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Veganes Leder: Das sind die 10 besten Lederimitate

Für Leder werden jährlich mehr als eine Milliarde Tiere getötet. Den fühlenden Lebewesen wird die Haut vom Leib geschnitten, oftmals sind die Tiere dabei noch bei vollem Bewusstsein. Zudem ist Leder extrem umwelt- und gesundheitsschädlich. Glücklicherweise gibt es vegane Materialien, die Leder weit voraus sind und ohne Tierquälerei und Umweltverschmutzung auskommen.

Inhaltsverzeichnis

Was versteht man unter veganem Leder?

Veganes Leder bezeichnet alle Lederimitate, bei deren Herstellung keine tierischen Produkte enthalten sind – also weder Tierhäute als Ausgangsmaterial noch Tierknochen für Klebstoffe. Dazu gehören sowohl synthetische Alternativen als auch Pilze und pflanzenbasierte Stoffe wie Ananas- oder Kaktusleder. Je nach Ausgangsmaterial ähnelt veganes Leder jenem aus Tierhäuten optisch so sehr, dass häufig kein Unterschied erkennbar ist.

Ist veganes Leder Plastik?

Während heute noch viele vegane Lederalternativen durch die Zugabe von Kunststoffen hergestellt werden, forschen viele Unternehmen daran, dass eine wachsende Anzahl an veganem Leder wie beispielsweise Mirum® komplett ohne Kunststoffe auskommt und plastikfrei wird. Wer veganes Leder statt Tierhäute kauft, trägt auch dazu bei, die Forschung zukunftsfähiger, nachhaltiger und tierfreier Alternativen voranzutreiben.  

Veganes Leder
Bei veganem Leder findet man häufig Zugaben von Kunststoffen, jedoch wird bereits an plastikfreien Materialien geforscht.
Foto: Vegea Company

Wie gut ist veganes Leder?

Wie gut veganes Leder ist, hängt von der Qualität ab. Hochwertige Produkte aus veganem Leder sind oft äußerst strapazierfähig, langlebig und atmungsaktiv. Es gibt weiche Lederalternativen, wärmende und besonders reißfeste. Egal, ob Schuhe, Hosen, Jacken, Handtaschen, Gürtel oder Geldbeutel – vegane Lederalternativen stehen Leder aus Tierhäuten optisch in nichts nach.

Das sind die 10 besten Alternativen zu Leder

1. Ananasleder

Ananasleder ist ein reißfestes, atmungsaktives und weiches veganes Leder, das aus den Fasern von Ananaspalmenblättern hergestellt wird. Die Ananasblätter werden mit Polyurethan (PU) beschichtet, um die Langlebigkeit des Endproduktes zu gewährleisten. Der Einsatz von Kunststoffen ist im Vergleich zu herkömmlichem Kunstleder jedoch stark reduziert. Die Ananasblätter sind zudem ein Nebenprodukt einer bereits existierenden Landwirtschaft – und würden sonst auf dem Müll landen. Durch die Nutzung der Ananasfasern ergibt sich eine ganz besondere Optik.

Ananasleder kann sehr gut als Tierleder-Alternative für Schuhe, Mode-Accessoires und Möbel genutzt werden. Ananasleder wird von dem Unternehmen Ananas Anam unter dem Namen Piñatex hergestellt.

2. Apfelleder

Apfelleder wird aus Trester, den Überresten der Apfelsaftindustrie, hergestellt. Die pulverisierten Apfelreste werden mit PU vermischt und auf einen textilen Träger (Baumwolle oder Polyester) aufgetragen. Das PU sorgt für die Stabilität der Lederalternative.

Aus Apfelleder lassen sich Schuhe, Taschen und Möbel produzieren. Apfelleder wird von der italienischen Firma Frumat unter dem Namen AppleSkin® vertrieben. Das Unternehmen Beyond Leather arbeitet unter dem Namen LEAP® ebenfalls an einer Alternative aus Apfelresten. Eine große Auswahl an Handtaschen aus Apfelleder findet sich bei dem deutschen Unternehmen Nuuwai.

Apfelleder
Aus Überresten von Apfelsäften entsteht Apfelleder.

3. Kaktusleder

Kaktusleder ist atmungsaktiv und widerstandsfähig. Ähnlich wie bei Apfelleder wird bei der Herstellung Kaktusfaser mit PU vermischt und auf einen textilen Träger aufgetragen. Der Nopal-Kaktus, aus dem das Material hergestellt wird, dient als natürlicher Kohlenstoffspeicher: Er lässt sich an vielen Orten Mexikos anpflanzen, benötigt zum Wachsen nur sehr wenig Wasser und regeneriert die Böden auf natürliche Weise.

Kaktusleder kann zu Portemonnaies, Gürteln und Kleidung verarbeitet werden. Das Kaktusleder trägt den Namen Desserto® und kommt aus Mexiko. Produkte aus Desserto® werden zum Beispiel von den Unternehmen Hozen, Karl Lagerfeld und Fossil angeboten.

4. Kork

Kork ist ein nachwachsender Rohstoff und kommt von der Korkeiche. Er ist weich, robust, leicht und nachhaltig. Regelmäßig geschälte Korkeichen binden bis zu viermal mehr Kohlenstoffdioxid als Korkeichen, die nie in ihrem Leben geschält werden.

Bisher kannten wir Kork hauptsächlich als Bodenbelag, aus Korkleder werden nun Jacken, Gürtel und Geldbeutel hergestellt. Die Produkte sind strapazierfähig, wärmend, atmungsaktiv und spritzwasserdicht. Korkleder gibt es von verschiedensten Anbietern. Um die Langlebigkeit zu erhöhen wird der Kork zumeist auf einen textilen Träger aufgetragen oder beschichtet. Produkte gibt es bereits von vielen verschiedenen Unternehmen.

Korkleder
Kork ist ein reines Naturprodukt. Dabei handelt es sich um die Rinde der Korkeiche.

5. Mirum®

Das progressive Material wird in Verfahren aus 100 Prozent biobasierten Rohstoffen hergestellt, das vom Unternehmen Natural Fiber Welding patentiert ist. Zum Einsatz kommen beispielsweise Naturkautschuk sowie pflanzliche Öle und Mineralien zum Färben. Mirum® benötigt keinerlei synthetische Beschichtungen oder Verklebungen. Es ist somit komplett plastikfrei. Zudem entstehen bei der Produktion nur Bruchteile der CO2-Emissionen von tierischem Leder und es wird kein zusätzliches Wasser in der Herstellung benötigt.

Mirum® wurde im Sinne einer Kreislaufwirtschaft entwickelt: Es kann nach der Nutzung mechanisch recycelt und zu neuem Mirum® verarbeitet werden oder aufgrund der Bioneutralität ungefährlich in die Natur zurückgeführt werden. Melina Bucher ist das erste deutsche Unternehmen, bei dem Taschen aus Mirum® erhältlich sind.

6. Synthetisches Leder (Kunstleder)

Synthetisches Leder bzw. Kunstleder ist ein Sammelbegriff für verschiedene Materialgruppen aus synthetischen Stoffen wie beispielsweise Polyvinylchlorid (PVC) oder Polyurethan (PU). Genau wie echtes Leder wird es für Mode, Möbel und Accessoires verwendet. Synthetisches Leder gibt es in den unterschiedlichsten Qualitäten. Es ist sehr robust, witterungsbeständig und leicht zu reinigen.

Der Nachteil bei Kunstleder ist, dass die meisten Kunststoffe noch immer auf Erdöl basieren. Allerdings enthalten auch die meisten modernen Produkte aus tierischem Leder Erdölprodukte; beispielsweise viele Schuhe in Form eines Finishings. Durch die massiven ökologischen Schäden durch die weltweite Tierhaltung gilt Kunstleder trotz der berechtigen Kritik als umweltfreundlicher als Tierleder – und es wird bereits intensiv an der Entwicklung von biobasierten Kunststoffen geforscht. Viele Modehersteller, Möbelhäuser und Autofabrikanten bieten Optionen mit Kunstleder an und das Material ist weit verbreitet.

Kunstleder
Kunstleder ist trotz berechtigter Kritik viel nachhaltiger als Leder aus Tierhäuten.

7. Pilzleder / Myzelleder

Pilzleder wird aus Myzel, dem Wurzelgeflecht der Pilze, hergestellt. Die Herstellung von Myzel ist besonders umweltfreundlich: Myzel kann Bioabfälle als Nahrung verwerten (z. B. Maisreste oder Sägespänen) und benötigt nur wenig Energie und Wasser zur Herstellung. Die schaumartigen Strukturen wachsen innerhalb weniger Tage bis Wochen und können anschließend mechanisch bearbeitet werden. Myzelleder bietet die Möglichkeit, bestehende Lieferketten in der Ledergerbung zu nutzen. Pilzleder ist atmungsaktiv, flexibel und feuchtigkeitsregulierend.

Bisher erhältliche Alternativen benötigen noch einen geringen Anteil an PU, um länger haltbar gemacht zu werden. Die Unternehmen Boltthreads und MycoWorks forschen an Pilzleder, erste Produkte sind von Stella McCartney und Lululemon erhältlich.

8. Papierleder

Papierleder ist ein Mix aus Papier und Kunststoff (Zellulose und Kautschuk). Die Mischung macht das Material sehr stabil und extrem reißfest. Es lässt sich sehr gut verarbeiten und ist insbesondere geeignet zum Basteln, Nähen und für Accessoires. Papierleder gibt es zum Beispiel von Snaply.

9. Teakblätter

Teakleder besteht aus Teakblättern. Die Firma Nuvi Nomad erhält die Blätter aus Thailand und durch eine spezielle Versiegelung wird das vegane Leder wasserabweisend, robust und langlebig. Das Teakleder ist zu 95 Prozent aus natürlichen Rohstoffen. Und nicht zu vergessen: Es sieht chic aus und durch die individuellen Prägungen der Teakblätter ist jedes Stück ein Unikat!

10. Weinleder

Weinleder wird ähnlich wie Apfelleder oder Kaktusleder durch die Verbindung zwischen natürlichen Rohstoffen und PU hergestellt. Das Geheimnis hinter Weinleder sind Haut, Stiele und Samen von Trauben. Durch ein spezielles mechanisches Verarbeitungsverfahren, das ohne zusätzlichen Wassereinsatz auskommt, werden die Fasern und Öle dicht miteinander verbunden, mit PU vermischt und bilden eine lederartige Oberfläche. Die Firma Vegea aus Italien stellt dieses vegane Leder her.

Weinleder
Auch aus Teilen von Trauben kann man veganes und somit tierfreundliches Leder herstellen.
Foto: Vegea Company

Worauf Sie beim Einkauf achten sollten

Pflanzliche und synthetische Textilfasern sind vielseitig, je nach Hersteller qualitativ sehr hochwertig und immer frei von Tierleid. Um Kleidung, Möbel und Accessoires ohne Leder und andere tierische Materialien zu finden, empfehlen wir, beim Einkauf immer einen Blick auf das Etikett oder die Produktbeschreibung zu werfen. Fragen Sie im Zweifelsfall per E-Mail oder Anruf beim Hersteller nach und entscheiden Sie sich für vegane Produkte.