Spenden
 »  »  »  »  » Angeln: Todeskampf im Wasser

Angeln: Todeskampf im Wasser

Fische sind weder Spielzeug noch Lebensmittel, sondern Lebewesen
Albert Schweitzer schreibt in seinen Lebenserinnerungen, wie sehr ihn in seiner Kinderseele die sich beim Angeln am Haken windenden Würmer und das Töten der Fische erschüttert haben. Nach zweimaligem Angeln habe er nicht mehr mitgemacht und aus Mitgefühl versucht, auch andere Menschen vom Angeln abzuhalten. (1)

Auch Sir Paul McCartney zeigt Mitgefühl mit Fischen: Vor vielen Jahren war ich einmal Angeln, und als ich den armen Fisch einholte, wurde mir klar, dass ich dabei war, ihn zu töten – nur für eine vergängliche Gaumenfreude. Da hat irgendetwas in mir „Klick“ gemacht. Als ich ihn so sah, wie er nach Atem rang, wusste ich, dass ihm sein Leben in diesem Moment genauso wichtig war, wie mir meines.“ (2)

Fische sind weder Spielzeug noch Lebensmittel, sondern Lebewesen
Wenn Fische schreien könnten, würde mit Sicherheit niemand mehr behaupten, Angeln sei eine Beschäftigung, die der Erholung dient. Oder würden Sie es erholsam finden, wenn man Ihnen ein Stück Schokolade vor den Mund halten würde, um anschließend einen spitzen Haken durch ihre Lippen zu bohren und Sie dann, mit Ihrem ganzen Körpergewicht an diesem Haken hängend, in ein Element zu ziehen, in dem Sie keine Luft mehr bekommen? Wenn man Ihnen dann ohne Betäubung den Bauch aufschlitzen würde, um Ihnen die Organe herauszureißen oder Sie mit einem mehr oder weniger treffsicheren Schlag auf den Kopf betäuben würde, bevor man Sie „ausnimmt“? Oder Sie einfach ersticken lässt? Erholsam ist das mit Sicherheit nicht!

Wissenschaftliche Studien bestätigen: Fische empfinden Schmerz
Wie wir Menschen sind auch Fische Wirbeltiere. Da sie ihre Schmerzen und ihre Todesangst aber in einer für den Menschen nur schwer verständlichen oder nachvollziehbaren Art äußern, können sich weniger empathisch veranlagte Menschen ihr Leid oft nur schwer vorstellen. Aber schon alleine die Tatsache, dass Fische beim Fang panisch nach Luft schnappen und heftig zappeln, zeigt deutlich, dass sie unter starkem Stress stehen. Internationale wissenschaftliche Studien bestätigen, dass Fische Schmerzen empfinden (3, 4, 5) und dass ihr Bewusstsein (6) und ihr Schmerzempfinden denen anderer Wirbeltiere sehr ähnlich sind. (7) Der Mund und die Lippen eines Fisches können in gewisser Weise mit Menschenhänden verglichen werden. Fische benutzen sie, um Nahrung zu fangen und aufzunehmen, Nester zu bauen und um ihre Nachkommen bei Gefahr zu verstecken. Dies erfordert ein gut entwickeltes Tastgefühl, das durch die nadelscharfen Widerhaken schwer beschädigt wird.

Wettfischen
Dennoch leiden und sterben Tausende Fische an der Angelrute – häufig bei rechtswidrigen Wettangelveranstaltungen, wie „Königsfischen“, „Pokalfischen“ oder gar „500-Pfund-Angeln“. Das jährlich in beschaulichen Dörfern deutschlandweit veranstaltete Königs- oder Pokalfischen ist laut § 17 Nr. 1 Tierschutzgesetz (TierSchG) rechtswidrig, denn der Erwerb des Fisches für Nahrungszwecke muss den alleinigen Grund für das Angeln bilden. „Wird daneben auch ein sportlicher Zweck verfolgt, insbesondere der Zweck, in einem Wettbewerb Sieger und Platzierte zu ermitteln, so fehlt es an einem vernünftigen Grund, denn solche Zwecke können weder die Tötung noch die Zufügung von Schmerzen und Leiden rechtfertigen.“ (8)

Catch und Release
„C und R“ ist die Kurzbezeichnung für die Angelpraxis des „Fangens und wieder Freilassens“ von Fischen. Auch diese Form des Angelns ist in Deutschland laut § 17 Nr. 2b TierSchG verboten. (9) Die Fische können in Folge der durch Angelhaken erlittenen Verletzungen sterben, sind verletzt oder stehen unter Schock und werden so zur leichten Beute für andere Fische. Beim „Catch und Release“ wird meist „Jagd“ auf große Fische, wie Welse oder Störe, gemacht, mit denen anschließend vor der Kamera posiert wird. Danach werden die Fische wieder zurück ins Wasser geworfen. Aber nicht etwa aus Tierliebe, sondern damit die Angelparkbetreiber gegen Bezahlung weitere Besucher anlocken können, die wiederum den gleichen Fisch als „Trophäe“ immer wieder herausangeln – so lange, bis dieser an seinen Verletzungen qualvoll stirbt.
 
Fisch ist ungesund
Der Verzehr von Fisch ist für uns Menschen alles andere als gesund. So ist Fisch in der menschlichen Nahrung fast die einzige Quelle für das Schwermetall Methylquecksilber. (10) Auch können Fische hohe Mengen an chemischen Rückständen speichern, darunter PCB (Polychlorierte Biphenyle), Dioxine und Blei. (11) Insbesondere PCB werden mit Infertilität bei Männern in Verbindung gebracht. (12)

Erholung in der Natur
Viele Angler beteuern, sie würden fischen, weil sie die Natur und das Wasser lieben. Diese Menschen sollten sich darüber bewusst werden, dass man die Natur wunderbar genießen kann, ohne dabei Tiere zu töten. So kann man in der Natur beispielsweise wandern, campen, schwimmen, Kanu fahren, schnorcheln, Vögel und Insekten beobachten, tauchen oder an Gewässern Abfälle einsammeln. Das Angeln hingegen lehrt in keinster Weise Respekt gegenüber wildlebenden Tieren, sondern führt vielmehr zu einer zunehmenden Empfindungslosigkeit gegenüber Fischen und gegenüber Lebewesen im Allgemeinen.

Was Sie tun können
Wie die Jagd und der Stierkampf dient auch das „Sport“- Fischen der menschlichen Unterhaltung auf Kosten der Tiere. Berücksichtigt man, dass Fische sensible Individuen sind, die Angst, Stress und Schmerz empfinden können und kein Spielzeug sind, dann liegt es auf der Hand, die Angelrute umgehend an den Haken zu hängen. Melden Sie es uns bitte, wenn Sie im Zusammenhang mit dem Angeln Verstöße gegen das Tierschutzgesetz beobachten.

Quellenangaben
(1) Albert Schweitzer, „Die Ehrfurcht vor dem Leben - Grundtexte aus fünf Jahrzehnten“ (1966) 75 S.
(2) PETA.de.

(3) Lynne U. Sneddon, „The evidence for pain in fish: the use of morphine as an analgesic”,
Applied Animal Behaviour Science 83 (2003) 153–162.
(4) Lynne U. Sneddon, „Pain perception in fish. Evidence and implications for the use of fish”,

Journal of Consciousness Studies, 18, No. 9-10 (2011), 209-229.
(5) Victoria A. Braithwaite, „Do Fish Feel Pain?“, Oxford University Press (2010), Oxford, United Kingdom.
(5) Helmut Segner, „Nociception and pain. A biological perspective“, Contributions to Ethics and Biotechnology / 9 (2013) 94 S.
(6) Markus Wild, „Fische. Kognition, Bewusstsein und Schmerz. Eine philosophische Perspektive“,  Beiträge zur Ethik und Biotechnologie / 10 (2013) 187 S.

(7) Lynne U. Sneddon, „Trigeminal somatosensory innervation of the head of a teleost fish
with particular reference to nociception“, Brain Research 972 (2003) 44-52.

(8) Hirt/Maisack/Moritz, TierSchG, 2. Auflage 2009, § 17, Rn. 31.
(9) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer einem Wirbeltier
länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt. § 17 Nr. 2 b TierSchG .
(10) Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. „Schwermetalle“, 31.8.2005.
(11) J. Robbins, „Diet For a New America“, p. 331.

(12) R. Rozati et al., „Xenoesterogens and male infertility: myth or reality?“, Asian J Androl. (2000) Dec; 2(4):263-9.