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Regio Schlachthof Mannheim: Verletzte Schweine und Hitzetransporte

Nachdem wir von PETA Deutschland im Sommer 2020 den Regio Schlachthof in Mannheim in Form einer Protest-Aktion kritisierten und schärfere Kontrollen forderten, versuchte nun Geschäftsführer Michael Hocker, unsere Kritik zu widerlegen. So sprach er in einem Medienbericht von „hoch angesetztem Tierschutz“. [1] Doch Videoaufnahmen von Ende August 2020 zeigen, dass verletzte Tiere beim Schlachthof ankommen und diese in der Hitze auf den Transportern ausharren müssen, bevor sie getötet werden.

Video zeigt Tiertransporte bei 30 Grad

Im Interview behauptete Hocker, die Schweine würden zwischen 3 und 4 Uhr nachts im Schlachthof angeliefert, um die Tiere vor der Tageshitze zu schützen. Eine Aktivistin, die regelmäßig vor dem Schlachthof demonstriert, konnte jedoch Videoaufnahmen von ankommenden Tiertransporten machen. Darauf ist zu sehen, dass selbst mitten im August bis 11 Uhr Schweine angeliefert wurden – zu diesem Zeitpunkt betrug die Außentemperatur bereits 30 Grad Celsius. Auf den Aufnahmen ist ein hechelndes Schwein zu beobachten. Schweine können ihre Körpertemperatur genau wie Hunde hauptsächlich über das Hecheln ausgleichen.


Würden die rechtlichen Vorgaben der Tierschutztransportverordnung eingehalten, dann dürften bei 30 Grad oder mehr auf der Ladefläche keine Tiertransporte mehr rollen. [2] Auf den Transportfahrzeugen, die meist über keine Klimaanlagen verfügen, kann es bei direkter Sonneneinstrahlung – insbesondere während der Standzeiten – zu Temperaturen bis zu 50 Grad oder mehr kommen. Viele Tiere sterben daher schon während der Fahrt.

Schweine mit tiefen, blutigen Kratzern

Auf dem Videomaterial sind verängstigte Schweine auf den Transportern vor dem Regio Schlachthof zu sehen, deren Haut mit zahlreichen tiefen und blutigen Kratzern überzogen war. Wäre der Tierschutz in dem Schlachtbetrieb wirklich so hoch angesetzt, wie der Geschäftsführer behauptete, dürften verletzte Tiere gar nicht zur Tötung angenommen werden.

PETA fordert erneut stärkere Kontrollen

Wir fordern erneut Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz auf, die Tierschutz- und Hygienebestimmungen im Regio Schlachthof gründlich prüfen zu lassen und stärkere Kontrollen durchzuführen.

„Schlachthöfe wie der in Mannheim sind für die Tiere ein Ort der Angst, des Schmerzes und der Hoffnungslosigkeit. Auch Menschen leiden meist unter den miserablen Bedingungen und der systematischen Ausbeutung. Geschäftsführer Hocker versucht, sich die Situation im Regio Schlachthof Mannheim schönzureden, doch mit seinen Aussagen entlarvt er sich selbst.“

Lisa Kainz, PETA Deutschland

Schlachthöfe: Tödlich für Menschen und Tiere

Immer wieder gerieten die entwürdigenden Arbeitsbedingungen der Arbeiter sowie das Leid der Tiere in den Schlachthöfen ins Blickfeld der Öffentlichkeit. In vielen Schlachthöfen wie beispielsweise Tönnies gab es unzählige Menschen, die sich aufgrund der Arbeits- und Lebensbedingungen mit Corona infizierten. So haben sich einige Schlachthöfe zu wahren Corona-Hotspots entwickelt.

Die WHO benannte bereits 2004 die steigende Nachfrage nach tierischen Produkten wie Fleisch, Milch und Eiern als Hauptursache für die Entstehung von Zoonosen [3]. Zu diesen Zoonosen zählen die Vogelgrippe, die SARS-Pandemie, Ebola und auch COVID-19. Eine neue Studie hat gezeigt, wie gefährlich Fleischkonsum im Hinblick auf COVID-19 ist: Forscher konnten selbst auf gekühltem Fleisch noch nach drei Wochen Corona-Viren nachweisen.

Was Sie tun können

Helfen Sie, das Leid der Menschen und Tiere in Schlachthöfen zu beenden, indem Sie sich vegan ernähren. Gerne helfen wir Ihnen beim Einstieg mit unserem kostenlosen Veganstart-Programm: Einfach anmelden und Sie erhalten 30 Tage lang nützliche Tipps und Infos rund um das vegane Leben sowie leckere Rezepte zugesendet.



[1] Rhein-Neckar-Zeitung (18.08.2020): Schlachthof wehrt sich gegen Peta-Vorwürfe, https://www.rnz.de/nachrichten/metropolregion_artikel,-mannheim-schlachthof-wehrt-sich-gegen-peta-vorwuerfe-_arid,535842.html, (eingesehen am 26.08.2020)
[2] Amtsblatt der Europäischen Union (22.12.2014): VERORDNUNG (EG) Nr. 1/2005 DES RATES über den Schutz von Tieren beim Transport und damit zusammenhängenden Vorgängen sowie zur Änderung der Richtlinien 64/432/EWG und 93/119/EG und der Verordnung (EG) Nr. 1255/97, https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32005R0001&from=DE, (eingesehen am 26.08.2020)
[3] WHO/FAO/OIE (2004): Report of the WHO/FAO/OIE joint consultation on emerging zoonotic diseases. Online abrufbar unter: https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/68899/WHO_CDS_CPE_ZFK_2004.9.pdf?fbclid=IwAR2ha8hDMHV8gDJYEadsk7-lxLS84Z3kSlq3E4-zG5kaWUh1Xc5vgJhTsJ4, (eingesehen am 26.08.2020)
[4] Fisher, D; Reilly, A., Kang Eng Zheng, A.; Cook, A. R.; Anderson, D. E. (18.08.2020): Seeding of outbreaks of Covid-19 by contaminated fresh and frozen food, https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.08.17.255166v1.full, (eingesehen am 26.08.2020)

Unsere Autoren

Friederike Huth

setzt sich als Editor und Coordinator im Online Marketing für die Rechte der Tiere ein.