Die 6 wichtigsten Gründe, warum Elefanten nicht in Zoos gehören

Elefanten können im Zoo niemals artgerecht gehalten werden. Weil die grauen Riesen aber zu den absoluten Publikumslieblingen gehören und die Zoo-Kasse klingeln lassen, werden noch immer in 25 deutschen Zoos Elefanten gefangen gehalten (Stand 2018). Den Besuchern wird vorgegaukelt, es ginge dabei um Artenschutz. Die gewaltsame Behandlung mit dem Elefantenhaken wie im Zoo Hannover, die in vielen Zoos noch immer zur Tagesordnung gehört, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Hinzu kommen viele weitere Missstände, die den meisten Tierfreunden nicht bewusst sein dürften. Hier sind die wichtigsten Gründe, warum Elefanten in Gefangenschaft leiden:

1. Die Gefangenschaft in Zoos macht Elefanten seelisch krank

Die meisten Elefanten in zoologischen Einrichtungen leiden unter gravierenden Verhaltensstörungen. Stereotypien wie das sogenannte „Weben“ sind sich wiederholende, rhythmische Bewegungen mit Kopf und Körper. Diese Verhaltensstörungen kommen bei wildlebenden Elefanten nicht vor [1] und sind ein Anzeichen von seelischem Leiden. In Zoos dagegen treten Stereotypien sehr häufig auf – bei 72 bis 85 Prozent der Elefanten in nordamerikanischen [2] und europäischen [3] Zoos. Einer Studie zufolge war stereotypes Verhalten insgesamt sogar die zweithäufigste beobachtete Verhaltensweise der Elefanten, nach Fressverhalten. Vor allem Einzelhaltung und häufige Transporte zwischen Zoos fördern die Entwicklung von Verhaltensstörungen [2]. Zum Teil geht es den Elefanten psychisch so schlecht, dass man sie mit Psychopharmaka ruhigstellt, wie z.B. den Elefantenbullen Shaka Im Duisburger Zoo [4].

Die Gefangenschaft verursacht seelisches Leid
Die Gefangenschaft verursacht seelisches Leid

2. Die Haltungsbedingungen führen zu körperlichen Erkrankungen

Die komplexen Ansprüche von Elefanten an ihren Lebensraum können von einem Zoo nicht erfüllt werden. Schon die Größe der meisten Elefantengehege kann dem enormen Bewegungsbedarf dieser Tierart kaum Genüge tun. In europäischen Elefantenhaltungen haben die Tiere nur wenige tausend Quadratmeter zur Verfügung [5]. Nachts werden sie meist in die noch kleineren Innengehege eingesperrt. Dagegen umfasst das Gebiet, das Asiatische Elefanten in ihrer Heimat regelmäßig durchstreifen, mindestens 30 bis mehrere hundert Quadratkilometer [6]. Bei Afrikanischen Elefanten erstrecken sich die Wanderungen sogar über mehrere tausend Quadratkilometer [7].
Die mangelhaften Haltungsbedingungen tragen direkt zu gesundheitlichen Problemen bei. Der drastische Bewegungsmangel in kleinen Gehegen und das ständige Stehen, oft auf artwidrigem hartem Betonuntergrund, führen zu Übergewicht und verschiedenen Fuß- und Gelenkerkrankungen. Einer Studie zufolge litt in etwa 84 Prozent der zoologischen Einrichtungen mindestens ein Tier an schmerzhaften Fußerkrankungen wie Nagelrissen, Abszessen oder Arthritis [3].

Innengehege der Wilhelma in Stuttgart
Innengehege der Wilhelma in Stuttgart

3. Gewalt mit dem Elefantenhaken

In vielen Zoos werden Elefanten geschlagen und misshandelt. Im sogenannten „Direkten Kontakt“ bewegen sich die Zoowärter gemeinsam mit den Elefanten im Gehege. Um die Tiere in dieser Situation zu kontrollieren und dominieren, wird der Elefantenhaken eingesetzt, ein Stock mit einem spitzen Metallhaken. Mit welcher Brutalität der Elefantenhaken mitunter zum Einsatz kommt, ist spätestens seit den Videoaufnahmen aus dem Erlebnis-Zoo Hannover bekannt. Dort wurden schon die Babyelefanten mit dem Elefantenhaken traktiert.
Das gewaltsame Dominieren von Elefanten ist Tierquälerei. Trotzdem wendet noch etwa die Hälfte der deutschen Zoos mit Elefantenhaltung den „Direkten Kontakt“ an. Hierzu gehören neben dem Zoo Hannover beispielsweise auch der Tierpark Hagenbeck und die Zoos in Karlsruhe, Wuppertal oder Stuttgart. In den USA hat der amerikanische Zoo-Dachverband AZA die Haltung von Elefanten im „Direkten Kontakt“ in ihren Mitgliedszoos bereits untersagt. In Kalifornien ist der Einsatz des Elefantenhakens ab 2018 in Zoos und Zirkussen verboten. Eine alternative Haltungsform ist der „Geschützte Kontakt“, bei der die Tiere zumindest nicht durch Schläge gequält werden. Dabei versorgen die Elefantenwärter die Tiere durch ein schützendes Gitter. Doch egal welche Haltungsform ein Zoo praktiziert, ein Elefantenleben in Gefangenschaft ist letztlich immer systembedingt artwidrig.

Unterwerfung mit dem Elefantenhaken
Unterwerfung mit dem Elefantenhaken

4. Viele Elefanten in Zoos sind Wildfänge

Früher gelangten Zoos hauptsächlich über Tierhändler an wildgeborene Elefanten. In dramatischen Fangaktionen, in denen zum Teil ganze Elefantenfamilien ausgelöscht wurden, trennte man die Jungelefanten von ihrer Herde. Unter dem Trauma leiden die Tiere oft ihr Leben lang. Seit der internationale Handel mit Wildtieren durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen geregelt wurde, ist es deutlich schwieriger für Zoos, an „Nachschub“ zu gelangen. Durch die niedrigen Fortpflanzungsraten von Elefanten in Zoos stellen die in Europa und Nordamerika gehaltenen Tiere keine sich ausreichend selbst erhaltende Population dar [8-9]. Früher oder später dürften Zoos also wieder versuchen, an neue Wildfänge zu gelangen – wenn nötig auch über dubiose Umwege.

Elefantenherde in Afrika
Elefantenherde in Afrika

5. Elefanten-Familien werden auseinandergerissen

Die Familie ist das Wichtigste im Leben eines Elefanten. In der Natur leben sie in stabilen sozialen Verbänden, die aus verwandten Elefantenkühen und ihrem Nachwuchs bestehen. Wenn nichtverwandte Tiere miteinander vergesellschaftet werden, führt das häufig zu Aggressionen. Das kann sogar so weit gehen, dass Elefanten dabei sterben, wie etwa im Jahr 2012 die Elefantenkuh Chumpol im Kölner Zoo [10].
Selbst in Sozialgruppen mit Müttern, Töchtern und Tanten verwehren Zoos den Tieren oft die Möglichkeit, lebenslang in den natürlichen, matriarchalen Familienverbänden zusammenzubleiben. Denn für das „Zuchtmanagement“, das heißt der geplanten Verpaarung der Tiere, und aufgrund der eingeschränkten räumlichen Möglichkeiten werden immer wieder Individuen zwischen Zoos ausgetauscht. Das arttypische Sozialverhalten zwischen Müttern und Töchtern wird damit gestört, und Familien werden auseinandergerissen. Bullen werden dagegen häufig bei Erreichen der Geschlechtsreife isoliert, obwohl auch sie in der Natur keine reinen Einzelgänger sind.

6. Elefanten haben im Zoo eine geringe Lebenserwartung

Auch wenn Zoos immer wieder behaupten, viele Tiere hätten in Gefangenschaft eine erhöhte Lebenserwartung – auf Elefanten trifft dies nicht zu. Sowohl Afrikanische als auch Asiatische Elefanten können im Freiland 60 bis 70 Jahre alt werden. Wissenschaftlichen Studien zufolge ist die durchschnittliche Lebenserwartung für Elefanten im Zoo aber wesentlich niedriger [11-13]. Afrikanische Elefanten werden im Zoo sogar oft nur ein Drittel [12] bis halb so alt [11].

Was Sie tun können

PETA fordert ein Nachzucht- und Importverbot für Elefanten in Zoos, damit die Haltungen mittelfristig auslaufen. Bitte besuchen Sie keine Zoos, und klären Sie Freunde und Familie über das Elefantenleid auf.


Quellen:
[1] Kurt F. & M.E. Garai (2001). Elefant in Menschenhand, Kapitel 5.8.: Bewegungsstereotypien. Herausgeber: F. Kurt. Filander Verlag, Fürth.
[2] Greco, B.J. et al. (2016) The Days and Nights of Zoo Elephants: Using Epidemiology to Better Understand Stereotypic Behavior of African Elephants (Loxodonta africana) and Asian Elephants (Elephas maximus) in North American Zoos. PLoSONE 11(7): e0144276. doi:10.1371/journal.pone.0144276.
[3] Haspeslagh, M., et al. (2013): A survey of foots problems, stereotypic behavior and floor type in Asian elephants (Elephas maximus) in European zoos. Animal Welfare 22. 437-443.
[4] Stern (2015): Tot? Schläft? Ruhiggestellt. 22.10.2015
[5] Elefanten-Schutz Europa e.V.: Hintergrundwissen – Anforderungen an die Haltung von Zooelefanten. Online abrufbar unter: http://elefantenschutzeuropa.beepworld.de/beduerfnisse.htm (Letzter Zugriff: 12.03.2018)
[6] Choudhury, A. et al. (2008): Elephas maximus. The IUCN Red List of Threatened
Species 2008: e.T7140A12828813.
http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2008.RLTS.T7140A12828813.en
[7] Ngene, S. et al. (2017): Home range sizes and space use of African elephants (Loxodonta africana) in the Southern Kenya and Northern Tanzania borderland landscape. International Journal of Biodiversity and Conservation, 9(1), 9-26.
[8] Elefanten-Schutz Europa e.V. (2011): Schriftliche Stellungnahme zur Überarbeitung des „Gutachtens über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“ hinsichtlich der Haltung von Elefanten. Online abrufbar unter: http://elefantenschutzeuropa.beepworld.de/files/wir_ber_uns/ese_stellungnahme_sugetiergutachten1.pdf (Letzter Zugriff: 12.03.2018)
[9] Faust, L.J. et al. (2006): Is reversing the decline of Asian elephants in North American zoos possible? An individual-based modeling approach. Zool. Biol. 25:201-218.
[10] Kölnische Rundschau (2012): Tote Elefantenkuh: Chumpol ist nicht ertrunken. 04.05.2012 https://www.rundschau-online.de/tote-elefantenkuh-chumpol-ist-nicht-ertrunken-10932212
[11] Wiese, J. et al. (2004): Calculation of longevity and life expectancy in captive elephants. Zoo Biology. 23: 365-373.  
[12] Clubb, R. et al. (2008): Compromised survivorship in zoo elephants. Science. 322(5908):1649.
[13] Mason, G.J. & Veasey, J.S. (2010). How should the psychological well-being of zoo elephants be objectively investigated? Zoo Biol. Zoo Biology. 29:237-55.