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Epulu und Kitoto – ein Leben im Betonbunker im Wuppertaler Zoo

(Teil-)Erfolg: Endlich ein Außengehege für Epulu und Kitoto / Kampagne beendet

Stand Juli 2014
Über drei Jahre nach Beginn unserer Kampagne können die Schimpansen im Zoo Wuppertal zum ersten Mal ein Außengehege nutzen. Epulu und Kitoto teilen sich das Außengehege abwechselnd mit den Bonobo-Schimpansen. Dies stellt aus unserer Sicht keine optimale Lösung dar, weil die abwechselnde Nutzung eine stark verringerte Nutzungsmöglichkeit für beide Tierarten darstellt. Laut aktuellen Zoorichtlinien („Säugetiergutachten“) müsste jede Tierart ihr eigenes Außengehege haben. Im Winter beginnt ohnehin wieder die Leidenszeit für die Tiere, wenn sie witterungsbedingt ausschließlich in ihrem Betonbunker aus den 1970er Jahren eingesperrt sind. Da das Mindestziel nun erreicht ist und der Zoo zugesichert hat, die Schimpansenhaltung nach dem Ableben des etwa 45 Jahre alten Epulu aufzugeben, ist die Kampagne nun beendet. Wir werden jedoch weiterhin kontrollieren, ob die Schimpansen das Außengehege auch angemessen nutzen können. Herzlichen Dank an den gebürtigen Wuppertaler und Schauspieler Christoph Maria Herbst sowie an den Primatologen Professor Dr. Volker Sommer, die sich mit PETA öffentlich für die Tiere eingesetzt haben und natürlich an die über 22.000 Unterstützer, die im Rahmen unserer Online-Petition ihre Stimme für die beiden Menschenaffen gegeben haben.
LINK: Aktuelle Fotos und Details in unserem Veganblog.
So schlecht ging es den Affen im Wuppertaler Zoo (Video aus dem Jahr 2011):

 

 

 

In diesem kargen Betonbunker fristen die Tiere ihr Dasein.

Hintergrundinformationen

Epulu und Kitoto
Schimpansenmann Epulu ist 43 Jahre alt und wurde im Zoo Wuppertal geboren. Schimpansendame Kitoto ist 28 Jahre alt, wurde in Münster geboren und 2006 nach Wuppertal abgeschoben. Besonders traurig: Im Allwetterzoo Münster hat Kitoto in einer größeren Schimpansengruppe, gemeinsam mit ihrem Sohn, in einer Anlage gelebt, die ihr Zugang zu einem Innen- sowie einem größeren Außengehege bot. Die Münsteraner Tierpflegerin, die Kitoto 2006 in Wuppertal ablieferte, verdrückte dabei ein paar Tränen mit den Worten: „Sie kann ja auch hier schön durch die Fenster nach draußen gucken.“
Die dramatische Verschlechterung der Lebensqualität und die Aussicht auf weitere 20 bis 30 Jahre im Wuppertaler Betongefängnis sind auch für Experten nicht akzeptabel.

 

Hier hat Kitoto vor ihrer Abschiebung in den Wuppertaler Betonbunker gelebt.
Experten: Lebensbedingungen für Epulu und Kitoto grausam und rückständig
Professor Dr. Volker Sommer ist international führender Primatologe am University College London und gehört zur Menschenaffen-Expertengruppe der Weltnaturschutzunion (IUCN).
Prof. Dr. Sommer hat die Situation von Epulu und Kitoto im Wuppertaler Zoo für PETA Deutschland e.V. kommentiert: „Die gegenwärtige Haltung ist jedenfalls grausam. Eine Schande – für eine Stadt wie Wuppertal, für eine Institution wie den Zoo, für das Publikum.“ Auch zu dem kleinen Raum findet Prof. Dr. Sommer deutliche Worte: „[...] einem Gehege, das selbst Minimalanforderungen nicht erfüllt. Ihrer Zelle von 35 Quadratmetern stehen in der Wildnis leicht 35 Quadratkilometer gegenüber.“ Zudem, so Sommer, „bietet ihr Gehege viel zu wenig Abwechslung“.
Prof. Dr. Sommer fordert die Zoo-Verantwortlichen auf, sofort zu handeln: „Die Schimpansen sollten in einer größeren Gruppe leben, sie müssen Zugang zu einer Außenanlage erlangen, und ihre Umgebung muß angereichert werden. Wenn der Zoo Wuppertal das nicht leisten kann, müssen die Schimpansen andernorts eine erträglichere Unterbringung erhalten. Wenn nichts geschieht, werden diese hochsensiblen und hochintelligenten Lebewesen noch Jahre oder gar Jahrzehnte vor sich hinsiechen – wenn nicht physisch, dann psychologisch.“
Klicken Sie hier, um die gesamte Erklärung von Prof. Dr. Sommer als PDF-Datei herunterzuladen.

Der kalifornische Tierarzt Dr. Mel Richardson hat über 40 Jahre Berufserfahrung mit Wildtieren in zoologischen Einrichtungen. Nach Begutachtung der Lebensbedingungen von Epulu und Kitoto kommt auch er zu dem Schluss, dass das Schimpansen-Gehege in Wuppertal in hohem Maße ungenügend ist, da es die Erkenntnisse moderner Verhaltensforschung außer Acht lässt. Er sieht in der gegenwärtigen Haltung ein Relikt aus den traurigen Anfängen zoologischer Einrichtungen des 19. Jahrhunderts.
Klicken Sie hier, um den gesamten Original-Kommentar von Dr. Mel Richardson als PDF-Datei herunterzuladen.

 

Zoo Wuppertal unterschreitet Verbands- sowie Ministeriumsrichtlinien gleich mehrfach
Das sogenannte Säugetiergutachten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) regelt die konkreten Lebensbedingungen für Schimpansen in zoologischen Einrichtungen. Da Schimpansen in freier Natur in größeren Gruppen leben, ist laut dem Säugetiergutachten „eine dauerhafte paarweise Haltung von Schimpansen […] unnatürlich und daher abzulehnen.“

Bei der Gehegegröße sind die deutschen Richtlinien im Vergleich zu anderen Ländern mangelhaft, denn es werden nur 50 Quadratmeter je zwei Schimpansen verlangt. Im Zoo Wuppertal werden aber sogar diese geringen Mindestanforderungen deutlich unterschritten. Nach PETA Deutschland e.V. vorliegenden Informationen beträgt die Grundfläche des Schimpansen-Geheges lediglich etwa 5,8 x 6,2 Meter, also knapp 36 Quadratmeter. Zählt man die Plattformen, den Schlafbereich und einen zeitweise nutzbaren schmalen Gang, der nirgendwo hinführt, hinzu, dann liegt die effektiv nutzbare Fläche bei 40 bis maximal 45 Quadratmeter. In Österreich beispielsweise ist zusätzlich zu einem mindestens 200 Quadratmeter großen Innengehege auch ein Außengehege vorgeschrieben, das wenigstens eine Fläche von 400 Quadratmeter aufweisen muss.

Der Zoo Wuppertal ist stolzes Mitglied des Weltzooverbands (WAZA). Dies beinhaltet, dass der Zoo die Verbandsrichtlinien anerkennen und umsetzen muss. Die WAZA empfiehlt für die Haltung von Schimpansen ein Gehege von 200 Quadratmeter (innen) und zusätzlich 400 Quadratmeter (außen) sowie eine soziale Gruppenstruktur, die aus mehreren Schimpansen besteht.
Von derartigen Verhältnissen können Epulu und Kitoto in Wuppertal nur träumen, weil der Zoo die behördlichen Richtlinien sowie die eigenen Verbandsleitlinien fortwährend missachtet.

 

Schimpanse auf der Schautafel neben einem Außengehege – nur eine Illusion.
Viel Grün und eine natürliche Umgebung – für die Besucher
Viele Besucher wissen gar nicht, dass die Schimpansen keinen Zugang zu einem Außengehege haben. Da auf den Info-Schildern der Freigehege für die Gorillas und Orang Utans auch die Schimpansen abgebildet sind, wird den Besuchern suggeriert, dass auch die Schimpansen Zugang zu der Außenanlage haben. Auch im Affenhaus blickt der Besucher durch Sträucher und Bäumchen auf die Schimpansen, allerdings befindet sich das Grün VOR der Glasscheibe und dient wohl eher dazu, dem Besucher ein natürliches Umfeld vorzugaukeln.

Forderung an den Zoo Wuppertal
PETA Deutschland e.V. fordert von den Zoo-Verantwortlichen zügig eine deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen für die beiden Menschenaffen, deren Schicksal exemplarisch für das Elend unserer nächsten Verwandten in vielen zoologischen Einrichtungen ist.
Epulu und Kitoto müssen Zugang zu einer Außenanlage erhalten. Eine paarweise Haltung von Schimpansen wird von allen Experten abgelehnt und ist gemäß Richtlinien nicht gestattet. Da der Zoo kaum Kapazität haben dürfte, Platz für eine größere Schimpansengruppe mit Außengehege zu schaffen, ist eine Abgabe der Tiere wohl naheliegend. Nach den vielen Jahren in einem engen Betongefängnis muss das neue Zuhause für Epulu und Kitoto eine deutliche Verbesserung gegenüber dem jetzigen Zustand darstellen.
Während für neue Besucherattraktionen, wie den jüngst für 25.000 Euro aus Sydney eingeflogenen 30 Zwergpinguinen, jederzeit Geld vorhanden ist, wird den Schimpansen ihr Recht auf ein qualfreies Leben wegen angeblicher Geldknappheit verwehrt.
Der Zoo Wuppertal wurde von PETA bereits 2010 und auch im März 2011 für die ebenfalls mangelhafte Eisbärenhaltung heftig kritisiert. Der deutliche Besucherrückgang im letzten Jahr um knapp 27% um Vergleich zu 2009 sollte den Zoo-Verantwortlichen eigentlich signalisieren, dass die Besucher mittlerweile äußerst kritisch auf die schlimmen Zustände bei der Tierhaltung reagieren.

Schimpansen in Freiheit und in Gefangenschaft
Die Ansprüche von Schimpansen sind derart komplex, dass keine zoologische Einrichtung einen adäquaten, tiergerechten Lebensraum bieten kann. Der Zoo Wuppertal steht exemplarisch für eine Vielzahl von Zoos und Tierparks, in denen Menschenaffen unter erschreckenden und völlig inadäquaten Bedingungen leben müssen. PETA fordert daher ein generelles Zucht- und Importverbot für Menschenaffen, um die Haltung der Tiere in Zoos und Tierparks langfristig auslaufen zu lassen.
Schimpansen leben in freier Natur in Gruppen mit komplexer Sozialstruktur zusammen, die zeitweise mehrere Dutzend Tiere umfassen können. Sie nehmen dabei einen Lebensraum in Anspruch, der in Waldgebieten bis zu 50 Quadratkilometer, in Savannen sogar weitaus mehr betragen kann. Schimpansen sind die nächsten Verwandten des Menschen, das Erbgut beider Spezies gleicht sich bis zu 98 Prozent. Nach Meinung vieler Primatologen steht hinter der Fähigkeit der Schimpansen, eigenhändig Werkzeuge herzustellen und auch zu benutzen, logisches Denken und sogar eine eigene Kultur.