Spenden
 »  »  »  »  » Fakten über die Delfinarien in Deutschland

Delfinarien – trostlose Betongefängnisse für Tiere

Stand: Juni 2016
 
Delfinarien sind für hochintelligente, sensible Meeressäuger nichts anderes als enge und karge Betonbecken. Hier werden Delfine dressiert, für eine Handvoll Fische durch die Luft zu springen und Kunststücke aufzuführen – zur Unterhaltung zahlender Besucher, denen das große Leid der Tiere in diesen Einrichtungen zumeist nicht bewusst ist. Diese Freizeitparks sind rein kommerzielle Einrichtungen. Sie beuten intelligente, soziale und sensible Säugetiere aus und sprechen ihnen damit jegliches natürliches Verhalten und Bedürfnis ab. (1) Nach Ansicht von Ric O’Barry, dem ehemaligen Delfintrainer für die Fernsehserie Flipper in den 60er Jahren, der heute für die Freiheit der Delfine kämpft, wollen uns Freizeitparks und Delfinzoos davon überzeugen, dass sich Delfine in diesen Einrichtungen wohlfühlen. „Wüssten die Menschen die Wahrheit, würden sie keine Eintrittskarten kaufen“, so O’Barry. (2) Hinter dem vermeintlichen „Lächeln“ der Delfine verbirgt sich in Wahrheit ein unendlich trauriges und eintöniges Leben.


In Freiheit leben Delfine in großen Sozialverbänden, schwimmen am Tag bis zu 150 Kilometer weit und tauchen bis zu 300 Meter tief. Viele Delfine sterben vorzeitig an den Folgen der Gefangenschaft. Daher halten deutsche Zoos ihre Zuchtbücher und Jahresbücher streng geheim, behaupten jedoch, sie seien „wissenschaftliche Einrichtungen.“
Das Leben in den trostlosen, engen Betonpools ist für die Tiere so unnatürlich, dass Delfine oftmals mit Psychopharmaka behandelt und manipuliert werden. Daher geben Zoos auch keinen Einblick in die Medikation ihrer Tiere.
Im Ozean spüren Delfine die Strömungen, spielen mit den Wellen, jagen in Gruppen und führen ein selbstbestimmtes Leben. Im Delfinarium hingegen sind sie von Betonwänden umgeben, schwimmen in künstlichem Salzwasser und werden mit toten Fischen belohnt, wenn sie bei den Shows für zahlende Besucher brav ihre Kunststückchen machen.
 
Delfinarien sind keine wissenschaftlichen Einrichtungen, sondern eine bildungspolitische Lüge. Den Zuschauern, insbesondere Kindern, wird vermittelt, dass es normal ist, intelligente Tiere in enge Becken einzusperren, ihnen alles zu nehmen, was ihr Leben in Freiheit ausmacht, damit sie für uns Kunststücke vorführen, die nichts über ihr artgerechtes Verhalten zeigen.
Es ist allerhöchste Zeit, die Delfinarien zu schließen und die Meeressäuger, die nicht wieder ausgewildert werden können, in betreute Meereslagunen zu überführen.


Wildfänge - Familien werden auseinandergerissen
Wildfänge können Delfinpopulationen schwer belasten, denn Familien werden auseinandergerissen, Freunde werden getrennt, Delfinkinder verwaisen. Schmerzen und Verletzungen beim Fang und Transport führen nicht selten zum Tod der Tiere, noch bevor diese im Delfinarium ankommen. Für den Fang eines weiblichen Delfins im „Zuchtalter“ beispielsweise werden ganze Delfinschulen mithilfe von Booten in flache Gewässer getrieben und mit Netzen eingekreist. Nach und nach werden diese Netze zusammengezogen und die Tiere werden in Boote gehievt. Unerwünschte Delfine werden zurück ins Wasser geworfen, oder, wie im japanischen Taiji, grausam geschlachtet, obgleich die Nachfrage nach Delfinfleisch heute nur noch verschwindend gering ist.            
Der Import von Delfinen (und anderen Walen) zu kommerziellen Zwecken ist in Deutschland und der gesamten Europäischen Union verboten (4). Allerdings gibt es leider Mittel und Wege, die Rechtsvorschriften zu umgehen, zum Beispiel durch die „Zwischenlagerung“ von Delfinen in Nicht-EU-Ländern, in denen ein Importverbot durch Ausnahmeregelungen leichter umgangen werden kann. Kommen die Delfine dann nach Deutschland, gelten sie nicht mehr als Wildfänge.      

Vom Ozean ins Betonbecken
Die in der Hochsee lebenden Delfine ziehen gerne in Schulen von mehreren hundert Tieren umher. (5) Telemetrie-Untersuchungen haben gezeigt, dass die Reviergröße zwischen 85 km² beim großen Tümmler und 1500 km² beim Schwarzdelfin liegen kann. Es wurde beobachtet, dass Hochseedelfine bis zu 300 km weit ziehen. (6) In Gefangenschaft lebende Delfine hingegen werden mit wenig Artgenossen zusammen in enge Becken ohne jede Ausweichmöglichkeit gesperrt. (7) So kommt es leicht zu Aggressionen und Verletzungen.
Während Delfine in der freien Natur ihre Kälber in Schulen gebären, werden schwangere Delfine in Zoos von ihren Artgenossen isoliert. Viele Kälber sterben bei oder nach der Geburt. Im Tiergarten Nürnberg starben allein im Jahr 2007 zwei Kälber. (8)

Delfine orientieren sich mit Hilfe ihres Echolots, indem sie eine Serie von Impulsen und Klicklauten aussenden. Die Schallwellen treffen auf Objekte im Wasser und werden dann an den Delfin in Form eines Echos zurückgegeben, fast wie bei einem Sonargerät. So können sie die Form, Dichte, Entfernung und den Standort dieser Objekte bestimmen und Fische aufspüren; in Aquarien jedoch verkümmert dieser Sinn. Der berühmte französische Meeresforscher Jacques Cousteau sagte einmal, dass das Leben eines Delfins in Gefangenschaft „zu einer Fehlregulierung des gesamten sensorischen Apparates führt, was wiederum bei einem so sensiblen Lebewesen zu einer Störung des mentalen Gleichgewichts und des Verhaltens führt“. (9)      

 

Was Sie tun können

Besuchen Sie keine Zoos.
Fordern Sie die deutschen Zoos in Nürnberg und Duisburg auf, ihre Delfine in betreute Meeresbuchten umzusiedeln.




Quellenangaben

1) Sally Kestin, “Not a Perfect Picture,” Sun-Sentinel, 16 May 2004.
2) Kestin.
4) EU-Richtlinie 338/97, 09.12.1996.
5) Graham Bateman “Die Tiere unserer Welt. Säugetiere des Meeres. Band 2.” Equinox (Oxford) Ltd. 1987.
6) Graham Bateman “Die Tiere unserer Welt.
Säugetiere des Meeres. Band 2.” Equinox (Oxford) Ltd. 1987.
7) Animal and Plant Health Inspection Service, “3.104 Space Requirements.”
8) Förderverein DelphinLagune e.V. Tiergarten Nürnberg. Newsletter Juli 2007.
9) Virginia McKenna, Into the Blue.
New York: Harper Collins Publishers, 1992.


 

Traurige Fakten über die Delfinarien in Duisburg und Nürnberg

 

Nürnberg


1. Aktueller Bestand (2016):
Hier leben 10 Delfine: Die Wildfänge Moby, Anke und Jenny, in Florida und Kuba gefangen. Alle drei waren vorübergehend auch in anderen Delfinarien untergebracht.
 
In Nürnberg geboren sind: Noah und Nami
 Nicht in Nürnberg geboren: Sunny, Kai, Arnie, Dolly, Donna,
 
2. Delfine werden hin- und her getauscht
Die Delfine werden im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) hin- und hergeschoben. Anke zum Beispiel wurde von Florida nach Deutschland importiert und hier viermal zwischen den Delfinarien Münster, Nürnberg und Harderwijk weitergereicht um sich fortzupflanzen. Das hat aber nicht funktioniert, denn Anke hat 2010 und 2011 ihr Baby verloren.

3. In Nürnberg starben bislang
·  Von 22 Nachzuchten sind schon bereits 17 gestorben! (3)
·  Bereits 23 Tiere aus freier Wildbahn wurden ins Nürnberger Delfinarium gebracht! (3)
Die Delfine, die von Nürnberg in ein anderes Delfinarium umgesiedelt wurden, und dort starben, wurden hier nicht mitgezählt.

4. Delfine werden als Show-Clowns missbraucht
Bis zu 5 Shows am Tag („Präsentationen“) müssen die Delfine in den Sommerferien mitmachen (4). Auch kranke Tiere werden nicht verschont; so muss der 52-jährige Moby jeden Tag eine Show aufführen, obwohl er nierenkrank ist. Es heißt zwar immer, sie würden freiwillig mitmachen, aber nur so bekommen sie Leckerbissen.

5. 30 Millionen Euro für ein Betongefängnis namens „Lagune“
Die ursprünglich angekündigten 24 Millionen Euro reichten erwartungsgemäß nicht aus (Link weg)  Co-finanziert wurde die Lagune mit Mitteln der Bayerischen Landesstiftung, des Vereins der Tiergartenfreunde Nürnberg e.V., des Fördervereins „DelphinLagune e.V.“ und Cortal Consors.

6. Versuchte Vertuschung des Lecks in der Lagune
Im August 2011 bemerkten die Techniker, dass die Lagune ständig Wasser verlor. Das Salzwasser, das Pflanzen und den Erdboden schädigt, versickerte in einem Wäldchen. Als der Tiergarten das bemerkte, ,haben wir das dem Umweltamt gemeldet‘, so Encke. Es wurde eine Chloridbelastung von 2000 Milligramm pro Liter gemessen. Erlaubt sind laut Trinkwasserverordnung jedoch lediglich 200 Milligramm. Allerdings sind wohl zwei Eichen durch die Salzbelastung geschädigt“ (Link weg) (5). Mitte Mai 2012 erstattete PETA Anzeige gegen den Zoo und das Umweltamt, nachdem ein anonymer Hinweis auf das Leck einging. Das Verfahren läuft noch. Sicher jedoch ist, dass der Zoo dringende und millionenschwere Umbaumaßnahmen durchführen muss und die Delfine mit einem gesenkten Wasserpegel, Lärm, Staub und Enge, oder gar einer Umsetzung in ein anderes Delfinarium, zurechtkommen müssen.

7. Zoodirektor Encke beim Lügen ertappt
Schon im Februar hatte die AZ einen anonymen Hinweis bekommen, dass Salzwasser aus der Lagune austritt, das versickert und Bäume schädigt. Am 22. Februar fragte die AZ bei Encke nach. Doch der sagte, dass an den Vorwürfen nichts dran sei. Was sich jetzt als zumindest kreativer Umgang mit der Wahrheit herausstellt“ (5).

8. Kranke Delfine
Die Delfine Moby und Jenny in Nürnberg leiden an Nierenschäden, sodass ihnen täglich 6 Liter Süßwasser mit einem Wasserschlauch in den Rachen gepumpt werden (wurde erzählt während einer Delfin-Show 2012).

9. Delfine erhalten Psychopharmaka
Delfine in Delfinarien werden nicht nur eingesperrt, sondern auch hormongesteuert und mit Psychopharmaka ruhiggestellt. Frust und Aggressivität, z.B. über die Gefangenschaft in den viel zu engen Becken, sowie über mangelnde Ausweichmöglichkeiten und das Abgrenzen von anderen Delfinen, wird durch gezielte Medikamentengabe unterdrückt.

Die Akteneinsicht des Wal- und Delfinschutz-Forums (WDSF) hat 2012 gezeigt, dass einige Delfine in Nürnberg mit Diazepam (auch als „Valium“ bekannt) und Clinofem®10 (weibliche Hormone, die bei Frauen zur Behandlung von Wechseljahr-Beschwerden zum Einsatz kommen) ruhiggestellt werden.

10. Das Märchen von der Delfintherapie:
Der Psychologe Erwin Breitenbach vom Würzburger Uni-Institut für Sonderpädagogik hatte mit dem Tiergarten Nürnberg für die Delfintherapie eine Studie mit 118 Kindern erstellt, die an Autismus, Down-Syndrom und anderen Behinderungen litten. Die Therapeuten stellten anschließend keine Veränderungen fest. Nur diejenigen Eltern, die viel Geld für die Therapiestudie bezahlten, beurteilten die Ergebnisse kurzfristig und vorübergehend positiv.

11. Die Lagune ist viel zu klein!
Eine große Lagune zur artgerechten Haltung? Von wegen! Die Lagune ist in sechs verschiedene Becken unterteilt. Die Delfine haben nicht zu allen Becken Zugang und die Tiefe liegt zwischen 0,5 und 7 Metern. Im Meer tauchen die Tiere um die 300 Meter tief, schwimmen etwa 100 bis 150 Kilometer am Tag und erreichen Spitzengeschwindigkeiten von 50 Kilometern pro Stunde. Hinzu kommen die in Punkt 6 erwähnten Umbaumaßnahmen.


 

Duisburg

12. Aktueller Bestand (2016):
8 große Tümmler: Ivo und Pepina (beide sind Wildfänge) und die Nachzuchten Delphi, Daisy, Diego, Dörte, Darwin und Debbie.
Ein allein in seinem Becken eingesperrter Amazonas-Flussdelfin, genannt „Baby“, auch ein Wildfang.
 
 
13. Beengte Haltung
8 große Tümmler leben im Duisburger Zoo. Insgesamt gibt es anscheinend 6 Becken, allesamt sehr klein. An seiner tiefsten Stelle ist das Wasser 5 Meter tief.

14. Zu viele Shows, zu viele Zuschauer
In Duisburg gibt es an 365 Tagen im Jahr 2 bis 3 Vorstellungen jeden Tag, „bei Bedarf mehr“ (6). Die Tiere haben keinen Tag frei. Es gibt 1200 Sitzplätze, plus Stehplätze und Treppen (6). Der Zoo behauptet, die Delfine können selbst entscheiden, ob sie mitmachen oder nicht.
 
15. Zu enger Kontakt zu Besuchern
An Kindergeburtstagen werden Kinder „rasant“ mit dem Schlauchboot über das Wasser gezogen. Hierdurch besteht Gefahr für Kinder, denn Delfine sind Wildtiere und können angreifen. Die Delfine wiederum können an eingeschleppten Keimen erkranken oder Fremdkörper verschlucken.

16. Todesfälle
Im Zoo in Duisburg starben schon mindestens 60 Delfine (Dunkelziffer unbekannt), darunter auch Weißwale und Süßwasserdelfine.
Der prominente Delfinschützer Richard O’Barry hat den Zoo Duisburg als den „größten Delfin-Friedhof der Welt“ tituliert.
·  In den vergangenen 20 Jahren sind laut Statistik des Umweltministeriums dort mehr als 15 Delfine gestorben, darunter 10 Babys. Nach einem Bericht im Focus aus dem Jahr 1993 waren es bis dahin 45 Todesfälle. Insgesamt sind das 60 Todesfälle. Wir vermuten, dass noch mehr Fehlgeburten verheimlicht werden und auch während der zahlreichen Wildfang-Expeditionen unter Dr. Gewalt, dem damaligen Zoodirektor, der seinen Namen nicht zu Unrecht trug, viele Tiere gestorben sind.
Der Zoo spricht in diesem Zusammenhang auf seiner Homepage von „anfänglichen Schwierigkeiten“.

17. Das Märchen vom Artenschutz
Zum Erhalt der Delfinarten trägt der Zoo keinesfalls bei, denn noch nie wurde ein Delfin wieder in die freie Wildbahn zurückgebracht. Die Großen Tümmler sind nicht bedroht und benötigen also keinen Artenschutz. Trotz der vermeintlichen Artenschutzbeteuerungen hat der Zoo seit 1960 sehr viele Wildfänge importiert und hohe Verluste verzeichnet.

18. Unabhängige Wissenschaftler fordern Freiheit für Delfine
Renommierte Wissenschaftler stützen sich auf neueste Erkenntnisse, um die Gefangenhaltung von Delfinen und Walen in Zoos zu beenden. Laut der Meeresbiologin Lori Marino von der Emory Universität in Atlanta sind nicht Affen, sondern Delfine die intelligentesten Lebewesen neben dem Menschen. Ebenso wie der Ethikprofessor Thomas White von der Loyola Marymount Universität in Los Angeles fordert sie, dass die Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen gezogen und die Meeressäuger dem Menschen ethisch gleichgestellt werden.
Marino fand heraus, dass das Hirn der Delfine stärker gefaltet ist und eine größere Oberfläche hat als die des Menschen. Die Faltung betrifft vor allem den Neocortex, eine Hirnstruktur, die komplizierte Denkvorgänge und das Selbst-Bewusstsein steuert. Keine andere Tierart habe ein so gewundenes Gehirn wie Delfine, berichtete Marino auf der Jahrestagung des amerikanischen Wissenschaftsverbandes AAAS in San Diego. Laut White haben Delfine positive und negative Empfindungen, erkennen einander und begegnen sich mit Respekt, meist mit Zuneigung, erkennen sich im Spiegel, gehen analytisch und planmäßig vor und lösen komplexe Aufgaben. Außerdem können sie gefühlsmäßig intensiv und langanhaltend leiden. Daher spricht der Ethik-Professor Delfinen ähnliche Rechte zu wie Menschen. Delfine dürften nicht wie „Sklaven“ für Tiershows vermarktet und zu Hunderttausenden gejagt und geschlachtet werden.
 

Quellenangaben
(1) Aussage der Pressesprecherin des Zoos in 2012
(2) WDSF
(3) Die Delfinbefreier
(4) Homepage des Zoos Nürnberg, Stand Juni 2016
(5) Abendzeitung Nürnberg, Mai 2012
(6) Homepage des Zoos Duisburg, Stand Juni 2016