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Bei diesen 5 „Rassetauben“ handelt es sich um Qualzuchten

Seit Januar 2022 gibt es eine neue Hundeschutzverordnung, nach der die Ausstellung von Hunden mit Qualzuchtmerkmalen verboten ist. Das ist begrüßenswert, doch die wenigsten Menschen wissen, dass auch andere Tierarten von Qualzucht betroffen sind – unter anderem sogenannte Haustiere.

Auch die domestizierte Form der Taube ist Opfer der Qualzucht. Zum einen werden sogenannte Brieftauben gezüchtet, die bei Wettflügen eingesetzt werden. Viele dieser Tiere finden den Weg zum Heimatschlag nicht mehr und sterben auf den Flügen oder stranden in Städten, wo sie ein leidvolles Leben führen. Daneben werden Tauben aber auch gezielt nach bestimmten optischen Vorstellungen gezüchtet. Wie qualgezüchtete Hunde und Katzen leiden auch sie ein Leben lang unter den Qualzuchtmerkmalen.

Warum handelt es sich bei gezüchteten Tauben um Qualzuchten?

Bei der Tierzucht konzentriert sich der Mensch auf bestimmte Merkmale, wie etwa das Aussehen der Tiere. In der Landwirtschaft werden Tiere auch dahingehend gezüchtet, eine bestimmte „Leistung“ zu erbringen. Durch die gezielte Verpaarung von Tieren, welche die gewünschten Merkmale aufweisen, wird die Genetik nach menschlichen Wunschvorstellungen verändert. Doch das Anzüchten von Merkmalen, die von der natürlichen Körperform, mit der die Tiere an die Natur angepasst sind, abweichen, hat negative Auswirkungen. So werden die Tiere meist anfälliger für erbliche Erkrankungen und leiden lebenslang unter den Qualzuchtmerkmalen.

Schön, schöner, Qualzucht! Sogenannte „Rassetauben“ werden nach menschlichen Idealvorstellungen gezüchtet – und dabei kennen Züchter:innen keine Grenzen. Aufgrund ihr veränderten Aussehens sind die Tiere in der Natur jedoch nicht lebensfähig und auch im Käfig stark eingeschränkt – ein artgerechtes Leben ist unmöglich.

Für eine „erfolgreiche“ Zucht, werden nur die „besten“ Tiere miteinander verpaart. Entsprechen die Tauben nicht den Erwartungen der Züchter:innen, werden sie häufig getötet. Teilweise werden sie auch ausgesetzt, was ebenfalls ein Todesurteil ist, denn die Tiere sind aufgrund ihrer Qualzuchtmerkmale in der Natur nicht überlebensfähig.

Bei den folgenden 5 „Rassetauben“ handelt es sich um Qualzuchten

Die folgenden „Rassetauben“ sind häufig auf Taubenzuchtausstellungen zu finden. Auf solchen Veranstaltungen werden die „schönsten“ – und damit auch die am meisten gequälten – „Taubenrassen“ gekürt.

Mövchentauben

Die Mövchentaube zeichnet sich durch ihre Kurzschnäbeligkeit aus. Bei diesem Tier wurde der Schnabel im Vergleich zu anderen „Taubenrassen“ deutlich kürzer gezüchtet. Bereits für Taubenküken, die sich noch im Ei befinden, stellt dieses Qualzuchtmerkmal ein großes Problem dar: Durch den verkürzten Schnabel besitzen die jungen Tauben nur einen missgebildeten oder im schlimmsten Fall gar keinen Eizahn. Diesen benötigen sie aber, um die Eischale von innen zu öffnen und zu schlüpfen. Ohne Hilfe der Züchter:innen beim Schlupf sterben viele Taubenküken daher schon im Ei. [1] Auch die Aufzucht ist für die Elterntiere eine Herausforderung, der sie aufgrund des kurzen Schnabels meist nicht gewachsen sind. Züchter:innen setzen dann sogenannte Ammentauben ein, welche die jungen Tauben großziehen.

Doch nicht nur der Eizahn führt bei dieser „Rasse“ zu erheblichen Beeinträchtigungen. Häufig kommt es auch zu Schnabelmissbildungen, welche die Tauben im täglichen Leben stark behindern, etwa bei der Nahrungs- oder Wasseraufnahme oder der Gefiederpflege. Ein Leben ohne Leid ist für diese „Rassetauben“ niemals möglich. [2]

Kröpfertauben

Sogenannte Kröpfertauben haben einen größeren Kropf als ihre Artgenossen, was auch die Physiologie des Organs verändert. In der Folge kommt es vermehrt zu Kropfwandentzündungen, die durch Fehlgärungen, Fäulnisbildung und Säuerung der Kropfinhalte hervorgerufen werden. Die Tauben müssen regelmäßig tierärztlich behandelt werden und leiden sichtlich unter den Auswirkungen der angezüchteten Qualzuchtmerkmale. [3] Besonders für männliche Tauben ist diese Symptomatik problematisch, denn durch das regelmäßige Aufblasen des Kropfes, beispielsweise beim Balzverhalten, erschlafft das Bindegewebe zunehmend, was zu einer Kropferweiterung und damit zu einem Hängekropf führen kann. [4]

Trommeltauben (Federfüßigkeit)

Bei den federfüßigen „Rassetauben“ unterscheidet man verschiedene Ausprägungen dieses Merkmals. Eine leichte Befiederung an den normalerweise federfreien und beschuppten Füßen der Tauben wird als „bestrümpft“ bezeichnet. Die Füße der Tauben sind hier nur mit kurzen Konturfedern bedeckt. Eine starke Ausprägung der Federfüßigkeit wird als „Latschenbildung“ bezeichnet. Je stärker die Befiederung an den Füßen ist, desto ausgeprägter ist auch die Behinderung der Tauben im täglichen Leben: Bereits normales Gehen fällt ihnen schwer. Sie sind witterungsanfälliger und können daher in der Natur nicht überleben. Zudem sind sie empfänglicher für Parasitenbefall. Und selbst ihr Nachwuchs ist durch die Federn an ihren Füßen gefährdet: So können sich die jungen Tauben beim Verlassen des Nests in den Federn verfangen und aus dem Nest getragen werden, was meist ihren Tod bedeutet. Ohne menschliche Hilfe sind die Tauben nicht in der Lage, ihren Nachwuchs großzuziehen. [5] Um dem Problem entgegenzuwirken, werden die Fußfedern in der Brutzeit gekürzt, was ein erhöhtes Verletzungsrisiko mit sich bringt und zu Blutungen führen kann.

Aufgrund der Qualzucht können Trommeltauben ihren natürlichen Verhaltensweisen wie Fliegen und Laufen nicht artgemäß nachkommen. Sie leiden ausgesprochen unter den angezüchteten Merkmalen der Federfüßigkeit. [6]

Veränderung der Gefiederfärbung

Im Hinblick auf die züchterische Anpassung der Gefiederfärbung bei sogenannten Rassetauben gibt es verschiedene Varianten und Farbschläge, die als Qualzucht gelten. Die wohl fatalste Verfärbung des Federkleids bei Tauben wird durch ein Defektgen ausgelöst, das in der Regel bereits vor dem Schlupf im Ei zum Tod des Kükens führt. Der Erbfaktor hierfür wird als „Dominant-Opal“ bezeichnet und führt zu weißen Flügelbinden sowie zu einer farblichen Aufhellung des gesamten Federkleids und dem Ausbleichen der Schwanz- und Schwungfedern. Tauben, die dieses Gen von beiden Elternteilen vererbt bekommen haben, überleben nur selten und erreichen nur in Ausnahmefällen ein geschlechtsreifes Alter.

Eine weitere meist tödlich endende Verfärbung des Federkleids wird als „Almond-Faktor“ bezeichnet. Folgen sind hier Sehstörungen, der Tod der jungen Taube bereits vor dem Schlupf sowie Orientierungs- und Bewegungsstörungen. Ein normales und artgerechtes Leben ist für die Tauben nicht möglich, da sich dieser Erbfaktor in hohem Maße auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere auswirkt und damit ein Leben voller Leid bedeutet. [7]

Angezüchtete Verhaltensstörungen

Ein Beispiel für eine angezüchtete Verhaltensstörung ist die Zitterhalsigkeit bei Tauben. Dabei bewegt die Taube ihren Hals und ihren Kopf ruckartig hin und her. Dieses atypische Verhalten wird als Zittern bezeichnet, ist bei diesen „Rassetauben“ gewollt und wird in der Zucht gefordert. Die betroffenen Tiere bewegen sich im Vergleich zu ihren Artgenossen sehr starr und langsam. Eine dadurch veränderte Körperhaltung und daraus resultierende Gleichgewichtsstörungen sind häufige Folgen. [8] Das züchterisch manipulierte Verhalten ist von den Tauben nicht kontrollierbar und kann sie in gefährliche Situationen bringen. Sogenannte Bodenpurzler etwa sind bei Unruhe nicht in der Lage, zu fliehen und wegzufliegen, sondern führen mehrere Überschläge hintereinander durch. Verantwortlich für dieses unnatürliche Verhalten ist eine erbliche Stoffwechselstörung. [9]

Was Sie tun können

  • Kaufen Sie niemals Tauben bei Züchter:innen oder in Tierhandlungen. Dort geht es nicht um das Wohl der Tiere, sondern allein um den Profit, den man mit der „Ware“ Tier machen kann. Die Tauben werden massenhaft und ohne Rücksicht auf ihr Wohlergehen produziert und weiterverkauft.
  • Immer wieder werden ausgesetzte Tauben gefunden und im Tierheim oder bei der Taubenhilfe abgegeben. Wenn Sie Tauben bei sich aufnehmen können und möchten, wenden Sie sich bitte an das örtliche Tierheim oder die Taubenhilfe. Unterstützen Sie die Aufzucht und Pflege von verletzten und kranken Tieren und geben Sie den heimatlosen Tieren ein Zuhause.

Unterschreiben Sie bitte auch unsere Forderung nach einem Heimtierschutzgesetz, mit der wir uns für ein Verbot von Qualzuchten aussprechen – denn nur so kann das Leid der Tiere beendet werden.