Kuh mit Loch im Bauch: Darum leiden Kühe unter der Fistel

Manche Menschen haben schon von ihnen gehört: Kühe mit Löchern an der Körperseite, durch die Menschen mit der Hand direkt in den Magen greifen können. Die Praktik nennt sich in Fachkreisen Fistulierung. Aber wie kommt das Loch in den Bauch einer Kuh und was hat die Milchindustrie damit zu tun?

Was ist eine Fistulierung?

Eine Fistulierung ist eine Art Tierversuch, bei dem einer lebenden Kuh bei einer Operation unter Narkose ein rund 15 bis 20 Zentimeter großes Loch (= Fistel) seitlich in den Bauch direkt zum ersten Magen geschnitten wird. Eine Kuh hat insgesamt vier Mägen, der erste und größte Vormagen wird Pansen genannt. In diesen Magen wird der künstliche Eingang gelegt. Im Pansen zieht die Kuh viele notwendige Nährstoffe aus der Nahrung. Die Fistel ähnelt einem Bullauge und besteht zumeist aus einer Art Schraubverschluss oder Stöpsel aus Plastik. Sie wird während der Operation mit der Außenhaut der Kuh vernäht. [1]

Haben die Kühe durch das Loch im Bauch Schmerzen?

Durchführende Wissenschaftler:innen und Landwirt:innen behaupten, dass die Kuh durch die Narkose keine Schmerzen hätte und auch danach nicht unter dem Eingriff leiden würde. Durch den austretenden Pansensaft können nach der Operation jedoch Entzündungen an der Wunde entstehen. Außerdem handelt es sich um einen unnatürlichen Eingriff, der allein zu Profitzwecken an einem Lebewesen durchgeführt wird und faktisch kein anderes Ziel als Gewinnoptimierung verfolgt.

Kuhherde
Auch wenn eine Fistulierung schmerzfrei verläuft – Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren.

Warum bekommt die Kuh ein Loch im Bauch?

Die „Technik“, einer Kuh ein Loch in den Bauch zu schneiden, kommt aus dem 19. Jahrhundert und wurde mit der Intention entwickelt, die „Leistung“ der Tiere zu erhöhen und somit profitabler zu gestalten. Landwirt:innen und sogenannte Wissenschaftler:innen führen eine Fistulierung bei Kühen durch, um in das Innere des Kuhmagens sehen und zu jeder Zeit Proben der vorverdauten Nahrung entnehmen zu können. Ziel ist es, das zugefütterte „Kraftfutter“ weiter zu optimieren, um eine höhere „Milchleistung“ zu erzielen.

Hilft eine Kuhfistel gegen den Klimawandel?

Ein weiteres Scheinargument für die Fistulierung bei Kühen ist das Klima. Die Tierwirtschaft ist einer der treibenden Faktoren des Klimawandels und für zahlreiche Umweltprobleme verantwortlich: Rund 63 Prozent aller Methan- und 81 Prozent aller Lachgas-Emissionen in Deutschland stammen aus der Landwirtschaft. [2] 77 Prozent aller landwirtschaftlichen Treibhausgase entstehen während der Verdauungsvorgangs, 95 Prozent davon sind direkt auf die Rinder- und Milchkuhhaltung zurückzuführen. [2]

Die Löcher im Bauch von Kühen sollen dabei helfen, Erkenntnisse darüber zu erhalten, wie bei der natürlichen Verdauung der Tiere weniger Methan hergestellt werden kann. [3] So soll herausgefunden worden sein, dass bestimmte pflanzliche Gerbstoffe (Tannine), wie sie in Hornklee, Eicheln, Weintrauben und Kastanien vorkommen, die Methanbildung im Magen der Kuh verringern. Kühe meiden jedoch von Natur aus solche Bitterstoffe, wenn sie die Wahl haben.

Kuhstallanlage
Die landwirtschaftliche Tierhaltung – damit auch die Milchwirtschaft – ist eine der Hauptursachen für die größten Umweltprobleme unserer Zeit.
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Scheinargumente für Kuhfistel sind paradox

Unterm Strich soll ein Loch im Kuhbauch dabei helfen, die ideale Zwangsernährung für Kühe herzustellen, um noch mehr Milch zu produzieren und den negativen Einfluss auf das Klima zu senken. Das ist jedoch paradox, bedenkt man die tagtägliche Ausbeutung und die massive Tierquälerei von Kühen und Kälbern in der Milchindustrie – für ein Sekret, das den Menschen krank machen kann.

Milchindustrie degradiert Kühe zu Milchmaschinen

Unter natürlichen Umständen würden Kühe nur so viel Milch geben, wie sie zur Ernährung ihres Babys benötigen würden. In der auf reinen Profit getrimmten Milchindustrie zählt ausschließlich der Profit: Durchschnittlich 8.500 Liter Milch gibt eine auf Milchleistung gezüchtete Kuh inzwischen im Jahr. Zum Vergleich: 1984 gab eine Kuh gerade einmal die Hälfte, also 4.000 Liter Milch [4] – und das allein zu „Genusszwecken“ für den Menschen.

Als Folge bekommen viele Kühe schmerzhafte Euterentzündungen oder andere Krankheiten – das Kalb dagegen bekommt kaum etwas von seiner Milch. Um den Profit hochzuhalten, wird das Kuhkind nach der Geburt von der Mutter getrennt, in der Mast gehalten und danach getötet.

Kuehe in der Molkerei
Die Milchindustrie hält Kühe zu einem einzigen Zweck: um die Milch der Tiere zu verkaufen.

So helfen Sie Kühen und ihren Kälbern

Die Lösung kann niemals darin liegen, an Tieren zu experimentieren – vor allem nicht, um Millionen weitere Kühe in der Milchindustrie täglichem Leid auszusetzen. Entscheiden Sie sich jetzt den Tieren, Ihrer Gesundheit und der Umwelt zuliebe für eine vegane Ernährung, es gibt zahlreiche leckere pflanzliche Milchalternativen.