Berberaffen-Dame Daisy und ihr Artgenosse werden noch immer vom Circus Barus von einem Gastspielort zum nächsten transportiert. Der vor allem in Hessen gastierende Zirkusbetrieb ist offenbar der letzte in Deutschland, der noch Primaten mitführt (Stand 2026). [1] Zur Unterbringung stehen lediglich ein kleiner Lkw-Transporter als „Innengehege“ und eine umnetzte Fläche als „Außengehege“ zur Verfügung.
Wir von PETA Deutschland fordern die für die Tierhaltegenehmigung zuständige Veterinärbehörde auf, Circus Barus die Haltung der beiden Berberaffen zu untersagen und ihre Unterbringung in einer anerkannten, auf Primaten spezialisierten Auffangstation zu veranlassen. Außerdem muss Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer endlich ein bundesweites Verbot der Primatenhaltung in Zirkussen auf den Weg bringen.
Bitte unterstützen Sie jetzt unsere Petition und helfen Sie dabei, das Leid der letzten Affen auf deutscher Zirkustournee zu beenden.
Affen im Circus Barus: Ein Leben im Zirkuswagen
Berberaffen sind hochsoziale Primaten, die in Gruppen von 10 bis 100 Individuen leben. In freier Wildbahn verbringen sie ihren Tag mit der Nahrungssuche, Fellpflege und sozialen Interaktionen. Für Daisy und ihren Artgenossen besteht ihre Umgebung aus einem kleinen Transportwagen und einem winzigen Außengehege. Statt weitläufiger Lebensräume, wechselnden Sozialkontakten mit Artgenossen und artgemäßer Beschäftigung prägen Langeweile und Reizarmut ihren Alltag. Ein reisender Zirkusbetrieb kann die Bedürfnisse der Tiere grundsätzlich nicht erfüllen.
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Monotonie auf etwa 55 Quadratmetern
Gemäß dem „Säugetiergutachten“ des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) wird für Berberaffen ein Innengehege von mindestens 25 Quadratmetern sowie ein Außengehege von mindestens 33 Quadratmetern vorgegeben, mit je drei Metern Höhe. [2] Dieses soll über Rückzugs- und Klettermöglichkeiten, Ruheplätze und ein Badebecken verfügen. Doch selbst diese Vorgaben stellen lediglich Mindestanforderungen dar und können den komplexen sozialen und verhaltensbiologischen Bedürfnissen von Primaten kaum gerecht werden.
Bei einer Kontrolle der Stadt Offenbach wurde festgestellt, dass das Innengehege des Circus Barus lediglich etwa zehn Quadratmeter bei einer Höhe von 2,5 Metern umfasste und damit deutlich zu klein ist. Das Außengehege umfasste laut Angaben circa 45 Quadratmeter bei 3,5 Metern Höhe (Stand 2022). Einer Whistleblower-Meldung im Oktober 2022 und PETA vorliegenden Aufnahmen zufolge erschien der Außenbereich allerdings deutlich kleiner. Die Größe des Geheges wird von den zuständigen Veterinärbehörden dennoch nicht beanstandet.
Für die Tierhaltegenehmigung nach § 11 Tierschutzgesetz ist die Veterinärbehörde des Landkreises Dillingen an der Donau zuständig. Die Primatenhaltung wurde innerhalb von fünf Jahren lediglich siebenmal kontrolliert, wie ein Auskunftsersuchen durch PETA gemäß Umweltinformationsgesetz Bayern (BayUIG) ergab. [3]
Berberaffen als „PR-Masche“ und zum Betteln missbraucht
Nach aktuellem Stand (2026) treten die Affen nicht mehr in der Manege auf. Sie werden allerdings während der Pausen als Teil einer sogenannten „Tierschau“ präsentiert. Presseberichte, ein Social-Media-Beitrag und mehrere PETA vorliegende Whistleblower-Meldungen deuten darauf hin, dass ein Zirkusangehöriger einen Berberaffen auch außerhalb des Zirkusgeländes „spazieren“ führte. [4-7] Der Affe wurde – teilweise in ein Kostüm gezwängt – unter anderem in einem Restaurant, bei einem Immobilienbüro, einer Bäckerei und anderen Geschäften beobachtet. Offenbar sollte das Tier so Aufmerksamkeit für Gastspiele erzeugen und möglicherweise Passant:innen zu Geldspenden bewegen.
Nach Angaben der zuständigen Veterinärbehörde gab es hierzu Beschwerden und das Betteln mit Tieren wurde untersagt. Informationen über mögliche Sanktionen liegen jedoch nicht vor. [3]
Wiederkehrende Kritik an der Affenhaltung im Circus Barus
PETAs Chronik des Circus Barus zeigt, dass die Affenhaltungen – früher hielt der Zirkus neben Berberaffen auch Paviane – bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten Gegenstand behördlicher Kontrollen sowie von Beschwerden und Gerichtsverfahren sind. Beanstandet wurden unter anderem die Unterbringung und der Transport der Tiere – auch ein gerichtliches Urteil wegen vorsätzlichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gab es bereits.
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Missstände in der Affenhaltung des Circus Barus zwischen 2002 und 2021
- Zwischen 2002 und 2005 erwarb der Zirkus fünf Paviane vom Tiergarten Delitzsch. [8]
- 2005 ordnete das Veterinäramt Esslingen an, für die mitgeführten Paviane und Berberaffen ein Außengehege zu errichten. Die Auflage deutet darauf hin, dass die Tiere bis dahin offenbar ohne Außenkäfig mitgeführt wurden. [9]
- Ende 2007 dokumentierte PETA, dass die Paviane und Berberaffen über mindestens 75 Stunden in kleinen Verschlägen untergebracht waren. Nach Angaben des Zirkusdirektors erlitt die Paviandame Shakira nach einer Auseinandersetzung mit Artgenossen innere Verletzungen und musste daraufhin getötet werden. Zuvor war das verletzte Tier in einer Hundetransportbox isoliert gehalten worden. [10]
- 2008 teilte das zuständige Veterinäramt des Vogelsbergkreises mit, dass die damals vorhandenen Affengehege nicht den tierschutzrechtlichen Vorgaben entsprachen. [11]
- 2009 beantragte die Staatsanwaltschaft Stuttgart Strafbefehle gegen die beiden Zirkusverantwortlichen. Ihnen wurde unter anderem vorgeworfen, Affen während des Transports über mehrere Tage in dunklen und nicht strukturierten Containern gehalten zu haben. Zudem lag nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine gültige Erlaubnis zur Zurschaustellung der Affen vor. [12]
- Ebenfalls 2009 verurteilte das Amtsgericht Nürtingen die beiden Verantwortlichen wegen vorsätzlicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Das Urteil betraf die mehrtägige Haltung von sieben Affen während eines Transports im Dezember 2007. [13]
- Bei veterinärbehördlichen Kontrollen im Jahr 2020 wurden Mängel im Gehege der Berberaffen festgestellt. Nach Angaben der Stadt Offenbach fehlten ausreichende Strukturierungsmaßnahmen und Rückzugsmöglichkeiten. 2021 stellte die Behörde erneut fest, dass das Affengehege nicht ausreichend strukturiert war. Die Mängel wurden jeweils nach entsprechender Anordnung beseitigt. [14]
Diese wiederkehrenden Missstände zeigen ein grundlegendes Problem: Die Haltung von Primaten im reisenden Zirkus kann ihren Bedürfnissen nicht gerecht werden.
Affen gehören nicht in den Zirkus
Sogar aus der für die Primatenhaltung erteilten Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz, die PETA vorliegt, geht eine deutliche behördliche Einschätzung hervor:
„Mit Affen kann im Zirkus nur gearbeitet werden, wenn sie zuvor auf den Menschen fehlgeprägt wurden. Ältere Affen entwickeln dadurch bedingt vermehrt massive Verhaltensstörungen bzw. werden oftmals aggressiv und unverträglich.“ [3]
Berberaffe Daisy und ihr Artgenosse verbringen ihr Leben auf engstem Raum und an ständig wechselnden Standorten. Primaten zählen zu den intelligentesten Tieren überhaupt. Sie benötigen komplexe soziale Beziehungen, vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten und ausreichend Platz zum Klettern und Bewegen. All das kann ein reisender Zirkusbetrieb nicht bieten.
Helfen Sie, die Affenhaltung in Zirkussen zu beenden
Bitte besuchen Sie niemals einen Zirkus, in dem Tiere auftreten müssen – denn mit Ihrer Eintrittskarte zahlen Sie stets für Gewalt und Ausbeutung. Immer mehr europäische Länder haben die Haltung von Wildtieren im Zirkus bereits eingeschränkt oder verboten. Deutschland hinkt dieser Entwicklung noch immer hinterher. Bitte unterstützen Sie jetzt unsere Petition und helfen Sie dabei, das Leid der Affen im Zirkus zu beenden.
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Quellen
[1] OP-Online.de (13.10.2022): „Ein Tier darf sich auf keinen Fall wehtun“, https://www.op-online.de/region/rodgau/ein-tier-darf-sich-auf-keinen-fall-wehtun-91846819.html (eingesehen am 30.06.2026)
[2] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2014): Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren, https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Tiere/Tierschutz/HaltungSaeugetiere.pdf?__blob=publicationFile&v=7 (eingesehen am 30.06.2026)
[3] Beantwortung einer Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz Bayern (BayUIG) beim Landratsamt Dillingen a.d. Donau liegt PETA vor.
[4] https://www.fnp.de/frankfurt/nordend-glaub-mich-laust-affe-10404674.htmlOsthessen-News.de (13.06.2025): Herr Nilsson auf Abwegen! Tierischer Besuch in der Kult-Pizzeria „Tomate“, https://m.osthessen-news.de/n11777677/herr-nilsson-auf-umwegen-tierischer-besuch-in-der-kult-pizzeria-tomate.html (eingesehen am 30.06.2026)
[5] Frankfurter Neue Presse (29.10.2018): Nordend: Ich glaub?, mich laust ein Affe, https://www.fnp.de/frankfurt/nordend-glaub-mich-laust-affe-10404674.html (eingesehen am 30.06.2026)
[6] Engel & Völkers Wiesbaden (05.09.2022): Affenstarker Besuch, https://www.facebook.com/watch/?v=820588495767943 (eingesehen am 30.06.2026)
[7] Mehrere Whistleblower-Meldungen liegen PETA vor.
[8] Recherchen von PETA mit Bestätigung des Tiergartens Delitzsch
[9] Esslinger Zeitung vom 13.04.2005 sowie Auskunft des Veterinäramt Esslingen
[10] Beobachtungen von PETA und mündliche Mitteilung der Gemeinde Unterboihingen
[11] Mündliche Mitteilung des Veterinäramt Vogelbergkreis
[12] Staatsanwaltschaft Stuttgart (Az. 172 Js 114444/08)
[13] Amtsgericht Nürtingen (Az. 16 Cs 172 Js 114444/08)
[14] Auskunft des Amts für Veterinärwesen und Verbraucherschutz der Stadt Offenbach am Main liegt PETA vor.