Immer mehr Menschen entscheiden sich aus ethischen Gründen und für das Klima für eine vegane Ernährung. Auch die gesundheitlichen Vor- und Nachteile werden dabei immer wieder diskutiert – vor allem, wenn es um eine vegane Kinderernährung geht.
Laut der im November 2020 veröffentlichten VeChi-Youth-Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) kann eine vegane Ernährung auch sehr junge Kinder mit allen notwendigen Nährstoffen versorgen. Die Studie ergab außerdem: Kinder, die vegan essen, verzehren sogar mehr gesundheitsförderliche Lebensmittel als mischköstlich ernährte Kinder. [1, 2]
Ende 2025 wurde eine umfassende Meta-Analyse veröffentlicht – als bislang größte Auswertung ihrer Art ist sie ein wissenschaftlicher Meilenstein mit klar fundierten Ergebnissen: Die Analyse bestätigt, dass eine gut geplante vegane Kinderernährung in jeder Entwicklungsphase möglich, bedarfsdeckend und gesund ist. Gleichzeitig rückt sie in den Fokus, wie wichtig eine Supplementierung und angereicherte Lebensmittel sind. [3, 4]
Zuletzt aktualisiert am 21. Januar 2026
Eine neu veröffentlichte Meta-Analyse belegt die Sicherheit und Umsetzbarkeit einer veganen Kinderernährung wissenschaftlich.
Ende Dezember 2025 erschien in Critical Reviews in Food Science and Nutrition eine umfassende Meta‑Analyse („Lacto‑ovo‑vegetarian and vegan diets in children and adolescents“). Darin wurden 59 Studien mit insgesamt 48.626 Kindern und Jugendlichen aus 18 Ländern verglichen – darunter 1.289 Veganer:innen und 40.059 Mischköstler:innen. [1, 2]
Kernaussagen der Analyse:
- Vegane und vegetarische Kinder aßen im Schnitt mehr Ballaststoffe, Eisen, Folat, Vitamin C und Magnesium, jedoch weniger Energie, Protein, Fett, Vitamin B12 und Zink. Bei veganer Ernährung war zudem die Kalziumzufuhr besonders niedrig.
- Biomarker zeigten bei veganen Kindern niedrigere Werte für Hämoglobin und Ferritin; bei vegetarischen Kindern waren vor allem Vitamin D und Ferritin reduziert.
- Wachstum, Gewicht und BMI lagen für beide Gruppen meist im Normbereich – ein Hinweis auf eine gesunde Entwicklung unter gut geplanter pflanzlicher Ernährung.
- Darüber hinaus wurde gezeigt, dass pflanzenbasierte Ernährung mit günstigeren Herz-Kreislauf‑Markern assoziiert ist, insbesondere niedrigeren LDL‑Cholesterinwerten.
Relevanz für Eltern und Fachkreise
Diese Meta‑Analyse ist bislang die größte Auswertung ihrer Art und bestätigt: Eine gut geplante vegane Kinderernährung ist in jeder Entwicklungsphase möglich, bedarfsdeckend und gesund. Zugleich unterstreicht sie, wie wichtig Supplementierung und angereicherte Lebensmittel sind – etwa für Vitamin B12, Kalzium, Zink und Vitamin D.
„Die neu veröffentlichte Meta‑Analyse bestätigt, was zahlreiche Fachgesellschaften seit Jahren betonen: Eine gut geplante vegane Ernährung kann Kinder in allen Entwicklungsphasen sicher, bedarfsdeckend und gesund versorgen. Entscheidend sind Wissen, eine ausgewogene Lebensmittelauswahl und – wie bei jeder Ernährungsform – eine bewusste Planung. Wissenschaftliche Evidenz schafft Orientierung und stärkt Eltern darin, informierte und verantwortungsvolle Entscheidungen für die Gesundheit ihrer Kinder zu treffen.“
Tobias Schalyo, Senior Corporate Engagement Manager
VeChi-Youth-Studie untersucht vegane Ernährung bei Kindern
Alle vier Jahre erstellt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) einen Bericht, der den aktuellen Stand der Ernährungssituation in Deutschland aufzeigt. Der Ernährungsbericht 2020 umfasst die sogenannte VeChi-Youth-Studie, in der vegetarische und vegane Ernährungsweisen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht wurden.
Hierzu wurden zwischen Oktober 2017 und Januar 2019 insgesamt 401 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren untersucht. Die Kinder mussten regelmäßig Blut- und Urinproben abgeben und ein Ernährungstagebuch führen. Zwischen den Proband:innen, die sich vegan, vegetarisch oder mischköstlich ernährten, ließen sich hinsichtlich Größe und Gewicht keine Unterschiede feststellen. Die Energie- und Proteinzufuhr lag bei allen Ernährungsformen innerhalb der empfohlenen Richtwerte, und auch bei der Nährstoffversorgung ergaben sich keine Risikonährstoffe für vegan ernährte Kinder. [3]
Vegane Kinderernährung kann Nährstoffbedarf decken
Die VeChi-Youth-Studie zeigt, dass die Vitamin-B12-Versorgung bei vegan ernährten Kindern gut und sogar besser war als bei vegetarischen Kindern. Vitamin B12 gilt als kritischer Nährstoff in der veganen Ernährung. Das Vitamin kann jedoch problemlos supplementiert werden, z. B. in Form von Tropfen.
Die Versorgung mit Vitamin B2, Vitamin D und Jod war bei einem Teil der Kinder aller drei Ernährungsformen kritisch. Mit diesen veganen Lebensmitteln können die Nährstoffe problemlos in die tägliche Ernährung integriert werden:
- Vitamin B2: Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Pilze und Nüsse, pflanzliche Milchalternativen
- Vitamin D: Vor allem im Winter als Nahrungsergänzungsmittel, z. B. in Tropfenform
- Jod: Jodsalz
Laut der Studienergebnisse wurde unabhängig von der Ernährungsform im Schnitt zu wenig Kalzium verzehrt, und bei veganen Kindern war die Eisenversorgung etwas geringer.
Die Versorgung mit beiden Nährstoffen kann jedoch leicht optimiert werden:
Den Kalziumbedarf kann man leicht decken mit:
- Mineralwasser mit hohem Kalzium-Gehalt
- Mit Kalzium angereicherten Pflanzendrinks
Viel Eisen ist in diesen Lebensmitteln enthalten:
- Kürbiskerne
- Leinsamen
- Haselnüsse
- Pistazien
- Haferflocken
Für Folat (Folsäure) zeigte die Gruppe der veganen Kinder die beste Versorgung.
Vegane Kinder ernähren sich gesünder
Kinder, die sich vegan ernähren, essen laut der Studie mehr Obst und Gemüse. Sie verzehren im Vergleich zu Mischköstler:innen die 4- bis 10-fache Menge an gesunden Nüssen, die 3- bis 7-fache Menge an Hülsenfrüchten, wesentlich mehr gesunde mehrfach ungesättigte Fettsäuren und etwa doppelt so viele Ballaststoffe.
All diese Nährstoffe sind essentiell für eine gesunde Ernährung und gehören zu den sogenannten präventiven Lebensmittelgruppen, die vor Krankheiten schützen können. Vegane Kinder ernährten sich außerdem weniger von Süßigkeiten und Fertiggerichten, und ihre Ernährung enthielt weniger ungesunde gesättigte Fettsäuren und allgemein weniger Fett als die der mischköstlich ernährten Kinder. [3]
Vorgängerstudie gab bereits Hinweise
Bereits im April 2018 stellte die Vorgängerstudie von 2017 bis 2019 fest, dass sowohl die vegetarisch und vegan ernährten Kinder als auch diejenigen mit Mischkost ernährten Kinder eine vergleichbare und normale Entwicklung von Körpergewicht und Körper zeigen. Vegane Ernährung im Kleinkindalter kann somit bedarfsdeckend sein. [4]
Für die Datenerfassung wogen und notierten Eltern für drei Tage alle Lebensmittel, Getränke und Nahrungsergänzungsmittel, die ihr Kind aß und trank. Zusätzlich wurden Körpergröße und Körpergewicht des Kindes sowie Daten zur Gesundheit abgefragt.
Kinder und Jugendliche profitieren von ausgewogener veganer Ernährung
Kinder jeden Alters können sich rein pflanzlich und somit ohne Tierleid ernähren, denn pflanzliche Lebensmittel enthalten alle für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wichtigen Nährstoffe. Mit einer ausgewogenen, vollwertigen veganen Ernährung lässt sich sogar das Risiko für bestimmte Krankheiten senken. Doch unabhängig davon, ob es sich um eine vegane Ernährungsweise oder um Mischkost handelt: Wer Wert auf gesunde Ernährung legt, der sollte sich stets ein wenig mit dem Thema Lebensmittel und ihre Nährstoffe beschäftigen.
Ernährungsgesellschaften halten vegane Ernährung in jeder Lebenslage für geeignet
Auch wenn die Studienlage bisher gering ist, kamen Ernährungsgesellschaften wie die amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics zu dem Schluss, dass eine vegane Ernährung auch in der Kindheit geeignet ist. [5] Die Ergebnisse der VeChi-Studie scheinen dies nun zu unterstreichen.
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Quellen
[1] SciTechDaily: Is a Vegan Diet Safe for Kids? Largest Ever Study Weighs Benetifs Against Risks, https://scitechdaily.com/is-a-vegan-diet-safe-for-kids-largest-ever-study-weighs-benefits-against-risks/ (eingesehen am 12.01.2026)
[2] Lotti, Sofia et al. (11.12.2025): Lacto-ovo-vegetarian and vegan diets in children and adolescents: a systematic review and meta-analysis of nutritional and health outcomes, https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10408398.2025.2572983#d1e249 (eingesehen am 12.01.2026)
[3] Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (2020): 14. DGE-Ernährungsbericht, 4 Vegetarische und vegane Ernährung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – VeChi-Youth-Studie (S. 289 – 354)
[4] aerzteblatt.de (2020): Ernährungsbericht: Keine Nachteile für vegan und vegetarisch lebende Kinder, https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/118679/Ernaehrungsbericht-Keine-Nachteile-fuer-vegan-und-vegetarisch-lebende-Kinder (eingesehen am 12.01.2026)
[5] Vesanto, Melina et al. (2016): Position of the Academy of Nutrition and Dietetics: Vegetarian Diets, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27886704/ (eingesehen am 12.01.2022)