Hinter den verschlossenen Türen des indischen Auftragslabors Palamur Biosciences Pvt. Ltd., das Medikamente, Pestizide und medizinische Geräte an Tieren testet, spielt sich grausamer Tiermissbrauch ab. Auch für ausländische Auftraggeber:innen wurden in diesem Labor Tiere gequält und unter schockierenden Bedingungen gehalten, so beispielsweise für Kund:innen in den USA und möglicherweise auch in der EU. Erfahren Sie hier alle Details zu den schrecklichen Zuständen in einem der größten Tierversuchslabore Indiens.
Eines der größten Tierversuchslabore Indiens als Horrorhaus entlarvt
Das von PETA Indien im Rahmen einer erstmals durchgeführten Whistleblower-Ermittlung untersuchte Tierversuchslabor bezeichnet sich selbst als „einen der größten Anbieter präklinischer Dienstleistungen“ in Indien. Dank Whistleblower:innen konnte PETA Indien das grausame Vorgehen in diesem Labor für Auftragsforschung aufdecken. Unter anderem wurde dokumentiert, dass Beagles blutend auf dem Boden liegen, Minischweine vergiftet und Rhesusaffen getötet werden.
Im Oktober 2024 reichte PETA Indien bei den Behörden eine offizielle Beschwerde über die scheinbar nicht genehmigten Versuche von Palamur Biosciences an Rhesusaffen ein.
Die Informationen, die PETA Indien dann erreichten, waren schwer zu ertragen: Whistleblower:innen meldeten sich mit erschütternden Aussagen, Bildern und Filmmaterial aus dem Inneren des Labors. Das von ihnen geschilderte Tierleid ist nicht nur grausam, sondern scheint sogar kriminell zu sein.
Zu viele Hunde, zu wenig Platz
Das Unternehmen führt nicht nur Tierversuche durch, sondern betreibt auch einen großen Beagle-Zuchtbetrieb. Whistleblower:innen berichteten, dass dort etwa 1.500 Hunde in überfüllten Käfigen eingepfercht waren und zahlreiche Tiere beengt in viel zu kleinen Räumen leben mussten, die eigentlich nur für zwei Hunde gedacht waren. Berichten zufolge wurden die Hunde aufgrund des unzureichenden Platzes und fehlender Beschäftigungsmöglichkeiten aggressiv, hatten keinen ausreichenden Zugang zu Nahrungund bissen sich oft aus Frustration gegenseitig. Dies führte zu blutigen und abgerissenen Ohren und anderen Wunden – die Tiere erhielten jedoch keine Schmerzmittel.
Wer keinen „Nutzen“ mehr erfüllt, muss sterben
Ein Whistleblower berichtete, dass in dem Labor ein Hund mit einer behandelbaren Augenkrankheit nicht als Patient, sondern als Belastung angesehen wurde. Ein Beagle mit einer Pilzinfektion würde wohl eher getötet als behandelt werden. PETA Indien erfuhr, dass in einem einzigen Fall wohl über 100 Hunde getötet wurden, weil sie nicht mehr als „nützlich“ angesehen wurden.
Affen der Wildnis entrissen und schwere Infektionen verheimlicht
Das Tierversuchslabor scheint in der Wildnis gefangene Rhesusaffen aus Rajasthan erhalten zu haben, auch über einen dubiosen Händler. Bei medizinischen Untersuchungen dieser fühlenden Tiere kam in mehreren Fällen der Verdacht auf, dass sie das Affenpocken-Virus in sich tragen, das auch auf den Menschen übergehen kann. Anstatt die Behörden zu alarmieren, tötete das Labor die Affen angeblich heimlich, um diese Information vor der Öffentlichkeit zu verbergen.
Zudem wurden Affen, die zusammen mit potentiell infizierten Artgenossen transportiert wurden, anscheinend erst eine Woche nach ihrer Ankunft im Labor erneut getestet – obwohl die Inkubationszeit des Virus länger sein kann. Diese Affen wurden dann in Experimenten missbraucht, wobei selbst eine unentdeckte Affenpockeninfektion die Versuchsergebnisse stark verfälschen könnte.
Ferkel nur gezüchtet, um sie zu töten
Einem Whistleblower zufolge hat das Unternehmen gar keine Lizenz für die Zucht von Minischweinen. Als also ein Minischwein unerwartet Ferkel zur Welt brachte, wurden Berichten zufolge alle Babys getötet. Die Schweine sind offenbar in kargen Käfigen eingesperrt. Obwohl behauptet werde, den Schweinen eine artgerechte Umgebung zu bieten, werden sie in Wirklichkeit, so ein Whistleblower, nur für die Experimente oder um sie Besucher:innen vorzuführen aus den Käfigen geholt.
Systematisches Leid: So sehen die Tierversuche in Indiens größtem Vertragslabor aus
- Chemikalien wurden unter die Haut gespritzt – Berichten zufolge verursachten sie Abszesse und Infektionen, sodass sich manche Hunde nicht einmal mehr bewegen konnten.
- Medikamente wurden den Tieren in die Kehle gezwungen, was zu Abszessen, Gewichtsverlust und einem qualvollen Tod geführt haben soll.
- Blutige Wunden, unbehandelte Schmerzen und kein Mitgefühl, ein Whistleblower sagte ganz offen: „Es ist wie in der Hölle.“
Missbrauch ist nicht die Ausnahme, sondern tägliche Routine
Berichten zufolge traten die Mitarbeitenden die Hunde, klemmten deren Pfoten und andere Gliedmaßen in Käfigtüren ein und behandelten die Tiere so grob, dass Knochen gebrochen wurden. Die Aufnahmen zeigen Beagles, die vor Schmerzen wimmern. Ein Arbeiter gestand: „Wenn keine Kund:innen oder Vorgesetzten in der Nähe sind, machen wir uns nicht die Mühe, die festgelegten Vorgaben anzuwenden.“
Die letzten Momente: Verängstigt, wach und allein
Bei der Tötung der Hunde setzte das Unternehmen Berichten zufolge das Medikament Thiopental ein, ohne sie vorher zu betäuben. Scheinbar wurde den Ferkeln eine Spritze ins Herz gegeben, um sie zu töten.
Bilder, von denen das Labor hoffte, dass sie nie öffentlich werden
PETA Indien hat belastende Fotos und Videos geprüft, die sie von Insider:innen des Tierversuchslabors erhalten hat. Sie zeigen:
- Einen Hund mit einem unbehandelten und geschwollenen Halsabszess.
- Beagles mit grob genähten Wunden von Käfigkämpfen.
- Schweine mit blutigen Mündern.
- Einen Hund in einer Blutlache.
- Ein im Labor geborenes Ferkel, das getötet wurde, bevor es überhaupt seine ersten Schritte machen konnte.


Nun ermittelt auch die Polizei
Die aufgedeckten Zustände sind kein Einzelfall. Sie geben einen Einblick in ein System, in dem Tiere missbraucht und wie leblose Ware behandelt werden.
PETA Indien hat formelle Beschwerde bei den Regierungsbehörden eingereicht und fordert:
- Die dauerhafte Einstellung aller Tierversuche bei Palamur Biosciences und die sofortige Schließung des Zuchtzentrums.
- Sofortige Beschlagnahmung und Rehabilitierung aller Tiere in Gewahrsam von Palamur Biosciences.
- Strafverfolgung der Verantwortlichen.
- Stärkere Durchsetzung der Tierschutzgesetze.
- Umstellung auf hochmoderne, tierfreie Forschungsmethoden.
Nun hat die indische Polizei gegen Palamur Biosciences eine strafrechtliche Untersuchung wegen offensichtlicher Verstöße gegen Tierschutzgesetze eingeleitet.
Die Polizei prüft Anklagen wegen illegaler Tötung und Verstümmelung von Tieren sowie wegen Verstößen gegen geltende Vorschriften bei der Tötung von Tieren. Zudem wird untersucht, ob der Schutz vor der Übertragung von Krankheiten auf den Menschen mangelhaft war und das Labor fahrlässig gehandelt hat. Die Polizei ermittelt auch, ob Palamur Biosciences gegen das indische Gesetz zum Schutz wildlebender Tiere verstoßen hat, indem das Unternehmen geschützte Rhesusaffen illegal gejagt und gefangen hat.
Wie PETA USAs historischer Fall der Silver-Springs-Affen 1981 in Maryland ist auch diese erste strafrechtliche Untersuchung eines Labors in Indien ein Wendepunkt für die Tiere und die Tierbefreiungsbewegung.
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