#GivingTuesday: Hilf traumatisierten Tieren
Der Zähler ist abgelaufen.

CHIO Aachen 2022: Tod, Blut, Schweiß und Tränen

Eine weitere Katastrophe im sogenannten Pferdesport: Allstar B, das Pferd, das seine Reiterin zwei Mal zur Weltmeisterin im sogenannten Vielseitigkeitssport machte, verletzte sich am vergangenen Samstag, den 2. Juli 2022 während einer Vielseitigkeitsprüfung auf dem Pferdesport-Turnier CHIO in Aachen so schwer, dass das Pferd noch am selben Tag eingeschläfert wurde. „Ein Unfall kann immer passieren […] wir tun alles für unsere Pferde, da kann sowas passieren, das weiß man, man muss realistisch sein“, so der Turnierdirektor Frank Kemperman im Interview mit der Sportschau. [1] Das Problem: Die Pferde entscheiden nicht für sich selbst, an einem Turnier teilzunehmen oder über hohe Hindernisse zu springen. Sie werden dazu gezwungen – immer mit dem Wissen der Reiter:innen, dass die Tiere einem enormen Verletzungsrisiko ausgesetzt werden

Verletzungen im „Reitsport“ keine Seltenheit

An Hindernis 16 kam es zu der verheerenden Verletzung, die Allstar B das Leben kostete: Das Pferd stieß wohl mit seinem Vorderbein gegen ein Hindernis. [2] Dies ist keine Seltenheit, denn im Vielseitigkeitsspringen sind die Hindernisse, anders als im sogenannten Springreiten, fest installiert. Das bedeutet, dass keine Stangen fallen, sondern die Pferde mit ihren Beinen gegen Holzwände, Baumstämme und andere Natur-Hindernisse stoßen – und zum Teil schwer stürzen und sich erheblich verletzten.

Allstar B stieß offenbar gegen ein im Parcours befindliches Hindernis und konnte daraufhin sein Vorderbein nicht mehr belasten. Die Strecke wurde für zehn Minuten gesperrt. Allstar B sei dann in eine Klinik gebracht worden, woraufhin ein offener Bruch im Krongelenk festgestellt wurde. Laut Tierärzt:innen war die Verletzung irreparabel, weshalb das Pferd mit nur 17 Jahren euthanasiert wurde. Bei jedem Start wissen Reiter:innen, welchem Risiko sie ihr Tier aussetzen – und doch nehmen sie dieses Risiko aus Profit- und Prestigegründen und auf Kosten der wehrlosen Tiere in Kauf. Kein Einzelfall: Während der Olympischen Spiele in Tokio ist der Wallach Jet Set aufgrund einer Verletzung nach dem Geländeritt eingeschläfert worden. [3]

„Die tragischen Ereignisse beim CHIO waren weder Unfälle noch Einzelfälle. Immer wieder werden Pferde bei Vielseitigkeitsturnieren und anderen Disziplinen zu Tode geritten, weil die Reiterinnen und Reiter sie als bloße Sportgeräte ansehen, die ersetzt werden können. Sämtliche Trauerbekundungen der Verantwortlichen über den getöteten Allstar B sind nichts als Heuchelei. Empfänden sie wirklich etwas für ihre Pferde, würden sie sie nicht Woche für Woche unter Einsatz schmerzhafter ‚Hilfsmittel‘ über halsbrecherische Parcours zwingen und erheblichen Risiken aussetzen. In der heutigen Zeit hat der Pferdesport jegliche Legitimation verloren, weil er auf dem Rücken unfreiwilliger Teilnehmer ausgetragen wird. Wir fordern die Bundesregierung in einem ersten Schritt auf, die Hochleistungsturniere in sämtlichen Pferdesportdisziplinen zu untersagen.“

Peter Höffken, Fachreferent bei PETA

Isabell Werth und Quantaz aufgrund von Blut aus Pferdemund disqualifiziert

Nicht nur, dass wieder ein Pferd sein Leben für den Profit der Menschen lassen musste, viele andere Pferde litten für den vermeintlichen Erfolg ihrer Reiter:innen auf der CHIO. Isabell Werth wurde mit ihrem Pferd Quantaz disqualifiziert. Grund: Ihr Pferd blutete aus dem Mund. [4] Keine Seltenheit, sind die sogenannten Gebisse doch sehr scharf und führen immer wieder zu Verletzungen im Mund. Erst vor wenigen Tagen stand Werth mit Quantaz in der Kritik, da das Pferd in einer Dressurprüfung der deutschen Dressurmeisterschaften nach Meinung vieler Kritiker:innen „taktunrein“ lief. Dennoch holte sich Werth den 17. Meistertitel.

Das Pferd Duke of Britain von Frederic Wanders wurde während der Dressur-Prüfung am Sonntag, den 3. Juli 2022 mit massivem Sporeneinsatz im Bauch durch das Viereck getrieben [5] – und war damit nicht das einzige Pferd, das mit Sporen und scharfen Gebissen für den Ruhm seiner Reiter:innen leiden musste. Wann wird der Sport auf Kosten der Pferde endlich verboten?

Immer wieder kommt es zu Gewalt an Pferden

Der sogenannte Reitsport steht seit längerer Zeit in der öffentlichen Kritik. Vor allem seit den Olympischen Spielen 2020, die in Tokio stattfanden, wird der „Reitsport“ hinterfragt. Die Athletin Annika Schleu verprügelte mit einer Gerte ihr Pferd, da es mehrfach den Parcours verweigerte. Kein Einzelfall: Erst wenige Monate zuvor deckte ein Undercover-Team von RTL Missstände im Trainingsstall von Olympia-Sieger Ludger Beerbaum auf. Videoaufnahmen zeigen, wie eine verbotene Technik eingesetzt wurden: das sogenannte Barren. Dabei wird den Pferden über dem Hindernis mit einer Stange vor die Beine geschlagen, um diese höher springen zu lassen. Pferdebeine sind überaus sensibel und diese Methode qualvoll und schmerzhaft für die Tiere.

pferd springt über barren
Symbolbild

Im vergangenen Jahr verprügelte Springreiter Kevin Lemke sein Pferd vor laufenden Kameras, nachdem es ein Hindernis verweigerte. Und trotz all der öffentlich in der Kritik stehenden Fälle argumentieren Reitsportler:innen immer noch damit, dass es sich hier um Einzelfälle handelt – dabei gibt es nicht nur weitere bekannte Fälle, sondern vor allem zahlreiche nicht publizierte Fälle von Tierquälerei im „Pferdesport“.

Pferde leiden stumm

Wir von PETA Deutschland erhalten nahezu täglich Nachrichten von Menschen, die Tierquälerei an Pferden beobachten. Pferde werden bei vermeintlichem Ungehorsam geschlagen, ihnen wird über die Zügel im empfindlichen Pferdemund rumgezerrt, Sporen verschwinden im Pferdebauch und auch in der Haltung gibt es noch einiges zu tun. Viele Pferde kommen nur unregelmäßig oder gar nicht auf Weiden, stehen in dunklen, engen Boxen und werden schlecht oder unzureichend ernährt.

Pferde leiden stumm. Sie fügen sich in ihr Schicksal, statt sich aktiv gegen die Misshandlungen wehren zu können. Denn wann immer sie zur Gegenwehr ansetzen, folgen harte Strafen durch Zug über die Zügel, Tritte in den Bauch oder Schläge per Hand oder Faust. Pferde sollen immer dann gehorchen, wann immer es die Reiter:innen von ihnen verlangen. Doch wie wäre es, Pferde als die individuellen Persönlichkeiten wahrzunehmen, die sie sind? Auf ihre Bedürfnisse einzugehen, sie wirklich wahrzunehmen und zu respektieren, statt sie immer und immer wieder zu missachten. Und sie nicht durch die halbe Welt zu fliegen, um für den eigenen Erfolg und das eigene Wohl auf Turnieren starten zu lassen?