Die Gänsemast in Deutschland ist hauptsächlich ein Saisongeschäft. Jedes Jahr – vorwiegend zwischen Oktober und November – werden allein in Deutschland Hunderttausende Gänse in Schlachthäusern getötet, damit der Mensch ihr Fleisch, ihre Organe und ihre Federn „nutzen“ und zu „Martins- bzw. Weihnachtsbraten“ verarbeiten kann.
2024 wurden schätzungsweise mehr als 450.000 Gänse getötet. [1] In Statistiken werden Gänse nicht in den individuellen Zahlen von getöteten gefiederten Tieren erfasst, sondern meist nur in Tonnen. 2024 wurden über 2 Millionen Tonnen Gänsefleisch in Deutschland „produziert“ sowie insgesamt fast 12.100 Tonnen nach Deutschland importiert – weit über 90 Prozent aus Polen und Ungarn. [2]
Gänse für die Ernährungs- und Textilindustrie gequält und getötet
Um die für die Mast benötigte hohe Anzahl an Gänsen zu züchten, werden männliche und weibliche Gänse in sogenannten Elterntierfarmen gehalten. Dort leben sie meist zu Hunderten in kargen Hallen nur zu einem einzigen Zweck – um möglichst viele Eier und damit Nachkommen zu „produzieren“. Die Küken aus diesen Eiern schlüpfen jedoch niemals in liebevoll gebauten Nestern, sondern anonym in Brutkästen. Mutter oder Vater zu sein, bleibt den sozialen Vögeln, die von Natur aus in engen Familienverbänden leben, verwehrt.
Vor ihrem Tod werden die Gänse meist unter katastrophalen Bedingungen gehalten und gemästet. Sie leiden für die Produktion von Fleisch, werden im Ausland in der sogenannten Stopfmast für die Herstellung von Foie gras gequält und müssen das gewaltsame Rupfen ihrer Federn ertragen, die zu Daunenprodukten verarbeitet werden.
Im Schlachthof werden die Tiere zur Betäubung kopfüber an den empfindlichen Füßen aufgehängt und durch ein Strombad gezogen. Anschließend wird den Tieren die Kehle zum Ausbluten durchtrennt. Bei beiden Verfahren kommt es vor, dass die Gänse nicht richtig betäubt sind oder wieder zu Bewusstsein kommen, während sie kopfüber verbluten.
Die Lebensdauer einer Gans kann 15 bis 20 Jahre betragen, wohingegen es in der Mast nur wenige Monate sind. [3]
Recherchen decken Tierleid in der deutschen Gänsemast auf
Jedes Jahr werden in Deutschland Hunderttausende Gänse für den traditionellen Gänsebraten zu St. Martin und Weihnachten gemästet und getötet – allein im Zeitraum Oktober bis Dezember. Die Nachfrage nach sogenanntem Festtagsbraten bedeutet für unzählige Tiere ein kurzes Leben voller Leid.
Videoaufnahmen aus deutschen Mastbetrieben, die uns von PETA Deutschland im Herbst 2023 zugespielt wurden, zeigen eindrücklich das Ausmaß der Qual: Gänse mit deformierten Schnäbeln – sichtbar humpelnd oder mit ausgerenkten Gliedmaßen – vegetieren in kahlen, überfüllten Hallen. Besonders erschütternd: Selbst verletzte oder kranke Tiere werden oft sich selbst überlassen – sogenannte „Krankenbuchten“ bieten kaum eine individuelle Betreuung oder tiermedizinische Versorgung, wie es gesetzlich vorgeschrieben wäre.

Diese Zustände widersprechen nicht nur den natürlichen Bedürfnissen der Tiere, sondern werfen auch grundlegende Fragen zum gesetzlichen Tierschutz auf. Wir fordern daher eine gesetzliche Anerkennung von Tieren als fühlende Individuen und eine konsequente Durchsetzung bestehender Schutzvorgaben statt wirtschaftlich motivierter illegaler Routine-Ausnahmen.
Die Haltung ist kaum gesetzlich geregelt
Eine spezielle Haltungsvorschrift für die Zucht oder Mast von Gänsen gibt es in Deutschland nicht – und so müssen sich die Betriebe nur an die wenigen allgemeinen Regelungen des Tierschutzgesetzes halten. Für die sensiblen Wasservögel bedeutet das jedoch, dass ihnen nahezu alles verwehrt wird, was ein artgemäßes Leben für sie ausmacht: Obwohl Gänse in der Natur den Großteil des Lebens im oder am Wasser verbringen, haben sie in der Zucht oder Mast fast nie die Möglichkeit zu schwimmen, ihr Gefieder im kalten Nass sauber zu halten oder die Gewässer stundenlang nach interessanten Objekten oder Essbarem zu durchsuchen. Und obwohl einige Gänse etwas Auslauf haben, hat ihr Leben wenig Artgerechtes zu bieten. Diese Bereiche sind meist zu klein für Hunderte oder Tausende Gänse. Oft ist schnell kein frisches Gras mehr zu finden, das Gänse jedoch so gern essen.

Im Stall stehen die reinlichen Tiere schon nach kurzer Zeit auf ihren eigenen Exkrementen, denn die Einstreu wird während des 10- bis 24-wöchigen Durchgangs der Schnell- bzw. Intensivmast nie vollständig gewechselt. In diesem dauerfeuchten Milieu können sich daher verschiedene Krankheiten ausbreiten. Zudem kann die ätzende Schicht aus Kot und Harn die empfindlichen Füße angreifen, sodass jeder Schritt Schmerzen bereitet. Je nach Dauer der Mast müssen sich etwa drei bis fünf Gänse einen Quadratmeter Platz im Stall teilen. Zudem sind die Tiergruppen mit Hunderten oder gar Tausenden Tieren viel größer als in der Natur. Dies führt zu chronischem Stress, da sich die soziale Rangordnung schlechter bilden kann. Viele Gänse sterben aufgrund der artwidrigen Haltung, noch bevor sie zum Schlachthof transportiert werden. Außerdem setzen die gezüchteten Tiere in der Mast unter anderem aufgrund der kalorienreichen Ernährung und dem wenigen Auslauf unnatürlich viel Fleisch und leiden deswegen häufig beispielsweise an schmerzhaften Knochenverformungen oder Kreislauferkrankungen.. Alles nur, um Kosten zu senken und möglichst viel Profit zu erwirtschaften.
Die sogenannte ökologische Haltung ist keine Alternative
Viele Verbraucher:innen haben eine falsche Vorstellung von den Lebensbedingungen der Gänse in ökologischer Haltung. Sie sind sich oftmals nicht bewusst, dass die Tiere auch in dieser Haltungsform ausgebeutet, gequält und gewaltsam getötet werden, damit der Mensch ihr Fleisch, ihre Organe und ihre Federn nutzen kann. 15 Quadratmeter Platz pro Tier im Außenbereich mögen sich zuerst viel anhören. Doch auch hier werden die sozialen Wesen zu Produktionsmaschinen degradiert.
Bedenkt man zudem, dass eine Gänsefamilie teilweise viele hundert Quadratmeter am Tag nutzt, dann zeigt sich auch hier, dass es in erster Linie um Wirtschaftlichkeit geht. Und auch in der ökologischen Haltung fehlen oftmals die wichtigen offenen Wasserflächen, da teilweise nur vorgeschrieben ist, dass die Gänse die Möglichkeit haben müssen, ihren Kopf mit Wasser zu benetzen. Und auch in diesen Haltungsformen beginnt das Leben nicht selten in tierfeindlichen Brütereien und endet nach spätestens acht Monaten – meist kurz vor Sankt Martin oder Weihnachten – auf grausame Weise im Schlachthof.
Gänse sind sehr sozial und leben in Familienverbänden
Gänse haben einen ausgeprägten Familiensinn. Die sozialen Tiere bleiben ihrem Partner meist ein Leben lang treu und trauern, wenn dieser oder ein anderes Familienmitglied stirbt. Der Verhaltensforscher Prof. Dr. Konrad Lorenz hat im Familienleben der Graugänse zahlreiche Analogien zu dem der Menschen festgestellt. [4] So hat der österreichische Wissenschaftler auch herausgefunden, dass Gänse über eine außerordentlich hoch entwickelte soziale Intelligenz verfügen. Eine Gans kennt ihre engsten Verwandten genau und weiß über familiäre Verflechtungen bestens Bescheid.

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Quellen:
[1] Statista (2025): Geflügelschlachtereien, Geschlachtete Tiere und Schlachtmenge in Deutschland im Jahr 2024, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/232533/umfrage/gefluegelstatistik-erhebung-in-gefluegelschlachtereien-in-deutschland/ (eingesehen am 19.06.2025)
[2] Statistisches Bundesamt: Gänsebraten für die Festtage kommt überwiegend aus dem Ausland, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2020/PD20_50_p002.html (eingesehen am 19.06.2025)
[3] Vier Pfoten in Deutschland: Lebenserwartung von Gänsen, https://www.vier-pfoten.de/kampagnen-themen/themen/nutztiere/gaense/lebenserwartung-von-gaensen (eingesehen am 19.06.2025)
[4] Planet Wissen (25.03.2020): Verhaltensforschung an Graugänsen, https://www.planet-wissen.de/natur/voegel/entenvoegel/pwieverhaltensforschungangraugaensen100.html (eingesehen am 19.06.2025)