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CHIO Aachen 2022: Tod, Blut, Schweiß und TrĂ€nen

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Update vom 21. Mai 2026

TierquÀlerei geht unter neuem Namen weiter: CHIO wird zu TSCHIO

Vom 22. bis 24. Mai 2026 findet das Aachener Reitturnier CHIO unter dem neuem Namen TSCHIO statt. WĂ€hrend sich der Name der tierquĂ€lerischen Veranstaltung 2026 Ă€ndert, dĂŒrfen weiterhin Reiter:innen teilnehmen, die Pferde misshandelten – darunter der Schweizer Springreiter Martin Fuchs und der Deutsche Christian Kukuk.

Veranstalter von internationalen Reitturnieren mĂŒssen endlich ein Zeichen setzen und sich klar positionieren, indem sie Reiter:innen ausschließen, die nachweislich Pferde gewaltsam behandeln. Es geht um den Missbrauch von fĂŒhlenden Lebewesen.

Gewalt und Missbrauch sind im sogenannten Reitsport an der Tagesordnung. Pferde sind sensible Fluchttiere, die im Training und bei wettkÀmpferischen Veranstaltungen massivem Stress und immer wieder Gewalt ausgesetzt sind.

Christian Kukuk wandte bei einem Turnier in Verona im vergangenen Jahr die Rollkur an und fĂŒgte seinem Pferd ‚Just be gentle‘ damit Leid zu. [1] Das zustĂ€ndige KreisveterinĂ€ramt Steinfurt antwortete auf unsere Anzeige im November 2025, dass es in dem Sachverhalt einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz sehe und Maßnahmen einleiten wĂŒrde. 

Videomaterial zeigt, wie Martin Fuchs in der Vergangenheit wiederholt mit Hand und Gerte auf sein Pferd einschlug. FĂŒr Fuchs zahlte sich 2025 sein tierschutzwidriges Verhalten in Aachen aus: Er heimste eine Luxus-Uhr und ein Preisgeld von 500.000 Euro ein.

Originalbeitrag vom 04.07.2022

Eine weitere Katastrophe im sogenannten Pferdesport: Allstar B, das Pferd, das seine Reiterin zwei Mal zur Weltmeisterin im sogenannten Vielseitigkeitssport machte, verletzte sich am vergangenen Samstag, den 2. Juli 2022 wĂ€hrend einer VielseitigkeitsprĂŒfung auf dem Pferdesport-Turnier CHIO in Aachen so schwer, dass das Pferd noch am selben Tag eingeschlĂ€fert wurde. „Ein Unfall kann immer passieren [
] wir tun alles fĂŒr unsere Pferde, da kann sowas passieren, das weiß man, man muss realistisch sein“, so der Turnierdirektor Frank Kemperman im Interview mit der Sportschau. [2] Das Problem: Die Pferde entscheiden nicht fĂŒr sich selbst, an einem Turnier teilzunehmen oder ĂŒber hohe Hindernisse zu springen. Sie werden dazu gezwungen – immer mit dem Wissen der Reiter:innen, dass die Tiere einem enormen Verletzungsrisiko ausgesetzt werden

Verletzungen im „Reitsport“ keine Seltenheit

An Hindernis 16 kam es zu der verheerenden Verletzung, die Allstar B das Leben kostete: Das Pferd stieß wohl mit seinem Vorderbein gegen ein Hindernis. [3] Dies ist keine Seltenheit, denn im Vielseitigkeitsspringen sind die Hindernisse, anders als im sogenannten Springreiten, fest installiert. Das bedeutet, dass keine Stangen fallen, sondern die Pferde mit ihren Beinen gegen HolzwĂ€nde, BaumstĂ€mme und andere Natur-Hindernisse stoßen – und zum Teil schwer stĂŒrzen und sich erheblich verletzten.

Allstar B stieß offenbar gegen ein im Parcours befindliches Hindernis und konnte daraufhin sein Vorderbein nicht mehr belasten. Die Strecke wurde fĂŒr zehn Minuten gesperrt. Allstar B sei dann in eine Klinik gebracht worden, woraufhin ein offener Bruch im Krongelenk festgestellt wurde. Laut TierĂ€rzt:innen war die Verletzung irreparabel, weshalb das Pferd mit nur 17 Jahren euthanasiert wurde. Bei jedem Start wissen Reiter:innen, welchem Risiko sie ihr Tier aussetzen – und doch nehmen sie dieses Risiko aus Profit- und PrestigegrĂŒnden und auf Kosten der wehrlosen Tiere in Kauf. Kein Einzelfall: WĂ€hrend der Olympischen Spiele in Tokio ist der Wallach Jet Set aufgrund einer Verletzung nach dem GelĂ€nderitt eingeschlĂ€fert worden. [4]

„Die tragischen Ereignisse beim CHIO waren weder UnfĂ€lle noch EinzelfĂ€lle. Immer wieder werden Pferde bei Vielseitigkeitsturnieren und anderen Disziplinen zu Tode geritten, weil die Reiterinnen und Reiter sie als bloße SportgerĂ€te ansehen, die ersetzt werden können. SĂ€mtliche Trauerbekundungen der Verantwortlichen ĂŒber den getöteten Allstar B sind nichts als Heuchelei. EmpfĂ€nden sie wirklich etwas fĂŒr ihre Pferde, wĂŒrden sie sie nicht Woche fĂŒr Woche unter Einsatz schmerzhafter ‚Hilfsmittel‘ ĂŒber halsbrecherische Parcours zwingen und erheblichen Risiken aussetzen. In der heutigen Zeit hat der Pferdesport jegliche Legitimation verloren, weil er auf dem RĂŒcken unfreiwilliger Teilnehmer ausgetragen wird. Wir fordern die Bundesregierung in einem ersten Schritt auf, die Hochleistungsturniere in sĂ€mtlichen Pferdesportdisziplinen zu untersagen.“

Peter Höffken, Fachreferent bei PETA

Isabell Werth und Quantaz aufgrund von Blut aus Pferdemund disqualifiziert

Nicht nur, dass wieder ein Pferd sein Leben fĂŒr den Profit der Menschen lassen musste, viele andere Pferde litten fĂŒr den vermeintlichen Erfolg ihrer Reiter:innen auf der CHIO. Isabell Werth wurde mit ihrem Pferd Quantaz disqualifiziert. Grund: Ihr Pferd blutete aus dem Mund. [5] Keine Seltenheit, sind die sogenannten Gebisse doch sehr scharf und fĂŒhren immer wieder zu Verletzungen im Mund. Erst vor wenigen Tagen stand Werth mit Quantaz in der Kritik, da das Pferd in einer DressurprĂŒfung der deutschen Dressurmeisterschaften nach Meinung vieler Kritiker:innen „taktunrein“ lief. Dennoch holte sich Werth den 17. Meistertitel.

Das Pferd Duke of Britain von Frederic Wanders wurde wĂ€hrend der Dressur-PrĂŒfung am Sonntag, den 3. Juli 2022 mit massivem Sporeneinsatz im Bauch durch das Viereck getrieben [6] – und war damit nicht das einzige Pferd, das mit Sporen und scharfen Gebissen fĂŒr den Ruhm seiner Reiter:innen leiden musste. Wann wird der Sport auf Kosten der Pferde endlich verboten?

Immer wieder kommt es zu Gewalt an Pferden

Der sogenannte Reitsport steht seit lĂ€ngerer Zeit in der öffentlichen Kritik. Vor allem seit den Olympischen Spielen 2020, die in Tokio stattfanden, wird der „Reitsport“ hinterfragt. Die Athletin Annika Schleu verprĂŒgelte mit einer Gerte ihr Pferd, da es mehrfach den Parcours verweigerte. Kein Einzelfall: Erst wenige Monate zuvor deckte ein Undercover-Team von RTL MissstĂ€nde im Trainingsstall von Olympia-Sieger Ludger Beerbaum auf. Videoaufnahmen zeigen, wie eine verbotene Technik eingesetzt wurden: das sogenannte Barren. Dabei wird den Pferden ĂŒber dem Hindernis mit einer Stange vor die Beine geschlagen, um diese höher springen zu lassen. Pferdebeine sind ĂŒberaus sensibel und diese Methode qualvoll und schmerzhaft fĂŒr die Tiere.

pferd springt ĂŒber barren
Symbolbild

Im vergangenen Jahr verprĂŒgelte Springreiter Kevin Lemke sein Pferd vor laufenden Kameras, nachdem es ein Hindernis verweigerte. Und trotz all der öffentlich in der Kritik stehenden FĂ€lle argumentieren Reitsportler:innen immer noch damit, dass es sich hier um EinzelfĂ€lle handelt – dabei gibt es nicht nur weitere bekannte FĂ€lle, sondern vor allem zahlreiche nicht publizierte FĂ€lle von TierquĂ€lerei im „Pferdesport“.

Pferde leiden stumm

Wir von PETA Deutschland erhalten nahezu tĂ€glich Nachrichten von Menschen, die TierquĂ€lerei an Pferden beobachten. Pferde werden bei vermeintlichem Ungehorsam geschlagen, ihnen wird ĂŒber die ZĂŒgel im empfindlichen Pferdemund rumgezerrt, Sporen verschwinden im Pferdebauch und auch in der Haltung gibt es noch einiges zu tun. Viele Pferde kommen nur unregelmĂ€ĂŸig oder gar nicht auf Weiden, stehen in dunklen, engen Boxen und werden schlecht oder unzureichend ernĂ€hrt.

Pferde leiden stumm. Sie fĂŒgen sich in ihr Schicksal, statt sich aktiv gegen die Misshandlungen wehren zu können. Denn wann immer sie zur Gegenwehr ansetzen, folgen harte Strafen durch Zug ĂŒber die ZĂŒgel, Tritte in den Bauch oder SchlĂ€ge per Hand oder Faust. Pferde sollen immer dann gehorchen, wann immer es die Reiter:innen von ihnen verlangen. Doch wie wĂ€re es, Pferde als die individuellen Persönlichkeiten wahrzunehmen, die sie sind? Auf ihre BedĂŒrfnisse einzugehen, sie wirklich wahrzunehmen und zu respektieren, statt sie immer und immer wieder zu missachten. Und sie nicht durch die halbe Welt zu fliegen, um fĂŒr den eigenen Erfolg und das eigene Wohl auf Turnieren starten zu lassen?