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Gänse in der Mast: So leiden die Tiere für Fleisch und Federn

Jedes Jahr werden allein in Deutschland Hunderttausende Gänse in Schlachthäusern getötet, damit der Mensch ihr Fleisch, ihre Organe und ihre Federn nutzen kann.

2020 wurden schätzungsweise über 500.000 Gänse getötet. In Statistiken werden befiederte Tiere jedoch nicht als Individuen, sondern nur in Tonnen erfasst. 2020 wurden knapp 3.000 Tonnen Gänsefleisch in Deutschland „produziert“ sowie insgesamt fast 20.000 Tonnen nach Deutschland importiert – weit über 90 Prozent aus Polen und Ungarn. [1]

Gänse für die Ernährungs- und Textilindustrie gequält und getötet

Um die für die Mast benötigte hohe Anzahl an Gänsen zu produzieren, werden männliche und weibliche Gänse in sogenannten Elterntierfarmen gehalten. Dort leben sie meist in kargen Hallen nur zu einem einzigen Zweck – um viele Eier zu produzieren. Die Küken aus diesen Eiern schlüpfen jedoch niemals in liebevoll gebauten Nestern, sondern anonym in Brutkästen. Mutter oder Vater zu sein, bleibt den sozialen Vögeln, die von Natur aus in engen Familienverbänden leben, verwehrt.

Vor ihrem Tod werden die Gänse meist unter katastrophalen Bedingungen gehalten und gemästet. Sie leiden für die Produktion von Fleisch, werden im Ausland in der sogenannten Stopfmast für die Herstellung von Foie gras gequält und müssen das gewaltsame Rupfen ihrer Federn ertragen, die zu Daunenprodukten verarbeitet werden.

Im Schlachthof werden die Tiere zur Betäubung kopfüber an den empfindlichen Füßen aufgehängt und durch ein Strombad gezogen. Bei einer anderen Betäubungsmethode, die auch bei Schweinen zum Einsatz kommt, werden die Gänse mit Kohlenstoffdioxid betäubt. Dieses Gas brennt stark auf den Schleimhäuten und führt zu schweren Erstickungserscheinungen. Anschließend wird den Tieren die Kehle zum Ausbluten durchtrennt. Bei beiden Verfahren kommt es vor, dass die Gänse nicht richtig betäubt sind oder wieder zu Bewusstsein kommen, während sie kopfüber verbluten.

Die Lebensdauer einer Gans kann 15 bis 20 Jahre betragen, wohingegen es in der Mast nur wenige Monate sind. [2]

Die Haltung ist kaum gesetzlich geregelt

Eine spezielle Haltungsvorschrift für die Zucht oder Mast von Gänsen gibt es in Deutschland nicht – und so müssen sich die Betriebe nur an die wenigen allgemeinen Regelungen des Tierschutzgesetzes halten. Für die sensiblen Wasservögel bedeutet das jedoch, dass ihnen nahezu alles verwehrt wird, was ein artgemäßes Leben für sie ausmacht: Obwohl Gänse in der Natur den Großteil des Lebens im oder am Wasser verbringen, haben sie in der Zucht oder Mast fast nie die Möglichkeit zu schwimmen, ihr Gefieder im kalten Nass sauber zu halten oder die Gewässer stundenlang nach interessanten Objekten oder Essbarem zu durchsuchen. Und obwohl einige Gänse etwas Auslauf haben, hat ihr Leben wenig Artgerechtes zu bieten. Diese Bereiche sind meist zu klein für Hunderte oder Tausende Gänse. Oft ist schnell kein frisches Gras mehr zu finden, das Gänse jedoch so gern essen.

gaense in der mast

Im Stall stehen die reinlichen Tiere schon nach kurzer Zeit auf ihren eigenen Exkrementen, denn die Einstreu wird während des 10- bis 24-wöchigen Durchgangs der Schnell- bzw. Intensivmast nie vollständig gewechselt. In diesem dauerfeuchten Milieu können sich daher verschiedene Krankheiten ausbreiten. Zudem kann die ätzende Schicht aus Kot und Harn die empfindlichen Füße angreifen, sodass jeder Schritt Schmerzen bereitet. Je nach Dauer der Mast müssen sich etwa drei bis fünf Gänse einen Quadratmeter Platz im Stall teilen. Zudem sind die Tiergruppen mit Hunderten oder gar Tausenden Tieren viel größer als in der Natur. Dies führt zu chronischem Stress, da sich die soziale Rangordnung schlechter bilden kann. Viele Gänse sterben aufgrund der artwidrigen Haltung, noch bevor sie zum Schlachthaus transportiert werden können. Außerdem setzen die gezüchteten Tiere in der Mast unter anderem aufgrund der kalorienreichen Ernährung und dem wenigen Auslauf unnatürlich viel Fleisch an und können dadurch beispielsweise an schmerzhaften Knochenverformungen oder Kreislauferkrankungen leiden. Alles nur, um Kosten zu senken.

Die sogenannte ökologische Haltung ist keine Alternative

Viele Verbraucher haben eine falsche Vorstellung von den Lebensbedingungen der Gänse in ökologischer Haltung. Sie sind sich oftmals nicht bewusst, dass die Tiere auch in dieser Haltungsform ausgebeutet, gequält und gewaltsam getötet werden, damit der Mensch ihr Fleisch, ihre Organe und ihre Federn nutzen kann. 15 Quadratmeter Platz pro Tier im Außenbereich mögen sich zuerst viel anhören. Bedenkt man jedoch, dass eine Gänsefamilie teilweise viele hundert Quadratmeter am Tag nutzt, dann zeigt sich auch hier, dass es in erster Linie um Wirtschaftlichkeit geht. Und auch in der ökologischen Haltung fehlen oftmals die wichtigen offenen Wasserflächen, da teilweise nur vorgeschrieben ist, dass die Gänse die Möglichkeit haben müssen, ihren Kopf mit Wasser zu benetzen. Und auch in diesen Haltungsformen beginnt das Leben nicht selten in tierfeindlichen Brütereien und endet nach spätestens acht Monaten – meist kurz vor Sankt Martin oder Weihnachten – auf brutale Weise im Schlachthof.

Gänse sind sehr sozial und leben in Familienverbänden

Gänse haben einen ausgeprägten Familiensinn. Die sozialen Tiere bleiben ihrem Partner meist ein Leben lang treu und trauern, wenn dieser oder ein anderes Familienmitglied stirbt. Der Verhaltensforscher Prof. Dr. Konrad Lorenz hat im Familienleben der Graugänse zahlreiche Analogien zu dem der Menschen festgestellt. [3] So hat der österreichische Wissenschaftler auch herausgefunden, dass Gänse über eine außerordentlich hoch entwickelte soziale Intelligenz verfügen. Eine Gans kennt ihre engsten Verwandten genau und weiß über familiäre Verflechtungen bestens Bescheid.

Diese Gänse hatten Glück – sie leben nun in Sicherheit und artgemäß bei „Pro Animale für Tiere in Not“

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