Fünfte Wolle-Aufdeckung führt zu Schuldeingeständnis von Scherer

Im Jahr 2014 gelang es PETA, unglaubliche Tierquälerei an Schafen in Australien ans Licht zu bringen. Daraufhin bekannten sich sechs Scherer schuldig. Die Wollindustrie bezeichnete den Fall als „Weckruf“, der die Industrie für immer verändert habe. Doch nur wenige Tage, bevor diese Reformversprechen geäußert wurden, beobachtete ein weiterer Augenzeuge in einem Stall den gleichen Missbrauch wie zuvor. Im Dezember 2017 verurteilte die Wollindustrie diese Tierquälerei erneut und versprach – erneut –, die Industrie und ihre Scherer würden sich bessern.

Doch nichts hat sich verändert:

Ende 2017 besuchte ein Augenzeuge 16 Schurställe in South Australia und Victoria und dokumentierte den gleichen schockierenden Missbrauch, den PETA Asia und PETA USA zuvor mehrfach aufgedeckt hatten.

Wieder war zu sehen, wie Arbeiter panischen Schafen mit metallenen Schurgeräten ins Gesicht schlugen. Wieder schnitten sie den Tieren in Fleisch und vernähten die Wunden ohne jegliche Schmerzmittel. Und wieder wurden die Schafe gewaltsam umhergeworfen.

Ermittlungen wurden aufgenommen und Betriebe angezeigt

Auf Grundlage dieser Beweise erstatteten die Behörden in Victoria Anzeige wegen Tierquälerei und ein Scherer bekannte sich im Februar 2020 schuldig. In South Australia wurden bereits Verfahren zu den dort dokumentierten Fällen eingeleitet.

In Australien werden auch weiterhin für Wolle Schafe misshandelt

Mehrfach versprach die australische Wollindustrie Besserung. Doch sieht es für Sie so aus, als hätte sich die Industrie auch nur ein winziges Stück weit verändert? Braucht es noch mehr grausame Bilder, damit Sie keine Wolle mehr tragen? PETA und seine Partnerorganisationen konnten wieder und wieder systematische Tierquälerei an Schafen innerhalb der globalen Wollindustrie aufdecken.

Noch immer schlagen und verletzen Scherer die panischen Tiere mit ihren Schurgeräten. Noch immer prügeln sie auf die Schafe ein, stoßen ihren Kopf auf den harten Holzfußboden, treten auf ihren Hals und werfen sie am Ende mit voller Wucht aus dem Stall. Die schnelle, grobe Schur hinterließ bei unzähligen Schafen blutige Schnittwunden. Die Scherer betäubten die Schafe auch nicht, bevor sie ihnen die schlimmsten Wunden zunähten. Sie stießen die Nadel einfach durch das Fleisch der Tiere. Arbeiter schnitten den Schafen große Hautlappen ab, die an der Wolle hängenblieben. Scherer bezeichneten Schafe als „Fotze“ und „Schlampe“. Ein Scherer sagte zu einem Lamm, er würde ihm „die [Schurschere] in den [Arsch] schieben“.

Dies ist der fünfte Enthüllungsbericht über die australische Schafschurindustrie von PETA USA und PETA Asien. Er zeigt auf insgesamt 43 Farmen in Victoria, South Australia und New South Wales schockierende Tierquälerei.

PETA und seine Partnerorganisationen decken auf: Tierquälerei für Wolle gibt es auf der ganzen Welt

PETA und PETAs internationale Partnerorganisationen konnten nicht nur in Australien  sondern auf dutzenden Farmen weltweit das Leid von Schafen dokumentieren. Zum Beispiel in Argentinien, wo ein Augenzeuge beobachtete, wie Arbeiter auf Lämmer einstachen, die noch bei vollem Bewusstsein waren, und sie häuteten. Einigen wurde die Haut vom Körper geschnitten, während die Tiere noch um sich traten. Dieses Grauen ereignete sich auf einer Farm des Netzwerks Ovis 21 – damaliger Wolllieferant des Outdoor-Unternehmens Patagonia.

Durch die hastige Schur trugen viele Schafe blutige Wunden davon. Der Zeuge sah nie, dass dieses Schaf veterinärmedizinisch behandelt wurde. Am nächsten Tag sagte ein Arbeiter, das Schaf sei an den Folgen der Wunde gestorben und würde gegessen werden.

Australische Scherer erstmals wegen Tierquälerei verurteilt

PETA USAs erster, bahnbrechender Enthüllungsbericht über die internationale Wollindustrie zeigte, wie australische Scherer Schafen gewaltsam ins Gesicht und sogar mit einem Hammer auf den Kopf schlugen. Die völlig verängstigten Schafe bluteten nach diesen Angriffen aus Augen, Nase und Mund. Sechs Scherer wurden daraufhin in 70 Fällen der Tierquälerei angeklagt. Es handelte sich dabei um die weltweit ersten Anklagen gegen Mitarbeiter in der Wollindustrie in Fällen von Tierquälerei. Alle sechs Personen bekannten sich schuldig.

Arbeiter schlachteten Lämmer, die bei vollem Bewusstsein waren. Einige bewegten sich noch, als die Arbeiter anfingen, sie zu häuten.
Doch auch in den USA erging es Schafen nicht besser. In 14 Betrieben in Wyoming, Colorado und Nebraska konnte ein Augenzeuge Tiermissbrauch und Vernachlässigung dokumentieren. Ein Scherer drehte den Hals eines Schafes so stark, dass das Genick brach. Nachdem der Scherer das Schaf mit dem Kopf voraus eine Rampe hinuntergetreten hatte, fand PETA USAs Augenzeuge das Tier tot vor. Der Scherer drückte immer wieder mit seinem ganzen Körpergewicht auf Hals und Vorderbeine duzender Schafe und steckte ihnen sogar seinen Finger ins Auge.

Die Wollindustrie hatte viele „Weckrufe“ – und ignorierte sie alle

Die australische Wollindustrie nannte PETA USAs bahnbrechende Enthüllung aus den Jahren 2013 und 2014 einen „Weckruf“, der die Industrie für immer verändert habe. Doch das war ganz offensichtlich nicht der Fall. Im Jahr 2015 arbeitete ein Augenzeuge auf einer Farm in South Australia. Er sah, wie einer seiner Vorgesetzten ein Lamm auf den Holzfußboden schleuderte und das Jungtier dann zum Sterben in ein Gatter warf.

Arbeiter wirft ein Schaf über ein Gerüst zu Boden
Ein Arbeiter trat einem Tier ins Gesicht und sagte:

„Leg dich bloß wieder hin, du Fotze, ich bring dich um“

. Zwei anderen Schafen rammte er seinen Finger in den Anus, um die Tiere eine Rampe zum Schurstand hochzutreiben.

Wieder behauptete die australische Wollindustrie, Reformen durchgesetzt zu haben. Doch Anfang 2017 beobachtete ein weiterer Augenzeuge in Ställen in Victoria und New South Wales den gleichen Missbrauch. Arbeiter schlugen, traten und verstümmelten Schafe und warfen sie wie Müllsäcke Rampen hinunter. Die Tierquälerei war so schlimm wie eh und je.

Lämmer in Südamerika verstümmelt und Schafe lebendig gehäutet

Noch ein Enthüllungsbericht aus dem Jahr 2015 zeigte Tierquälerei auf einer weiteren Farm in Argentinien. Arbeiter schnitten Lämmern Stücke ihrer Ohren ab, legten ihnen enge Ringe um den Hodensack und schnitten ihnen den Schwanz ab – alles ohne Schmerzmittel.

Im Jahr 2016 zeigte eine Videoenthüllung von PETA USA in Chile, dass Schafe, die dort nicht mehr als nützlich galten, verstümmelt und dann getötet wurden. Viele wurden sogar bei lebendigem Leib gehäutet. Arbeiter stachen Schafe bei vollem Bewusstsein ein Messer in den Hals. Die Tiere traten um sich, während sie verbluteten.

Schafe Schnittverletzungen

Schwangere Schafe bei weiterem Patagonia-Wolllieferanten aufgeschlitzt und gepeitscht

2015 hatte ein Enthüllungsbericht von PETA USA gezeigt, dass Mitarbeiter von Patagonias ehemaligem „nachhaltig“ arbeitenden Wolllieferanten Schafe bei vollem Bewusstsein aufschlitzten. Einige wurden gehäutet, während sie noch um sich traten. Daraufhin beendete Patagonia die Zusammenarbeit mit den Farmen. Anfang 2017 besuchten Beobachter von PETA einen riesigen Schurbetrieb in Utah. Dort wurden jedes Jahr tausende Schafe von Red Pine Land & Livestock, LLC geschoren – bis zu dem Tag, an dem sie auf die Enthüllungen von PETA USA aufmerksam wurden, listete Patagonia diese Firma auf seiner Webseite als zugelassenen Lieferanten auf.

Schaf wird gewalttätig geschoren
Hochschwangeren Schafen wurde der Hals verdreht. Man zerrte sie an ihrer Wolle umher und peitschte sie. Nach der Schur blieb den Tieren kaum Wolle zum Schutz vor der Kälte. Trotzdem brachte man sie in die Wüste und ließ sie dort gebären – bei Temperaturen um die 0 Grad.

Schafe in England geschlagen, verletzt, zu Boden gedrückt

Im Sommer 2018 enthüllte eine Ermittlung von PETA Asia den routinemäßigen Missbrauch an Schafen auf 25 britischen Farmen, die von zwei Schurunternehmen bedient wurden. Arbeiter schlugen Schafen ins Gesicht, schlugen mit metallenen Schurgeräten auf sie ein, stellten sich auf ihren Hals und schmetterten ihren Kopf zu Boden. Ein Scherer schrie ein panisches Schaf an:

„Ich schneid dir die Kehle durch!“

Was Sie tun können

Werfen Sie einen Blick in Ihren Kleiderschrank. Tragen Sie noch Wolle? Wenn ja, bitte kaufen Sie von nun an nur noch Kleidung aus tollen Woll-Alternativen wie Baumwolle, Tencel oder Modal. Wenn Sie Ihre Kleidung gerne selbst stricken oder häkeln, haben wir hier die passenden Online-Shops mit einer großen Auswahl an veganer Wolle. Denn egal, woher Wolle stammt oder was die Unternehmen Ihnen versichern: Tierquälerei ist in der Wollindustrie systematisch und trauriger Alltag.