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Wildkatze als Haustier: Infos zur Haltung von Luchs, Puma & Co.

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Vor allem auf Social Media kommen Videos und Bilder mit außergewöhnlichen „Haustieren“ gut an. Seit einiger Zeit machen so auch vermehrt Aufnahmen verschiedener Raubkatzen die Runde, die bei Privatpersonen leben. Die Haltung von kleineren Wildkatzen wie Luchs, Puma, Servalkatze und Co. scheint vor allem in Russland und Osteuropa ein Trend zu sein, doch auch in Deutschland steigt das Interesse an den Tieren – nicht zuletzt aufgrund der vielen Fotos und Videos, die in den sozialen Netzwerken geteilt werden.

Auch an der Haltung von Großkatzen wie Tigern und Löwen steigt das Interesse – nicht zuletzt befeuert durch die Netflix-Serie „Tiger King“. Doch die Haltung von Wildtieren als tierische Mitbewohner ist nicht nur fĂŒr Halter:innen gefĂ€hrlich, sondern ist auch mit massivem Tierleid verbunden.

Inhalte im Überblick

Wildkatzen wie Serval, Luchs und Co. als „Haustiere“: Alle Infos zur Haltung und Gesetzeslage

Es gibt keine verlĂ€sslichen Angaben zur Zahl der exotischen Wildtiere, die in deutschen Haushalten leben. Tiere, die nicht unter das Artenschutzabkommen fallen, mĂŒssen bis auf wenige Ausnahmen nĂ€mlich nicht gemeldet werden. Die private Haltung von Wildtieren ist in vielen BundeslĂ€ndern erlaubt. Auch wenn der Verkauf innerhalb der EU teilweise verboten ist, ist der Export bestimmter Arten aus ihren HerkunftslĂ€ndern genau wie der Import in die EuropĂ€ische Union oftmals erlaubt oder nur teilweise reglementiert. [1]

Serval hinter Gitterzaun
Tiere, die nicht unter das Artenschutzabkommen fallen, mĂŒssen bis auf wenige Ausnahmen nicht gemeldet werden.

Private Haltung von Wildkatzen – woher kommen die Tiere?

In Deutschland unterliegt der Handel mit Wildtieren vergleichsweise laschen Regeln und ist teilweise sogar völlig legal möglich. Zwar tauschen Zoos meist Tiere untereinander aus, aber immer wieder kommt es auch vor, dass zoologische Einrichtungen exotische Tiere an Privathalter:innen abgeben. [2]

Auch im nahegelegenen Ausland floriert der Handel mit exotischen Tieren, die nicht selten nach Deutschland verkauft werden. In Polen beispielsweise werden aufgrund lascher Gesetze Wildkatzen wie Servale, Karakale, Luchse und Pumas gezĂŒchtet und hĂ€ufig in deutlich zu jungem Alter von nur wenigen Tagen selbst an unerfahrene Privatpersonen verkauft – auch zur illegalen Haltung. Der Handel mit den Tieren ist auch in Tschechien und RumĂ€nien möglich. [3, 4]  

Bei der Einfuhr von Tieren nach Deutschland und ihrer Anmeldung kann es zu Kontrollen durch die Behörden kommen, bei denen geprĂŒft wird, ob das Tier unter besonderem Schutzstatus des Washingtoner Artenschutzabkommens steht. Ist das der Fall, mĂŒssten entsprechende Herkunftsnachweise vorgelegt und das Tier muss gemeldet werden. Wurde eine Wildkatze als Nachzucht beispielsweise in Polen geboren und großgezogen, sind solche Nachweise relativ leicht zu beschaffen – da das Tier nicht in der Wildnis gefangen wurde, sondern bereits in einer Zucht zur Welt kam.

Wenn Sie im Internet auf gĂŒnstige Angebote stoßen, kann es sich um illegale VerkĂ€ufe handeln. HĂ€ufig werden wild lebende Tiere gefangen und zu relativ geringen Preisen verkauft, obwohl sie in ihren HerkunftslĂ€ndern geschĂŒtzt sind. Sollten Sie sich auf ein solches GeschĂ€ft einlassen, machen Sie sich möglicherweise strafbar und mĂŒssen mit empfindlichen Strafen rechnen. [3]

Puma in der Wildnis
Viele Wildkatzen werden in der Wildnis gefangen und illegal im Internet verkauft.

Wildkatzen als „Haustiere“ halten – welche Gesetze gibt es in Deutschland?

Im sogenannten „SĂ€ugetiergutachten“ des Bundesministeriums fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft (BMEL) sind die Mindestanforderungen fĂŒr die Tierhaltung entsprechend der jeweiligen Tierart festgelegt. [5] Diese Vorgaben beziehen sich beispielsweise auf GehegegrĂ¶ĂŸe und -ausstattung und sind bundesweit gleich. Dabei handelt es sich jedoch nur um Richtlinien, die von den zustĂ€ndigen VeterinĂ€rbehörden unterschiedlich streng ausgelegt werden können. Außerdem können diese sehr niedrig angesetzten Anforderungen natĂŒrlich niemals dem arteigenen Anspruch der Tiere an ihren Lebensraum gerecht werden.

Als Voraussetzung fĂŒr die Haltung exotischer Wildtiere gilt laut Gesetzgeber außerdem: „Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn durch die Tierhaltung im Einzelfall die öffentliche Sicherheit nicht gefĂ€hrdet wird.“ In EinzelfĂ€llen mĂŒssten Behörden also beweisen, dass die Sicherheit gefĂ€hrdet wĂ€re. In den Sicherheitsregeln fĂŒr die Haltung von Wildtieren von 1991 ist fĂŒr jede Tierart geregelt, wie hoch die ZĂ€une sein mĂŒssen und wie das Gehege anderweitig beschaffen sein muss. [6]

Die Dunkelziffer artgeschĂŒtzter Tiere in Privathaltung ist vermutlich recht hoch – bei Großkatzen handelt es sich jedoch meist um EinzelfĂ€lle, weil die großen Tiere schlecht vor der Öffentlichkeit versteckt werden können. Anders sieht es bei der Haltung nicht gemeldeter, gefĂ€hrlicher Giftschlangen oder kleinerer, aber streng geschĂŒtzter Hybridkatzen aus. FĂŒr diese Tiere gelten bei der Zucht und Haltung bis zur vierten Generation strenge Auflagen des Artenschutzrechts. Ab der fĂŒnften Generation entfĂ€llt dieser Hybridkatzen-Status – die Tiere gelten dann als eigenstĂ€ndige Rasse und können ohne Auflagen gehalten werden, obwohl es sich dennoch um Wildtiere handelt. [3]

Serval in einem Kaefig
Die niedrig angesetzten Regelungen fĂŒr die Haltung von Wildkatzen können niemals dem arteigenen Anspruch der Tiere gerecht werden.

Wer darf Wildkatzen als „Haustiere“ halten? Diese Regelungen gelten in den BundeslĂ€ndern

Insgesamt ist die Gesetzeslage hinsichtlich der Privathaltung von Wildkatzen uneindeutig. FĂŒr einige exotische und gefĂ€hrliche Tierarten, darunter auch Raubkatzen, gibt es in einzelnen BundeslĂ€ndern Gefahrtierverordnungen. Aber nur in einigen der 16 BundeslĂ€nder ist die Haltung von sogenannten Gefahrtieren rechtlich geregelt – nĂ€mlich in Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und ThĂŒringen. Dort unterscheiden sich die Regelungen wiederum von Land zu Land. Selbst wenn die Haltung von gefĂ€hrlichen Tieren wie in Bayern strenger geregelt ist, ist das illegale Halten dort lediglich eine Ordnungswidrigkeit. [2] In Nordrhein-Westfalen dĂŒrfen seit 2021 zumindest bestimmte Schlangen, Spinnen und Skorpione nicht mehr gekauft werden. [7]

In Baden-WĂŒrttemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt mĂŒssen gefĂ€hrliche Tiere, die nicht unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen, nicht einmal gemeldet werden. In diesen BundeslĂ€ndern ist der Begriff „gefĂ€hrliches Tier“ nicht eindeutig definiert.

Exotische Wildtiere als tierische Mitbewohner: Halter:innen sind oft ĂŒberfordert

Expert:innen warnen vor der Haltung und dem Handel von und mit exotischen Tieren wie Wildkatzen (z. B. Gepard, Karakal, Liger, Savannah-Katze, Ozelot, Serval, Puma und Luchs). All diese Tiere haben natĂŒrliche Verhaltensweisen und hohe AnsprĂŒche an ihren Lebensraum, die sie fĂŒr eine Heimtierhaltung völlig ungeeignet machen. Der einzige artgerechte Lebensraum fĂŒr diese Exoten ist die Natur.

Viele Privatpersonen, die sich fĂŒr die Haltung exotischer Tiere entscheiden, sind nach kurzer Zeit ĂŒberfordert. Die Tiere werden dann ausgesetzt oder landen in Auffangstationen, die ohnehin meist ĂŒberfĂŒllt sind. Teilweise kommt es auch zu AusbrĂŒchen und zu Angriffen der Tiere auf Menschen oder andere Lebewesen.

  • Serval aus Privathaltung entkommen

    Anfang Oktober 2021 tauchte in einem Garten im nordrhein-westfÀlischen Stadtlohn ein Serval auf. Polizei, Ordnungsamt, Feuerwehr, Tierarzt und Gartenbesitzer waren mehrere Stunden lang damit beschÀftigt, den Serval an der Flucht zu hindern. Die exotische Raubkatze konnte gegen Abend eingefangen werden. Wie sich spÀter herausstellte, war das Tier etwa zwei Wochen zuvor aus einer Privathaltung im niederlÀndischen Winterswijk ausgebrochen.

Luchs als „Haustier“ – darum gehören Luchse nicht in Gefangenschaft

Luchse gehören zur Gruppe der „Kleinkatzen“, sind aber in Europa die grĂ¶ĂŸte in der Natur lebende Katzenart. Die neugierigen und aufmerksamen Tieren leben als EinzelgĂ€nger, brauchen ein großes Revier und bevorzugen große Waldareale als Lebensraum. Luchse sind zwar nicht menschenscheu, meiden wie alle Wildkatzen nach Möglichkeit aber ihre NĂ€he. Sobald sie Menschen bemerken, verschwinden die Tiere sofort und bleiben damit meist unsichtbar.

Ein Gehege kann unabhĂ€ngig von seiner GrĂ¶ĂŸe den natĂŒrlichen BedĂŒrfnissen von Luchsen niemals gerecht werden – denn je nach Art erstreckt sich das Revier eines wild lebenden Luchses ĂŒber eine FlĂ€che von 10 bis 450 Quadratkilometer. Luchse haben meist verschiedene Lieblingsgebiete, die sie zur Jagd oder als Tageslager nutzen. Sie wechseln stĂ€ndig zwischen diesen Bereichen hin und her und nutzen ihre ReviergrĂ¶ĂŸe somit voll aus. Selbst das grĂ¶ĂŸte Gehege könnte Luchsen nicht den Freiraum bieten, den sie brauchen.

Luchse sind nicht zĂ€hmbare Wildkatzen mit hohen Anforderungen an ihren Lebensraum und daher nicht fĂŒr die private Haltung geeignet.

Luchs
Luchse brauchen ein großes Revier und bevorzugen große Waldareale als Lebensraum.

Pumas sind keine „Haustiere“ und gehören nicht Gefangenschaft

Pumas leben in Nord-, Mittel- und SĂŒdamerika. Sie gehören ebenfalls zur Gruppe der Kleinkatzen, sind aber die viertgrĂ¶ĂŸte Katze der Welt – mĂ€nnliche Tiere können bis zu 100 Kilogramm wiegen. Pumas sind EinzelgĂ€nger, deren Streifgebiet 50 bis 1.000 Quadratkilometer groß ist.

Auch Pumas gehören nicht in Gefangenschaft. Als Wildkatze ist er ein menschenscheues Tier und kann nicht domestiziert werden. Pumas haben sehr spezifische Anforderungen an ihre ErnĂ€hrung, suchen in ihren großen Revieren nach Nahrung, jagen und verzehren fast alle Tiere, die sie erbeuten können.

Es ist nicht möglich, den Tieren in Gefangenschaft einen angemessenen und ausreichend großen Lebensraum zur VerfĂŒgung zu stellen. Als tierische Mitbewohner sind Pumas wie alle anderen Wildtiere daher nicht geeignet.

Puma laeuft im Schnee
Pumas sind menschenscheu und gehören nicht in Gefangenschaft.

Privathaltung von Servalkatzen: Darum eignen sich Servale nicht als „Haustiere“

Servale oder Servalkatzen stammen aus Afrika und sind im Vergleich zu Pumas und Luchsen relativ kleine Wildkatzen. Sie durchstreifen Reviere mit einer GrĂ¶ĂŸe von 9 bis 20 Quadratkilometer auf der Suche nach Nahrung und legen dabei teilweise mehrere Kilometer zurĂŒck. Wenn sie potenzielle Nahrung wittern, graben Servalkatzen in der Erde oder springen bis zu drei Meter in die Höhe, um kleinere SĂ€ugetiere oder Vögel zu erbeuten. Bei der Jagd können Servale auch schnelle Sprints hinlegen und Geschwindigkeiten von 80 km/h erreichen.

In Gefangenschaft ist es nicht möglich, den anspruchsvollen Tieren ein artgerechtes Leben zu ermöglichen, denn die Beengtheit der Gehege kann ihren speziellen Anforderungen an den Lebensraum niemals gerecht werden. Trotzdem halten immer mehr Privatpersonen Servalkatzen als tierische Mitbewohner.

Servalkatze
Servalkatzen stammen aus Afrika und haben spezielle Anforderungen an ihren Lebensraum.

Zum Schutz von Mensch und Tier: Ein Haltungsverbot von exotischen Tieren ist dringend notwendig

Bei der Haltung von Wildkatzen zu privaten oder Unterhaltungszwecken in zumeist beengten und artwidrigen VerhĂ€ltnissen können die BedĂŒrfnisse der Tiere nicht erfĂŒllt werden.

Um das unnötige Leid dieser Tiere zu beenden, fordern wir von PETA Deutschland ein Importverbot fĂŒr exotische Wildtiere. Da die Privathaltung solch gefĂ€hrlicher Wildtiere in Deutschland noch nicht einheitlich verboten ist, fordern wir die Bundesregierung außerdem auf, striktere Gesetze zu beschließen und sich auf EU-Ebene fĂŒr ein Haltungsverbot gefĂ€hrlicher Tiere einzusetzen.

„Wir beobachten einen erschreckenden ‚Trend‘ hinsichtlich der Haltung exotischer Tiere. Immer öfter werden Exoten wie Servalkatzen in Privathaushalten gehalten. Entkommen die Tiere ihren Halter:innen, werden sie schnell zur Gefahr fĂŒr Menschen und andere Lebewesen. Wildkatzen sind Raubtiere, die nachweislich eine Bedrohung fĂŒr unsere heimische Tierwelt darstellen. Obwohl die anspruchsvollen Exoten in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können, sind sie im Internet frei verkĂ€uflich. Zum Schutz von Mensch und Tier sollten die Haltung und der Verkauf von Exoten endlich komplett verboten werden.“

Jana Hoger, PETA Deutschland

Helfen Sie, das Leid der Tiere zu beenden: Fordern Sie ein Heimtierschutzgesetz!

Die private Haltung von exotischen Tieren ist verantwortungslos, denn sie verursacht immenses Tierleid und stellt eine erhöhte Gefahr fĂŒr die Öffentlichkeit dar.

Wildkatzen und andere exotische Wildtiere sollten mit Ausnahme von anerkannten Auffangstationen nicht in Gefangenschaft gehalten werden dĂŒrfen. Fordern Sie gemeinsam mit uns ein Verbot der Privathaltung von Exoten und unterzeichnen Sie unsere Petition fĂŒr ein Heimtierschutzgesetz!