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EU-Parlament: Veggie-Schnitzel darf so heißen, aber Milchersatz ist unzulässig

Am 23. Oktober 2020 hat das EU-Parlament darüber abgestimmt, ob ein Veggie-Schnitzel weiterhin so heißen darf, oder ob die Hersteller vegetarischer oder veganer Fleischalternativen in Zukunft so etwas wie Erbsenproteinscheibe mit veganer Panade, bzw. Veggie-Disc auf ihre Verpackungen schreiben müssen.

Abstimmungsergebnis: Veggie-Wurst bleibt – Deklaration von Milchalternativen wird verschärft

Das Ergebnis des in Brüssel ansässigen EU-Parlaments: Verbraucher können weiterhin Produkte wie Veggie-Würstchen kaufen und müssen im Supermarkt nicht nach absurden Produktnamen wie Veggie-Stangen suchen. Das bezieht sich aber nur auf Fleischersatzprodukte. [1] 2017 waren schon die Bezeichnungen „Milch“ oder „Käse“ für pflanzliche Alternativen zu Milchprodukten verboten worden. Seitdem findet sich vermehrt die Produktkennung Pflanzendrink im Regal – egal, ob wir alle weiter an Hafer- oder Sojamilch denken und das auch so sagen. Während Produktbezeichnungen wie Veggie-Steak also bleiben dürfen, müssen Hersteller pflanzlicher Milch- und Molkereialternativen absurderweise noch mehr auf die Produktnamen achten. Denn ab sofort dürfen diese auch keine vergleichenden Bezeichnungen mehr beinhalten, wie zum Beispiel „Milchgeschmack“, „Käseart“ oder „wie Milch“. [2]

Aber warum gibt es diese scheinbar unwichtige Debatte um so etwas wie Produktnamen eigentlich? Die einfache Antwort: Wirtschaftsinteressen.

Schlechte Verlierer: Hinter dem Gesetzentwurf steckt die Fleischindustrie

Wie könnte es auch anders sein: Treibende Kraft hinter dem kuriosen, kaum nachvollziehbaren und mindestens genauso schwammig argumentierten Vorschlag zur Gesetzesanpassung ist die Fleisch- und Milchindustrie. Sie sieht ihre Einfluss schwinden, denn: Immer weniger Menschen wollen bis zur Unkenntlichkeit verarbeitete Tierleichen oder Produkte aus Tiererzeugnissen essen.

Stattdessen entscheiden sich, auch wegen der Corona-Pandemie, immer mehr Menschen für eine mitfühlende und gesunde pflanzliche Ernährung. Da viele vermehrt klimaschonende und tierleidfreie Alternativprodukte statt Fleisch und Käse kaufen, steigen auch die Umsätze von Fleischersatzprodukten rapide an. Rügenwalder Mühle hat in diesem Jahr mit ihren vegetarischen und veganen Fleischalternativen mehr Umsatz gemacht als mit klassischem Aufschnitt oder Teewurst. In 2019 konnte Rügenwalder ihren Umsatz mit vegetarischen und veganen Fleischalternativen um 44 Prozent steigern und machte dank des Veggie-Trends ein Plus von fast 15 Prozent zum Vorjahr. [3, 4]

Das Geschäft pro Klima und für das Wohl der Tiere boomt – immer mehr Menschen vor den Supermarktregalen verstehen, dass es nicht der richtige Weg ist, Tiere für unsere Ernährung auszubeuten und in Schlachthäusern qualvoll zu töten.

Argument „Verbrauchertäuschung“ der Fleischhersteller ist Quatsch!

Die Fleischlobby behauptet, Produktbezeichnungen wie Veggie-Wurst würden uns Endverbraucher verwirren, da wir dahinter Fleisch anstatt Pflanzenprodukte vermuten würden. Dabei wurde bereits eine Studie durchgeführt, die belegt, dass 95 Prozent der Verbraucher eine Tofu-Wurst nicht mit einem toten Tier verwechseln. [5]

Dagegen greifen Verbraucher, die eigentlich auf Tierleid verzichten möchten, öfter aus Versehen zu Tierprodukten, weil manche veganen Produkte nach wie vor nicht ausreichend gekennzeichnet sind. Ein Verbot von bezeichnenden Produktnamen wie veganes Hackfleisch würde uns Verbraucher also eher verwirren statt Transparenz zu schaffen. Denn mal ehrlich: Wer kann sich schon etwas unter Kirchererbsenfaserscheibe gefüllt mit Sojaaufschnitt vorstellen, wenn veganes Cordon Bleu als Produktbezeichnung viel treffender und damit offensichtlich verbraucherfreundlicher ist. Die wahre Verbrauchertäuschung findet auf den Verpackungen tierischer Produkte statt: Man sieht glückliche Tiere oder Bezeichnungen wie "Hof" und "Natur" - so wird von Leid und Tod abgelenkt.

Was Sie tun können

Sie wollen die Tiere und das Klima schützen und Ihrer Gesundheit etwas Gutes tun? Dann entscheiden Sie sich heute noch für eine vegane Lebensweise!


[1] Spiegel (23.10.2020): Vegane Wurst darf auch weiter so heißen, https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/veggie-produkte-eu-parlament-lehnt-bezeichnungsverbot-ab-a-3397c08e-8a5d-4260-b9f0-56ee4a4c13b4, (eingesehen am 26.10.2020)
[2] Zeit (23.10.2020): Der Veggie-Burger darf weiter Veggie-Burger heißen, https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-10/veggie-produkte-eu-parlament-entscheidung-gesetzesentwurf-namen-fleischersatz, (eingesehen am 26.10.2020)
[3] Handelsblatt (27.08.2020): Rügenwalder Mühle: Veggie-Fleisch überholt erstmals klassische Wurst, https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/ceo-michael-haehnel-ruegenwalder-muehle-veggie-fleisch-ueberholt-erstmals-klassische-wurst/26128214.html?ticket=ST-3168907-cCDz3GFj1eeVeGvg1umo-ap3#:~:text=Im%20ersten%20Halbjahr%20konnte%20die,das%20getrieben%20vom%20Veggie%2DBoom., (eingesehen am 26.10.2020)
[4] Vegconomist (26.06.2020): Erfolgreichstes Jahr der Firmengeschichte: Rügenwalder Mühle steigert Umsatz um 14 Prozent, https://vegconomist.de/unternehmen-und-portraits/erfolgreichstes-jahr-der-firmengeschichte-ruegenwalder-muehle-steigert-umsatz-um-14-prozent/, (eingesehen am 26.10.2020)
[5] Handelsblatt (19.10.2020): Streit um Veggie-Burger: EU-Parlament schafft der Fleischlobby einen Konkurrenten vom Hals, https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-streit-um-veggie-burger-eu-parlament-schafft-der-fleischlobby-einen-konkurrenten-vom-hals/26286362.html, (eingesehen am 26.10.2020)