Das große Leid hinter der Produktion von Stopfleber (Foie gras)

Was ist eine „Stopfleber“?

Bei einer sogenannten Stopfleber handelt es sich um die krankhaft vergrößerte „Fettleber“ von Enten und Gänsen. Das Qualprodukt wird erzeugt, indem man die Leber von Gänsen oder Enten mittels Zwangsfütterung („Stopfen“) auf etwa das Zehnfache ihres Normalgewichts anschwellen lässt.
Hauptexporteur (und Konsument) von Foie gras ist Frankreich mit 63 % der weltweiten Produktion, gefolgt von Ungarn, Bulgarien, Spanien und Belgien. Europa ist für 95 % der globalen Stopfleberproduktion verantwortlich (Stand 2016). (1)
In Deutschland ist die Produktion von Foie gras nach Artikel 3 des Tierschutzgesetzes verboten (2), der Import jedoch leider noch geduldet. Immer mehr Sterneköche, Restaurants, Onlineshops und Feinkostgeschäfte passen sich jedoch den Verbraucherwünschen an und setzen auf exquisite Speisen ohne Tierqual.

Das Schicksal der weiblichen Küken

Da männliche Enten, die sogenannten Erpel, eine größere Leber ausbilden, werden in der Stopfleberindustrie alle weiblichen Küken direkt nach der Geburt am Fließband aussortiert und lebend in den Schredder geworfen. Ihr kurzes Leben endet bereits nach wenigen Stunden qualvoll. (3)

Zwangsfütterung und unvorstellbare Qualen

Bei den meisten „Produktionsstätten“ handelt es sich um große Industriehallen. Tausende Vögel sind dort in enge Käfige eingepfercht, in denen sie weder aufstehen noch sich umdrehen oder auch nur die Flügel ausstrecken können.


 

Die Zwangsfütterung der Gänse bzw. Enten beginnt im Alter von 8 bis 10 Wochen. Über einen Zeitraum von 12 bis 21 Tagen werden die Vögel „gestopft“. Dabei wird den Tieren jeden Tag ein 50 cm langes Metallrohr gewaltsam in den Hals gestoßen, durch das ihnen 800 bis 1.000 Gramm Maisbrei in den Magen gepumpt wird. (2, 3) Umgerechnet auf den Menschen entspricht das einer Menge von zweimal 7 Kilo Spaghetti am Tag. Dabei schwillt die Leber der Tiere auf das Zehnfache ihres normalen Gewichts an; dies nennt man Fettleber oder Steatosis hepatis. (4)

Nebenwirkungen des Stopfens 

Zu den Nebenwirkungen des Stopfens zählen unter anderem Atemnot, Halsverletzungen, Knochenbrüche, Leberblutungen und Herzversagen. (5) Kurz bevor sie an den Folgen des Stopfens sterben würden, werden die Vögel getötet. Viele erliegen bereits vorher den schweren Verletzungen und Strapazen. Die Sterblichkeitsrate von Tieren auf Stopfleberfarmen ist bis zu 20-mal höher als die der Tiere, die unter normalen Lebensbedingungen aufwachsen. (6) Um sich gegen die zunehmenden Proteste kritischer Verbraucher zu wehren, versuchen viele Produzenten und Vertreiber von Stopfleber, ihren Kunden weiszumachen, dass das Futter den Tieren „in den Hals einmassiert“ wird. Solch ein tierfreundliches Stopfen gibt es jedoch nicht. Auch kommen die Tiere niemals freiwillig zur „Futterquelle“.

Einige Forscher sind der Ansicht, dass Enten und Gänse durch eine künstliche Verkürzung der Sonnenstunden und durch Nahrungsentzug freiwillig dazu gebracht werden können, unnatürlich große Nahrungsmengen zu sich zu nehmen. Doch auch bei diesem Verfahren sterben viele Gänse an den Nebensymptomen der Leberverfettung. (7) So etwas wie tierfreundliche Stopfleber kann und wird es niemals geben.

Heimische Gänse und Enten

Gänse sind sehr soziale Wesen, die in ihrer Herde in bestimmten Hierarchien zusammenleben und gerne „herumtollen“. Sie leben am liebsten monogam, und sowohl die weiblichen als auch die männlichen Tiere kümmern sich um den Nachwuchs. Auch Enten lieben es, zu spielen, zu schwimmen und für ihre Jungen zu sorgen. Weil die meisten Tiere in den Foie-gras-Produktionsstätten in kleinen Käfigen oder in sehr kleinen Gruppen gehalten werden, können sie ihre natürlichen Verhaltensweisen dort niemals ausleben. Heimische Gänse und Enten akzeptieren es im Allgemeinen, von Menschen gefüttert zu werden. Doch Vögel, die zwangsgefüttert werden, „halten sich von Personen fern, die sie füttern wollen … und auch wenn sie nicht in der Lage sind, sich zu bewegen, so versuchen sie doch, zu entkommen“. (8) Auch Enten, die in Käfigen fixiert sind, „wenden ihren Kopf von der Person ab, die sie füttern will“. (9)Deutschland und weitere 15 Mitgliedstaaten der EU verbieten die Produktion von Gänsestopfleber, ebenso die Schweiz, Großbritannien, Australien, Indien und Argentinien. Der Oberste Gerichtshof Israels hat die Produktion von Gänsestopfleber seit 2005 aufgrund der Unvereinbarkeit mit dem Tierschutzgesetz gesetzlich verboten. (10) In Chicago sind die Produktion und der Verkauf von Gänsestopfleber gänzlich verboten. Arnold Schwarzenegger hatte 2012 ein Produktions- und Verkaufsverbot der „Delikatesse“ für Kalifornien unterschrieben, welches im September 2017 endgültig durch ein Gericht bestätigt wurde (11).

Nationale Verbote von Stopfleber

Deutschland und weitere 15 Mitgliedstaaten der EU verbieten die Produktion von Gänsestopfleber, ebenso die Schweiz, Großbritannien, Australien, Indien und Argentinien. Der Oberste Gerichtshof Israels hat die Produktion von Gänsestopfleber seit 2005 aufgrund der Unvereinbarkeit mit dem Tierschutzgesetz gesetzlich verboten. (10) In Chicago sind die Produktion und der Verkauf von Gänsestopfleber gänzlich verboten. Arnold Schwarzenegger hatte 2012 ein Produktions- und Verkaufsverbot der „Delikatesse“ für Kalifornien unterschrieben, welches im September 2017 endgültig durch ein Gericht bestätigt wurde (11).

Die Produktion verstößt offensichtlich gegen die EU-Richtlinie, die sich mit dem Schutz von Tieren auf Zuchtfarmen befasst.

Die „Produktion“ von Enten- und Gänsestopfleber  verstoßen nach unserer Auffassung und der vieler Juristen (3) bei der Foie-gras-Produktion gegen die EU-Richtlinie 98/58CE, die sich mit dem Schutz von Tieren auf Zuchtfarmen befasst und u a. besagt: „Die Art des Fütterns und Tränkens darf den Tieren keine unnötigen Leiden oder Schäden verursachen.“ (12)

Gefahr für den Menschen

Medizinisch gesehen ist eine verfettete Leber (Steatosis hepatis) ein krankhaft verändertes Organ eines gezielt krank gemachten Tieres, welches nach den Hygienevorschriften nicht zum menschlichen Verzehr angeboten werden dürfte. Deshalb haben wir bei etlichen Staatsanwaltschaften bundesweit zahlreiche Anzeigen gegen Sterneköche und Restaurants erstattet, da Foie gras gegen das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetz sowie gegen die Fleischhygiene-Verordnung verstößt.

Wie das französische Landwirtschaftsministerium im Januar 2008 bekannt gab, wurde in französischer Entenstopfleber das Botulismus (Lebensmittelvergiftung) auslösende Bakterium Clostridium botulinum gefunden. Die Stopfleber stammte von der Firma Montfort. Das Produkt wurde vom Markt genommen, die Hersteller wurden ermahnt. (13)
 
Nach dem Ausbruch einer Vogelgrippe-Epidemie im November 2015 entschieden sich viele Länder, u.a. Japan, China und Marokko, Foie gras aus Sicherheitsgründen vorerst nicht mehr aus Frankreich zu importieren. (14) Die einbrechenden Exporte führten die Produzenten in eine Krise, die die Regierung mit einem monatelangen Produktionsstopp abzufedern versuchte, anstatt die Produktion konsequenterweise komplett auslaufen zu lassen. Auch 2017 führte die grassierende Vogelgrippe wieder zu Massentötungen von Vögeln in Frankreich und einem Rückgang der dortigen „Produktion“ von Foie gras um 40 % (15).

Stopfleber ist out

Dass die Sterneküche wunderbar ohne Tierqual auskommen kann, zeigen zahlreiche engagierte Gastronomen und Köche in ganz Deutschland, die auch ohne Foie gras Gourmetküche auf höchstem Niveau anbieten. Selbst in Frankreich lehnen immer mehr Verbraucher das Qualprodukt ab. (16) Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass dieses dunkle Kapitel bald der Vergangenheit angehört. Entdecken Sie die gesunde, vielfältige und leckere pflanzliche Küche!

Was Sie tun können

Fordern Sie Restaurants, Hotels, Onlineshops und Delikatessengeschäfte persönlich oder per Mail dazu auf, den Verkauf von Stopfleber einzustellen und stattdessen vegane Pastete anzubieten. Organisieren Sie Demonstrationen vor Restaurants, Märkten und Hotels, die Stopfleber verkaufen. Kontaktieren Sie uns, um Infomaterial zu bestellen, und melden Sie uns die entsprechende Einrichtung. Unser Veganstart-Programm begleitet Sie kostenlos 30 Tage lang bei Ihrem Start in ein veganes, tierleidfreies Leben!

Quellen
1) http://www.eurofoiegras.com/en/page/figures_p135/, abgerufen am 9.2.2018
2) https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__3.html, abgerufen am 9.2.2018
3) http://www.mirror.co.uk/news/world-news/shocking-video-shows-hundreds-live-4468027, abgerufen am 9.2.108
4) Unité de Recherches Avicoles, „Production de Foie Gras, Gavage et Bien-être“, Institut National de la Recherche Agronomique, 5. April 2005
5) Hirt, Almuth/Maisack, Christoph/Moritz, Johanna (2016): „Tierschutzgesetz. Kommentar“, S. 172f.
6) http://www.vier-pfoten.eu/files/EPO/PDF.fact_sheets._pos_pap/Briefing_foie_gras_EN.pdf.pdf, abgerufen am 9.2.2018, Scientific Committee on Animal Health and Animal Welfare.
7) Duncan et al (2009) The Scientific Case against Foie gras http://www.spca.bc.ca/assets/documents/welfare/foie-gras/foie-gras-scientific-report.pdf
8) Broom/Rochlitz (2015): „The Welfare of Ducks during Foie gras Production“, Cambridge University Animal Welfare Information Service8) Lou Horton, „Understanding the Behavior of Domestic Geese“, Acorn Hollow Bantams, 18. Okt. 2002
9) Scientific Committee on Animal Health and Animal Welfare.
10) https://en.wikipedia.org/wiki/Foie_gras_controversy, abgerufen am 9.2.2018
11) https://en.wikipedia.org/wiki/California_foie_gras_law, abgerufen am 9.2.2018 
12) EU-Richtlinie zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere 98/58CE
13) http://www.thepoultrysite.com/poultrynews/13726/botulism-in-duck-foie-gras/, abgerufen am 9.2.2018
14) http://www.bangkokpost.com/archive/japan-bans-french-foie-gras/785285, abgerufen am 9.2.2018
15) https://www.ksta.de/wirtschaft/krise-im-schlaraffenland-wird-franzoesische-stopfleber-bald-unbezahlbar--29386734, abgerufen am 9.2.2018
16) http://www.theguardian.com/world/2014/dec/21/force-fed-foie-gras-loses-favour-france, abgerufen am 9.2.2018