Hundewolle: Wie tierfreundlich sind Produkte aus Hundewolle?

Immer häufiger stößt man im Internet auf Kleidung, Accessoires und Decken aus Hundewolle. Das Garn aus der ausgekämmten Unterwolle von Hunden soll nachhaltig sein und, vor allem, ohne Tierleid produziert werden. Doch wie tierfreundlich ist Hundewolle wirklich?

Woher stammt Hundewolle?

Hersteller von Produkten aus Hundewolle geben an, dass sie gegen Bezahlung ausgekämmte Hundewolle von Privatpersonen, Züchtern, Tierheimen und Hundefrisören erhalten.[1] Damit soll sichergestellt werden, dass die Wolle nur von Hunden aus artgerechter Haltung stammt. Kontrolliert wird die Haltung der Tiere jedoch nicht. Auch in Privathaltung und bei Züchtern werden viele Tiere schlecht behandelt. Außerdem werden die Fasern für Produkte aus Hundewolle derzeit mit dem Fell von landwirtschaftlich ausgebeuteten Merinoschafen und Alpakas vermischt, um die Qualität zu verbessern. Bei Hundewolle gilt wie bei jedem anderen Produkt tierischer Herkunft: Früher oder später ist Tierleid so gut wie unvermeidbar.

Gefahr: Tierleid durch Massenzüchtung und -produktion?

Wenn Kleidung aus Hundewolle zum Trend wird, werden viele weitere Menschen in das Geschäftsmodell einsteigen wollen und Hunde für die Wollproduktion züchten. Wie bereits in vielen Bereichen der Modeindustrie werden die Tiere dann zugunsten des Profits leiden. In asiatischen Ländern werden schon heute Millionen Hunde für die Leder- und Pelzproduktion gequält und getötet. Der Handel mit Hundewolle könnte die Situation zusätzlich verschlimmern.

© PETA / Karremann

Die qualvollen Misshandlungen, denen Tiere in der Wollindustrie weltweit ausgesetzt sind, zeigen deutlich: Sobald man mit Tieren Geld verdienen kann, wird ihnen Leid zugefügt. Tiere sind keine Ressourcen und nicht dazu da, dass wir sie anziehen. Sobald man aus ihrem Fell Pullover, Mützen und Schals herstellt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie unter der Profitgier einzelner Menschen leiden. Für mehr nachhaltige Mode sollte darum besser in die Entwicklung pflanzenbasierter Alternativen wie Woocoa oder Sojaseide investiert werden.

Anteile von Tierqual-Produkten wie Alpaka oder Kaschmir

Um Hundewolle verspinnbar zu machen, wird den Produkten und Kleidungsstücken aus Hundewolle oftmals Alpaka- oder Merino-Wolle zugemischt, für die unzählige Tiere auf der ganzen Welt gequält, geschlagen, getreten, verstümmelt, misshandelt und getötet werden. [3] Zahlreiche Undercover-Recherchen von PETA zeigen, wie Tiere während der Schur geschlagen, verstümmelt und ihnen mit Schurmessern schmerzhafte Schnittwunden zugefügt werden. Vielen Angorakaninchen und Kaschmirziegen wird das Fell so gewaltsam aus dem Körper gerissen, dass sie vor Schmerzen schreien. Sie alle werden getötet, sobald ihre Fellqualität nachlässt.

Hundewolle ist keine Neuerscheinung

In einigen Gegenden der Welt wurden Hunde bereits in der Vergangenheit wegen ihrer Wolle gezüchtet. So erhielt das US-amerikanische Hibulb Cultural Center im Jahr 2012 von Mitgliedern eines historischen indigenen Küstenstammes eine Wolldecke aus Hundewolle. Die um das Jahr 1850 entstandene Decke bestätigt mündliche Überlieferungen und Forschungsbemühungen, die davon ausgehen, dass indigene Stämme an der Pazifikküste über 5.000 Jahre lang Hunde für die Produktion von Wolle züchteten. Knochen der kniehohen, haarigen Hunde wurden bereits an mehr als 210 Ausgrabungsstätten an der Pazifikküste entdeckt, konnten zuvor aber keiner Hundeart zugeordnet werden. Um ihr Fell zu Wolle verarbeiten zu können, wurden die Tiere nicht gekämmt, sondern geschoren. Mittlerweile wurden viele weitere Produkte aus Hundehaar entdeckt.

Bald auch Hunde-Qualzuchten für die Wollindustrie?

Schon jetzt werden viele Hunde wie Waren behandelt und massenhaft gezüchtet. Jedes Jahr landen allein in Deutschland etwa 80.000 Hunde in Tierheimen. [2] Dessen ungeachtet züchten unverantwortliche Menschen immer weiter und erschaffen Hunde nach bestimmten Idealvorstellungen, Farben und Formen, was häufig mit massivem Leid für die Tiere einhergeht – beispielsweise in Form verkürzter Nasen und damit verbundenen schweren Atemproblemen. Doch mit der Zucht dieser Tiere lässt sich viel Geld verdienen.

Schon jetzt wird die Zucht von Tieren wie Schafen, Ziegen, Alpakas und Kaninchen auf ein möglichst hohes Fellwachstum ausgerichtet. Viele Tiere in der Wollindustrie sind Qualzuchten ohne natürlichen Fellwechsel, die ihre Körpertemperatur nicht mehr eigenständig regulieren können. Um nicht unter der Wolle zu schwitzen, an Parasiten zu erkranken oder gar an einem Hitzschlag zu sterben, müssen sie geschoren werden. Bei vorzeitigen Hitzewellen können die Tiere durch ihr unnatürlich starkes Haarwachstum an Hitzschlag sterben. Schert man zu früh, besteht die Gefahr, dass sie bei unerwarteten Kälteeinbrüchen erfrieren. Wenn Hunde bald für die Wollproduktion gezüchtet werden, werden sie möglicherweise dasselbe Leid erfahren.

Speziesismus: Hunde sind Familienmitglieder und Schafe Wolllieferanten?

Während es in unserer Gesellschaft als „normal“ erachtet wird, Wolle aus dem Haar von Schafen oder Alpakas zu tragen, würden die meisten Menschen vermutlich niemals auf die Idee kommen, einen Hund gewaltsam auf den Boden zu drücken und ihm das Fell vom Körper zu scheren. Vielen Kaschmirziegen und Angorakaninchen wird das Fell sogar büschelweise bei lebendem Leib ausgerissen. Würde man Hunde dieser Qual aussetzen, wären die meisten Menschen vermutlich entsetzt, würden es als Tierquälerei bezeichnen und den Hund vor weiteren Misshandlungen beschützen. Warum also tolerieren wir, dass für die Produktion von Mohair, Kaschmir oder Merinowolle die gleiche Tortur anderen Tieren wie Schafen oder Alpakas angetan wird? Die Antwort lautet: Weil wir es so gewohnt sind.

Speziesismus beenden!

Doch es macht keinen Unterschied, ob tierische Wolle von einem Schaf, einem Hund oder eine Ziege stammt. Sie alle können Angst, aber auch Freude und Zuneigung empfinden. Sie geraten in Panik, wenn sie für die Schur gewaltsam fixiert oder ihnen gar die Beine gefesselt werden. Sie haben Schmerzen, wenn die Schurmesser in ihr Fleisch schneiden und blutende Wunden hinterlassen. Die Tatsache, dass viele Menschen das Leid der einen Tierart tolerieren, aber die Rechte der anderen verteidigen, nennt sich Speziesismus. Die Grenze zwischen den Tierarten wird dabei völlig willkürlich gezogen.

Was Sie tun können

Um Hunden das Schicksal von Millionen Schafen oder Kaschmirziegen zu ersparen, kaufen Sie bitte keine Produkte aus Hundewolle – es sei denn, sie stammt im Rahmen der notwendigen Fellpflege von Ihrem eigenen Tier und es wird keine andere Wolle hinzugemischt. Nur dann ist die Hundewolle auch wirklich tierleidfrei und fördert die Massenzucht von Hunden als Wolllieferanten nicht.