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„Die Hundemafia“: Interview mit Jana Hoger zur neuen Joyn-Doku

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Schon seit vielen Jahren arbeiten wir von PETA Deutschland mit unserem Projekt PETA HELPS ROMANIA , um notleidenden Tieren in Rumänien nachhaltig zu helfen. Influencer Nathan Goldblat und unsere Mitarbeiterin Jana Hoger waren zusammen mit Joyn und ProSieben vor Ort und haben die Dokumentation „Die Hundemafia“ aufgenommen. Diese zeigt, wie Hunde in rumänischen Tötungsstationen leiden und welche mafiösen Strukturen dahinterstecken. „Die Hundemafia“ ist seit dem 8. April 2026 auf Joyn und am 15. April auf ProSieben zu sehen.  

Im Interview erklärt PETA-Fachreferentin Jana Hoger, wie Rumänien mit „Straßenhunden“ umgeht, was die EU mit der Finanzierung von Tötungsstationen zu tun hat und welche aktuellen Entwicklungen es in Rumänien gibt.

Jana, wofür setzt du dich gemeinsam mit PETA in Rumänien konkret ein?

Jana: Rumänien hat einen besonders qualvollen und inhumanen Weg gewählt, das Thema „Straßenhunde“ zu regulieren. Nach einem zweifelhaften „Beißvorfall“ wurde per Gesetz ein System etabliert, welches Hundefänger:innen erlaubt, Hunde einzufangen, in Tötungsstationen für eine Frist von zwei Wochen unterzubringen und dann auf meist qualvolle Weise zu töten. Ein inakzeptables System, welches von massiver Tierquälerei durchzogen ist – und ein System, das in der Realität nachweislich auch nicht funktioniert, aber dennoch weiter fortgesetzt wird, weil sich damit sehr viel Geld im Land verdienen lässt. Für die betroffenen Lebewesen bedeutet es die Hölle auf Erden.      

Welche anderen, weniger qualvollen Möglichkeiten als das Fangen und Töten der Tiere gäbe es?   

Jana: Es ist nachgewiesen, dass die einzige humane und nachhaltige Alternative die Umsetzung von flächendeckenden Kastrationen ist. So würde sich das „Problem“ der heimatlosen Hunde innerhalb von wenigen Jahren auf humane und sehr tierfreundliche Weise lösen.     

Die Hunde werden nicht richtig verpflegt und Wunden werden nicht versorgt.

Warum wird das nicht umgesetzt?    

Jana: Diese Alternative wird nicht umgesetzt, weil sich in Rumänien ein sehr lukratives Geschäftsmodell etabliert hat, mit welchem unfassbare Summen verdient werden. Wir müssen hierbei schon von mafiösen Strukturen sprechen, die auf massivem Tierleid beruhen.      

Von welchen Summen sprechen wir hier?  

Jana: Betreiber von sogenannten Tierheimen erhalten für das sogenannte Hundemanagement zwischen 200 und 400 Euro. Pro Hund! Das ist eine Addition unterschiedlicher Pauschalen, die dafür vom Staat bereitgestellt werden. Zum Beispiel einfangen, kastrieren, Nahrung, medizinische Basisversorgung. Das Geld wird abgerechnet, aber nicht für die Hunde ausgegeben – so werden viele Menschen vor Ort sehr wohlhabend. Über eine Milliarde Euro an öffentlichen Geldern wurde für dieses grausame System zwischen 2001 und 2025 ausgegeben. Das betrifft staatliche Tierheime ebenso wie Tierheime von Unternehmern, die einzig und allein ein Geschäftsmodell sind – in dem Hunde leiden und elendig sterben.     

Ein ganz junger Welpe wird in den Händen gehalten, im Hintergrund ein winterlicher Wald.
Auch viele Welpen leiden im System der Hundemafia.

Wie wird dieses System finanziert?    

Jana: Das Geld fließt meist aus städtischen Etats – somit aus öffentlichen Geldern. Woher die Mittel im Detail stammen, ist oft ungewiss. Als EU-Mitgliedsstaat erhält Rumänien zweckgebundene und nicht zweckgebundene Subventionen für verschiedenste Bereiche. Ein großer Teil dieser Gelder fließt unter anderem auch in Straßenbau und Abfallwirtschaft, wozu das sogenannte Stray-Dog-Management zählt – also das Einfangen und gegebenenfalls Töten von Hunden in städtischen Einrichtungen und in Einrichtungen von Unternehmen, die Verträge mit den Gemeinden darüber abgeschlossen haben. Somit unterstützt die EU, wenn auch nicht direkt, den verabscheuungswürdigen Umgang Rumäniens mit seinen Hunden und das massive Leid der Tiere.    

Wer sind die Betreiber:innen der Tötungsstationen? 

Jana: Hinter den Hundetötungsstationen in Rumänien stehen vor allem kommunale Behörden, also Städte und Gemeinden, die gesetzlich dafür zuständig sind. Das Hundemanagement wird in den Städten und Gemeinden im Rahmen des „Straßen- und Abfallmanagements“ organisiert. Mittlerweile hat sich aber auch ein System aus privaten Firmen etabliert, die teilweise illegale Verträge mit Städten und Gemeinden abschließen, Hunde einfangen und über Hunderte Kilometer durchs Land transportieren, um sie dann in Tötungsstationen unterzubringen.    

Aufgrund der Strukturen müssen wir mittlerweile von einer „Hundemafia“ sprechen. Dieses Netzwerk aus kommunalen Auftraggebern, Unternehmen als Betreibern von sogenannten Tierheimen und Subunternehmern profitiert finanziell vom Einfangen und Töten von Straßenhunden. Hierbei stehen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Kontrolle sowie Transparenz fehlen meist gänzlich. Wichtig zu wissen ist, dass eben diese Unternehmen Hunde nicht töten dürfen – es aber nachweislich machen. Das ist eine Straftat und Rumänien geht dem endlich nach.   

Ein stark abgemagerter Hund schläft eingekauert in einer Wanne.
Die Hunde sind stark abgemagert und resignieren.

 Was tut die rumänische Regierung dafür, dass Tierschutzstandards eingehalten und die Gelder tatsächlich so eingesetzt werden, wie sie vorgesehen sind?   

Jana: Die rumänische Regierung hat formal Regelungen geschaffen, um Tierschutzstandards einzuhalten. Es gibt Gesetze zur Registrierung, Kennzeichnung und Kastration von Hunden sowie Vorgaben für den Betrieb öffentlicher Tierheime. In der Theorie sind die Gesetze gut – aber sie werden nicht eingehalten.  

Warum ist das so? Zuständig für die Kontrolle ist die nationale Veterinärbehörde. In der Praxis läuft jedoch vieles schief. Kontrollen finden häufig gar nicht oder nur unregelmäßig statt und nach Ankündigung. Sanktionen werden selten konsequent durchgesetzt und die Verwendung öffentlicher Gelder ist wenig transparent. Kommunen und private Betreiber werden kaum effektiv überprüft – trotz etlicher Meldungen und Nachweisen zu massiven Missständen in den vergangenen Jahren. Und es bestehen aufgrund des etablierten Systems finanzielle Fehlanreize, die das Einfangen und Töten von Hunden begünstigen, statt nachhaltige Lösungen zu fördern.    

Was muss aus deiner Sicht passieren, damit die EU tätig wird?   

Jana: Derzeit sind Themen wie der Umgang mit heimatlosen Hunden in erster Linie „Ländersache“. Die EU hat bislang keine spezifische, verbindliche Regelung für das Management sogenannter Straßenhunde – bzw. sie darf nicht eingreifen, selbst wenn Nachweise über Tierquälerei vorliegen. Damit sich für die Hunde in Rumänien dauerhaft etwas ändert, bräuchte es EU-weite Richtlinien mit klaren Tierschutzstandards. EU-Fördergelder müssten stärker an tierschutzgerechte Maßnahmen gebunden sein.  

Letztlich braucht es politischen Druck, sowohl auf EU-Ebene, aber in erster Linie auch in Rumänien selbst, um das massive Leid der Hunde endlich zu stoppen. Denn die Veränderung kann und muss in Rumänien passieren – aber es ist wichtig für Rumänien zu sehen, dass die EU das Thema vorliegen hat, ob sie nun handeln kann oder nicht.   

Das Team setzt sich unermüdlich für die Tiere ein und befreit sie aus Tötungsstationen.

Warum unternimmt die EU nicht mehr?   

Jana: Das Leid der Hunde in Rumänien ist der EU seit Jahren bekannt. Doch nach wie vor gilt das Hundemanagement als Ländersache. Rumänien wurde bereits bezüglich seines Umgangs mit den Hunden ermahnt. Realistisch betrachtet, müsste die EU ihre eigenen rechtlichen Vorgaben verändern, um handeln zu können. Das ist ein langer und weiter Weg – wenn er eingeschlagen werden würde. Diese Zeit haben die Hunde in Rumänien nicht, sie leiden jetzt. Rumänien selbst hat alle Möglichkeiten zur Veränderung – und es ist an der Zeit, verstärkt für ethische Veränderung zu kämpfen.   

Wie gehen andere Staaten, die ähnliche Probleme mit Straßenhunden haben, damit um?   

Jana: Es gibt etliche Länder, die einen tierfreundlicheren Weg eingeschlagen haben. Darunter beispielsweise Portugal, wo seit 2018 die Tötung gesunder Tiere in öffentlichen Tierheimen verboten ist. Stattdessen wurden staatlich bezuschusste Kastrationsprogramme gefördert. Auch in Italien gibt es ein derartiges Verbot. Das zeigt uns deutlich, dass es möglich ist, humane und nachhaltige Lösungen zu finden, wenn politischer Wille und eine konsequente Umsetzung dahinterstecken.   

Zuletzt kam Bewegung in die Angelegenheit. Was passiert gerade in Rumänien?   

Jana: In Rumänien beobachten wir, dass derzeit ein großer Wandel geschieht. Ein Wandel für die Hunde, der zeigt, dass nicht länger weggesehen werden kann. Die Stimmen für die Hunde in der Öffentlichkeit sind laut und zeigen: Gemeinsam können wir die Veränderung für die Tiere sein. In mehreren privaten Tierheimen in Rumänien – darunter Vetmedan, Heremy SRL und IVETS – wurden erschütternde Missstände aufgedeckt. Hunde waren tagelang ohne Wasser und Nahrung eingesperrt, viele von ihnen standen grausamen und illegalen Tötungsmethoden gegenüber. Die Einrichtungen sollen systematisch Tiere misshandelt und entgegen geltendem Recht getötet haben. 

Am vergangenen Donnerstag rückten Behörden und Polizei an, durchsuchten die Tierheime, sicherten Beweise und leiteten strafrechtliche Ermittlungen ein. Die rumänische Presse berichtete ausführlich über die schockierenden Zustände, die im ganzen Land Empörung ausgelöst haben. Auch Gemeinden und veterinärbehördliche Stellen, die illegale Verträge unterstützt haben sollen, stehen nun im Fokus.  

Erste Tierheime wurden bereits geschlossen. Aber das ist erst der Anfang! Denn nun ist die Frage offen, wer ca. 1.200 Hunde von diesen grausamen Orten gut versorgen kann – Rumänien selbst hat angegeben, etwas über 240 Hunde davon als mitverantwortlich zu tragen. Und der Rest? Solche Themen müssen jetzt vor Ort gemanagt werden – damit die Hunde nicht noch mehr leiden. Nicht zu vergessen: In mehr als 130 öffentlichen Tierheimen herrschen zumeist auch verheerende Zustände, die keinen Deut besser sind als in denen, die jetzt von der Polizei geschlossen wurden.     

Welchen Anteil an den aktuellen Entwicklungen haben unsere Arbeiten vor Ort während des Drehs an der Dokumentation? 

Jana: Wir von PETA arbeiten gemeinsam mit unserem Partner Eduxanima und der nationalen Tierschutzorganisation FNPA seit vielen Jahren eng an dem Thema. Dokumentieren Missstände, Tierquälerei und die illegalen Aktivitäten und erstatten Strafanzeigen. Die aktuellen Entwicklungen stehen jedoch auch in sehr klarem Zusammenhang mit dem Dreh vor Ort. Denn ohne das Videomaterial, welches uns erreicht hat, wäre ein derartiger, enorm großer und historischer Schritt noch lange nicht geschehen.  

Rumänien musste sehen – nicht nur in Worten hören, was in den Hundetötungsunternehmen wirklich passiert. Die Bilder aus dem Shelter VetMedan sind so rau, brutal und gegen das Gesetz – sie haben die Rumän:innen wütend gemacht. Denn die meisten Rumän:innen lieben Tiere und sind natürlich absolut dagegen, dass öffentliche Gelder für diese nun nachgewiesene Quälerei ausgegeben werden. Vereinte Kräfte verändern die Situation für Hunde in Rumänien – nicht heute, nicht morgen, aber Schritt für Schritt in die richtige Richtung. Das ist so viel Arbeit, das schaffen nur ganz viele Menschen und Organisationen zusammen! 

Jana Hoger im einem Dorf mit Restschnee auf den Wiesen, einem Drehteam von Pro7 und 2 anderen Helfern.
Zusammen mit dem Drehteam von Pro7 klärt das Team über das Leider der Tiere auf.

Helfen Sie Tieren in Not in Rumänien  

Es ist wichtig, nicht wegzusehen, wenn Tiere leiden. Schauen Sie sich deshalb die Dokumentation „Die Hundemafia“ auf Joyn oder am 15. April 2026 auf ProSieben an. Unterstützen Sie unsere Arbeit in Rumänien. Nur mit Ihrer Hilfe kann weiteren Tieren geholfen werden – durch Kastrationen, medizinische Hilfe und politische Arbeit.