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Tierversuche beenden: Bundesregierung blockiert Tierschutz

Bild rechts: © VICE

„Langfristiges Ziel: Tierversuche komplett ersetzen“ [1] – diese und ähnliche Aussagen sind seit Jahren offizieller Tenor der deutschen Bundesregierung. Doch wie die Antwort des Bundeslandwirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage zeigt, steckt wenig Überzeugung hinter diesem Ziel. Zudem wird eine fragwürdige Sicht der Rechtslage geäußert. [2] Wir von PETA Deutschland haben uns schriftlich an die Bundesregierung gewandt, um die Dinge richtigzustellen und die Regierung aufzufordern, im Hinblick auf den Übergang zu einer tierversuchsfreien Wissenschaft mit positivem Beispiel voranzugehen.

Ausstieg aus Tierversuchen: Bundesregierung stellt sich quer

Das Niederländische Komitee zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere (NCad) ist der Ansicht, dass die Verwendung von Versuchstieren, insbesondere im Bereich der behördlich verlangten Giftigkeitstests, bis 2025 schrittweise eingestellt werden könnte. [3] Daraufhin hat die niederländische Regierung nun ein Übergangsprogramm für Innovation ohne Tierversuche ins Leben gerufen, mit dem Ziel, Vorreiter auf dem Gebiet der tierversuchsfreien Wissenschaft zu werden. [4] Die Bundesregierung hat nun fälschlicherweise behauptet, die Niederlande würden das EU-Recht verletzen, da sie bestimmte Arten von Tierversuchen verbieten wollen.

PETAs Schreiben stellt die Dinge richtig

Um es vorweg zu sagen: Die niederländische Regierung hat weder ein Verbot der Verwendung von Tieren umgesetzt, noch hat sie ein Interesse daran bekundet.

Die Beendigung von Tierversuchen, ohne dabei EU-Recht zu verletzen, wäre leicht zu erreichen. Mit dem richtigen Willen können die Mitgliedstaaten die Entwicklung und Anwendung überlegener tierversuchsfreier Methoden unterstützen und letztendlich die Forderung nach bestimmten Arten von Tierversuchen beenden. Dennoch hat die Bundesregierung es gänzlich abgelehnt, eine Strategie zur Beendigung von Tierversuchen zu entwickeln, obwohl dies das übergeordnete Ziel der EU ist. [5]

Das EU-Recht erlaubt es den Behörden ferner, die Genehmigung von Tierversuchen zu verweigern, wenn der Nutzen nicht ausreichend begründet werden kann. PETAs Research Modernisation Deal, den wir der Bundesregierung haben zukommen lassen, identifiziert zahlreiche Forschungsbereiche, in denen sich Ergebnisse aus Tierversuchen nachweislich wiederholt schlecht auf den Menschen übertragen lassen. Die Verwendung dieser Versuche sollte daher unzverzüglich beendet werden. Die Bundesregierung muss die Gelder für Tierversuche kürzen und stattdessen in die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden investieren, um die biomedizinische Forschung wirkungsvoll voranzubringen.

Über 6.000 Kaninchen missbraucht, obwohl es tierfreie Alternativen gibt

Die EU hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet, da, unter anderem, Genehmigungen für Tierversuche in Deutschland nicht unabhängig geprüft werden dürfen. Dieses Fehlen einer fundierten Prüfung scheint sich in der Zahl der in Deutschland durchgeführten Pyrogenitätstests an Kaninchen widerzuspiegeln. Bei diesem Test, für den es zugelassene tierversuchsfreie Tests gibt, wird Kaninchen eine Substanz gespritzt, um festzustellen, ob sie Fieber verursacht. Der Versuch fügt den Tieren schlimmste Qualen zu und kann zu Atemproblemen, Kreislauf- und Organversagen bis hin zum tödlichen Schock führen. Im Jahr 2018 wurden in Deutschland 6.291 dieser Tests durchgeführt [2], obwohl das EU-Recht eindeutig besagt, dass Tierversuche nicht durchgeführt werden sollen, wenn es eine wissenschaftlich gültige tierversuchsfreie Methode gibt. [5]

Seien Sie Teil der wissenschaftlichen Revolution!

Immer mehr Regierungen, Behörden und Wissenschaftler erkennen das Potenzial von tierfreien Forschungsmethoden – also von Verfahren, die Menschen helfen, ohne Tieren zu schaden. Helfen Sie uns, diese Entwicklung schneller voranzubringen und unterstützen Sie uns dabei, Entscheidungsträger auf nationaler und EU-Ebene zu einer Modernisierung der biomedizinischen Forschung und der behördlich vorgeschriebenen Tests zu bewegen:



[1] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2018, https://www.bmel.de/DE/themen/tiere/tierschutz/versuchstierzahlen2018.html, (eingesehen am 03.07.2020)
[2] Deutscher Bundestag (19.06.2020): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Kirsten Tackmann, Amira Mohamed Ali, Dr. Gesine Lötzsch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. – Drucksache 19/19838 – Forschung zu Ersatzmethoden für Tierversuche, http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/202/1920238.pdf, (eingesehen am 03.07.2020)
[3] NCad: NCad opinion: Transition to non-animal research, https://www.ncadierproevenbeleid.nl/documenten/rapport/2016/12/15/ncad-opinion-transition-to-non-animal-research, (eingesehen am 03.07.2020)
[4] Transition Programm for Innovation without the use of animals (TPI). TPI: Philosophy and Approach. https://www.transitieproefdiervrijeinnovatie.nl/binaries/proefdiervrije-innovatie/documenten/rapporten/18/06/01/tpi-philosophy-and-approach/TPI_Philosophy_and_approach_ENG_V1.PDF, (eingesehen am 12.08.2020) 
[5] Europäische Union, RICHTLINIE 2010/63/EU DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere, https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:32010L0063:DE:HTML, (eingesehen am 06.07.2020)
[6] Deutsches Primatenzentrum: Highlights unserer Forschung 2019, https://www.dpz.eu/fileadmin/content/Kommunikation/1_Internet/4_Infothek/Gedrucktes/HL_2019_HP.pdf, (eingesehen am 07.07.2020 )