Bruderhahn-Initiative: Verbrauchertäuschung in der Eierindustrie

In Deutschland werden jedes Jahr rund 50 Millionen männliche Küken vergast. Die Aufzucht der Tiere lohnt sich für die Geflügelindustrie nicht, denn männliche Küken legen keine Eier. Verglichen mit Tieren aus speziellen „Mastlinien“ setzen sie in den Augen der Branche zudem nicht schnell genug Fleisch an.

Nun wurde beschlossen, dass das Kükentöten ab 2022 schrittweise verboten werden soll. Das Geschlecht des Kükenembryos wird dann bereits im Ei geprüft und männliche Embryonen werden bis zu einem bestimmten Bruttag aussortiert und vernichtet. Doch damit ist das Problem nicht gelöst, denn die Küken werden auch mit dieser Methode getötet – nur eben schon vor dem Schlupf im Ei. Die neue Regelung ist alles andere als ein bahnbrechender Fortschritt für den Tierschutz, wie Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner stolz behauptet.

Das kurze Leben der Brüder

Bruderhahn-Projekte, wie die Bruderhahn Initiative Deutschland (BID), haennlein oder Spitz und Bube, werben damit, eine tierfreundliche Alternative zum Töten männlicher Küken zu bieten. Unter dem Motto „Rette meinen Bruder“ rühmt sich die Bruderhahn-Initiative damit, das nutzlose Töten zu beenden – doch das ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich wird der Tod der Tiere nur herausgezögert, denn Bruderhahn-Partner mästen die Tiere, um sie nach etwa fünf bis sieben Monaten zu töten. Nicht selten werden Hunderte oder gar Tausende Tiere in einem Stall aufgezogen, was für die Tiere ein Leben unter enormem Stress bedeutet.

Hühner hinter Gittern eingesperrt

Der Begriff „Bruderhahn“ erweckt den Eindruck von Fürsorge und trauter Familienidylle. Doch die Realität sieht gänzlich anders aus, denn die Brüder der Hennen werden schon nach wenigen Monaten getötet. Der Verbraucher hingegen ist der Auffassung, dem „Bruderhahn“ das Leben zu schenken – eine perfide Art der Verbrauchertäuschung. Verschiedenen Berichten zufolge werden „Bruderhähne“ teilweise sogar schon im Alter von neun Wochen zum Schlachthaus transportiert. [1] Dort werden sie zur Betäubung bei vollem Bewusstsein an den empfindlichen Füßen aufgehängt und anschließend kopfüber in ein stromführendes Wasserbad getaucht. Bei einer alternativen Methode werden die Tiere mit einem schleimhautreizenden Gas betäubt, das Erstickungserscheinungen verursacht.

Abgesehen von der Verbrauchertäuschung stellt die Initiative auch keine flächendeckende Lösung dar, denn nur ein Bruchteil der in Deutschland verzehrten Eier stammt aus Bruderhahn-Projekten. Insgesamt werden Bruderhähne bundesweit nur in einer Handvoll Betriebe gemästet. Die Kampagne ist also nicht mehr als ein Feigenblatt für die millionenschwere, auf Profit ausgerichtete deutsche Eierindustrie.

Das Zweinutzungshuhn als Lösungsvorschlag

Auch das als Alternative angepriesene sogenannte Zweinutzungshuhn „Lohmann Dual“ legt zuchtbedingt bis zu 250 Eier im Jahr. [2] Diese immer noch unnatürlich hohe „Legeleistung“ kann bei den Tieren zu gesundheitlichen Problemen wie Abmagerung, Legedarmentzündungen und Knochenbrüchen führen. Zum Vergleich: Hennen des Bankivahuhns, der vermuteten Urform der heutigen Züchtungen, legen bei einer Lebenserwartung von etwa zehn Jahren nur etwa 20 bis 30 Eier im Jahr – und das, wie jeder andere Vogel auch, zur Fortpflanzung. [3] Auch mit der Zucht des Zweinutzungshuhns erfüllt die Eierindustrie den Wunsch des Verbrauchers nach mehr Tierschutz nicht, sondern fördert damit weiterhin Tierleid.

Verletzte Hühner und eine entzündete Kloake eines Huhnes

Markt oder Moral?

Die Bruderhahn-Initiative manipuliert das Gewissen der Verbraucher – und der zusätzliche Umsatz durch den Aufpreis für die Eier wird investiert, um die männlichen Küken zu mästen, zu töten und so an ihrem Fleisch zu verdienen. Auch „4 Cent für die Ethik“ ändern nichts an einem System, in dem sensible und intelligente Hühner ausgebeutet und getötet werden.

Marketingkonzepte wie die Bruderhahn-Initiative gaukeln Verbrauchern vor, es gäbe „ethisch produzierte Eier“. Das ist jedoch ein Irrglaube, der zudem von der wahrhaft tierfreundlichen Lösung ablenkt – einer rein pflanzlichen Ernährung. Es ist so einfach, Hühner effektiv und nachhaltig zu schützen: Wir können beim Kochen und Backen auf eine Vielzahl an veganen Alternativen zurückgreifen, wie etwa Rührtofu. Vegane Bindemittel zum Backen sind cholesterinfrei und tierfreundlich – im Gegensatz zu dem halb garen Kompromiss auf dem Rücken der Tiere, wie ihn die Bruderhahn-Initiative darstellt. Aus den genannten Gründen wurde „Bruderhahn“ übrigens zum PETA-Unwort des Jahres 2016 gewählt.

Was Sie tun können

Eier sind Qualprodukte – egal, aus welcher Haltungsform sie stammen oder welches Label sie tragen. Machen Sie sich eifrei –denn nur so helfen Sie den Hühnern in der Eierindustrie konsequent und nachhaltig.  Dass dies auch ohne geschmackliche Einbußen möglich ist, zeigen zahlreiche pflanzliche Alternativen, mit denen sich das Hühnerei beim Kochen oder Backen problemlos ersetzen lässt.

Das kostenlose und unverbindliche Veganstart-Programm unterstützt Sie mit nützlichen Infos und leckeren Rezepten beim mühelosen Einstieg in die vegane Lebensweise – melden Sie sich am besten gleich heute an!