Reptilien

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Der Leidensweg eines für den Zoohandel oder für Tierbörsen gefangenen oder gezüchteten Reptils ist oft lang. Tiere wie z.B. der grüne Leguan kommen oft aus Massenzuchtanlagen zu Hunderttausenden jedes Jahr aus Mittelamerika zu uns, nur um in einem Terrarium eingesperrt den Rest ihres Lebens in Gefangenschaft verbringen zu müssen. (1)
Aber Betreiber von Massenzuchtanlagen in Tschechien, Polen, Deutschland oder anderen Ländern haben nur eines im Sinn: Geld mit der „Ware Tier“ zu verdienen. Immer ausgefallener, exotischer, gefährlicher muss das Tier sein. Selbst aus der freien Wildbahn werden hochempfindliche Lebewesen gerissen, um auf Tierbörsen, in Zoohandlungen oder im Internet angeboten und teils per Postversand verschickt oder von oftmals uninformierten Käufern mit nach Hause genommen zu werden.
Viele Reptilien (ob gezüchtet oder gefangen) überleben diese Strapazen nicht und die Wahrscheinlichkeit, dass sie aufgrund des Stresses oder falscher Haltung beim neuen Halter krank werden oder nicht essen, ist hoch. Leider werden Reptilien von findigen Geschäftsleuten als pflegeleichte „Anfängertiere“ angeboten anstatt als Tiere mit kostspieligen und anspruchsvollen Pflegebedürfnissen. Während sich die Heimtierbranche und Privatverkäufer eine goldene Nase am Verkauf von Tieren und Zubehör verdienen, werden immer mehr Reptilien ausgesetzt, unter unwürdigen Bedingungen gehalten oder sie kommen grausam zu Tode.

Gefahren
Laut Zoohandelsindustrie finden sich in deutschen Haushalten ca. 0,4 Millionen Terrarien. (2) Inwieweit die Realität diese Zahlen noch übertrifft, kann nicht nachgewiesen werden – immer wieder kaufen Menschen aus einer Laune heraus, und ohne sich vorher ausreichend informiert zu haben, ein Wildtier im Baumarkt, auf einer Tierbörse oder im Zoogeschäft. Fest steht, dass von der Reptilien-Haltung Gefahren für den Menschen ausgehen. Zum einen betrifft dies die Haltung von Gifttieren, welche in vielen Bundesländern noch immer problemlos möglich ist. Das Ärzteblatt berichtete bereits im Jahr 2004 von einem deutlichen Anstieg der gemeldeten Fälle der Klapperschlangenbisse in Deutschland und Frankreich. Auch von Todesfällen wird immer wieder berichtet. (3) (4)
Die zweite Gefahrenquelle geht von Krankheitserregern aus, die viele Tiere in sich tragen. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass 90 Prozent aller Reptilien Salmonellen ausscheiden. (5) Ärzte melden verstärkt Salmonellose-Erkrankungen bei Kindern, die durch den Kontakt zu Reptilien ausgelöst wurden. (6) Die Übertragung muss dabei nicht einmal auf den direkten Kontakt mit den Tieren zurückzuführen sein. So können die Erreger beispielsweise von den Händen oder der Kleidung der Eltern durch Berührungen auf im Haushalt oder außerhalb lebende Kinder übertragen werden – oder auch über einen Teppich, auf dem nun das Kind spielt und vorher die Schlange lag. Besonders gefährdet sind laut Experten Kinder bis zu acht Jahren, Schwangere, alte Menschen und Immunsupprimierte. Dr. med. habil. Wolfgang Kunze schreibt im Magazin des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte Anfang 2011: „Eine wirksame Prophylaxe solcher Infektionen kann nur im Vermeiden jeden direkten und indirekten Kontaktes zwischen Reptilien und empfänglichen Personen bestehen. Den Haltern muss bewusst gemacht werden, dass diese Tiere keine ‚Spieltiere‘, sondern permanente Infektionsquellen sind.“ (7) Zu den möglichen Konsequenzen einer solchen Erkrankung sagt Dr. Wolfgang Kunze: „Die Salmonellen können über den Darm in den Körper eindringen, es droht eine Gehirnhautentzündung, die bei schwerem Verlauf lebensbedrohlich sein kann.“ (8)

Transport
Es ist gängige Praxis, dass Reptilien über den Postweg verschickt werden. Reptilien werden aber nur sehr eingeschränkt auf dem Transport geschützt, da die Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV) in erster Linie für den gewerblichen Transport der sog. Nutztiere erlassen wurde. In § 13 TierSchTrV steht als einzige Auflage, dass wechselwarme Wirbeltiere und wirbellose Tiere „in Behältnissen“ zu befördern sind, „die zur Vermeidung starker Temperaturschwankungen isoliert sind“. Immer wieder erreichen uns Meldungen von Tierhaltern, deren Tiere tot oder in einem sehr schlechten Zustand ankamen. Auch nach Börsen werden die Tiere in vielen Fällen hunderte Kilometer zu ihrem neuen Domizil gekarrt. Händler und private Tierhalter reisen zu deutschen Börsen teils aus Spanien, Italien, Frankreich und England an. Selbst bei Börsen, die in der kälteren Jahreszeit stattfinden, sieht man Menschen, die ihren „Neuerwerb“ nicht in isolierten Boxen, sondern einfach in den kleinen Verkaufsbehältern aus Plastik mitnehmen.

Aufnahme
Wer sich vorab intensiv mit den Bedürfnissen der jeweiligen Tierart auseinandergesetzt hat, sollte ein Reptil aus dem Tierheim oder einer Auffangstation aufnehmen. Der Handel mit Reptilien entspricht niemals dem Tierschutz – die Tiere in Einrichtungen wie Tierheimen wurden jedoch bereits Opfer der Industrie und benötigen nun ein Zuhause, welches so tiergerecht wie nur möglich gestaltet ist. Man muss sich allerdings genau darüber informieren und bewusst werden, wie viel Platz, welche Pflege, Nahrung und Terrariengestaltung die jeweilige Art benötigt, und auch, wie viel Geld investiert werden muss – die Kosten für Licht, Hitzequellen und Co. sind nicht zu unterschätzen. Zudem muss man sich darüber im Klaren sein, dass viele Reptilien Karnivoren, also Fleischfresser, sind. Möchten Sie tatsächlich einen Gefrierschrank voller toter Tiere haben oder in regelmäßigen Abständen mit ansehen, wie Ihr Pflegling lebendige Mäuse oder Ratten verspeist? Außerdem stammen auch diese Tiere im Normalfall aus Massentierzuchten, die den Bedürfnissen der Tiere auf keinste Weise gerecht werden und oft einen grausamen Tod bedeuten. Immer wieder hört und liest man, dass die Tiere lebendig eingefroren oder erschlagen werden. Auch eine von PETA in Auftrag gegebene tierärztliche Untersuchung ergab, dass das betreffende „Futtertier“ unsachgemäß und unter Schmerzen getötet wurde.

Helfen Sie mit
Die Tiere sind der Willkür und der Profitmaximierung geschäftstüchtiger Menschen ausgesetzt, die sie als Ware anpreisen, nachdem sie in freier Wildbahn gefangen oder in Gefangenschaft gezüchtet wurden. Deutschland gehört zu den größten Absatzmärkten für Wildtiere. Der Kauf wildgefangener Reptilien fördert zudem das Aussterben von Wildtieren in empfindlichen Ökosystemen. Der Kauf von in Gefangenschaft gezüchteten Tieren ermutigt die Züchter nur dazu, ihren Bestand aufzufüllen. Wenn Sie wirklich ein Reptil betreuen möchten, nehmen Sie Kontakt zum örtlichen Tierheim oder einer auf Reptilien spezialisierten Tierrettungsorganisation auf. Unterstützen Sie uns, damit der Handel mit exotischen Tieren bald der Vergangenheit angehört.


Quellenangaben:

(1) Gert Schuster und Peter Thomann, stern, Heft 25/2005
(2) ZZF: Heimtierpopulation in Deutschland 2010
(3) Deutsches Ärzteblatt 2004
(4) Hamburger Abendblatt, 25.03.2011, Klapperschlange beißt Hamburger tot
(5) Deutschlandfunk, 04.04.2011, Interview Wolfgang Rabsch (RKI)
(6) Epidemiologisches Bulletin (RKI), 29.08.2008, Reptilien-assoziierte Salmonella-Tennessee-Infektionen
(7) Kinder- und Jugendarzt, 2011, 42. Jg., Nr. 1
(8) Leipziger Volkszeitung LVZ – Muldentalzeitung MTZ, 21.02.2011