Warum erkranken und sterben so viele junge Menschenaffen in deutschen Zoos?

Menschenaffen sind für Atemwegsinfektionen anfällig

Wir Menschen teilen uns mit Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans nicht nur einen Großteil des Erbguts, sondern sind oftmals auch für dieselben Krankheiten anfällig. Bei Forschungsprojekten im Freiland und beim ökologischen Tourismus in den Heimatländern der Tiere gibt es deshalb mittlerweile strenge Hygienevorgaben, um die Infektionsgefahr zu verringern. [1]

Trotz des Wissens um diese Gefahr kommt es in Zoos immer wieder zu Todesfällen, vor allem bei sehr jungen Menschenaffen. Die Todesursachen sind bei den meisten Tieren Infektionen, die vor allem durch eine schlechte Belüftung in den kleinen, bunkerähnlichen Innengehegen begünstigt oder durch den Kontakt zu Menschen ausgelöst werden können.

Menschenaffen fernab ihrer Heimat eingesperrt und Risiken ausgesetzt

Menschenaffen sind besonders anfällig für Virusinfektionen, die beim Menschen Atemwegserkrankungen auslösen. [2] Zwar können daran auch freilebende Menschenaffen erkranken, doch die Zoo-Gefangenschaft birgt durch die Nähe zum Menschen eine besondere Gefahr: Denn selbst Infektionen mit gewöhnlichen Erkältungsviren, die beim Menschen meist nur etwas Husten und Schnupfen auslösen, können für Menschenaffen schnell tödlich enden. [3] Dass Zoos den natürlichen Lebensraum der Tiere und die dort herrschenden klimatischen Verhältnisse nicht nachbilden können, macht das Ganze nicht besser. Bonobos gelten beispielsweise als besonders empfindlich, da sie sich bei Zugluft leicht erkälten. [4]Oftmals bekommen die Tiere im Winter daher – je nach Witterungsverhältnissen – nur sehr eingeschränkten Zugang zu den Außengehegen, was ihr tristes Dasein in Gefangenschaft noch weiter verschärft.

„Wenn die Pfleger husteten, dann husteten kurz darauf auch die Tiere.“ [1]

Fabian Leendertz, Epidemiologe am Robert-Koch-Institut

Hinzu kommen oftmals mangelhafte Schutzvorkehrungen: Denn obwohl das Risiko von Krankheitsübertragungen zwischen Mensch und Menschenaffen bekannt ist, gibt es dennoch Fälle, in denen Zoopersonal ohne Schutzmasken oder ausreichende Desinfektionsmaßnahmen direkten Kontakt zu den Tieren hat – wie hier der Direktor des Berliner Zoos, Andreas Knieriem, nach der Geburt von Orang-Utan Rieke. [5]

Mehr als zwanzig Menschenaffen sind in den letzten zehn Jahren in deutschen Zoos an Infektionserkrankungen verstorben….

Posted by Great Ape Project on Wednesday, February 12, 2020

Zahlreiche Todesfälle in den vergangenen Jahren

In deutschen Zoos sind seit Anfang 2010 über 20 junge Menschenaffen gestorben. Immer wieder kommt es zu tragischen Todesfällen, die häufig mit Infektionserkrankungen in Zusammenhang stehen:

  • Allein in der Stuttgarter Wilhelma erlagen vier junge Menschenaffen einer Lungenentzündung: Bonobo-Baby Okelo starb Anfang März 2020. [6] In den Jahren 2014 und Anfang 2015 überlebten zwei junge Bonobos Infektionskrankheiten nicht, deren Auslöser auf Mängel in der Lüftungsanlage des neugebauten Menschenaffenhauses zurückzuführen gewesen sein soll. [7] 2010 starb Gorillababy Juma im Stuttgarter Zoo ebenfalls an einer Lungenentzündung. [8]
  • Auch im Frankfurter Zoo kam es bereits mehrfach zu Todesfällen: In der Silvesternacht 2019 verstarb ein Bonobo-Baby plötzlich aus ungeklärter Ursache. [9] 2017 überlebten zwei junge Bonobos eine Lungen- und Mandelentzündung nicht. [10] Gorillamutter Dian verlor ihre beiden Zwillinge: Im Januar 2016 starb ihr Sohn Vutu an einer Darm- und Lungenentzündung. Sein Zwilling war bereits im September 2015 im Alter von wenigen Tagen verstorben. [11] Im Juli 2015 verlor Gorillamutter Shira ihren nur wenige Tage alten Nachwuchs – sie hatte bereits 2013 ihr erstes Kind verloren, als eine Darminfektion in der Gorillagruppe grassierte. [12] Im Mai 2014 erlag der sechs Monate alte Gorillajunge Tandu einer Darminfekt mit starkem Durchfall. [13] 2011 starb Orang-Utan Pandai, der bereits wegen Verhaltensauffälligkeiten unter tierärztlicher Beobachtung stand. [14]
  • Im Zoo Dortmund starb 2016 Orang-Utan-Kind Ihklas-Paul, der an einem Atemwegsinfekt erkrankt war und zudem innere Verletzungen aufwies. [15]
  • Im Zoo Osnabrück starb 2012 das von seiner Mutter verstoßene Schimpansenbaby Nayla aus ungeklärter Ursache. [16]
Menschenaffe sitzt im Betongehege
Das Gehege für Menschenaffen in der Stuttgarter Wilhelma, das 22 Millionen Euro kostete, ist mangelhaft und nicht artgerecht.

Covid-19 könnte für Menschenaffen fatal sein

Wissenschaftler warnen bereits seit Beginn der Corona-Pandemie, dass sich auch nicht-menschliche Menschenaffen mit SARS-CoV-2 infizieren könnten. [17] Außerdem ist zu befürchten, dass das neuartige Coronavirus für unsere nächsten Verwandten sogar besonders gefährlich sein könnte. [18]

Während der Corona-Pandemie starben bereits zwei junge Orang-Utans im Leipziger Zoo: das neun Monate alte Baby Rima im April 2020 und der dreijährige Orang-Utan-Junge Martok im August 2020. Anders als sonst üblich ließen die Zoo-Verantwortlichen bei Rima keine Obduktion durchführen, die Todesursache blieb somit ungeklärt. Die Möglichkeit, dass Rimas Tod mit einer Corona-Infektion zusammenhängen könnte, wies der Zoo von sich; Mitarbeiter seien symptomfrei und man wolle keine Testkapazitäten blockieren. PETA kritisierte diese Argumentation, denn auch infizierte Menschen, die keine Symptome zeigen, können die Krankheit übertragen. Ein Ergebnis der Obduktion von Martok wurde bislang nicht bekannt gegeben. [19]

Erste bestätigte Corona-Fälle bei Menschenaffen

Im Januar 2021 wurde schließlich der erste Corona-Fall bei Menschenaffen bestätigt: Im US-amerikanischen San Diego Zoo wurden drei Gorillas positiv auf das Coronavirus getestet, nachdem die Tiere Symptome wie Husten und Schnupfen gezeigt hatten. Vermutlich haben sich die Gorillas bei einem infizierten, jedoch symptomfreien Zoowärter angesteckt. [20] Wir von PETA Deutschland fordern deshalb höchste Sicherheits- bzw. Hygienemaßnahmen in Zoos, um eine Ansteckung der Tiere zu verhindern – auch über die Corona-Pandemie hinaus. Grundsätzlich muss die Zucht und Haltung von Menschenaffen in zoologischen Einrichtungen beendet werden, um weiteres Leid und derartige Todesfälle zu verhindern.

Gorilla Corona Virus

Was Sie tun können

Menschenaffen gehören nicht in Zoos – ihre Bedürfnisse sind derart komplex, dass ihnen keine zoologische Einrichtung einen artgerechten Lebensraum bieten kann. Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition für ein Ende der Gefangenhaltung von Menschenaffen in Zoos.