Spenden
 »  »  »  »  » Mohair - Wie Angoraziegen für Wolle leiden

Was ist Mohair?

Themenschwerpunkt
 
Banner
 
 
Empfohlene Beiträge

Wie Angoraziegen für Wolle leiden

Stand November 2017
Mohair ist eine lange, glatte Tierwolle, die häufig in Pullovern, Hüten und anderen weichen Accessoires verwendet wird. Die feinen Haare stammen von der Angoraziege. Oft verwechselt wird es jedoch mit Angorawolle, die von häufig lebendig gerupften Angorakaninchen stammt.


Stress und Blut bei der Schur

Ein Großteil des weltweit verkauften Mohair kommt aus Südafrika, der Türkei, Lesotho und Texas. Angoraziegen werden hauptsächlich aufgrund ihrer dicken Unterwolle gezüchtet und normalerweise zwei Mal pro Jahr geschoren – das erste Mal oft schon als Kitz mit sechs Monaten. (1), (2)

Um an das Mohair zu gelangen, binden Arbeiter die Beine der Ziegen zusammen, drücken die Tiere zu Boden und scheren sie mit elektrischen Schermaschinen oder großen Scheren (3), (4). Häufig werden die Tiere dabei verletzt und tragen klaffende Wunden davon. (5) Und weil Angoraziegen Beutetiere sind, ist es für sie besonders beängstigend, derart zu Boden gedrückt zu werden.


Verstümmelungen in der Mohairindustrie

Arbeiter schneiden vielen Ziegen schon kurz nach der Geburt ihre Hörner mit glühend heißen Eisen ab oder entfernen sie mittels ätzenden Chemikalienpasten. Männliche Tiere werden mit einem Gummiring kastriert, der die Blutzufuhr abklemmt – eine extrem schmerzhafte Prozedur, die zudem zu einer Tetanusinfektion führen kann. (6)


Tod durch Unterkühlung

Die Schur nimmt den Angoraziegen ihren natürlichen Witterungsschutz. Denn im Gegensatz zu Schafen verfügen Angoraziegen nicht über mehrere Schutzschichten aus Körperfett. Steht den Tieren in den 4 bis 6 Wochen nach der Schur kein geeigneter Unterschlupf zur Verfügung, kann die Todesrate in den Herden sehr hoch ausfallen. Aufgrund der Unterkühlung sind sie außerdem äußerst anfällig für Infektionen, Mangelernährung und andere Probleme, die zum Tod führen können. (7)

Eigentlich können Angoraziegen 10 Jahre alt werden. Doch Dürren, Krankheiten, eine mangelnde Fortpflanzungsfähigkeit oder schlechte Qualität des Fells nach einigen Jahren besiegeln den Tod der Ziegen. Dann sind sie für die Mohairindustrie nicht mehr von Nutzen und werden ein letztes Mal geschoren, bevor man sie in vielen Fällen an Schlachtunternehmen verkauft. Die Arbeiter scheuchen die Tiere auf Lastwägen und transportieren sie bis zu 35 Stunden lang ohne Nahrung und Wasser. (8), (9)


Todeskampf im Schlachthaus

Am Schlachthof angekommen werden Angoraziegen mit Bolzenschussgerät oder Elektroschocks versucht zu betäuben bevor ihnen ein Arbeiter die Kehle aufschlitzt. (10) Neben Mohair ist insbesondere das Fleisch der Ziegenbabys begehrt, welches man Capretto nennt. Ziegenfleisch wird teils Chevon genannt, um sein Image als europäische Delikatesse zu fördern. (11) Wer Mohair kauft, trägt auch dazu bei, dass diese Tiere für die Fleischproduktion gezüchtet und getötet werden. 


Umweltschäden durch Ziegenhaltung

Zudem schadet die Mohairindustrie der Umwelt. Für jedes Pfund Mohair müssen die Ziegen 40 bis 50 Pfund qualitativ hochwertiges Futter essen. Die Landfläche, auf der diese Nutzpflanzen angebaut werden, könnte man stattdessen nutzen, um direkt menschliche Nahrung anzubauen. Zu hohe Bestandsgrößen und Überbeweidung sind keine Seltenheit und führen zu Landdegradierung, insbesondere in Lesotho. Das Land ist der zweitgrößte Produzent von Mohair und behördliche Umweltschutzregulierungen werden selten durchgesetzt. (12)

Was Sie tun können

Nichts ist weich und kuschlig an einer Industrie, die jedes Jahr Millionen Ziegen misshandelt und später tötet. Es gibt so viele warme, gemütliche und stylische Pflanzen- und Kunstfasern, wie Baumwolle, Tencel, PolyLana oder Sojaseide. Bitte schauen Sie beim Shopping auf das Etikett und kaufen und tragen Sie vegane Mode, um Tiere und Umwelt zu schützen.



Quellen:
  1. Jensen, Harriet L./ Holcomb, George B/Kerr, Howard W. Jr (1993): Angora Goats. A Small-Scale Agriculture Alternative. Davis: University of California. http://sfp.ucdavis.edu/pubs/brochures/ANGORA/ (19.10.2017)
  2. Jordan, R. M.  (1990): RP375 Angora Goats in the Midwest. Historical Materials from University of Nebraska-Lincoln. Extension. 240. http://digitalcommons.unl.edu/extensionhist/240 (20.10.2017)
  3. Michael Cavanagh (2014). Fleecing goats different to sheep. NSW Country Hour. ABC News. 07.05.2014. http://www.abc.net.au/news/rural/2014-05-07/goat-shearing-fleece/5435802 (20.10.2017)
  4. Siehe Jensen et. al. (1993)
  5. Schatz, Karl (2004): Shear Excitement in Sonora. Online: http://www.karlschatz.com/yearofthegoat/archives/000087.shtml (20.10.2017)
  6. Dalto, Dr Clive: Castrating and dehorning angora goats. In: Lifestyleblock New Zealand. https://www.lifestyleblock.co.nz/lifestyle-file/livestock-a-pets/goats/angora-goats/item/732-castrating-and-dehorning-angora-goats (20.10.2017)
  7. McGregor, B. A. (2000): Avoiding weather induced deaths of goats. Goat Specialist Agriculture Victoria, VIC, Attwood. http://www.acga.org.au/goatnotes/B019.php (20.10.2017)
  8. Craddock, Frank Dr. (2007): Angora Goats: A ‘Shear’ Delight! San Angelo: Texas A&M University. http://sanangelo.tamu.edu/files/2011/11/AngoraGoatsAShearDelight_1.pdf (20.10.2017)
  9. Coppedge, Clay (2012): Sheep & goat markets respond to Texas drought. Country World. 11.06.2012. http://goatrancherupdate.blogspot.de/2012/06/sheep-goat-markets-respond-to-texas.html (20.10.2017)
  10. Chambers, Philip G./ Grandin, Temple (2001): Guidelines for humane handling, transport and slaughter of livestock. Chapter 7 Slaughter of livestock. Bangkok: FAO Regional Office for Asia and the Pacific. http://www.fao.org/docrep/003/x6909e/x6909e09.htm (20.10.2017)
  11. The Goat Guide: Goat Meat – Chevon and Capretto. http://thegoatguide.com/caprine-goat-information/goat-uses/what-does-goat-meat-taste-like-goat-is-known-as-chevon-or-capretto/ (20.10.20217)
  12. Siehe Craddock (2007)
  13. Foster, Max (2014) Emerging Animal and Plant Industries, Their Value to Australia. Prepared by ABARES for the Rural Industries Research and Development Corporation.