Falknerei: Greifvögel für die Beizjagd eingesperrt und gequält

Falken sind die schnellsten Greifvögel [1] – ihr langer Schwanz und die spitzen Flügel ermöglichen ihnen Sturzflüge mit Geschwindigkeiten bis zu 360 Kilometern pro Stunde. [2] Das Jagdrevier des Turmfalken umfasst beispielsweise 200 Hektar. [3] Doch viele Falken können ihren natürlichen Instinkten nicht nachgehen, denn sie verbringen einen Großteil ihres Lebens eingesperrt und an Fußfesseln festgebunden in Falknereien. Falkner sind Hobbyjäger, die Greifvögel wie Falken, Habichte oder Bussarde einsperren und hungern lassen, um sie bei der Beizjagd auf andere Wildtiere zu hetzen. Auf Mittelaltermärkten und in Freizeitparks werden neben Greifvögeln auch Eulen bei Flugvorführungen zur Schau gestellt und zu Unterhaltungszwecken missbraucht.

Falknereien: Ein Leben voller Leid und Entbehrung

In Falknereien ist die sogenannte Anbindehaltung eine gängige Haltungsform. Dabei verbringen die Tiere beinahe ihr ganzes Leben an den Füßen angebunden auf einem Holzpflock. Wenn sie versuchen zu fliegen, werden sie von der ein bis zwei Meter langen Lederschnur zurückgerissen.  Den geltenden Richtlinien zur Haltung von Greifvögeln und Eulen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zufolge ist momentan zulässig, den Vögeln nur jeden zweiten Tag Freiflug zu gewähren. [4] In Volieren sind die Tiere ebenfalls massiv in ihrem natürlichen Flugverhalten eingeschränkt. Wenn die Tiere in Panik geraten, bergen – vor allem sehr große – Volieren ein enormes Verletzungsrisiko: Die Vögel erreichen bereits auf kürzeren Strecken sehr hohe Geschwindigkeiten, sodass oft schwere Verletzungen oder sogar Todesfälle die Folge von Panikreaktionen sind. [5] Um die Greifvögel ruhigzustellen, nehmen die Falkner den Tieren oftmals zeitweilig visuelle Reize, indem sie ihnen die Augen mit einer Haube verdecken.

Greifvögel in der Beizjagd als Waffen missbraucht

In Freiheit jagen Greifvögel, um zu überleben – in der Falknerei werden sie zu Waffen degradiert und zum Töten missbraucht. Meist werden die Greifvögel bereits als Jungtiere auf den Menschen fehlgeprägt und von den Falknern abgerichtet: Dadurch werden die Wildtiere abhängig und gefügig gemacht, sodass sie immer wieder zu ihren Peinigern zurückkehren. Um die Beutefangbereitschaft und Heimkehr der Vögel sicherzustellen, entziehen die Falkner ihnen Nahrung. [6] Bei der Jagd hetzt der Jäger die Vögel dann auf Tiere wie Hasen, Kaninchen, Tauben oder Füchse. Wenn die Greifvögel Beutetiere ergreifen und verwunden, sterben diese häufig einen langsamen und schmerzhaften Tod. Denn die unnatürlichen Haltungsbedingungen in Gefangenschaft und der Nahrungsentzug können die körperliche Fitness, die Schärfe der Krallen und Schnäbel bei Beizvögeln verändern, [7] sodass ihr physischer Zustand erheblich von freilebenden Artgenossen abweicht. Falkner richten Greifvögel außerdem auch auf Tiere ab, die normalerweise nicht zu ihrem Beutespektrum zählen, zum Beispiel auf Füchse. Wenn Beutetiere zu groß sind, fällt den Vögeln die Jagd schwerer und der Tötungsprozess verlängert sich.  

Für die Jagd – ob mit Greifvögeln oder Gewehr – besteht ohnehin keine Notwendigkeit: Tierpopulationen regulieren sich aufgrund von Nahrungsverfügbarkeit, Sozialgefüge und Krankheiten selbst. Die Jagd hingegen zerstört dieses natürliche Gleichgewicht und bedingt ein Anwachsen der Tierpopulationen. [8, 9, 10, 11]

Die Beizjagd verstößt gegen das Tierschutzgesetz

Nach Paragraf 3 Nummer 8 des Tierschutzgesetzes ist es verboten, ein Tier auf ein anderes zu hetzen, soweit die Grundsätze weidgerechter Jagdausübung dies nicht erfordern – die Beizjagd ist weder notwendig noch weidgerecht. Im Gegenteil: Sie geht mit vermeidbarem erheblichem Leid für die Tiere einher; sowohl für die Greifvögel selbst als auch für die Beutetiere, auf die sie von den Jägern gehetzt werden. Gemäß Paragraf 2 des Tierschutzgesetzes muss ein Tier zudem seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden [12] – in der Falknerei sind Greifvögel dauerhaft in ihrem natürlichen Flugverhalten eingeschränkt oder es wird ihnen gänzlich verwehrt; ihnen wird Nahrung vorenthalten und ihr Körpergewicht erheblich reduziert. Eine Unterbringung von Vögeln in Gefangenschaft, bei der sie ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen können, ist nicht möglich – Greifvögel gehören in die Freiheit.

 „Tradition“ darf niemals Folter rechtfertigen

Die Falknerei gilt seit 2014 als immaterielles Kulturerbe, da sie bis ins Mittelalter zurückreicht und sich bis heute nicht wesentlich verändert hat; damit ist die Falknerei eine der ältesten ausbeuterischen Beziehungen zwischen Mensch und Tier. Mittlerweile ist jedoch gesellschaftlich anerkannt, dass Tiere fühlende Lebewesen sind, die Schmerz und Leid empfinden, weshalb sie unter anderem durch das Tierschutzgesetz geschützt sind. In einer modernen Gesellschaft mit moralischen Grundsätzen ist Tierquälerei in dieser und keiner anderen Form zu rechtfertigen.

Was Sie tun können

  • Bitte besuchen Sie keine Tierparks, Wildtierparks oder Greifvogelparks: Tiere sind nicht dazu da, uns zu unterhalten.
  • Sollten Sie einen verletzten Greifvogel finden, notieren Sie sich bitte in jedem Fall den genauen Fundort des Tiers. Suchen Sie möglichst immer im Internet nach der richtigen Anlaufstelle in Ihrer Region.