6 wichtige Signale in der Kommunikation zwischen Hund und Mensch

8,6 Millionen Hunde (1) leben als tierische Mitbewohner in deutschen Haushalten. Der Hund nutzt viele unterschiedliche Möglichkeiten, sich über Körpersprache, Gerüche, Töne und Berührungen auszudrücken. Auch in der Kommunikation mit uns Menschen werden diese Signale eingesetzt. Die Körpersprache ist die wichtigste Form des Hundes, uns sein Befinden mitzuteilen. Leider wird diese Hundesprache häufig fehlinterpretiert. Immer wieder kommt es zu Missverständnissen, unter denen Hund und Mensch leiden, bis hin zu tragischen Beißvorfällen.



Nachfolgend finden Sie sechs wichtige Ratschläge zur Hundesprache:


1. Beschwichtigungssignale / Calming signals

Der Hund nützt sie um Anspannung abzubauen, Konflikte zu vermeiden, sich selbst zu beruhigen und sein Gegenüber freundlich zu stimmen. Sie sind mit die wichtigsten Signale, die unser tierischer Mitbewohner tagtäglich aussendet.

Häufige Signale sind: gähnen, Kopf abwenden, Bewegungen verlangsamen (Trödeln), Nase lecken/Mund lecken, auf dem Boden schnüffeln, einen Bogen gehen, urinieren, sich kratzen.

Alle diese Signale sind nicht nur Beschwichtigungssignale, denn natürlich gähnen Hunde auch, wenn sie müde sind oder lecken sich nach dem Essen über den Mund. Sie sind immer situationsabhängig.



2. Welpenschutz

Es wird häufig angenommen, dass Junghunde und Welpen einen gewissen Schutz unter den Artgenossen besäßen. Diese Annahme ist falsch. Eine erhöhte Toleranz genießen Welpen nur im eigenen Rudel. Deshalb ist bei der Zusammenkunft eines Welpen mit einem anderen Hund immer darauf zu achten, dass man
  • den Welpen und seinen Spielgefährten wachsam beobachten sollte
  • im Fall einer Bedrängnis des Welpen unbedingt eingreift - denn häufig werden Drohgesten des älteren Tieres vom Welpen nicht erkannt
  • nicht blind darauf vertraut, dass jeder Hund gut sozialisiert ist.



3. Schwanzwedeln

Das Wedeln mit der Rute/ mit dem Schwanz hat unterschiedliche Gründe. Nicht immer drückt ein Wedeln Freude aus. Einzig wird hierbei ein Erregungszustand gezeigt – positiver oder negativer Art. Schwanzwedeln mit erhobener Rute drückt beispielsweise meist Freude aus, Schwanzwedeln mit heruntergezogener Rute hingegen Unsicherheit oder Angst. Da es Hunde gibt, die aus Angst beißen, ist auch hier in allen Fällen Vorsicht geboten. Zum Schwanzwedeln immer die gesamte Körperhaltung des Hundes betrachten!




4. Hund umarmen

Auch wenn viele Menschen durch eine Umarmung ihre starke Verbundenheit ausdrücken möchten, sollte eher davon Abstand genommen werden. Der Hund empfindet eine Umarmung häufig als Zeichen von Dominanz und fühlt sich eingeschüchtert. Die Umarmung empfindet er meist als unangenehm. Auch hier gibt es wieder einige Signale, die der Hund aussendet, um uns zu zeigen, dass er die Umarmung nicht angenehm findet: Augen weit aufgerissen, das Weiße ist zu sehen; Mund/ Nase lecken oder gähnen; Augen werden geschlossen, der Kopf weggedreht; Schütteln; Ohren sind angelegt.

Liebevolle Zuneigung sollte in diesem Fall besser anders vermittelt werden. Dies kann beispielsweise durch eine Extra-Spieleinheit geschehen oder durch eine Belohnung mit dem Lieblingsleckerli.




5. Knurren

Dass der liebste tierische Mitbewohner seinen Menschen anknurrt, kann aus vielfältigen Gründen geschehen. Ein Knurren sollte immer ernst genommen werden. Gründe dafür könnten sein: Schmerzen, Unwohlsein, Angst, Beuteverteidigung, Frust.

Hören Sie auf Ihren Hund! Was ist der Auslöser des Knurrens? Was möchte er damit zum Ausdruck bringen? Wichtig ist: nicht schimpfen, die Situation ernst nehmen und nach der Ursache forschen.
Bei Knurren um Futter kann beispielsweise mit einem Tauschgeschäft (anderes Leckerchen, Lieblingsspielzeug …) gearbeitet werden. Sollten Sie sich unsicher sein, ziehen Sie einen professionellen Hundetrainer hinzu.


6. Kopf und Gesicht streicheln

Nicht jeder Hund möchte am Kopf gestreichelt werden. Viele Hunde erdulden zwar die Situation, doch ist ihnen diese häufig sehr unangenehm. Oft wird der Kopf als „Belohnung“ auch im Training getätschelt, was häufig dazu führt, dass der Hund dies nicht als Belohnung, sondern als Bestrafung empfindet und diese Handlung nicht mit positivem Verhalten assoziiert. Möchten Sie den Hund streicheln, dann gehen Sie am besten in die Hocke und kraulen ihn seitlich am Hals, am Rücken und der Schwanzwurzel. Überlegen Sie sich immer, ob der Hund diese Streicheleinheit möchte und akzeptieren Sie es, wenn er sich von Ihnen abwendet.




Auch wenn die Körpersprache der Vierbeiner manchmal kompliziert scheint, lohnt es sich immer, sich die Zeit zu nehmen, um in Ruhe zu beobachten. Hierdurch kann man am besten verstehen welche Signale der Hund nutzt, um sich auszudrücken. So wird das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier um einiges einfacher und für beide Seiten schöner.



Quellen:
(1) Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V.; Industrieverband Heimtierverband e.V.: Der deutsche Heimtierbedarfsmarkt (2016) - Online unter: www.zzf.de/fileadmin/files/ZZF/Marktdaten/ZZF_IVH_Der_Deutsche_Heimtiermarkt_2016_A4.pdf. Letzter Zugriff: 06.11.2017