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Taubenwettflüge: ein unfaires Hobby – kein Spiel

Das Leid der sogenannten Brieftauben

Stand Oktober 2013
In Deutschland betreiben schätzungsweise 50.000 Menschen die Zucht von Tauben, die als sogenannte Brieftauben zu Wettflügen ausgenutzt werden: bundesweit betroffen sind ca. 2,5 Millionen Tiere. (1) Im Rahmen der Taubenwettflüge werden den Tieren Höchstleistungen abverlangt, die ihre Kräfte häufig übersteigen.

Taubenauflass Barcelona International Race 2012 © PETA USA
Offizielle Angaben zu „Verlusten“ fehlen, da die Meldung nicht zurückgekehrter Tauben nicht verpflichtend ist – Experten gehen jedoch davon aus, dass zwischen 10 und mehr als 50 Prozent der Tauben, die zu Wettflügen weit von ihrem Heim weg transportiert werden, nicht zu ihrem Schlag, ihrem Partner, ihrem Nachwuchs zurückkehren.(2) Sie stranden als heimatlose Tiere auf den Straßen fremder Städte, landen im Tierschutz oder sterben qualvoll: nur für ein menschliches Hobby!

Halter und Veranstalter kalkulieren diese „Verluste“ ein. Ihnen geht es nicht um die Tiere, sondern um Auszeichnungen und Preise.

Tradition rechtfertigt keine Tierquälerei! PETA Deutschland e.V. fordert ein Verbot der Taubenwettflüge.

Informieren Sie sich hier über die Undercover-Recherche von PETA USA über Taubenwettflüge in Großbritannien.

Erschöpfte Taube, vom Tierschutz aufgenommen und hier bereits deutlich erholt.
Perfide Methoden zur Leistungssteigerung
Für die Wettflüge nutzen Taubenhalter die Treue der Tiere aus – zu ihrem Heimatschlag, ihrem Partner und ihrem Nachwuchs. Je nach Strecke transportieren sie ihre Tiere Hunderte bis über Tausende Kilometer weit von ihrem Zuhause weg. Die Halter machen sich die Verzweiflung ihrer Tiere zunutze, möglichst schnell zurück in ihr Heim und zu ihren Familien fliegen zu wollen.

Damit die Tauben Höchstleistungen erbringen, die ihre Kräfte aber häufig übersteigen, wenden ihre Halter perfide Methoden an: Bei der „Witwermethode“ werden Taubenpaare voneinander getrennt. Diese Methode hat sich nach Angaben von Züchtern flächendeckend für das „‘normale‘ Flugprogramm“ durchgesetzt.(3) Der Kommentar zum Tierschutzgesetz aber lehnt „Reisen auf Witwerschaft“ wegen der offensichtlichen Überforderung ab.(4) Die „Nestmethode“ umschreibt die Trennung eines Elternteils vom Partner und dem bereits geschlüpften Nachwuchs.

Tauben zieht es in ihren Heimatschlag. Die treuen Vögel bleiben in der Regel ein Leben lang mit dem gleichen Partner zusammen, mit dem sie auch den Nachwuchs gemeinsam großziehen. Taubenwettflüge nutzen diese Gefühle skrupellos aus - zur Leistungssteigerung.

Erschöpfte Tauben lassen sich oft auf der Straße nieder und sind dem Straßenverkehr schutzlos ausgesetzt.
Ungezählte Tote – jedes Jahr
Hunderttausende Tauben sterben jedes Jahr einen qualvollen Tod auf den Wettflügen – durch Dehydration, Erschöpfung oder Verletzungen. Insider Dr. med vet. Warzecha findet in einem offenen Brief an den Präsidenten des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter e.V. klare Worte: Der Tierarzt spricht von „millionenfachem Elend“ und bezieht deutlich Position gegen die Tierquälereien: … „Wir alle sehen im eigenen Schlag die Tauben, die es gerade noch nach Hause geschafft haben – oft an Körper und Seele gebrochen.“

Erschöpfte Tauben sind vielen Gefahren ausgesetzt.
Doch auch heimgekehrte Tauben sind ihres Lebens nicht sicher: Das offizielle Zuchtziel des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter zielt auf körperliche Leistungsfähigkeit und die Erlangung von Spitzengeschwindigkeiten von 130 km/h ab.(5) Tiere, die diese Leistungen nicht erbringen können oder mangelnden Orientierungssinn zeigen, d. h. sich verflogen haben, werden von den Haltern getötet. Das Töten der ausgesonderten Tauben geschieht bei vollem Bewusstsein mittels Langziehen des Halses und Umdrehen des Kopfes und wird vom Züchter selbst durchgeführt. Dies ist mit dem Tierschutzrecht nicht vereinbar.

Taubenwettflüge sind kein romantischer Sport, sondern ein Hobby, das wenigen Menschen Freude bereitet – und das viele Tiere mit ihrem Leben bezahlen.

Viele Tauben sterben, weil sie in Strommasten fliegen.
Taubenwettflüge verstoßen gegen das Tierschutzgesetz
Mit Artikel 20a GG wurde dem ethischen Tierschutz im Jahr 2002 Verfassungsrang verliehen. In § 1 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) ist geregelt, dass niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Darüber hinaus ist es gem. § 3 Nr. 1 TierSchG verboten, „einem Tier außer in Notfällen Leistungen abzuverlangen, denen es wegen seines Zustandes offensichtlich nicht gewachsen ist oder die offensichtlich seine Kräfte übersteigen“. Sofern ein Tier ohne vernünftigen Grund getötet wird oder ihm erhebliche, länger andauernde Schmerzen oder Leiden zufügt werden, kann dies sogar den Straftatbestand des § 17 TierSchG erfüllen.

„Brieftaubensport“ – ein schützenswertes Kulturgut?
Es gibt keine „Brieftauben“ – dafür aber Tauben, die für Wettflüge gezüchtet und ausgebeutet werden. Zwar wurden die Vögel bereits vor Jahrtausenden als Boten genutzt, doch in der heutigen Zeit sind diese Botenflüge nicht mehr notwendig. Vielmehr ist das menschliche "Hobby", Tauben für Wettflüge auszubeuten, in keinster Weise zu rechtfertigen! Millionen Tauben werden als ‚Sportgeräte‘ missbraucht. Taubenwettflüge widersprechen dem Tierschutz und müssen verboten werden.

 

Was Sie tun können

Wenn es in Ihrer Gemeinde/Ihrer Stadt einen Brieftaubenverein gibt, dann beobachten Sie genau den Start der Wettflüge und bringen Sie Ihre Kritik öffentlich zum Ausdruck, zum Beispiel durch eine Demonstration.
  • Schreiben Sie einen Leserbrief.
  • Mit Ihrer Hilfe können wir die erbarmungslose Tradition des Brieftaubensportes, der die einfühlsamen und intelligenten Vögel zur Wegwerfware degradiert und sie buchstäblich in den Wind schlägt, beenden. Helfen Sie mit, damit nie wieder Tiere bei dem Versuch sterben müssen, zu ihren Lebenspartnern und Jungen zurückzufinden.
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    Quellen:
    (1) Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.: Tierschutz im Brieftaubensport. Merkblatt 121. Juli 2009, S. 3.
    (2) Von Taubenzüchtern werden Verlustraten von 10 Prozent angegeben. Aus: Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.: Tierschutz im Brieftaubensport. Merkblatt 121. Juli 2009, S. 13. In einer Studie „Beitrag zur Ermittlung von Kennzahlen zu Verlusten bei Wettflügen von Brieftauben (Untersuchungszeitraum: 2004-2008) vom April 2009“ kritisieren Dr. Warzecha und seine Kollegen den jährlichen Setzverlust von 931.475 Alttauben und Jährlingen (65%) und 793.532 Jungtauben (53%).
    (3) http://www.vogelforen.de/showthread.php?155300-Ich-brauche-einen-Rat-f%FCr-2008!!/page2 Zugriff am 26. März 2013
    (4) Hirt/Maisack/Moritz: Kommentar zum Tierschutzgesetz, 2. Auflage 2007, § 3 Rn7.
    (5) Gemäß den Zuchtzielen des Verbandes von 2007 sollen Eintagesstrecken bis zu 700 km bzw. Übernachtflüge mit einer an zwei Tagen zurückzulegenden Höchstentfernung von 1.300 km bewältigt werden. Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.: Tierschutz im Brieftaubensport. Merkblatt 121. Juli 2009, S. 4.