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Stand Juni 2016

Das Leid der Delfine in Gefangenschaft

In Meeresparks springen Delfine und Schwertwale für eine Handvoll Fische durch die Luft und machen Kunststückchen wie ferngesteuertes Spielzeug. Touristen sind begeistert von Freizeitparks, die ihnen die Möglichkeit geben, mit Delfinen zu schwimmen oder mit ihnen fotografiert zu werden. Diese Freizeitparks sind ein Millionengeschäft, die intelligente, soziale Lebewesen ausbeuten, denen man jedes natürliche Verhalten und Bedürfnis abspricht. (1)

Ric O’Barry, ehemaliger Delfin-Trainer für die Fernsehserie Flipper in den 60er Jahren, meint, dass Freizeitparks und Zoos „Sie davon überzeugen möchten, dass Delfine hier geboren wurden oder dass diese Einrichtungen sie gerettet haben. … Wüssten Menschen die Wahrheit, würden sie keine Eintrittskarten kaufen”. (2)


Massenschlachtungen in Taiji
Wie im Film „Die Bucht“ gezeigt, kommen Delfintrainer aus der ganzen Welt jedes Jahr nach Taiji, einer kleinen Bucht in Japan, um sich hier die schönsten Exemplare auszusuchen. Für jeden Delfin zahlen sie bis zu 150.000$. Die restlichen Tiere werden brutal ermordet und zu Fleisch verarbeitet, das mit Quecksilber verseucht ist und das kaum jemand essen möchte. Obgleich der Import von Wildfängen in deutsche Delfinarien verboten ist, ist es nicht auszuschließen, dass sie über Drittländer, die nicht zur EU gehören, schließlich doch auch in unsere Delfinarien gelangen.

Jeder Delfinarienbesucher muss folglich wissen, dass Delfinarien die Massenschlachtungen unterstützen und fördern, denn ohne die Delfinarienindustrie wäre die Delfinjagd nicht rentabel und käme zum Erliegen.

Familien werden auseinander gerissen
Auch Schwertwale oder Orcas gehören zur Familie der Delfine. Sie sind die größten, in Gefangenschaft gehaltenen Tiere. In der freien Natur bleiben Orcas ein Leben lang mit ihren Müttern zusammen. Familienverbände oder Schulen bestehen aus einer Mutter, ihren ausgewachsenen Söhnen und Töchtern und den Kindern ihrer Töchter. Mitglieder einer Schule kommunizieren in einem eigenen, spezifischen “Dialekt”.

Delfine schwimmen gemeinsam in Schulen die aus Hunderten von Tieren bestehen können. Die Bildung von Allianzen bei Delfinen ist in ihrer Komplexität nur mit derjenigen von Menschen vergleichbar (2b): „Studien in den 1990-er Jahren zeigten bereits, dass zwei bis drei männliche Delfine sehr eng miteinander kooperieren, um weibliche Delfine zur Verpaarung von der Großgruppe zu isolieren. Diese sogenannten Allianzen erster Ordnung schließen sich manchmal zusammen, um Weibchen, die von anderen Allianzen monopolisiert werden, zu stehlen“.

Das Fangen nur eines einzigen freilebenden Delfins oder Orcas reißt die gesamte Schule auseinander. Um z.B. einen weiblichen Delfin im Zuchtalter zu fangen, werden Boote eingesetzt, um die Delfinschule in flache Gewässer zu jagen, wo man die Tiere dann mit Netzen einkreist, die man nach und nach zusammenzieht und auf die Boote zieht. Unerwünschte Delfine werden zurück ins Wasser geworfen. Manche sterben infolge des Schocks oder Stresses, oder an Lungenentzündung, wenn Wasser in ihre Lunge dringt. Schwangere Weibchen erleiden zuweilen eine spontane Fehlgeburt. Bei einer Aktion, bei der mehr als 200 Delfine in Panik gerieten, als man sie in einem japanischen Fischerhafen zusammentrieb, krachten die Tiere in Bootsrumpfe und ineinander, verhedderten sich hoffnungslos in den Netzen bei dem Versuch, einen Fluchtweg zu finden, und viele brachen vor Erschöpfung zusammen und ertranken. (3)

Orcas und Delfine, die dem schlimmen Schicksal der Gefangennahme entkommen, geraten bei dem Anblick ihrer gefangen Freunde außer sich und versuchen zuweilen sogar, sie zu retten. Als Namu, ein freilebender Orca an der Küste von Kanada gefangen genommen und in das Seattle Public Aquarium geschleppt wurde, wurde er nach Angaben der BBC von Lloyd’s of London unter anderem gegen Rettungsversuche durch andere Wale” versichert. (4)
Anpassung an eine fremde Welt
In der Natur schwimmen Orcas und Delfine bis zu 150 Kilometer am Tag und tauchen bis zu 300 Meter tief. (5,6) In Gefangenschaft lebende Delfine werden in Becken gepfercht, die oft nur 10 Meter lang, 10 Meter breit und 5 Meter tief sind. (7) Sie orientieren sich mit Hilfe ihres Echolots, indem sie eine Serie von Impulsen und Klicklauten aussenden. Die Schallwellen treffen auf Objekte im Wasser und werden dann an den Delfin in Form eines Echos zurückgegeben, fast wie bei einem Sonargerät. So können sie die Form, Dichte, Entfernung und den Standort dieser Objekte bestimmen und Fische aufspüren; in Aquarien jedoch hallen ihre eigenen Schallwellen von den Wänden zurück, was manchen Delfin zum Wahnsinn treibt. Jacques Cousteau sagte einmal, dass das Leben eines Delfins in Gefangenschaft “zu einer Fehlregulierung des gesamten sensorischen Apparates führt, was wiederum bei einem so sensiblen Lebewesen zu einer Störung des mentalen Gleichgewichts und des Verhaltens führt.”(8)

In manchen Delfinarien werden die Becken mit Chemikalien sauber gehalten, die unbekannte Nebenwirkungen haben. Wegen der hohen Chloranteile in ihrem Wasser waren Delfine im Clearwater Marine Aquarium unfähig, ihre Augen zu öffnen und ihre Haut fing an, sich zu schälen. (9)
Ein Becken in North Carolina Zoological Park lieferte nicht genug Schatten, was dazu führte, dass ein Seelöwe Brandblasen und Risse an den Augen erlitt. Der Oklahoma City Zoo schloss seine Delfinanlage, nachdem vier Delfine innerhalb von zwei Jahren an einer bakteriellen Infektion gestorben waren. (10) Die Seelöwen im Hersheypark trauten sich aus Angst vor dem Lärm der in der Nähe befindlichen Berg- und Talbahn nicht aus ihren Pferchen.(11)

Frisch gefangene Delfine und Orcas werden gezwungen, Tricks zu erlernen. Ehemalige Trainer sagen, dass das Vorenthalten von Futter und Isolation für die Tiere, die sich weigern zu kooperieren, zu den gängigen Trainingsmethoden zählen. Nach Angaben von Ric O’Barry ist “positives Belohnungstraining“ nur eine Beschönigung für “Futterentzug”. (12) Der ehemalige Delfintrainer Doug Cartlidge berichtet, dass hochsoziale Delfine bestraft werden, indem man sie von anderen Tieren isoliert. (13)
 
Die tragischen Folgen der Gefangenschaft
Wäre das Leben von Orcas und Delfinen in Gefangenschaft so ruhig und idyllisch, wie uns die Meeresfreizeitparks glauben machen wollen, müssten die Tiere dort länger leben als in der freien Natur. Doch obwohl Meeressäuger in Gefangenschaft weder natürlichen Feinden noch der Meeresverschmutzung ausgesetzt sind, bedeutet ihre Gefangenschaft oft die Todesstrafe.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Delfine in freier Natur 40 oder sogar 50 Jahre alt werden können. (14) Aber mehr als 80 Prozent der Delfine in Gefangenschaft, deren Alter feststellbar war, starben, bevor sie 20 Jahre alt waren.(15) Freilebende Orcas können ebenfalls Jahrzehnte alt werden—manche wurden älter als 90—aber die Orcas in Sea World und in anderen Meeresfreizeitparks überleben selten ihr 10. Lebensjahr.(16)

Florida’s Sun-Sentinel untersuchte einmal die offiziellen, bundesweiten Daten der letzten 30 Jahre über Meerestiere und fand heraus, dass fast 4000 Seelöwen, Robben, Delfine und Wale in Gefangenschaft gestorben waren und dass in den 2400 Fällen, in denen eine Todesursache aufgeführt war, jedes fünfte Tier “durch menschliches Verschulden oder an scheinbar vermeidbaren Ursachen” starb. (17) In Gefangenschaft lebende Meeressäuger starben an verschluckten Münzen, dem Schwimmen in kontaminiertem Wasser oder erlagen einem Hitzschlag.

Ein ehemaliger Trainer im Hersheypark kündigte, weil er “eine Menge frustrierter Tiere sah, die an Geschwüren starben”. (18) Ein Meeressäuger-Verhaltensbiologe aus Seattle gibt an, dass “Delfine in Gefangenschaft selbst-zugefügte Trauma aufweisen können” und dass manche an der Wasseroberfläche treiben und an Beton kauen, bis sie sich die Zähne ruiniert haben.(19) Der Stress ist so groß, dass einige Tiere sogar Selbstmord begehen. Jacques Cousteau und sein Sohn, Jean-Michel, schworen, dass sie niemals wieder Meeressäuger fangen würden, nachdem sie Augenzeuge geworden waren, wie ein gefangener Delfin sich selbst tötete, indem er immer und immer wieder freiwillig gegen die Wände seines Beckens rammte. (20)

In Gefangenschaft lebende Tiere sind jedoch nicht die einzigen Opfer dieser “Meereszirkusse”. SeaWorld-Besucher waren erschüttert, als ein Orca Steve Aibel wiederholt angriff, in dem offensichtlichen Versuch, den Trainer zu ertränken. (21) Eine andere Trainerin, Keltie Lee Byrne, wurde von drei Orcas getötet, nachdem sie in ihr Becken gefallen war.(22)
 
Mangelhafte Gesetzesvorgaben
Tiere, die in Aquarien gehalten werden, verfügen über wenig gesetzlichen Schutz und die wenigen Gesetze, die existieren, werden häufig ignoriert. Der Sun-Sentinel berichtet, dass die Bundesregierung “denjenigen, die gegen die Gesetze verstießen, jahrelang ein Weiterarbeiten erlaubt hat, auch wenn es Belege für verseuchtes Wasser, gezielte Unterernährung und Todesfälle gab.” (23)
Der verantwortliche Direktor der U.S. Marine Mammal Commission vertraute einer Zeitung an, dass es zu wenig Inspektoren gebe und diese zu überlastet seien, und dass “es nur sehr wenige gibt, die veterinärmedizinisch in Bezug auf Meeressäuger geschult sind.”(24) Was aber noch alarmierender ist, obwohl ein Bundesgesetz vorschreibt, dass die Einrichtungen Buch führen müssen über Geburten, Todesfälle und Überführungen von Säugetieren: viele Einrichtungen unterschlagen bzw. verschweigen Totgeburten oder Todesfälle von Neugeborenen. So starb im Jahr 2000 ein kalifornischer Seelöwe namens Nemo im Seneca Park Zoo in New York, doch drei Jahre später war er laut Regierungsunterlagen noch immer am Leben. (25)

Freizeitparks mit Meerestieren haben weder Interesse daran, die natürlichen Habitate von Meeressäugern zu bewahren, noch möchten sie das Publikum aufklären. Vielmehr hat die Industrie sich aktiv dafür eingesetzt, Kleinwale wie Orcas und Delfine bei der Rechtsprechung der International Whaling Commission (die helfen würde, diese Tiere in der freien Natur zu schützen) außen vor zu lassen, denn man will sich nicht der Möglichkeit aussetzen, in Zukunft keine weiteren Tiere mehr fangen zu dürfen. (26)

Richard Donner, Coproduzent des Films „Free Willy“, sagte: “Eine Entnahme dieser majestätischen Säugetiere aus der Natur für kommerzielle Zwecke ist barbarisch. Diese grauenhaften Fänge sollten der Vergangenheit angehören.” (27)

Überall auf der Welt erkennen die Menschen inzwischen, dass Delfine, Orcas und andere Wale nicht in Gefangenschaft gehören. Kanada erlaubt nicht mehr, dass Beluga-Wale gefangen und exportiert werden. (28) Israel hat die Einfuhr von Delfinen für Unterhaltungszwecke verboten.(29) Australien verbietet ebenfalls die Einfuhr von Delfinen.(30) Pläne für den Bau eines Delfinbeckens im Meereszentrum in Virginia wurden aufgegeben, nachdem die Öffentlichkeit massiv protestiert hatte.(31) In Deutschland gibt es nur noch drei Delfinarien: Nürnberg, Duisburg und Münster. Da die Proteste immer massiver werden, versucht Nürnberg sein Delfinarium durch das Angebot einer so genannten Delfintherapie zu rechtfertigen, die jedoch wissenschaftlich nicht anerkannt ist.

Was sagen Experten zur Delfintherapie?
Deutsche Ärzte erkennen die Delfintherapie NICHT an. Der Berliner Psychologe R. Brockmann, Fachmann in Sachen tiergestützter Psychotherapie, hält das Projekt für sinnlos und sieht darin keine Perspektive. Der Leiter des Berliner Institutes für Verhaltensbiologie D. Todt hält die Therapie für extrem bedenklich.

Auch in Rügen sollte 2007 ein neues Delfintherapiezentrum gebaut werden, dies konnte jedoch bislang erfolgreich verhindert werden.
"Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz teilte inzwischen mit, dass weder die Bundesregierung noch die gesetzlichen Krankenkassen eine Delfintherapie unterstützen. Da die Bundesregierung die Delfintherapie als überwiegend kommerziell einstuft, sind Einfuhren von Delfinen für diese Zwecke ausgeschlossen, so der parlamentarische Staatssekretär Gerd Müller im Namen der Bundesregierung." (Quelle: Journal Society GmbH, 22.10.07)

Was Sie tun können

Besuchen Sie keine Freizeitparks oder Zoos, die Meeressäuger in Gefangenschaft halten.
  • Fordern Sie die Zoos in Nürnberg und Duisburg auf, ihre Delfine in eine betreute Meeresbucht zu überführen.
  • Verteilen Sie Flugblätter vor den Zoos.
  • Schreiben Sie Leserbriefe an Ihre örtliche Presse.
  • Informieren Sie Ihre Freunde und Familie über das Leid der Delfine in Gefangenschaft.
Bitte nehmen Sie auch an unserer Online-Petition an die Botschafter der japanischen Regierung teil und fordern Sie das sofortige Ende der blutigen Treibjagd in Taiji.

Lesen Sie unsere Pressemitteilung
GfK-Studie zeigt: Die Mehrheit der Deutschen lehnt Delfinarien ab

Lesen Sie die gemeinsame Stellungsnahme von PETA und anderen beteiligten Organisationen

Lesen Sie die offene Stellungnahme von MdB Undine Kurth (Bündnis 90/ Die Grünen) zur umstrittenen Delfinhaltung im Nürnberger Tiergarten.
 

Dokumentation über das Delfinarium Nürnberg

Frank Albrecht

Für den Download klicken Sie auf das Bild.
Quellenangaben & Literaturhinweise
1) Sally Kestin, “Not a Perfect Picture,” Sun-Sentinel, 16 May 2004.
2) Kestin.
2b)
Srđan Randić, Richard C. Connor, William B. Sherwin, Michael Krützen, „A novel mammalian social structure in Indo-Pacific bottlenose dolphins (Tursiops sp.): complex male alliances in an open social network“, Proc. R. Soc. B 2012, 26 June 2012
3) Public Broadcasting Service, “A Whale of a Business,” Frontline, 1998.
4) “Lloyd’s: Insuring the Famous and the Bizarre,” BBC News, 29 Oct. 1999.
5) Orka Network, “Some Fascinating Facts About Orkas,” last accessed 10 Sep. 2004.
6) Ken LeVasseur, “Dolphins Head to New Prison Camp,” Hololulu Star-Bulletin, 15 Sep. 2000.
7) Animal and Plant Health Inspection Service, “3.104 Space Requirements.”
8) Virginia McKenna, Into the Blue. New York: Harper Collins Publishers, 1992.
9) Sally Kestin, “Sickness and Death Can Plague Marine Mammals at Parks,” Sun-Sentinel, 17 May 2004.
10) Sally Kestin, “Sickness and Death Can Plague Marine Mammals at Parks.”
11) Christopher Schnaars, “Marine Parks: Below the Surface,” The Morning Call, 16 May 2004.
12) McKenna.
13) McKenna.
14) Sally Kestin, “Experts, Parks Debate Animal’s Ages of Death,” Sun-Sentinel, 16 May 2004.
15) Kestin, “Not a Perfect Picture.”
16) Kestin, “Not a Perfect Picture.”
17) Kestin, “Not a Perfect Picture.”
18) Schnaars.
19) Kestin, “Sickness and Death Can Plague Marine Mammals at Parks.”
20) Dianne Dumanoski, “The Age of Aquariums. Critics Warn Captivity Is Harmful,” The Boston Globe, 12 Nov. 1990.
21) “Killer Whale Slams Trainer at Sea World,” NBC10.com, 27 Jul. 2004.
22) “Whales Kill Trainer in Sea Show,” New York Post, 22 Feb. 1991.
23) Naomi A. Rose, Ph.D., Letter to Richard Busch, National Geographic Traveler, 3 Feb. 1995.
24) Sally Kestin, “Federal Government Often Slow to Enforce Laws Meant to Protect Marine Animals,” Sun-Sentinel, 23 May 2004.
25) Kestin, “Not a Perfect Picture.”
26) Rose.
27) “Sea World Tossed out as Sponsor for American Oceans Event,” Donner/Shuler-Donner Productions, 20 Mar. 1995.
28) Brian McHattie, MSc., letter to Ann Terbush, U.S. Department of Commerce, “Comments on National Marine Fisheries Service Proposed Rule—Docket No. 001031304-0304-01,” 31 Oct. 2001.
29) “Israel Agency Bans Import of Dolphins,” Reuters, 4 Feb. 1994.
30) Andrew Darby, “Born to Be Wild,” Sydney Morning Herald, 23 Jul. 2003.
31) Jon Frank, “Beach to Turn Over Documents on Tank Expansion to PETA; Deal Is Second Challenge to City’s Compliance With Information Law in Less Than a Week,” The Virginian-Pilot, 28 Mar. 2001.