Genau wie Hunde, Katzen und Menschen haben Rinder ganz individuelle und verschiedene Charaktere: Manche sind klüger und draufgängerisch, andere lernen langsamer und sind zurückhaltend. Aber wie genau denken Kühe eigentlich? Wie sieht ihr Miteinander aus? Sind Kuhglocken schädlich für Kühe? Und überhaupt: Sind Rinder schlecht für die Umwelt?
Wir informieren und zeigen anhand von 11 Fakten auf, warum Kühe nicht in der Milchindustrie missbraucht, gequält und ausgebeutet werden sollten. Kühe sind faszinierende Tiere, die ein unversehrtes Leben in Freiheit verdient haben.
1. Kühe, Bullen, Ochsen, Rinder – welche Bezeichnung stimmt?
Kuh, Kalb, Ochse und Bulle – sie alle gehören der Tiergruppe Rind an. Die unterschiedlichen Bezeichnungen geben uns Auskunft über das Geschlecht und Alter der Rinder.
- Rind: Oberbegriff für alle Tiere der Art, unabhängig von Alter oder Geschlecht
- Kuh: weibliche Rinder, nachdem sie zum ersten Mal ein Kalb zur Welt gebracht haben, das ihnen in der Regel nach 24 Stunden entrissen wird
- Färse: weibliches, geschlechtsreifes Rind vor der ersten Geburt
- Bulle: männliches, nicht kastriertes Rind, das zur Zucht missbraucht wird
- Ochse: kastriertes männliches Rind, dem die Hoden entfernt wurden
- Kälber: Rinder, bis sie sieben Monate alt sind, unabhängig vom Geschlecht
- Jungrinder: Rinder zwischen dem 7. und 12. Lebensmonat
- Jungbullen: Männliche Jungrinder
Wie alt werden Kühe?
Rinder können zwischen 20 und 25 Jahre alt werden. In der Landwirtschaft werden sie jedoch weit vor ihrem möglichen Lebensende getötet:
- Sogenannte Milchkühe erwartet im Alter von fünf bis sechs Jahren der Tod im Schlachthof. Für die Industrie geben ihre qualgezüchteten Körper dann nicht mehr „genug“ Milch.
- Auch sogenannte Mastrinder, die für die Produktion von Fleisch ausgebeutet werden, werden bereits im Alter von 18 bis 24 Monaten getötet.
- Kälber werden sogar schon nach fünf bis sieben Monaten für ihr Fleisch getötet.

2. Rinder sind intelligent
Rinder besitzen nicht nur eine ausgeprägte Persönlichkeit, sondern sind auch sehr intelligente Tiere:
Forscher:innen haben zudem herausgefunden, dass Rinder nicht nur Probleme lösen können, sondern dass sie die intellektuelle Herausforderung genau wie Menschen genießen und sich freuen, wenn sie die Aufgabe gemeistert haben. [2]
- Rinder haben ein Langzeitgedächtnis. [1]
- Studien haben gezeigt, dass Rinder Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge deutlich verstehen und auf sozial komplexe Weise interagieren. [2]
- Sie können beispielsweise den Hebel einer Tränke betätigen, wenn sie durstig sind. Sie können auch mit ihrem Kopf auf einen Knopf drücken, um Weizen zu erhalten, wenn sie hungrig sind. [2]
- Eine Studie aus Österreich zeigte, dass Rinder Werkzeuge zu ihrem Vorteil einsetzen können. So nutzte Kuh Veronika beispielsweise einen Besen, um sich zu kratzen. [3]
3. Rinder haben beste Freunde
Rinder erkennen sich nicht nur gegenseitig, sondern haben auch Freunde, die sie bevorzugen und zu denen sie besonders liebevoll sind. Die Freundschaft, so interpretieren Forscher:innen, drückt sich vor allem durch Körpernähe und Pflege wie dem gegenseitigen Lecken aus. Eine Studie ergab, dass mehr als die Hälfte der Tiere, wenn sie auf der Weide gehalten wurden, Zeit damit verbrachte, neben einer bestimmten Kuh zu essen und zu ruhen.
Eine weitere Studie ergab, dass Rinder in der Lage waren, andere Rinder, die sie im wirklichen Leben kannten, auf Fotos zu erkennen und dann zu ihnen hinliefen. [4]

4. Rinder haben ausgezeichnete Sinne
Zu den am besten ausgeprägten Sinnen von Rindern gehören der Gehör- und Geruchssinn. Die Tiere können Gerüche aus einer Entfernung von bis zu zehn Kilometern wahrnehmen. Sie sind kurzsichtig, sehen in der Ferne jedoch scharf. Daneben kommunizieren sie über Pheromone und können so zum Beispiel Gefühle wie Angst vermitteln. [5] Rinder hören deutlich besser als der Mensch und nehmen sowohl tiefe als auch hohe Frequenzen in einem Ausmaß wahr, das die menschlichen Fähigkeiten übersteigt. [6]
5. Rinder kommunizieren miteinander
Rinder kommunizieren miteinander über verschiedene Laute und Körperhaltungen, wie zum Beispiel die Kopf- und Schwanzposition sowie auch über unterschiedliche Gesichtsausdrücke. Dabei spielen die Hörner eine wichtige Rolle.
Rinder können mit ihrer Körperhaltung und ihren Stimmlauten eine ganze Palette an Emotionen ausdrücken, einschließlich Zufriedenheit, Interesse, Wut und Leid. [6]

6. Kuhglocken schaden den Tieren
In manchen Regionen binden Landwirt:innen Rindern noch immer Kuhglocken um – angeblich, um die Tiere besser orten zu können. Tatsächlich können die sensiblen Tiere unter der permanenten Lärmbelästigung leiden, vor allem, da ihr Hörvermögen besser als unseres ist.
Der Geräuschpegel der Kuhglocke ist mit dem dauerhaften Hämmern eines Presslufthammers zu vergleichen. Der Stress führt laut einer Studie dazu, dass Tiere mit Kuhglocken weniger essen und wiederkäuen, obwohl gerade das wichtige Verhaltensweisen sind. [7]
7. Rinder haben ein komplexes Herdensystem
Rinder wählen konsequent Führungskräfte mit guten Sozialkompetenzen aus, die intelligent, neugierig, selbstbewusst und erfahren sind. Aufdringlichkeit, Egoismus, Größe und Tapferkeit hingegen werden nicht als geeignete Führungsqualitäten anerkannt. Eine Herde Rinder ist einem Rudel Wölfe mit Alpha-Tieren und komplexer Sozialdynamik sehr ähnlich. Jede Kuh ist imstande, mehr als 100 Herdenmitglieder zu erkennen.
Sozialbeziehungen sind sehr wichtig für Rinder, denn sie beeinflussen viele Bereiche ihres täglichen Lebens. Legt sich die Herde z. B. für ein Nickerchen ab, hat jede Stellung einer Kuh und die Anordnung, wie die Tiere liegen, einen direkten Bezug zu ihrem Status in der Herde. [8]

8. Rinder weinen um verstorbene Familienmitglieder
Trennt man Rinder von ihren Familien, Freunden oder menschlichen Gefährt:innen, trauern die Tiere über diesen Verlust. Vielfach wurde davon berichtet, dass die sanften Riesen sogar Tränen vergießen und dass Kühe selbst nach einer kurzen Trennung von ihren Artgenossen oder Kindern sichtlich bedrückt waren. Wie alle Mütter möchten sie sich um ihre Kinder kümmern, werden in der Milchindustrie jedoch direkt nach der Geburt voneinander getrennt.
Können Kühe ohne Schwangerschaft Milch geben?
Nein, Kühe können ohne Schwangerschaft keine Milch produzieren, denn wie bei allen Säugetieren setzt die Milchproduktion erst nach der Geburt eines Kalbes ein. In der Natur würde eine Kuh nur so viel Milch bilden, wie ihr Kalb benötigt, und nach einigen Monaten selbst abstillen. In der Milchindustrie müssen Kühe einen wiederkehrenden, schmerzlichen Kreislauf durchleben: Sie werden künstlich befruchtet, tragen ein Kind aus, gebären und werden dann so schnell wie möglich von ihrem Kind getrennt – alles damit Menschen die Muttermilch einer anderen Spezies trinken und verarbeiten können.

9. Kühe ohne Qualzucht müssen nicht gemolken werden
Platzen Kühe eigentlich, wenn sie nicht gemolken werden? Gerne wird behauptet, Kühe müssten gemolken werden, denn sonst würde ihr Euter platzen. Bei einer ursprünglichen, gesunden Kuh würde das nie passieren, denn sie könnte ihr Kalb – wie auch menschliche Mütter – irgendwann abstillen, wenn das Kalb ihre Milch nicht mehr benötigt. Die heutige „Milchkuh“ ist durch Qualzucht und hohe „Kraftfuttergaben“ jedoch darauf getrimmt, bis zu 50 Liter Milch am Tag zu geben. [9] Kaum etwas davon erhält ihr Kalb, denn jeder Tropfen wird für den Profit abgemolken.
Fakt ist: Ein übermäßig pralles Euter kann zu schmerzhaften Entzündungen bei der Kuh führen, doch platzen würde das Organ nicht. Kühe in der Milchindustrie leiden jedoch häufig unter Euterentzündungen, die durch die artwidrige Haltung und die Qualzucht ausgelöst werden.
Haben Kühe Schmerzen beim Melken?
Kühe haben beim Melken Schmerzen, wenn ihr Euter entzündet, übermäßig gefüllt oder durch Zucht überbelastet ist. Ein übermäßig pralles Euter kann zu schmerzhaften Entzündungen führen, doch platzen würde das Organ nicht, zuvor tropft die Milch aus dem Euter. In der Milchindustrie treten solche Euterentzündungen jährlich bei jeder 4. Kuh auf, weil die Tiere durch Qualzucht extrem viel Milch produzieren müssen und unnatürliche Haltungsbedingungen ihre Körper zusätzlich belasten. [10] Dadurch wird das Melken für viele Kühe zu einer belastenden und oft schmerzhaften Prozedur.
Außerdem kommt es immer wieder zu einem groben Umgang, Übergriffigkeiten und Misshandlungen in den Melkständen. Gerade Jungtiere, die noch nicht an diese Vorgänge gewöhnt sind, haben Schwierigkeiten, sich mit der unfreiwilligen Situation des mechanischen Melkens zurechtzufinden.
10. Rinder leiden – in jeder Haltungsform
Hierzulande verbringen die meisten Rinder den Großteil ihres Lebens in der Intensivhaltung. Alleine in Deutschland werden in der Fleisch- und Milchindustrie jährlich rund 3,5 Millionen Kühe getötet. [11]
Kühe in der Milchindustrie – auch in Bio-Betrieben – werden immer wieder künstlich befruchtet, die Kälber werden ihnen jedoch weggenommen. Männliche Kälber werden nach einer Mast von wenigen Wochen oder Monaten getötet und zu „Kalbfleisch“ verarbeitet – oder auf qualvollen Transporten ins Ausland verkauft. Auf weibliche Kälber warten dieselben Qualen als Milchlieferanten, die bereits ihre Mütter durchleiden mussten.
Haben Kühe Schmerzen beim „Schlachten“?
Ja, Kühe erleben Schmerzen, wenn sie getötet werden. Ein Tier im Schlachthaus zu töten, ist immer mit Stress und Schmerzen für die Individuen verbunden. Viele Tiere sind fehlbetäubt und erleben den tödlichen Schnitt durch die Kehle mit. Einem Hund würden wir Leiden und Schmerzen in Schlachthäusern nie absprechen, warum rechtfertigen wir dies bei einem Rind, obwohl wir uns pflanzlich ernähren können?
11. Rinderhaltung fördert die Klimakatastrophe
Können Kühe wirklich schlecht für das Klima sein? In Zusammenhang mit der Haltung zur Milch- und Fleischproduktion treiben Rinder tatsächlich die Klimakatastrophe voran. Das liegt an dem hohen Ausstoß an Treibhausgasen, den Rinder beim Verdauungsprozess generieren. Rinder in der Tierindustrie machen ein Zehntel aller menschengemachten Treibhausgase aus. [12]
Würde sich jeder Mensch vegan ernähren, fiele diese Umweltbelastung komplett weg – genauso wie die unnötige und grausame Tierquälerei, um aus vermeintlichen Genussgründen an das Wachstumssekret einer anderen Spezies zu gelangen.

PETAs Ausstiegsplan: Jetzt tierfreie Landwirtschaft fordern
Die Haltung von „Milchkühen“ und „Mastrindern“ schadet Tieren, Menschen und der Umwelt. Deshalb haben wir von PETA Deutschland 2025 einen Ausstiegsplan veröffentlicht, der aufzeigt, wie der Umstieg auf eine tierfreie Landwirtschaft in Deutschland gelingen kann und welche großen Chancen damit verbunden sind.
Unterschreiben Sie jetzt unsere Petition und fordern Sie die Politik auf, Maßnahmen für einen gerechten, gesunden und nachhaltigen Wandel unseres Ernährungs- und Landwirtschaftssystems in aktuelle Debatten miteinzubeziehen.
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Quellen
[1] Kovalčik, K., Kovalčik, M. (1986): Learning ability and memory testing in cattle of different ages, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/0168159186900195 (eingesehen am 09.07.2026)
[2] Newsweek (11.01.2017): Cow Science: Cattle are intelligent, emotional and they have Eureka moments – so should we be killing them?, https://www.newsweek.com/cow-cattle-animal-intelligence-science-personalities-emotion-697979 (eingesehen am 09.07.2026)
[3] Deutschlandfunk (20.01.2026): Kuh „Veronika“ nutzt Stöcke und Besen gezielt als Werkzeuge, https://www.deutschlandfunk.de/kuh-veronika-nutzt-stoecke-und-besen-gezielt-als-werkzeuge-100.html (eingesehen am 09.07.2026)
[4] The Atlantic (November 2019): Cows Need Friends to Be Happy, https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2019/11/bovine-friends-forever/598417/ (eingesehen am 09.07.2026)
[5] Hoy, Steffen (2009): Nutztierethologie. Verlag Eugen Ulmer Stuttgart, 2009, Seite 78-79
[6] Lori Marino and Kristin Allen (2017): The Psychology of Cows, https://www.researchgate.net/publication/320771759_The_Psychology_of_Cows (eingesehen am 09.07.2026)
[7] ETH Zürich (25.06.2015): Do Bells Affect Behaviour and Heart Rate Variability in Grazing Dairy Cows?, https://journals.plos.org/plosone/article/file?id=10.1371/journal.pone.0131632&type=printable (eingesehen am 09.07.2026)
[8] Fraser, A. F., Broom, D. M., (1990): „Farm animal behaviour and welfare“, 3rd edition, Bailliere, Tindall, London, 437pp.
[9] Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (15.12.2020): Wie viel Milch geben Schafe und Ziegen?, https://www.landwirtschaft.de/landwirtschaft-verstehen/haetten-sies-gewusst/tierhaltung/wie-viel-milch-geben-schafe-und-ziegen (eingesehen am 09.07.2026))
[10] Bundesverband Rind und Schwein e.V. (08.06.2026): Nationales Tierwohlmonitorin: BRS mit neuen Zahlen zum Tierwohl in der Milchviehhaltung, https://www.rind-schwein.de/brs-news/nationales-tierwohlmonitoring-brs-mit-neuen-zahl-2.html (eingesehen am 09.07.2026)
[11] Destatis, Statistisches Bundesamt (05.02.2020): Fleischproduktion 2019 um 1,4 % gegenüber dem Vorjahr gesunken, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/02/PD20_036_413.html (eingesehen am 09.07.2026)
[12] BR Wissen (07.05.2021): Klimakiller Kuh: Mit jedem Pups Treibhausgase, https://www.br.de/klimawandel/kuh-kuehe-rind-rinder-methan-klima-landwirtschaft-treibhausgase-100.html (eingesehen am 09.07.2026)
Hinweis: PETA lehnt Tierversuche grundsätzlich ab. Zwar können die oben genannten Ergebnisse dazu beitragen, dass sich der Blick der Menschen auf unsere Mitgeschöpfe ändert und somit langfristig Hoffnung auf eine bessere Zukunft für Tiere besteht. Dennoch ist die Durchführung dieser oder ähnlicher Tierversuche ethisch nicht zu rechtfertigen. Unserer Ansicht nach haben Forschende die ethische Verantwortung, solche Erkenntnisse nicht in Versuchen an Tieren, sondern durch Beobachtungsstudien in der natürlichen Umgebung der Tiere zu erlangen.
Trotz alledem ist den Tieren nun am meisten damit geholfen, die Ergebnisse publik zu machen, denn sie zeigen, wie faszinierend Tiere sind. Und sie verdeutlichen, dass es falsch ist, Tiere in Versuchslaboren einzusperren und in Experimenten zu missbrauchen.