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Olympia 2020: Tierquälerei im olympischen Reitsport

Der Vorfall mit der deutschen Athletin Annika Schleu, die im Modernen Fünfkampf mit Tritten und Schlägen dem Pferd Saint Boy zusetze, als dieses den Parcours verweigerte, ist nur eines von vielen Beispielen dafür, dass die Bedürfnisse der Pferde hinter den Interessen der Athlet:innen stehen.

Auch die Bilder vom irischen Springreiter und seinem Pferd Kilkenny, das während des Laufes stark aus der Nase blutete, zeigen einmal mehr, dass Profit im Reitsport über den Bedürfnissen der sensiblen Huftiere steht. Die Tiere leiden unter dem Ehrgeiz der Reiter:innen und immer wieder auch unter den damit verbundenen unkontrollierten Emotionen.

In diesem Beitrag finden Sie eine Auflistung der Vorfälle im Reitsport bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio (durchgeführt 2021), bei denen Pferde vor laufenden Kameras verletzt, misshandelt und erheblichen Leiden ausgesetzt wurden.

Moderner Fünfkampf: Gulnaz Gubaydullina mit Saint Boy

In der olympischen Disziplin Moderner Fünfkampf werden die Pferde der Teildisziplin Springreiten den Teilnehmer:innen zugelost. Ein Verband stellt die Pferde, die meist von privaten Pferdehalter:innen aus dem Land des Austragungsorts stammen. [1] Auch das Pferd Saint Boy wurde ausgeliehen und zwei Reiterinnen zur Verfügung gestellt, die jeweils 20 Minuten Zeit hatten, den Wallach kennenzulernen, um danach einen komplexen Springparcours zu bewältigen. Die erste der beiden Wettkämpferinnen war die russische Fünfkämpferin Gulnaz Gubaydullina. Im Parcours wehrte sich Saint Boy und verweigerte Sprünge – während die Reiterin mit Schlägen durch die Gerte und Tritte in seinen Bauch versuchte, den Wallach weiter anzutreiben. Der Ritt wurde daraufhin abgeklingelt und beendet.

Ab Minute 2:37 sieht man die Schläge.

Moderner Fünfkampf: Annika Schleu mit Saint Boy

Die deutsche Athletin Annika Schleu „war sich keiner Tierquälerei bewusst“, [2] nachdem sie das Pferd Saint Boy vor laufenden Kameras mit einer Gerte verprügelte, nachdem dieses sich weigerte, den Parcours zu starten. Schleu befolgte den „Rat“ ihrer Trainerin Kim Raisner, die sie dazu aufforderte, „mal richtig draufzuhauen“. [3] Zusätzlich versetzte Bundestrainerin Raisner dem Pferd einen Fauststoß von der Seite aus. Saint Boy wurde massiv mit der Gerte geschlagen, ihm wurden brutal die Sporen in den Bauch getreten und er wurde mit Gewalt dazu genötigt, den Parcours zu durchlaufen. Nach mehreren Verweigerungen schied Annika Schleu mit Saint Boy aus. Statt mit dem verstörten Pferd mitzufühlen, sind sich Schleu und Raisner keiner Schuld bewusst:

„Ich bin weit davon entfernt, Tiere zu quälen. Ich liebe Tiere, ich liebe Pferde. Wir verdreschen unsere Pferde nicht.“

(Bundestrainerin Kim Raisner in einem Stern-Interview.) [4]

Vielseitigkeit: Robin Godel mit Jet Set

Die olympische Disziplin Vielseitigkeit – früher als „Military“ bekannt – besteht aus den folgenden Disziplinen: Springen, Dressur und einem Geländeritt. Den Pferden werden Höchstleistungen abverlangt – mit dem einzigen Grund, ihren Reiter:innen und Halter:innen zu Profit und Ruhm zu verhelfen. Dabei werden sie extremen körperlichen Belastungen ausgesetzt; innerhalb weniger Tage muss je ein Pferd drei Disziplinen absolvieren. Dabei tragen sie nicht nur scharfe Gebisse im Mund, die bei Sprüngen nicht selten von Reiter:innen als Haltegriff missbraucht werden, sondern sind auch Sporen und Gerten ausgesetzt. Diese werden als sogenannte Hilfsmittel dazu eingesetzt, die Pferde „nach vorne“ zu bringen – oft um jeden Preis.

Pferd sprint ueber Hindernis

Während der Olympischen Spiele in Tokio im Sommer 2021 ist der Schweizer Wallach Jet Set nach einem Bänderriss getötet worden. Das Pferd „kam am letzten Wasserkomplex etwas müde an, […] Beim Herausreiten aus dem Wasser ging der Braune dann aber plötzlich nur noch auf drei Beinen.“ [5] In der Vielseitigkeit kommt es immer wieder zu schweren Verletzungen, die oft tödlich für die Tiere enden. [6]

Springreiten: Cian O’Connor mit Kilkenny

Im Stechen des Springreitens (Einzel) der Olympischen Spiele 2020 gingen sechs Reiter:innen mit ihren Pferden an den Start. Hier zählt, wer am schnellsten mit den geringsten Fehlerpunkten ins Ziel kommt. Auch hier werden die Bedürfnisse der Pferde zurückgestellt. Sie werden über Hindernisse gehetzt, mit Gerten und Sporen angetrieben. Auch der irische Reiter Cian O’Connor startete mit Kilkenny im Stechen. Dabei blutete der Wallach stark aus der Nase – der Ritt wurde dennoch nicht unterbrochen. Weder von den Richter:innen noch von anderen Verantwortlichen. Die FEI argumentierte, dass Nasenbluten, anders als Blut aus dem Mund oder an den Flanken, nicht zum Ausschluss führen würde. Cian O’Connor verzichtete nach dem Vorfall auf einen weiteren Start mit Kilkenny. [7]

Springreiten: Teddy Vlock mit Amsterdam

Nicht nur für Pferde, auch für die Reiter:innen kann Springreiten gefährlich, sogar lebensbedrohlich sein. Während der Qualifikation im Springreiten Einzel startete der für Israel antretende Reiter Teddy Vlock mit dem Pferd Amsterdam. Während Vlock auf einen Oxer zuritt, verloren Pferd und Reiter die Distanz und beide stürzten schwer. Während Amsterdams Beine beim Sturz einknickten, sich das Pferd aber wieder aufrichtete, blieb der israelische Reiter einige Augenblicke reglos liegen. Beide haben laut dem Sportportal Eurosport den Platz verletzungsfrei verlassen können. [8]

Dressurreiten

Die Dressurreiter:innen machten während der Olympischen Spiele den Auftakt des Reitsports. Im Vorfeld kritisierten verschiedene deutschsprachige Influencer:innen, unter anderem Aurel Mertz, dass Pferde für die Spiele 19 Stunden Flug ertragen mussten.

Darüber hinaus stehen auch die Dressurreiter:innen in der Kritik, ihre Bedürfnisse über die der Pferde zu stellen. Die Pferde werden zu unnatürlichen Bewegungen gezwungen, während sie Kandaren im empfindlichen Mund tragen müssen. Ein Kandarenzaum besteht aus zwei Gebissen, einer festen Stange mit zum Teil einer Kette, die um den Pferdekiefer gebunden wird und einem in sich beweglichen Gebisseinsatz. Das bedeutet, dass Pferde beim Dressurreiten zwei Gebisse in ihrem Mund tragen, aus denen jeweils ein Paar Zügel – also zwei insgesamt – zum Menschen reichen. Jede Bewegung über den Zügel zum Pferdemund löst bei dem Pferd Schmerzen aus. Reiter:innen, die ihre Schenkel nicht ausreichend kontrollieren können, klopfen immer wieder mit ihren Sporen in den empfindlichen Pferdebauch.

Einige deutsche Teilnehmer an Olympischen Spielen wurden in der Vergangenheit wiederholt wegen Dopings ihrer Pferde zeitweise gesperrt – darunter Namen wie Isabell Werth, [9] Ludger Beerbaum [10] und Christian Ahlmann. [11]  Auch dies ist eine Form der Misshandlung.

Im Reitsport werden Pferde zu Sportgeräten degradiert. Sie werden gegen ihren Willen in Dressurvierecke und Springparcours manövriert und müssen auf Kommando Leistung abrufen. Vor allem die Situation rund um Annika Schleu und Saint Boy hat die Frage aufgeworfen, ob Pferde weiterhin Teil eines ausbeuterischen Systems sein sollten, in dem sie mit ihrer Gesundheit und immer wieder auch mit ihrem Leben zahlen.