Wenn Leidenschaft für Tierschutz, kulinarische Kreativität und die Vision einer rein pflanzlichen Zukunft zusammentreffen, entstehen Projekte, die weit über den Tellerrand hinaus wirken. Gemeinsam mit dem veganen Sternekoch Nir Rosenfeld und dem Team seines preisgekrönten Frankfurter Restaurants Life.Deli hat PETA Deutschland ein Gericht entwickelt, das nicht nur satt, sondern auch bewusst macht: die „No Lamb No Cry“-Bowl.
Nahöstlich inspiriert, vollgepackt mit Aromen und powered by Erbsenprotein-Köfte statt Lamm zeigt die Bowl eindrucksvoll, wie moderne Küche Genuss und Haltung miteinander vereinen kann. Mit 100 % Geschmack und 0 % Tierleid.
Im Interview verrät uns Norik Loki Sodencamp, Küchenchef des Life.Deli, wie diese besondere Zusammenarbeit entstand, worauf es bei der Entwicklung der Bowl ankam und warum „No Lamb No Cry“ weit mehr ist als nur ein Gericht.
PETA-Interview mit Life.Deli-Küchenchef Norik Loki Sodencamp
Wie kam es dazu, dass Life.Deli gemeinsam mit PETA ein veganes Gericht auf die Karte bringt – und was hat dich an der Idee sofort angesprochen?
Das hat sich eigentlich ganz organisch ergeben. Nir Rosenfeld, unser Gründer, hatte schon länger Kontakt zu PETA – und als da die Idee im Raum stand, ein gemeinsames Signature-Dish zu entwickeln, kam Alicia, unsere Betriebsleiterin, direkt auf mich zu. „Norik, das wär genau dein Ding“, hat sie gesagt. Ich war ehrlich gesagt erstmal ein bisschen baff – ich mein, PETA will, dass ich für sie koche?
Aber je länger ich drüber nachgedacht hab, desto klarer wurde: Das passt. Ich koche vegan aus Überzeugung, nicht weil’s grad Trend ist, sondern weil’s für mich Sinn ergibt – ethisch, kulinarisch, alles. Die Idee, mit einem Gericht ein Statement zu setzen, hat mich direkt gekriegt. Und dann kam auch schon der Moment: „Norik, jetzt koch das mal.“
Was mich daran so gereizt hat? Dass es eben nicht nur ums Kochen geht – sondern auch darum, was ein Gericht auslösen kann, wenn es eine Geschichte erzählt.
„No Lamb No Cry“ ist ein kreativer Name – was steckt kulinarisch und symbolisch hinter dem Gericht?
Der Name macht erstmal gute Laune – und genau das wollten wir. Aber dahinter steckt natürlich mehr: Es geht darum zu zeigen, dass du kein Lamm brauchst, um ein richtig gutes Gericht auf den Teller zu bringen. Kein Verzicht, sondern ein neues Verständnis von Genuss.
Kulinarisch ist es eine Bowl, inspiriert von Levante-Küche, also mit vielen warmen Gewürzen, frischen Kräutern, Röstaromen, Crunch und Cremigkeit – das ganze Programm. Symbolisch steht sie für eine Küche mit Haltung: modern, pflanzlich, lebensfroh. Für mich ist das nicht nur ein Gericht, sondern ein kleiner Beitrag zu einer größeren Bewegung.

Welche Rolle spielt vegane Küche generell in eurem gastronomischen Konzept?
Eine ziemlich zentrale. Alles bei uns ist vegan – von Anfang an. Aber wir machen kein Riesentheater drum. Es geht nicht um Dogma, sondern um eine neue Art, Essen zu denken: kreativ, mutig, hochwertig.
Ich sag oft: Wir kochen nicht „trotzdem vegan“, sondern weil vegan. Weil’s gut ist – für die Tiere, für die Umwelt, aber auch für den Geschmack. Und weil’s einfach richtig gute Küche sein kann, wenn man weiß, was man tut.
Was bedeutet dir persönlich das Thema Tierrechte – und wie beeinflusst es deine Arbeit als Küchenchef?
Tierrechte sind für mich kein Randthema, sondern ein Grundwert. Ich will niemandem was vorschreiben – aber für mich war irgendwann klar: Ich will nicht Teil eines Systems sein, das Tiere leiden lässt.
Das heißt: Ich koche so, dass kein Tier dafür sterben oder leiden muss. Punkt. Das beeinflusst alles – wie ich einkaufe, wie ich Rezepte entwickle, wie ich mit meinem Team rede. Für mich ist Kochen auch Verantwortung – aber eben mit Spaß, nicht mit erhobenem Zeigefinger.
Welche Herausforderungen und Chancen siehst du bei der Umsetzung veganer Gerichte in der Gastronomie?
Die größte Hürde ist meistens im Kopf der Gäst:innen. Dieses „Mal sehen, ob das schmeckt“ – das hör ich oft. Aber genau da liegt auch die Chance. Wenn du Leute überraschst, wenn sie mit großen Augen dastehen und sagen „Das ist vegan?!“ – dann weißt du, du hast was richtig gemacht.
Für uns Köch:innen ist es manchmal eine Umstellung, weil viele Techniken aus der klassischen Küche wegfallen. Aber gleichzeitig eröffnet das neue Wege. Du musst kreativer werden, anders denken – und das macht richtig Spaß, wenn man sich drauf einlässt.
Wie reagieren eure Gäst:innen auf vegane Angebote – und insbesondere auf das neue Gericht?
Sehr offen, sehr positiv. Manche kommen bewusst wegen der veganen Küche, andere stolpern eher zufällig rein – aber viele sind am Ende echt überrascht, wie abwechslungsreich und „rund“ das alles ist.
Bei „No Lamb No Cry“ bleibt schon der Name hängen. Und wenn dann noch die Aromen und die Optik stimmen, ist die Sache rund. Ich hör oft: „Das hätt ich nicht erwartet.“ Und das ist für mich das schönste Kompliment.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in eurer Küche – und wie ergänzt sie die Idee des veganen Kochens?
Nachhaltigkeit ist bei uns keine Extraschicht, sondern Grundvoraussetzung. Vegan zu kochen ist ja schon ein Riesenschritt – weniger Emissionen, weniger Ressourcen, klar. Aber wir gehen noch weiter: Wir schauen auf regionale Zutaten, kurze Wege, saisonale Gerichte und versuchen, möglichst wenig Food Waste zu produzieren.
Für mich gehört das alles zusammen: Wer achtsam mit Zutaten umgeht, denkt automatisch nachhaltiger. Das ist ein ganzheitliches Ding – und ein ziemlich schönes obendrein.
Wie siehst du die Entwicklung pflanzlicher Ernährung in der Gastronomieszene?
Es tut sich viel – endlich. Vegane Küche kommt aus der Nische raus, wird selbstbewusster, vielfältiger, professioneller. Es geht nicht mehr nur um Alternativen, sondern um echte neue Klassiker.
Für uns junge Köch:innen ist das ’ne riesige Spielwiese – du kannst dich kreativ austoben, du musst nicht alles neu erfinden, aber du darfst. Und die Gäst:innen? Die sind neugierig. Und offener als viele denken.
Was war dir bei der Zusammenarbeit mit PETA besonders wichtig?
Dass es ehrlich bleibt. Kein Werbeding, sondern echte Überzeugung. Ich wollte was auf den Teller bringen, das nicht nur gut schmeckt, sondern auch etwas auslöst. PETA hat uns da komplett freie Hand gelassen – das war mir wichtig.
Die Message war klar: Es geht auch anders – tierfrei, fair, lecker. Und das gemeinsam mit so einer bekannten Organisation umzusetzen, das war für mich schon was Besonderes.
Was würdest du Menschen mitgeben, die noch zögern, vegane Gerichte auszuprobieren?
Ganz direkt? Hör auf zu zögern, fang an zu essen. Die Angst, dass da „was fehlt“, ist total überholt. Klar – wenn man nur lieblos Alternativprodukte aufwärmt, kommt kein Feuer rüber. Aber wenn jemand mit Leidenschaft und Ahnung kocht, merkst du schnell: Da fehlt nix. Außer vielleicht das schlechte Gewissen.
Und wer’s nicht glaubt – kommt vorbei, probiert „No Lamb No Cry“ – und sagt mir dann, ob das wirklich noch zögerwürdig ist.

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