, wenn diese ausschließlich zu Unterhaltungszwecken eingesperrt werden und ihr Dasein in qualvoller, beengter Gefangenschaft fristen. Eine repräsentative Meinungsumfrage im Dezember 2015 ergab, dass die Mehrheit der Deutschen das Einsperren exotischer Tiere für moralisch bedenklich hält. [2]

Außerdem verstößt die Zoogefangenschaft aus Tierrechtsperspektive klar gegen das deutsche Tierschutzgesetz. Denn sie ist immer mit Tierleid verbunden. Laut Tierschutzgesetz darf jedoch keinem Tier Leid zugefügt werden, außer es liegt dafür ein „vernünftiger Grund“ vor. Von diesem kann bei der Zurschaustellung von Tieren zu Profitzwecken allerdings kaum die Rede sein.

Was Sie tun können

Boykottieren Sie Zoos und raten Sie auch Ihrem Freundeskreis zu tierfreundlichen Alternativen. Wer wirklich etwas über Tiere lernen möchte, kann z.B. auf einem Gnadenhof oder im Tierheim mithelfen oder auch einfach eine Entdeckungstour durch die heimische Natur machen. Was Tiere wie Affen, Löwen oder Giraffen ausmacht, wie sie leben und was sie brauchen, erfährt man in unzähligen tollen Dokumentarfilmen. Zudem ermöglichen immer mehr neue Technologien – wie dieses virtuelle Aquarium – Erlebnisse, für die kein Tier leiden muss.

Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition für ein Ende der Haltung von Menschenaffen in deutschen Zoos.